So bekommen Sie unterwegs Ihr Bike wieder flott

Stefan Frey

 · 09.09.2015

So bekommen Sie unterwegs Ihr Bike wieder flottFoto: Oskar Enander

Wer in der Pampa eine Panne hat, ist auf sich allein gestellt. Diese Handgriffe für die Notfallreparatur sollte jeder draufhaben. Wir zeigen, wie Sie sich ohne Spezialwerkzeug aus der Patsche helfen.

Montageständer, Werkzeugwand, Druckluftkompressor – so sieht die Standardausrüstung einer Fahrradwerkstatt aus. Dominik Scherer, BIKE-Mechaniker und Selbsterfahrungsradler, hält es da etwas spartanischer: Er schleppt in seinem Rucksack stets zwei Wasserrohrzangen durch die Bayerischen Voralpen. Laut Scherer gibt es kaum einen Defekt, den er auf seinen Abenteuer-Trips damit nicht wieder geradebiegen kann. Weniger begabte Tüftler sollten die anderthalb Kilo vielleicht in eine etwas umfassendere mobile Werkstatt investieren. Die Liste der Defekte, die Bikern die Tour vermiesen können, ist nämlich nahezu endlos. Immer wieder steht man vor Problemen, die einem so noch nicht untergekommen sind. Gebrochene Pedalachsen, leckgeschlagene Federgabeln oder streikende Teleskop-Stützen – es gibt Situationen, in denen würde sogar MacGyver sein Schweizer Taschenmesser frustriert ins Gebüsch pfeffern. In den meisten Fällen allerdings hilft Geduld und ein wenig Improvisationstalent.

Grundvoraussetzung allerdings ist das richtige Werkzeug. Das beginnt schon beim passenden Mini-Tool. Selbst üppig ausgestattete Klappwerkzeuge wiegen selten mehr als ein oder zwei Bananen. Im Ernstfall stellen Alleskönner wie der Klassiker Alien DX von Topeak (zirka 50 Euro) über zehn grundverschiedene Funktionen zur Verfügung, die ansonsten schon mal einen halben Werkzeugkasten füllen können. Wichtig ist: Kaufen Sie nie einfach nur das nächstbeste Mini-Tool, weil es gerade im Angebot ist, oder weil es der Radhändler als Zugabe zum neuen Bike in die Einkaufstasche legt. Das Mini-Tool sollte immer auf Ihr Rad abgestimmt sein. Prüfen Sie also vor dem Kauf, ob Sie eventuell Spezialwerkzeuge benötigen, wie etwa Nippelspanner für Systemlaufräder oder verschiedene Torx-Größen. Außerdem sollte Ihr Mini-Tool gut in der Hand liegen und hochwertig verarbeitet sein. Bei gebrochenen Werkzeugen oder abgedrehten Schrauben ist Frust quasi vorprogrammiert. Neben einem Mini-Tool gehören selbstverständlich Ersatzschlauch und Mini-Pumpe zur unverzichtbaren Grundausstattung auf wirklich jeder Tour.

Was Sie außerdem noch in Ihren Rucksack packen sollten und wie Sie Pannen auch ohne besondere Hilfsmittel beheben, zeigen wir Ihnen in dieser Workshop-Serie.


EIN MOBILES ERSATZTEILLAGER...

...können Sie sich schnell und einfach selber basteln. Klebeflicken für den Schlauch, ein getaptes Stück Cola-Dose, ein Kettenschloss, Nadel und Faden sowie Sicherheitsnadeln für löchrige Klamotten und eine abisolierte Lüsterklemme für gerissene Schaltzüge.

  Das mobile Ersatzteillager wiegt nur 100 Gramm.Foto: Daniel Simon
Das mobile Ersatzteillager wiegt nur 100 Gramm.

