Touren-Tipps5 MTB Super-Touren fürs lange Wochenende

Stefan Loibl

, Gitta Beimfohr

 · 16.08.2018

5 MTB Super-Touren fürs lange WochenendeFoto: Dennis Stratmann

Verlängerte Wochenenden sind ideal, um über den Tellerrand der Hausrunde zu blicken. Hier fünf Touren-Klassiker von der Heimaterfahrung im Thüringer Wald bis hin zur Ligurischen Grenzkamm-Straße.


THÜRINGER WALD (Foto oben)


Mittelgebirgs-Trails am Thüringer Meer: das beste Teilstück des Deutschland-Trails.

Beim Stichwort Thüringen denken Biker an Tabarz, Bratwurst und den berühmten Rennsteig-Kammweg. Vom Hohenwarte-Stausee oder dem Schwarzatal schwärmen dagegen nur die Einheimischen. Und genau von denen haben wir uns im vergangenen Jahr die schönsten Ecken und verstecktesten Trails im Thüringer Wald zeigen lassen. Auf der Durchreise während des Deutschland-Trails, der uns vom Alpenrand durch Deutschlands Mittelgebirge bis Hamburg führte. Doch gerade vom Mittelteil der 19-tägigen Tour waren wir so begeistert, dass man diesen Abschnitt perfekt als Dreitages-Tour empfehlen kann.

Vom Dörfchen Mödlareuth an der bayerisch-thüringischen Grenze hoppelt man über ein Stück Plattenweg, ehe der gewundene Lauf der Saale die Richtung vorgibt. Die Pfade um die Seitenarme Bleiloch-Talsperre scheinen nicht enden zu wollen. Die felsig-fiese Auffahrt auf den Hemmkoppe-Gipfel wird mit einem Supertrail nach Ziegenrück belohnt. Nächstes Highlight: die Waldpfade an den Ufern des Hohenwarte-Stausees, der wie ein Fjord die Landschaft schmückt und bereits zu DDR-Zeiten beliebtes Ausflugsziel war. Hinter Bad Blankenburg zweigt das Schwarzatal ab, das mit seinen giftigen Kurzanstiegen Laktat-Tsunamis durch die Oberschenkel peitscht. Dafür werden die Rampen mit spaßigen Trails versüßt. Mal arbeitet sich die Federgabel an Wurzelteppichen ab, mal balanciert man um Spitzkehren.


Die Tour
Auf der Route des Deutschland-Trails durch Thüringen: 181,8 km / 4575 hm / 3 Etappen.
Die Tour folgt von Mödlareuth der ehemaligen innerdeutschen Grenze, danach hält man sich an den Flusslauf der Saale. Mit der Bleiloch-Talsperre und dem Hohenwarte-Stausee passiert man zwei der größten Stauseen Deutschlands, meist auf moderaten Waldpfaden und Schotterpisten. Fahrtechnisch fordernd endet der erste Tag mit einem Supertrail von der Hemmkoppe nach Ziegenrück. Lange Anstiege sind die Ausnahme, fordernd ist das ständige Auf und Ab. Fitte Marathon-Biker können die Tour in zwei Tagen fahren.


Infos
Unterkünfte gibt’s in Ziegenrück und Bad Blankenburg zahlreiche – vom einfachen Hostel bis zum 3-Sterne-Hotel. Die GPS-Daten zur Tour finden Sie unten im Download-Bereich und weitere Infos gibt es hier->

  Thüringer WaldFoto: Infochart
Thüringer Wald


SUPERTRAILS DAVOS


Zwei Supertrails an einem Ort, und die Lift­tickets gibt’s ab einer Übernachtung gratis dazu.

