Gruezi RadfreundeFahrrad-Citytrip in Zürich

Alex Hüfner

 · 08.06.2024

Die MYBIKE-Autoren Alex Hüfner und Nadine Pahling in der Altstadt von Zürich.
Foto: Alex Hüfner
Dank Velo-Masterplan wird Zürich immer mehr zur Fahrradstadt. Zudem ist die Schweizer Metropole der perfekte Ausgangspunkt für Touren ins Grüne. Da sie außerdem viele kulturelle Attraktionen bietet, hatten unsere Autoren auch bei schlechtem Wetter viel Spaß auf ihrem City-Trip.

Themen in diesem Artikel

Zürich empfängt uns bei knackigen zwei Grad Celsius, die sich während unseres Aufenthaltes auf gerade mal maximal fünf Grad steigern, dazu gibt es permanent Regen- und Schneeschauer. Ausgiebige Radtouren? Sind bei solchen Bedingungen natürlich schwierig! Ein neuer Plan muss her. Wir studieren die „Must-Sees“ von Zürich und schauen uns parallel den Wetterradar an. Mit dieser Situation haben wir nicht gerechnet. Doch schnell wird klar: Zürich ist breit aufgestellt. Die Stadt ermöglicht uns einfache und unkomplizierte Wechsel. Bei gutem Wetter sind wir outdoor per Velo unterwegs, bei Schlechtwetterfronten genießen wir indoor Kunst und Kultur. Unser Hauptfokus liegt natürlich beim Radfahren. Und da scheint Zürich auch eine Top-Adresse zu sein: Jedenfalls richtet die Stadt bereits zum vierten Mal die Straßen-Weltmeisterschaften im Radsport aus (21.–29. September). Doch wie gut ist sie auf den „normalen“ Radfahrer ausgerichtet? Wir wollen es herausfinden. Und fahren los.

Mittendrin im Velo-Masterplan

Schnell wird klar: Es gibt es noch einiges zu tun. Doch Zürich arbeitet daran. Seit 2012 verfügt die Stadt über einen Masterplan zur Veloförderung. Erste Maßnahmen wurden bereits umgesetzt. Einwohner und Touristen können zu preiswerten Konditionen oder gar kostenfrei die Stadt per Rad erkunden. Das Bikesharing „Züri Velo“ und weitere Verleihsysteme stehen den Bewohnern zur Verfügung. Einfach und unkompliziert haben aber auch Besucher Zugriff auf Fahrräder ohne und mit elektrischem Antrieb. Direkt am Europaplatz, gleich beim Hauptbahnhof, befindet sich die Station von „Züri rollt“. Nach Vorlage eines Ausweises sowie der Hinterlegung eines Pfands von 20 Schweizer Franken kann man direkt in die Pedale treten. Als Besitzer einer „Zürich Card“, welche die kostenfreie Nutzung des ÖPNV sowie den Besuch vieler Museen ermöglicht, bedarf es lediglich einer Zuzahlung von fünf Schweizer Franken pro Tag, und es wird eine „Zürich Card Bike“ daraus. Nach Installation der PubliBikeApp können Touristen 150 Velo-Stationen, die in der gesamten Stadt verteilt sind, nutzen. Und wir entdecken noch mehr Einrichtungen in der Stadt, die Radfahrern das Leben erleichtern, zum Beispiel die grünen Säulen an vielen Kreuzungen. Es handelt sich um Pumpstationen. Schnell und mit einfachster Handhabung erhalten Fahrradreifen an diesen Plätzen den gewünschten Druck. Um sich mit dem Velo nicht auf viel befahrene Autostraßen begeben zu müssen, wurden zudem zusätzlich Fahrradstraßen ausgewiesen.

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Im Zentrum selbst gibt es auf einem Großteil der Straßen gute sichtbare Radwegmarkierungen. Doch es ist Vorsicht geboten. Die gelben Streifen allein sorgen nicht für den gewünschten Abstand zwischen Autos und Velos. Dazu sind sie äußerst schmal gehalten. Ein weiterer Risikofaktor sind die Straßenbahnschienen, die sich durchs Zentrum ziehen. Gegenseitige Rücksichtnahme ist daher oberstes Gebot.

Züri Velo ist eines von mehreren Radverleihangeboten in der Stadt.Foto: Alex HüfnerZüri Velo ist eines von mehreren Radverleihangeboten in der Stadt.

