Stoneman GlaciaraEpische E-MTB-Tour durch die Schweizer Gletscher

Nathalie Schneitter

 · 25.12.2022

Spaltige Gletscherzungen, umstellt von Viertausendern.  4700 Höhenmeter auf 127 Kilometern. Für Genießer wäre die Stoneman-Route im Wallis eine Dreitages-Tour. Mindestens.  Als Tages-Tour wird sie zur Zitterpartie um jede Wattminute – und zum Rennen gegen das schwindende Tageslicht.
Foto: Marco Triebelhorn
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Spaltige Gletscherzungen, umstellt von Viertausendern. 4700 Höhenmeter auf 127 Kilometern. Für Genießer wäre die Stoneman Glaciara eine Dreitages-Tour. Mindestens. Als Tages-Tour auf dem E-MTB wird die Stoneman-Route im Wallis zur Zitterpartie um jede Wattminute – und zum Rennen gegen das schwindende Tageslicht.

Inhalt dieses Artikels:


Report Stoneman Glaciara mit dem E-MTB

Die Batterieanzeige blinkt rot, und die Steigung will kein Ende nehmen. Warum nur befindet sich der letzte Checkpoint so abgelegen auf der Moosfluh? Laut Streckenplan ist das einfach nur ein Extra-Loop, scheinbar willkürlich an die Strecke drangehängt, so überflüssig wie ein Kettenriss. Ein zäher Schnörkel jedenfalls, der unsere Akkus nahe an die Null-Prozent-Marke treibt – was, um Himmels Willen, soll diese Schinderei nach über 4000 Höhenmetern? Die Antwort ist einfach: Stoneman-Gründer Roland Stauder versteht sein Handwerk. Er weiß, dass der Anstieg jede Wattstunde und jeden Schweißtropfen wert ist. Auf der Moosfluh weitet sich der Blick über den Aletschgletscher, die größte dieser rissigen Eiszungen im kompletten Alpenbogen. Was für ein Gänsehautmoment, diesen gigantischen Eisteppich im Sonnenuntergangslicht zu erleben. Dass der E-Bike Akku praktisch leer ist, wird plötzlich genauso unwichtig wie der letzte Stempel aus einem kleinen Maschinchen irgendwo hier oben, der unseren längsten Touren-Tag der Saison auch offiziell beglaubigen soll.

Verlagssonderveröffentlichung

127 Kilometer und 4700 Höhenmeter an nur einem Tag

Doch zurück zum Start, und noch ein paar Tage weiter nach links im Zeitstrahl. Dahin, wo der Entschluss gereift ist: Wir wollen die 127 Kilometer und 4700 Höhenmeter des Stoneman Glaciara an einem Tag mit nur einer E-Bike-Batterie bezwingen. Das ist selbst für uns einigermaßen spleenig, und genau deshalb wollen wir es wagen. Wir, das sind Nathalie Schneitter und Joris Ryf, beide aus der Schweiz und beide Bronzemedaillen-Gewinner bei der E-Mountainbike-Weltmeisterschaft 2022. Die Fitness und Erfahrung für ein solches Unterfangen bringen wir also mit. Aber – auch das haben wir im Rennbetrieb gelernt – genauso wichtig ist ein cleverer Plan.

Das Morgenlicht auf dem Breithorn entschädigt für das frühe Aufstehen und den bissig kalten Wind. Obwohl wir es eigentlich längst wissen, lernen wir einmal mehr, dass sich früh aufzustehen immer lohnt! Foto: Marco Triebelhorn
Das Morgenlicht auf dem Breithorn entschädigt für das frühe Aufstehen und den bissig kalten Wind. Obwohl wir es eigentlich längst wissen, lernen wir einmal mehr, dass sich früh aufzustehen immer lohnt!

Ein perfektes Akku-Management auf dem E-Mountainbike ist beim Stoneman Glaciara unerlässlich

Das Akku-Management ist nämlich das A und O bei einem solchen Projekt. Start- und Zielort sowie die Stopps zum Nachladen unterwegs sind absolut zentral, denn die Tage sind kurz, und wir können nicht stundenlang an jeder Steckdose herumlungern, um Strom in die Batterie nachzupumpen. Je weniger wir laden und je besser wir planen, desto größer sind die Chancen, die Runde auch an einem kurzen Herbsttag zu schaffen. Wie viel Watt pro Stunde Joris und ich treten können, wissen wir als Leistungssportler ohnehin. Ergebnis der akribischen Planungsphase: Wir wählen Mörel als Ausgangspunkt und erhalten das Starterpaket für den Stoneman-Trail am Vorabend des Starts im Hotel.

