Touren-TippsPlanungs-Tools und Navigationsgeräte für die E-Biker

Matthias Schwindt

 · 31.10.2019

Planungs-Tools und Navigationsgeräte für die E-BikerFoto: Dan Milner
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Beim E-Bike ist die Reichhöhe limitiert. Wer Ladestationen bei der Touren-Planung berücksichtigt, kann seinen Aktionsradius erweitern. Dabei helfen Planungs-Tools und Navigationsgeräte.

Die Achillesferse bei der E-MTB-Touren-Planung ist der Akku. Wenn das letzte Lämpchen erlischt, hat der Touren-Spaß ein jähes Ende. Entscheidender Faktor ist also die Reichhöhe des Bikes. Ob die für die gewünschte Tour ausreicht, hängt von unterschiedlichen Parametern ab. Die Wichtigsten: Die Topografie der Tour, das Gesamtgewicht des Systems und der individuelle Fahrstil bzw. die bevorzugte Unterstützungsstufe. Außerdem: Reifendruck, Trittfrequenz, Untergrund und Umgebungstempe­rartur. Grundsätzlich gilt beim E-Mountainbike: Höhenmeter sind ausschlaggebender als Kilometer! Denn, erst im Anstieg schwindet die Kapazität rapide. Daher ist es also treffender, von Reichhöhe anstatt von Reichweite zu sprechen.

Scheint die gewünschte Tour mit einem Akku nicht machbar, gibt es mehrere Möglichkeiten: Zusatz-Akku in den Rucksack, unterwegs nachladen, oder gar eine Kombination der beiden Maßnahmen. Ein Überblick über mögliche
Ladestationen gehört bei langen Ausflügen also zur Touren-Planung. Elektronische Tools sorgen dafür, dass E-Biker unterwegs immer wissen, wo die nächste Zapfsäule wartet (siehe TIPPS & TRICKS unten). Nicht nur deshalb ist die elektronische Navigation für E-Mountainbiker besonders wertvoll.

Hilfreich dabei: Routenplaner geben automatisch einen Überblick über ausstehende Höhenmeter und Distanzen. Details, die mit klassischen Papierkarten mühsam errechnet werden müssen, aber für die Einschätzung der Akku-Kapazität entscheidend sind. Tolle Planungs-Tools für die Tour gibt es im Internetbrowser für zu Hause, zwei davon stellen wir im Folgenden vor. Aber auch unterwegs geht noch eine Last-Minute-Planung auf Tablet oder Handy, hierzu stellen wir zwei Apps vor. Liegt die fertig geplante Tour erst mal als GPX-Datei auf dem Navigationsgerät, steht der entspann­ten Tour nichts mehr im Wege.


Offizielle Ladestationen gibt es zum Beispiel von bike energy, aber auch auf manchen Hütten oder an Bikeshops. Diese Ladestationen lassen sich als persönliche Wegpunkte in die Navigation integrieren. Bei einigen modernen GPS-Geräten von Garmin heißt die Funktion "Streckenpunkte". Über das Online-Portal Garmin Connect fügt man der geplanten Strecke die Ladestationen als zusätzliche Streckenpunkte hinzu. So kann man unterwegs immer prüfen, wie weit es noch zur nächsten Ladestation ist. Erreicht man einen Ladepunkt, wird dies als Meldung auf dem Display angezeigt.

TIPPS UND TRICKS


Akku-Stand Shimano

Im Steps-System ist auch eine ANT-Übertragung eingebaut. Damit kommen die Daten vom Antrieb auf Radcomputer von Garmin, Wahoo und Co. Der Ladezustand des Antriebs wird, getarnt als Di2-Akku, prozentgenau angezeigt. Top, denn diese Anzeige ist genauer als die Balkenanzeige auf dem Shimano-Display. Bei den neuen E7000-Motoren wird der Umfang der Datenübertragung noch erweitert. Leider müssen E8000-Fahrer für diesen Luxus ein teures Funkmodul aufrüsten.