Kunst, Kultur und Genuss auf der Radtour

In der Kulturhauptstadt der Schweiz fällt es uns äußerst leicht, überall spannende Museen und Sehenswürdigkeiten zu entdecken. Beispielsweise beeindruckt uns das markante Großmünster, eine Kirche in der Altstadt, bereits bei der Betrachtung von außen. Doch auch in den Innenräumen des Kunsthauses staunen wir nicht schlecht: Hier sind die größten Kunstsammlungen des Landes untergebracht. Die Sammlung „Merzbacher“ sticht heraus. Im Pixelwald, eine Audio-Video-Installation der Künstlerin Pipilotti Rist, tauchen wir für einen Moment in ein Paralleluniversum ein. Für eine Exkursion in die Welt der Schokolade schwingen wir uns wieder auf die Räder. Wir wollen zum Lindt-Museum etwas außerhalb des Stadtzentrums, in Kilchberg. Der Großteil der Strecke führt am Zürichsee entlang. Bevor wir die letzten Kilometer auf die Straße wechseln, überqueren wir den Cassiopeiasteg, der die Lücke zwischen dem Hafen Wollishofen und dem Kulturzentrum Rote Fabrik schließt. Um den Uferbereich des Sees fast vollständig für alle Bewohner und Touristen zugänglich zu machen, hat man den 284 Meter langen Steg als Landverbindung eingesetzt. Die Konstruktion führt 100 Meter in den See und bietet einen Blick auf das herrliche Alpenpanorama.

Hier bitte schieben: Cassiopeiasteg über den Zürichsee.Foto: Alex HüfnerHier bitte schieben: Cassiopeiasteg über den Zürichsee.

Wir erreichen den imposanten Neubau, in dessen Innerem sich die große Lindt-Welt und das Schokoladenmuseum befinden. Das Erlebnis startet mit einer interaktiven Tour, führt vorbei am größten Schokobrunnen der Welt sowie einer Teststraße für neue Schokoladenkreationen. Genascht werden darf natürlich auch. An diesem Ort schlägt jedes Schokoladenherz automatisch höher. Beim Blick vor die Tür schlägt unsere Laune allerdings gleich wieder um – eine Schlechtwetterfront zieht auf. Für die Rückfahrt entscheiden wir uns deshalb, aufs Boot zu gehen. Am Zürichsee trifft man immer wieder auf Schiffsanlegehaltestellen. Individuell kann ein Ein- wie Ausstieg bei den Rundfahrten erfolgen. Wir haben Falträder dabei. Aufgrund der kleinen und kompakten Maße ist die Mitnahme kein Problem. Jedoch besitzt nicht die gesamte Flotte die benötigte Größe und den Stauraum, um Velos zu befördern. Aus diesem Grund behält es sich die Schifffahrt vor, bei Kapazitätsengpässen sowie generell auf kleineren Booten eine Mitnahme zu verweigern.

Stadt, Land, Fluss

Kunst und Genuss bietet Zürich allemal. Den Test hat die Stadt mit Bravour bestanden. Doch wie sieht es mit Entspannung und sportlicher Aktivität aus? Wie umfangreich ist das Angebot an Fahrradrouten für die City und das Umland? Wer auf die Website von Zürich Tourismus geht, wird schnell fündig bei den „Zürich Rides“. Ob fürs Gravelbike, Rennrad oder für einen Ausflug mit der gesamten Familie – die Routenauswahl ist groß. Wir entscheiden uns für die Tour „Stadt-Land-Fluss“, die man unter diesem Namen auch in der Zürich Komoot Collection findet. Schnell sind zwei kleine Anpassungen und ein Richtungswechsel vorgenommen, und schon geht es los. Das Schöne an Zürich: Egal wo man per Velo im Zentrum startet, man hat überall die Möglichkeit, in gut dreißig Minuten in der Natur zu sein.

Wir starten am Landesmuseum, welches sich direkt am Hauptbahnhof befindet. Der Weg führt uns an der Sihl entlang, wo wir nach kurzer Zeit zum Friedhof Sihlfeld kommen. Für die Züricher selbst ist das eine Parkanlage mit hohem Erholungswert. Anschließend passieren wir einige Schrebergartensiedlungen und erreichen den Stadtrand. Der Weg führt uns zu einem höhergelegenen Biobauernhof. Oben angekommen, sind die ersten elf der 21 Kilometer langen Strecke geschafft. Halbzeit! Dort haben wir einen fantastischen Blick ins Tal – der perfekte Platz für eine Kaffeepause.