Ein verlängertes Wochenende einfach mal nur Berge und Trails sehen – das geht wohl nirgends besser als in Davos. Der Ort im Schweizer Prättigau ist zwar fast schon so groß wie eine Stadt, aber die Seilbahnen heben Biker direkt aus dem Zentrum in die umliegenden Berge hinauf. Und zwar mitten in das talübergreifende und permanent gepflegte Verkehrsnetz der ortsansässigen Trail-Crew. Hunderte Kilometer Trails hangeln sich hier über Berggrate, zwängen sich durch Felsentore, schlagen im Zickzack durch Wälder oder balancieren als knapper Vorsprung an Schluchtwänden entlang.

Jeder Trail-Ausflug führt in Davos durch spektakuläre Landschaften und dauert mehrere Stunden. Die Pfade haben es hier nicht eilig, ins Tal zu kommen, zwischendrin führen sie auch wieder sanft bergauf. Zwei Pfade dieses riesigen Netzwerks haben bereits den Ritterschlag zum "Supertrail" erhalten. Der Chörbschhorn-Trail und der Alps Epic Trail. Letzterer spaziert fast 40 Kilometer lang vom Jakobshorn-Gipfel übers Rinerhorn bis nach Filisur hinunter. Ein erlebnisreicher Tagesritt, bei dem man am Ende gratis in die Rhätische Bahn steigt und wieder nach Davos zurück shuttelt.

  Supertrails DavosFoto: Maria Knoll
Supertrails Davos


Die Touren
• Alps Epic Trail: 36,2 km / 993 hm / 2580 tm / 5–6 Stunden
Der Trail startet an der Gipfelstation des Jakobshorns (2590 m) und endet auf knapp 1000 Metern Höhe in Filisur. Dazwischen windet sich der Pfad in allen Facetten im Auf und Ab die Talseite entlang. Auf flowige Passagen folgen verblockte oder wurzelige Abschnitte, und es muss auch mal geschoben oder getragen werden. Aber alles moderat.
• Chörbschhorn-Trail: 18 km / 370 hm / 1471 tm / 3–4 Stunden
Auch ein Big-Mountain-Erlebnis auf der anderen Talseite. Den Hauptteil des Anstiegs übernimmt die Parsenn-Standseilbahn, doch oben will der Trail noch weiter bergauf. Danach folgt aber feinster Natur-Flow.


Infos
Günstige Pauschalangebote auf www.davos.ch – die Touren sind ausgeschildert. Die GPS-Daten zur Tour finden Sie unten im Download-Bereich.

  Supertrails DavosFoto: Infochart
Supertrails Davos


GARDASEE-RONDA


Es gibt Orte am Gardasee, da hat man noch nie einen Biker gesehen. Diese Ronda führt dorthin.

Altissimo, Tremalzo, Monte Velo – wer öfter an den Gardasee reist, fährt meistens die altbewährten Moser-Klassiker und trifft sich nach der Tour mit Gleichgesinnten in der Mecki’s Bar. Auch schön. Aber wie wär’s, den Lago mal von einer ganz neuen Seite her kennen zu lernen: Diese Runde quert den Monte Baldo auf seiner eher unbekannten Ostflanke und bahnt sich auf Schotter- und Wiesenpfaden ihren Weg nach Torri del Benaco. Dort setzt man sich in die Fähre und schippert ans Westufer. Von Toscolano aus biegt man in ein einsames Tal Richtung Monte Caplone ab und folgt einer steilen Asphaltstraße durch alte Orte und Dörfer.

Hier wundert man sich tatsächlich noch über Mountainbiker. Der Monte Caplone ist übrigens ein direkter Nachbar des Tremalzos, allerdings zwei Meter höher. Sein Schotteranstieg zieht sich entsprechend lang dahin, aber die Landschaft rund um die alten Militärwege ist großartig. Den höchste Punkt der Runde erreicht man an der Felsscharte der Bocca di Campei. Von hier oben schwingt sich ein feinschottriger Supertrail bis zur Bocca Lorina hinunter. Und was darf als Abschlussböller dieser Tour natürlich nicht fehlen?: klar, der Tremalzo selbst!