  Shimano DisplayFoto: EMTB Magazin
Shimano Display


Mission Control

Specialized verspricht mit der Mission-Control-App eine variable Motorunterstützung. Diese soll dafür sorgen, dass die Akku-Kapazität für eine geplante Tour sicher ausreicht. Nach Eingabe von Streckenlänge oder Fahrzeit passt die App die Unterstützung so an, dass am Ende der Tour noch der eingestellte Sicherheitspuffer verfügbar ist. Aufgrund der vielen Faktoren, welche die Reichhöhe beeinflussen, ist diese Funktion zwar nett, aber kaum verlässlich. Mehr Möglichkeiten bietet die BLEvo-App für Specialized-E-Mountainbikes.

  App: Mission ControllFoto: Privatfoto
App: Mission Controll

Zur individuellen E-MTB-Tourenplanung zu Hause am Computer stellen wir zwei praktische Online-Tools vor:


BIke GPS: Für eine Alpenüberquerung mit dem E-MTB

Der interaktive Online-Touren-Planer bietet einzelne, von Transalp-Pabst Uli Stanciu persönlich geprüfte Teilstücke, die man für eine individuelle Alpenüberquerung kombinieren kann. In der Info-Box gibt es zu den Teilstücken Infos zu Höhenmetern, Schwierigkeit und Wegbeschaffenheit. So geht’s: In der Startregion das erste Teilstück auswählen, dann Schritt für Schritt die Anschluss-Segmente dranhängen. So lässt sich eine komplette Transalp oder auch nur eine schöne E-MTB-Runde planen. Wer nicht komplett selbst planen möchte, findet auch fertig ausgearbeitete Touren-Vorschläge. Planen kann man kostenlos. Soll die Tour für die eigene Navigation heruntergeladen werden, ist ein überschaubarer Betrag fällig, der nach Kilometern berechnet wird. Bike-GPS setzt auf das eigene RichTrack-Format. RTX-Dateien bieten zwar Vorteile, müssen aber am PC umgewandelt werden, bevor es auf dem GPS-Gerät losgehen kann. Details lassen sich auf den Luftbildern nur schwer erkennen.

  bike-gps.com TourenplanungFoto: Bike GPS
bike-gps.com Tourenplanung
  bike-gps.com HöhenprofilFoto: Bike GPS
bike-gps.com Höhenprofil


Komoot: Einfache Planung für E-Bike-Touren

Das Komoot-System hat drei Bestandteile: Auf dem Online-Portal kann man sich inspirieren lassen, im Touren-Planer die Tour vorbereiten und mittels der Smartphone-App unterwegs navigieren. So läuft’s: Startpunkt, Ziel und gewünschte Zwischenziele per Mausklick festlegen. Mit dem Mtb-Icon berechnet Komoot dann automatisch eine Strecke. Gefällt die vorgeschlagene Tour nicht, einfach die blaue Linie bei gedrückter Maustaste langsam verschieben. Passt die Strecke an dieser Stelle, Maus loslassen. So können zum Beispiel spezielle Trails hinzugefügt, oder explizit vermieden werden. Um abzuschätzen, ob Akku-Reichweite und Fahrtechnik ausreichen, liefern Wegtyp, Beschaffenheit sowie das Höhenprofil neben der Karte wertvolle Informationen. Die geplanten Routen speichert man im persönlichen Profil – dann sind sie stets abrufbar. Viele GPS-Geräte (Wahoo, Sigma, Garmin IQ) können direkt auf diese geplanten Strecken zugreifen und sie für die Offline-Navigation herunterladen. Für den vollen Funktionsumfang werden einmalig 30 Euro fällig.

  Komoot PlanungstoolFoto: komoot
Komoot Planungstool

Unterwegs ist die Tourenplanung auch ohne Internet mit Tablet oder Smartphone möglich. Empfehlenswerte Apps für Android und Apple.