Auf dem Rückweg durchqueren wir das Örtchen Schlieren, und nur wenige Minuten später sind wir an der Limmat. Am Fluss entlang radeln wir vorbei an idyllischen Badeplätzen, zu denen auch das Flussbad „Au-Höngg“ gehört, zurück. Einen Abstecher legen wir aber doch noch ein. Die eigens eingebaute Routenänderung verschlägt uns ins „Industriequartier“. Dafür gibt es zwei sehr gute Gründe. Der erste ist der Besuch des Flagship-Stores der Kult- Taschenmarke „Freitag“. Fast jedem Radfahrer ist dieser Name ein Begriff. Das Verrückte: Das Geschäft in Zürich wurde aus Schiffscontainern zusammengesetzt. Die Besteigung der Container im Inneren führt zu einer Aussichtsplattform mit einem fantastischen 360-Grad-Rundumblick: Und von dort sieht man auch den zweiten der beiden Gründe unseres Abstechers: „Frau Gerolds Gartenlokal“, eine Institution in Zürich. Dieses befindet sich direkt neben dem „Freitag“-Geschäft und eignet sich ideal für eine zweite kleine Auszeit. Nach diesem Zwischenstopp fahren wir entlang der Viaduktstraße mit ihren vielen spannenden Läden weiter, bevor es zurück zu unserem Ausgangspunkt am Landesmuseum geht.

Verrücktes Design: Das Geschäft der Taschenmarke Freitag ist aus Schiffscontainern gebaut.Foto: Alex HüfnerVerrücktes Design: Das Geschäft der Taschenmarke Freitag ist aus Schiffscontainern gebaut.

Fazit: Die Tour, die wir gefahren sind, ist für jeden geeignet, erfordert kein erhöhtes Fitnesslevel. Die Route verbindet den urbanen Raum spielend mit der Natur. Sie ist mit jedem Radtyp befahrbar, auch auf den unbefestigten Wegen entlang der Limmat.

Fahrradtunnel bald offen

Zürich überzeugt uns. Museen und historische Bauten, Rückzugsorte im Grünen, eine tolle Café-Kultur, aber auch die idyllischen Flussbäder laden zum Städtetrip ein. Die Vielfalt an Radrouten für jedes Velo und jedes Fitnesslevel runden das Angebot ab. Auch beim Masterplan zur Veloförderung tut sich in diesem Jahr noch einiges. Eines der größeren Projekte ist Ausbau und Eröffnung des Fahrradtunnels unter dem Hauptbahnhof im Sommer 2024. Durch ihn werden die Stadtbezirke künftig noch schneller und sicherer miteinander verbunden. Wer seinen Zürich-Besuch mit dem Erlebnis eines besonderen Events verbinden möchte, hat dazu ab 21. September bei der Rad- und Para-Cycling-Straßen-WM die Gelegenheit. Ist das ein Plan?

Infos und Tipps für den Fahrrad-Citytrip Zürich

Anreise

Bahn: Von Berlin mit dem ICE erreicht man Zürich in knapp zehn Stunden.

Flugzeug: Der Flughafen Zürich wird von Eurowings aus Berlin und Köln/ Bonn direkt angeflogen. Über eine direkte Bahnverbindung gelangt man in 20 Min. vom Flughafen ins Stadtzentrum.

Unterkunft

Zahlreiche Übernachtungstipps findet man unter www.zuerich.com/de/besuchen/ uebernachten-in-zuerich

Camping: Fischer’s Fritz, See strasse 559, 8038 Zürich.
Idyllischer Campingplatz direkt am Seeufer. Der Platz ist relativ klein, deswegen sollte im Vorfeld unbedingt reserviert werden. www.fischers-fritz.ch

GPS-Daten zur City-Fahrradtour in Zürich

Den GPX-Track zur Fahrradtour in Zürich finden Sie auf dem DK-Tourenportal:

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Touren-Tipp Zürich: Gesamtlänge: 21 km, Höhenmeter gesamt: 80

Sehenswert

Rote Fabrik: Ein ehemaliges Fabrikareal, das als Kulturzentrum genutzt wird. Neben viel Streetart findet man dort unter anderem auch eine Fahrradwerkstatt und ein Café/Restaurant mit Seeblick. Auf dem Gelände finden diverse Kulturveranstaltungen sowie Theater- und Tanzvorführungen statt. https://rotefabrik.ch

Haus Hiltl: Gilt als das älteste vegetarische Restaurant der Welt. Seit 1898 verwöhnt das nach seinem Gründer Ambrosius Hiltl benannte Restaurant Vegetarier und Nichtvegetarier mit fleischlosen Spezialitäten aus aller Welt. Sihlstrasse 28, 8001 Zürich. https://hiltl.ch/standorte/uebersicht/haus-hiltl

Süße Versuchung: Ein Besuch der „Lindt Home of Chocolate“ ist für Schokoladenliebhaber ein Muss bei einem Zürich-Aufenthalt.Foto: Alex HüfnerSüße Versuchung: Ein Besuch der „Lindt Home of Chocolate“ ist für Schokoladenliebhaber ein Muss bei einem Zürich-Aufenthalt.

