Laurin Lehner
· 19.04.2026
Overtourism ist längst kein Begriff mehr, der nur klassische Touristen-Hotspots wie die Zugspitze oder den Tegernsee betrifft. Auch an Trail-Spots – besonders in Süddeutschland – ist das Phänomen spürbar.
Auf unsere Heftgeschichte in BIKE 5/26 („Die besten 20 Trails der Republik“) gab es viel Resonanz. Dabei haben wir bewusst einige Trails nicht erwähnt, vor allem dann, wenn uns die Verantwortlichen im Vorfeld darum gebeten hatten. Allerdings konnten wir nicht alle kontaktieren. So landeten auch Trails in der Geschichte, bei denen weitere Trailbauer und Verantwortliche nicht begeistert waren.
Ihr Argument: Wir bauen die Trails – andere kommen, fahren, bremsen und verschwinden wieder. Die Arbeit bleibt an uns hängen. Das ist nur eines von mehreren Argumenten, aber ein valides. Andere Regionen in Oberbayern haben einer Streckenlegalisierung unter der Voraussetzung zugestimmt, dass die Trails vom Verein nicht touristisch beworben werden. Dennoch sind sie öffentlich: kein Zaun, keine Gebühr. Für auswärtige Biker ist die Nutzung also nicht verboten.
Eine Zwickmühle: Was offiziell ist, ist auch öffentlich – oder etwa nicht?
Vier Typen, vier Meinungen.
Jein – für sensible Trails gilt das nicht uneingeschränkt. Klar, legalisierte Trails sind grundsätzlich öffentlich. Aber manche Strecken vertragen einfach nicht so viele Befahrer: zu steil, zu erosionsanfällig, zu viele Anwohner oder Bike-Gegner, die dadurch provoziert werden. Fakt ist leider: Mit der Menge der Biker kommen auch die Probleme. Deshalb kann ich gut verstehen, dass viele Trail-Crews ihre Trails nicht an die große Glocke hängen wollen.
Wenn ich neue Trails finde, teile ich das nicht auf Social Media. Ich finde, diese Schmankerl sollten den vorbehalten sein, die sich wirklich kümmern – die Enthusiasten, die wissen, wie man damit umgeht, die am ernsthaft am Erhalt interessiert sind und keinen Ärger provozieren wollen. Weniger versierte Biker hingegen sind oft reine Konsumenten: Sie kommen, fahren und gehen – und verhalten sich oft auch dementsprechend - leider.
Ja, Trails sind immer zum Teilen da. Wenn ein Trail öffentlich und ausgeschildert ist, dann ist er öffentlich. So einfach ist das. Klar, es ist immer doof, wenn nur eine Handvoll Biker sich um die Trails kümmern und die anderen sie nur fahren und damit verschleißen – Stichwort: Fahren bei Nässe, Bremswellen. Es ist absolut in Ordnung, darauf hinzuweisen. Sprich: Leute einbinden, Spenden ermöglichen, mithelfen lassen, Teil der Szene werden lassen. Denn am Ende gilt: Mehr Biker sind nicht das Problem – sie sind Teil der Lösung.
Eigentlich ja – doch nicht immer. Viele kennen den Blick hinter die Kulissen nicht. Das Allgäu ist ein Hotspot mit großem Nutzungsdruck – und vielen Parteien, die uns als jungen Verein genau beobachten: Gemeinde, Grundstückseigentümer, Jagd.
Über die Erwähnung in BIKE 5/26 haben wir uns geärgert – vor allem, weil der Redaktion bekannt war, dass wir aktuell keine zusätzliche Öffentlichkeit wollen. Das ist der ausdrückliche Wunsch der Verantwortlichen, der hier nicht respektiert wurde.
Denn auch wenn der Trail legal ist, steht er ständig auf dem Prüfstand. Unser Appell: Berichtet doch auch über andere Trails im Allgäu – etwa in Sonthofen oder Immenstadt. Das sorgt für eine bessere Verteilung und somit für weniger Stress.
Ich verstehe beide Seiten. Wirklich. Stefan Herrmann hat recht: „Mit der Menge an Bikern kommen die Probleme.“ Das gilt vor allem für Trails, die aufgrund von Overtourism unter Druck stehen oder von Verboten bedroht sind. Und ich verstehe auch die Vereinsmitglieder, die sich den Hintern aufreißen, um Trails zu legalisieren, zu bauen, zu pflegen. Und dann kommen die Biker aus der nächsten Großstadt, fahren auch bei Regen und nehmen nur, statt auch etwas zu geben. I get it. Doch so ist das oft im Leben. Da hilft nur der Ratschlag von Jasper Jauch: einbinden oder zum Spenden bewegen.
Für mich als Redakteur von BIKE ist die Sache bei offiziellen Trails dennoch eindeutig: Unser Auftrag ist es, zu berichten – über Neues, über Innovationen und eben auch über Trails. Genau deshalb kaufen die Leute das Magazin. Daher veröffentlichen wir legalisierte Trails auf unseren Plattformen. Ich wurde vor der Veröffentlichung des Artikels weder von dem Verein im Allgäu noch von anderen kontaktiert, mit der Bitte, nicht erwähnt zu werden – bekannt war es mir aber.

Redakteur