Locus Map – Offline Profi

Nur für Android Mit der Basis-Navigation der App ist ein recht einfacher und intuitiver Start in die Handy-Navigation möglich. Später begeistern immer mehr Einstellungen und Möglichkeiten. Ob ein Smartphone am E-MTB-Lenker das Passende ist, muss jeder selbst entscheiden. Als Tool zur spontanen Touren-Planung unterwegs eignet sich Locus Map jedenfalls hervorragend. Start und Ziel eingeben und den ersten Vorschlag prüfen.

Fehlt noch ein Zwischenziel, oder soll die Strecke anders verlaufen? Ein Punkt, der unbedingt erreicht werden soll (z. B. Ladestation, Hütte) wird über ein Zwischenziel (Quadrat-Symbol, lange antippen) in die Strecke eingebaut. Für einen alternativen Streckenverlauf eignet sich ein Zwischenpunkt (Dreieck-Symbol). Abschließend die erzeugten Punkte verschieben, bis die Strecke passt. Geplante Tracks lassen sich als GPX-Datei exportieren. Die Pro-Version für 10 Euro bietet Vorteile bei Track-Aufzeichnung, Neuberechnung und Kartenauswahl. Einarbeitungszeit ist für den Immer-dabei-Routenplaner allerdings nötig.

  Die App von Locus MapFoto: Hersteller
Die App von Locus Map
  Locus Map NavigationFoto: Hersteller
Locus Map Navigation
  Locus Map Track-AufzeichnungFoto: Hersteller
Locus Map Track-Aufzeichnung


ApeMap – Der Kartenplaner

Qualitätskarten Amtliche Topo-Karten und die Kompass-Wanderkarten überzeugen auf der App für Smartphone und Tablet mit sehr schönem Kartenbild. Die eigene Touren-Planung erfolgt auf Routing-fähigen Open-Street-Map-Karten. Sollen die Karten offline mitgeführt werden, sind 20 Euro für die ApeMap-PRO-Version zu zahlen. Der Touren-Service mit über 70000 Touren-Vorschlägen ist den Aufpreis dagegen nicht wert. Besser die individuelle Streckenplanung Schritt für Schritt über Zwischenziele nutzen. Dabei kann die Tour auch komplett ohne Internet auf dem iPad zusammengestellt werden. In diesem Fall allerdings ohne Routing entlang der Wege. Nach der Planung den GPX-Track exportieren und auf die GPS-Navigation übertragen. Anpassungen an geplanten Strecken sind möglich, aber kompliziert. Leider ist die gesamte Bedienung von ApeMap kaum intuitiv und erfordert einiges an Einarbeitungszeit.

  Die App von ApemapFoto: Hersteller
Die App von Apemap
  Apemap KartenplanerFoto: Hersteller
Apemap Kartenplaner
  Das Höhenprofil von ApeMapFoto: Hersteller
Das Höhenprofil von ApeMap

GPX-Transfer


Tracks aufs GPS-Gerät: Außer Falk ermöglicht kein Hersteller die direkte Bluetooth-Übertragung vom Smartphone auf das Navigationsgerät, schade! Somit sind Alternativen gefragt, um den GPX-Track aufs Endgerät zu bekommen. Relativ einfach geht es bei Android-Geräten. Diese unterstützen meist USB-OTG (On-the-Go). Ein USB-OTG-Kabel verbindet Handy und GPS-Gerät. Die Navigation verhält sich dabei wie ein USB-Stick am Smartphone. Per Datei-Explorer (z. B. Solid Explorer) wird der Track kopiert.

Bei iPhone oder iPad ist es komplizierter. Eine Übertragung per Kabel lässt Apple nicht zu. Mit einem MicroSD-Kartenleser für den Lightning-Anschluss kommt der GPX-Track auf die Speicherkarte. Tracks können von dort meist problemlos zur Navigation verwendet werden.

Garmin und Co. machen den GPX-Transfer via Bluetooth unnötig schwer.

  GPS-Tranfer von verschiedenen Geräten ist nicht immer einfach.Foto: Matthias Schwindt
GPS-Tranfer von verschiedenen Geräten ist nicht immer einfach.
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