  Gardasee-RondaFoto: Anton Brey - Photography
Gardasee-Ronda


Die Tour
Gardasee-Umrundung Nord: 200 km / 6500 hm / 4 Etappen
Die Tour umkreist den Gardasee nicht komplett, sondern setzt in Torri del Benaco – wo die Berge ins Flachland übergehen – mit der Fähre ans Westufer über (Fahrplan www.torridelbenaco.de). Konditionell muss man auf der Runde mit einigen langen und zum Teil auch steilen Anstiegen rechnen. Fahrtechnisch können sich diese Tour aber auch ambitionierte Touren-Fahrer zutrauen. Scharfkantige Geröll-Trails liegen nicht auf der Strecke. Ein Großteil führt über Asphalt, Schotter und Waldwege. Die GPS-Daten zur Tour finden Sie unten im Download-Bereich.
Weitere Infos gibt es hier->


Infos
Eine Übernachtung in Torbole bietet sich an, um am ersten Tag früh starten zu können. Wir haben das Aktivhotel Santalucia gewählt. Die zweite Nacht haben wir im Wallfahrtsort Spiazzi im Albergo Speranza (gleicht eher einer Jugendherberge) verbracht, da im Oktober das Angebot sehr rar ist. Besser nächtigt man im Rifugio Cedron (www.albergorifugiocedron.it oder der Malga Ime (Tel. 0039/045/7265104), zumal beide direkt auf der Route liegen. Nach dem Übersetzen mit der Fähre kann man sich in Toscolano-Maderno eine Unterkunft suchen. Unsere Wahl fiel auf das verstaubte, heruntergekommene Hotel Adria & Resort (nicht zu empfehlen!). Aber es gibt viele kleine Pensionen und schickere Hotels dort. Vor der letzten Etappe übernachtet man in Pensione (Valvestino). Eine super Anlaufstelle ist die kleine Antica Osteria Pace, www.anticaosteriapace.it

Wer den Gardasee komplett umrunden oder mehr Trail-Abfahrten einbauen möchte, findet alternative Routen unter www.bike-gps.com

  Gardasee-RondaFoto: Infochart
Gardasee-Ronda


ORTLER-UMRUNDUNG


König Ortler ist hoch (3905 m), aber auch belaibt: eine Art Transalp-Runde in sechs Tagen.

Ortler, Gran Zebru, Cevedale – die vergletscherten Spitzen des Ortler-Massivs warten hinter der Südtiroler Grenze Schulter an Schulter, wie sehr entschlossene Türsteher. Eine Tour mittendurch würden nur übermotivierte Biker in Angriff nehmen. Aber ein Drumherum macht Sinn und Spaß: Auf alten Militärstraßen klettert die Route die Südflanke des Vinschgaus hinauf und setzt ihre Höhepunkte an Vigiljoch, Gampenalm, Brezner Joch, Tonale- und Gavia-Pass, um schließlich übers Stilfserjoch und die Dreisprachenspitze wieder in den Vinschgau zu drehen.

Alle Anstiege sind – wegen ihrer Lage nahe des Alpenhauptkamms – lang und zehrend, werden aber in jedem Fall mit einer Trail-Abfahrt belohnt. Ganz am Ende wartet sogar der berühmte Goldseeweg vom Stilfserjoch nach Glurns hinunter. Am besten legt man die Tour so, dass auf der letzten Etappe die Sonne scheint. Sonst hüllt sich die schönste Aussicht auf den Gletscher in Nebel. Unterwegs hat übrigens jeder Weg eine Geschichte zu erzählen, denn an der "Ortlerfront" bissen sich die Kontrahenten des Ersten Weltkriegs jahrelang die Zähne aus. In den Hütten entlang der Route zeugen noch Fotos davon.

