Touren-Tipps

MTB-Tourenplanung mit Karte und GPS-Touren-Portalen

Gitta Beimfohr

 · 05.03.2016

MTB-Tourenplanung mit Karte und GPS-Touren-PortalenFoto: Dan Milner

Werden Sie Ihr eigener Bike-Guide und lernen Sie, wie Sie MTB-Touren planen und sicher nachfahren. Teil 2: Karten und Touren-Portale nutzen, um die besten Touren in einem neuen Revier finden.

Wer Karten lesen kann, ist klar im Vorteil. Daran ändern auch die Möglichkeiten des digitalen Zeitalters nichts. Gemeint ist die gute, alte Papierkarte. Klar haben gefühlt zwei Drittel aller Mountainbiker ein Smartphone im Gepäck. Klar finden sich mittlerweile für fast jedes Urlaubsrevier kostenfreie oder -pflichtige Digitalkarten, die sich auf dem Smartphone oder dem GPS-Empfänger nutzen lassen. Gute Voraussetzungen also, die Frage "Wo bin ich?" ein für alle mal als beantwortet zu betrachten. Zumindest, solange der Akku hält. Doch wer sich auf Tour einzig und allein auf digitale Hilfsmittel verlässt, ist schnell verlassen. Smartphones sind praktische Alleskönner. Doch der für die Navigation notwendige GPS-Empfänger und die Hintergrundbeleuchtung des Displays saugen den Akku des Gerätes gnadenlos aus. Auf einer ausgewachsenen Tages-Tour kann es hier recht schnell eng werden.

Doch nicht nur deshalb sind Papierkarten den digitalen Helfern in mancher Hinsicht überlegen. Wer nicht nur den aktuellen Standort erfahren, sondern auch wissen will, wo es hingeht, ist mit einer Papierkarte weit besser bedient als mit dem winzigen Kartenausschnitt, den ein Smartphone-Display zulässt. Herauszoomen ist hier keine Lösung. Schließlich werden Rasterkarten dabei einfach nur kleiner dargestellt und sind dann nicht mehr lesbar. Bei Vektorkarten nimmt dagegen bei kleineren Maßstäben auch der Detailreichtum ab. Überblick? Fehlanzeige. Ergo: Unterwegs auf Tour sind digitale Helfer wie Smart­phones oder GPS-Geräte wertvolle Hilfsmittel für die kleinräumige Navigation, also für die nächsten Abzweige. Wer den Überblick behalten will, kommt aber um eine "analoge" Papierkarte nicht herum.

  Nächtelang am Computer sitzen und die Touren-Portale nach den lohnendsten Touren durchforsten, oder einmal Geld auf den Tisch legen und die Trail Essenz stets griffbereit haben. Bikeguides aus Papier (mit GPS-Daten für unterwegs) haben noch immer Vorteile.Foto: Delius Klasing Verlag
Nächtelang am Computer sitzen und die Touren-Portale nach den lohnendsten Touren durchforsten, oder einmal Geld auf den Tisch legen und die Trail Essenz stets griffbereit haben. Bikeguides aus Papier (mit GPS-Daten für unterwegs) haben noch immer Vorteile.

Schritt 1: Papierkarte besorgen

Die topografische Karte im Maßstab 1:50000 verschafft den Überblick über ein neues Revier. Mittlerweile werden für viele Mountainbike-Reviere auch spezielle MTB-Karten angeboten, meist sogar in digitaler wie analoger Form (siehe Kasten). Hier sind in der Topo-Karte bereits lohnende Strecken eingezeichnet. Samt Schwierigkeitsgrad nach einem bestimmten Farb-Code. Solche Karten sind meist nicht billig, aber ihr Geld wert. Schließlich geben sie bereits Aufschluss, welche Strecken vor Ort überhaupt für das Mountainbike und das eigene Leistungsniveau Sinn machen. Doch so wertvoll es auch sein mag, den Schwierigkeitsgrad einer Route zu kennen, so sagt dieser noch lange nichts darüber aus, ob sich die Tour an sich auch lohnt. Hier geht einfach nichts über persönliche Erfahrungen.

Schritt 2: Die besten Touren finden

Mountainbiker teilen ihre Erfahrungen offenbar gern. Im Internet bieten zig GPS-Touren-Portale (siehe Kasten) tausende Mountainbike-Touren zum freien Downloaden an. Doch welche Touren sind denn nun die schönsten Klassiker der Region? Welche bieten die spannendsten Trails? Welche die schönsten Ausblicke? Die meisten dieser Portale bieten "User generated content" als freien Download an. Das muss kein Nachteil sein. Viele "User" sind erfahrene Mountainbiker und kennen sich mit der Materie aus. Dennoch muss man sich bewusst sein, dass in diesen Portalen keine Qualitätskon­trolle stattfindet. Die Touren-Beschreibungen sollten daher mit einer gewissen Portion Skepsis gelesen werden. Was der eine "unfahrbar" nennt, ist für den anderen "S3". Was für Trailcracks "Flow pur" bedeutet, kann für andere zum Alptraum werden. Sicher lassen sich anhand der Touren, die ein User gepostet hat (Autorenprofil ansehen), noch recht gut Rückschlüsse auf dessen Fahrtechnik-Level ziehen. Doch den Schwierigkeitsgrad einer Tour unabhängig vom eigenen Können objektiv zu beurteilen, ist eine schwierige Aufgabe, an der auch Profis bisweilen scheitern.