Lindt Museum: Neben dem weltweit größten Lindt-Schokoladen-Shop bietet das Museum eine interaktive, multimediale Ausstellung über die Geschichte der Schokolade sowie deren Herstellung an. Audioguides werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Natürlich wird auch eine kostenlose Verkostung angeboten. Ein Ausflugsziel nicht nur für Schokoladenliebhaber.
Schokoladenplatz 1, 8802 Kilchberg. Eintritt: Erwachsene CHF 17 / Kinder CHF 10. Tickets am besten online kaufen. www.lindt-home-of-chocolate.com/de

Kunsthaus Zürich: Das größte Kunstmuseum der Schweiz. Hier befindet sich eine der wichtigsten Kunstsammlungen der Schweiz: Picasso, Monet, van Gogh und Munch sind nur die namhaftesten Künstler, deren Werke dort ausgestellt sind. Das Kunsthaus ist so weitläufig, dass es nicht möglich ist, alles an einem Tag zu sehen. Tipp: Mittwochs ist der Eintritt ins Museum gratis! Heimplatz 1/5, 8001 Zürich. www.kunsthaus.ch

Radservice in Zürich

Kostenloser Fahrradverleih: Gegen ein Pfand von 20 Schweizer Franken kann man sich direkt neben dem Hauptbahnhof alle Arten von Fahrrädern kostenlos ausleihen. Darunter auch Lastenräder und Kinderräder. Velostation Europaplatz, Europaallee 7, 8004 Zürich. Täglich 08.00–21.30 Uhr. www.zuerich.com/de/besuchen/ sport/zueri-rollt

Velopumpenstationen: Städtische Velopumpstationen (Handpumpen). Die Pumpen können gratis benutzt werden, wenn einem mal die Luft ausgeht.
www.stadt-zuerich.ch/geodaten/ download/Velopumpstationen

Fahrradverleih: Publibike vermietet Bio-Bikes und E-Bikes an 130 Station im gesamten Züricher Stadtgebiet. Ein Bio-Bike kostet die ersten 30 Minuten pro Fahrt CHF 3,50, jede zusätzliche Minute wird mit CHF 0,10 berechnet. Die maximale Ausleihe beträgt 24 Stunden und kostet CHF 24. www.publibike.ch/de/home

Zürich Bike Card: Die „normale“ Zürich Card bietet neben der freien Fahrt mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln (2. Klasse mit Tram, Bus, Bahn, Schiff und Seilbahn) in der Stadt Zürich und in der näheren Umgebung zahlreiche weitere Vergünstigungen in Museen, Clubs und mehr.
Mit der Zürich Card Bike können zusätzlich die Publibikes kostenlos ausgeliehen werden. Kosten: 24 Stunden CHF 34 / 72 Stunden CHF 65. www.zuerich. com/de/ zuerichcard

MYBIKE-Tipps

Rad-Weltmeisterschaften 2024 (21.–29.9.): Zum vierten Mal werden die UCI Straßenradsport-Weltmeisterschaften in und um Zürich ausgetragen. Erstmals sind die Paracycling-Straßenweltmeisterschaften 2024 „integraler Bestandteil“ der WM. https://zurich2024.com

Trinkbrunnen: Für frisches und erstklassiges Trinkwasser ist in Zürich stets gesorgt – dank der mehr als 1.200 Brunnen, die in der Stadt alle paar Meter zu finden sind. Damit gehört die Schweizer Metropole zu den brunnenreichsten Städten der Welt überhaupt!

Mehr als 1.200 Trinkbrunnen sind in der Stadt verteilt.Foto: Alex HüfnerMehr als 1.200 Trinkbrunnen sind in der Stadt verteilt.

Radreiseveranstalter

Organisierte Radreisen in Zürich und Umgebung findet man bei Baja Bikes.
www.bajabikes.eu/de/ fahrradtour-zuerich www.zuerich.com/de besuchen/ e-bike-touren-in- zuerich

Reiseführer, Karten, Infos

Auf dem Portal der Stadt Zürich gibt es jede Menge Informatives für einen gelungenen Aufenthalt. www.zuerich.com/de www.zurichrides.ch


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