Das alles lässt sich prima in einer leeren Kaugummi-Dose verstauen. Legt man noch einen Schnürsenkel dazu, kann auch nichts klappern. Die Dose haben wir mit ein paar Lagen Gewebeband umwickelt, damit lässt sich so ziemlich alles reparieren. Am Ende kleben wir dazu noch ein paar Kabelbinder und Speichen in der passenden Länge. Das Ganze wiegt gerade mal etwa 100 Gramm und passt in jeden Bike-Rucksack.


MULTITALENT WASSERROHRZANGE

Speichennippel oder Schaltzüge spannen, Schaltaugen zurechtbiegen, Bremsbeläge entfernen und vieles mehr: Das geht zur Not auch mit der Wasserrohrzange. Ein Mini-Modell von Knipex (150 Millimeter, ca. 20 Euro) habe ich immer im Rucksack. Die scharfen Klemmbacken können zwar das Material angreifen, aber das ist immer noch besser, als zu Fuß nach Hause zu laufen.

  Hans-Peter Ettenberger, BIKE Werkstattleiter, schwört auf das Multitalent "Wasserrohrzange".Foto: Daniel Kraus
Hans-Peter Ettenberger, BIKE Werkstattleiter, schwört auf das Multitalent "Wasserrohrzange".


PANNENHELFER

Racer und Touren-Biker haben ganz unterschiedliche Ansprüche ans Material. Klein und leicht oder aber möglichst umfassend: Das sollten Sie im Rucksack oder in der Trikottasche dabeihaben:


ON TOUR: Eine entspannte Tages-Tour in den Bergen ist kein Wettkampf. Folglich spielt es keine Rolle, ob Sie ein paar Gramm mehr oder weniger im Rucksack herumfahren. Wichtiger ist das gute Gewissen, für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Links im Bild zeigen wir eine Standard­ausrüstung, die in jeden Touren-Rucksack gehört. Neben einem voll ausgestatteten Mini-Tool sollten Sie auf jeden Fall einen Ersatzschlauch, Flickzeug und einen stabilen Reifenheber einpacken. Mit einem Erste-Hilfe-Set können Sie zumindest kleine Biker-typische Verletzungen versorgen. Da es bei einer Bike-Tour nicht um Sekunden geht, reicht auch eine Mini-Pumpe. Das Geld für teure CO2-Kartuschen kann man sich sparen. Auch eine zusätzliche Dämpferpumpe macht Sinn. Gegen quietschende Ketten hilft ein kleines Fläschchen Kettenöl, und den kleinen Hunger zwischendurch stillt ein ordentlicher Riegel. Kleinteile wie Kettenschloss, Kabelbinder oder ein Schnürsenkel sind im Rucksack eigentlich immer sinnvolle Begleiter.

Foto: Daniel Simon

Das sollte der Tourenbiker im Rucksack haben:


IM RENNEN geht es um Sekunden. Jedes Gramm Mehrgewicht, das Sie den Berg hochschleppen müssen, bringt Sie ein Stückchen weiter von Ihrer persönlichen Bestleistung weg. Doch auch beim Marathon sollte man einen gesunden Kompromiss aus Gewicht und Sicherheit finden. Wer bereits von vornherein weiß, dass ein größerer Defekt eh alle Siegchancen zunichte Macht, setzt auf Risiko und beschränkt sich auf ein minimalistisches Tool und ein Pannen-Spray, das den Reifen gleichzeitig abdichtet und mit Luft befüllt. Wer auf jeden Fall durch den Zielbogen rollen möchte, sollte etwas mehr Gewicht in Kauf nehmen. Ein mittelgroßes Mini-Tool mit Kettennieter sollte dann auf jeden Fall in der Trikot­tasche stecken. Dazu ein Kettenschloss, das die Kette in wenigen Sekunden wieder sicher verschließt. Ein leichtes Paar Reifenheber und ein Ersatzschlauch helfen bei Platten weiter. Eine Druckluft-Kartusche (Achtung: 29er-Reifen benötigen meist eine größere Kartusche) bläst den schlappen Reifen blitzschnell wieder auf.

Foto: Daniel Simon

Das sollte der Race-Biker im Rucksack haben:


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