  Ortler-UmrundungFoto: Matthias Rotter
Ortler-Umrundung


Die Tour
Von Naturns im Vinschgau rund um den Ortler, 258 km / 9850 hm / 6 Etappen.
Die Umrundung bedeutet nicht, dass man den Ortler jeden Tag im Blick hat. So richtig nah kommt man ihm erst auf den letzten beiden Etappen. Das macht aber nichts, denn landschaftlich gibt es täglich was zum Staunen. Auch fahrtechnisch. Typisch fürs Hochgebirge fallen einige Trails etwas ruppiger aus (S1–S2), von der Falkomai-Alm muss man sich bergab sogar für ein paar Höhenmeter am Sicherungsseil runterlassen, aber die Mehrzahl der Pfade ist mit mittlerer Fahrtechnik sehr gut fahrbar.


Infos
Übernachtungsadressen, Etappen-Infos und Höhenprofile zur Tour unter www.bike-magazin.de, Webcode #14255 – dazu gibt’s auch den Link zu den GPS-Daten von bike-gps.com. Download-Preis: 9,80 Euro.

  Ortler-UmrundungFoto: Infochart
Ortler-Umrundung


LIGURISCHER GRENZKAMM


Der Touren-Klassiker der ersten Stunde: grober Schotter, Haarnadelkurven auf 2000 Metern Höhe, und am Horizont wartet das Meer.

Wer die berühmten 48 Kehren der Stilfserjoch-Pass-Straße schon beeindruckend findet, der wird bei der Auffahrt zum Ligurischen Grenzkamm wahrscheinlich mehrmals anhalten müssen, um sich die Augen zu reiben: Auch in der Südrampe zum Tende-Pass hinauf stapeln sich 48 Kurven. Allerdings noch enger zusammengefaltet, denn die Tendestraße ist keine 25, sondern nur neun Kilometer lang. Oben am Pass beginnt schließlich die 60 Kilometer lange Militärstraße, die Mussolini einst in Auftrag gegeben hat.

Man folgt der Beschilderung und pedaliert im Auf und Ab durch ein baumloses Gipfelmeer. Stets über der 2000-Meter-Marke. Unterwegs quert man mehrmals die französisch-italienische Grenze, passiert zerfallene Forts aus den beiden Weltkriegen und sieht in der Ferne die markante Spitze des Mont Visos über dem Taldunst schweben. Das hört sich nach einem einigermaßen gemütlichen Ausritt an, doch diese grobe und allen Wettern ausgesetzte Schotterstraße kann Zartbesaitete wirklich zermürben. Gerade bergauf. Wie in den Serpentinen am Tremalzo-Pass finden die Reifen im oft tiefen Schotter keinen Grip oder müssen melonengroßen Felsen ausweichen. Doch umso erhabener ist das Gefühl, wenn man diesen Klassiker abends in Kopf und Beinen hat.

  Ligurischer GrenzkammFoto: Matthias Rotter
Ligurischer Grenzkamm


Die Tour
Von Tende über die Ligurische Grenzkammstraße: 80,6 km / 2226 hm / reine Fahrzeit: 7 Stunden
Man kann die Tour auch in Ventimiglia am Meer starten, allerdings hat die Runde dann ca. 40 Kilometer und 1500 Höhenmeter mehr. Der französische Bergort Tende liegt dagegen im Royatal, direkt am Fuße der berühmten Tende-Pass-Straße, und das Abenteuer kann sofort beginnen. Unterwegs gibt es keine Einkehrstationen, ausreichend Wasser und Verpflegung müssen in den Rucksack. Achtung: Auch Motorräder und Jeeps sind auf der Route unterwegs! Weitere Infos gibt es hier->


Anreise
Günstige Flüge nach Nizza gibt’s schon ab 25 Euro, z. B. bei www.eurowings.com
Karte Vallée de la Roya, IGN 3841 (1:25000)

  Ligurischer GrenzkammFoto: Infochart
Ligurischer Grenzkamm


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