Mehr auf Nummer sicher geht also, wer sich auf redaktionell aufbereitetes Touren-Material verlässt. Ein guter, alter, gedruckter Bikeguide ist auch hier der digitalen Welt noch um eine Nasenlänge voraus. Klar kostet ein gedruckter Führer Geld. Doch dafür hält man mit ihm die 20–30 besten Touren einer Region bereits in der Hand und kann sich darauf verlassen, dass für die Bewertung aller Touren ein einheitlicher Maßstab angelegt wurde.

DIE BESTEN QUELLEN FÜR DIE MTB-TOURENPLANUNG

Spezielle Mountainbike-Karten

Supertrail-Maps Insgesamt 40 Kartenblätter, hauptsächlich in den Alpen, Maßstab 1:50000. Schwierigkeitsgrad der Strecken ist farblich gekennzeichnet. Auch gekennzeichnet, ob eine Strecke bergauf wie bergab befahrbar ist. Auch in digitaler Form erhältlich und über Smartphone-App zu nutzen. www.supertrail-map.com

  Die Supertrail-Maps: Auf einen Blick die besten Trail-Regionen erkennen. Die Farben verraten den Schwierigkeitsgrad.Foto: BIKE Magazin
Die Supertrail-Maps: Auf einen Blick die besten Trail-Regionen erkennen. Die Farben verraten den Schwierigkeitsgrad.

Singletrail-Maps Waren die ersten speziellen Mountainbike-Karten auf dem Markt und bieten 45 Kartenblätter (42 davon für die Schweiz) im Maßstab 1:50000. Auch hier ist der Schwierigkeitsgrad der Strecken farblich gekennzeichnet. Zusätzlich gibt es zu jeder Karte zehn Touren-Vorschläge.
www.sports-publishing.ch/shop/de/singletrail-maps

User-GPS-Touren-Portale

www.gps-tour.info
Eines der ersten GPS-Touren-Portale mit User generated Content. Bietet aktuell knapp 100000 Mountainbike-Touren an. Aufmachung wirkt etwas altbacken, die Touren-Suche anhand einer Karte ist umständlich, da sich diese weder vergrößern noch verschieben lässt.

www.gpsies.com
Das sicherlich kompletteste Touren-Portal im Internet. Bietet neben dem reinen Download von Touren auch zahlreiche Möglichkeiten zum Planen von Strecken oder zum Konvertieren von Daten. Auch per Smartphone-App nutzbar.

Redaktionelle GPS-Touren-Portale

www.bike-magazin.de
Kostenlos. Die im Heft beschriebenen Touren werden von Profis erstellt. Die GPS-Daten dazu stehen zum freien Downloaden zur Verfügung.

www.bike-gps.com
Kostenpflichtig, aber günstig. Das Touren-Portal von Transalp-Pionier Uli Stanciu ist die perfekte Quelle für die Planung von Transalp- und Mehr-Etappen-Touren. Die Routen können mit einer App als "Richtracks" genutzt werden und bieten dann zusätzliche Funktionen (z. B. Abbiegehinweise, Roadbook).

www.trails.de
Kostenlos. Das Touren-Portal von BIKE-Guide-Autor Ralf Glaser bietet einen Schwerpunkt auf Touren in den italienischen Alpen. All-Mountain- und Freeride-Touren mit einem hohen Singletrail-Anteil.

Gemischte GPS-Touren-Portale

www.gps-tracks.com
Das Schweizer Portal bietet redaktionelle Touren und gleichzeitig den Usern die Möglichkeit, eigene Touren zu planen. Diese "User-Touren" werden der Community zur Verfügung gestellt. Der gesamte Content lässt sich auch als PDF-Datei herunterladen. Auch per Smartphone-App nutzbar.

www.outdooractive.com
Vom Konzept her ähnlich wie gps-tracks.com, allerdings mit regional deutlich größerem Content. Dazu gibt’s nicht nur Infos zu einzelnen Touren, sondern auch zu den Reiseregionen. Die Seite bietet auch einen sehr guten Online-Touren-Planer, der die Untergründe farblich darstellt. Top: Außer GPS-Daten können auch PDFs und Kartenausschnitte heruntergeladen werden.

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