Im großen Überraschungspaket finden wir auch das wichtigste Puzzleteil für einen amtlich erfolgreichen Stoneman: die Stempelkarte.

Sie wird uns durch die Tour begleiten und schlussendlich den Beweis erbringen, dass wir die komplette Tour absolviert haben. An sechs Checkpoints muss die Karte abgeknipst werden, damit wir zum Schluss die Stoneman-Trophäe in Empfang nehmen dürfen. Nicht gerade eine WM-Medaille, aber irgendwie verleiht die Stempelei unserem Abenteuer eine Art von übergeordnetem Sinn.

Beim Abendessen gibt’s noch eine letzte Team-Besprechung, bevor wir uns für eine kurze Nacht ins Bett legen – eine Art Rennroutine, obwohl es ja eigentlich „nur“ ein Abenteuer sein soll. Einmal Racer, immer Racer, gelernt ist gelernt. Für genau 5:40 Uhr morgens sieht die Marschtabelle den Start vor. Es ist September, und die Tage sind bereits kürzer als die Zeit, die wir brauchen werden. Und nicht zuletzt wollen wir noch einmal die ganze Pracht der Berge im Sattel einsaugen, bevor der Schnee die 2400 Meter hohen Übergänge für ein halbes Jahr zudeckt. Der frühe Start hat nämlich auch das Ziel, den Sonnenaufgang am Breithorn zu erleben. Das Hotel hat uns netterweise Frühstück bereitgelegt, doch außer Kaffee und einem kleinen Brötchen mit viel Nutella bringen wir beide nichts runter. Leicht nervös schwingen wir uns in eisig-feuchter Luft in den Sattel.

Nach dem Frühstücks-Stopp checke ich noch einmal den Wetterbericht auf dem Handy. Die Finger sind wieder auf Betriebstemperatur, die Akkus auf drei Viertel nachgeladen. Foto: Marco Triebelhorn
Nach dem Frühstücks-Stopp checke ich noch einmal den Wetterbericht auf dem Handy. Die Finger sind wieder auf Betriebstemperatur, die Akkus auf drei Viertel nachgeladen.

Die längste Steigung: Der zweite Tag Stoneman Glaciara fordert mit 1650 Höhenmetern uns und unsere E-MTB

Die Runde startet mit 1650 Höhenmetern am Stück. Es ist die längste Steigung des Tages, für die allein schon eine Akku-Ladung fällig wäre. Deshalb sehen wir das als Aufwärmprogramm für uns und pressen im Eco-Modus dem langsam aufwachenden Himmel entgegen. Erst ganz oben, als der Horizont schon bedenklich hell wird, schalten wir eine Stufe höher und investieren etwas Batterie, weil wir das Naturspektakel sonst womöglich verpassen. Wenn schon, denn schon!

2444 Meter über dem Meer kann man der aufgehenden Herbstsonne ästhetisch keine Vorwürfe machen, aber: Sie wärmt nicht. Beim Checkpoint Breithorn weht uns ein bissig-kalter Wind entgegen, der die Hände steif und die Bewegungen langsam macht. Unterkühltes Staunen, kurzes Augenblitzen über hochgezogenen Schlauchschals. Ich habe Mühe, meine Stempelkarte aus dem Außenfach meines Rucksacks zu nesteln, aber Handschuhe ausziehen kommt definitiv nicht infrage. Klickklack: Der erste von sechs Stempeln auf dem Stoneman Glaciara ist auf dem rot-weißen Kärtchen verewigt.

Beim Checkpoint Breithorn stempeln wir zum ersten Mal die Karte ab. Uns weht ein bissig-kalter Wind entgegen, der die Hände steifmacht. Zum Glück liegt die Stempelkarte griffbereit im Rucksack, und ich kann die Handschuhe anlassen. Foto: Marco Triebelhorn
Beim Checkpoint Breithorn stempeln wir zum ersten Mal die Karte ab. Uns weht ein bissig-kalter Wind entgegen, der die Hände steifmacht. Zum Glück liegt die Stempelkarte griffbereit im Rucksack, und ich kann die Handschuhe anlassen.

Stoneman Glaciara: Die Kälte macht uns schwer zu schaffen

Die Abfahrt ins Binntal fühlt sich an wie ein Rutsch durch den Gefrierschrank. Zwei Mal müssen wir eine Pause einlegen, um uns durch Hüpfen wieder aufzuwärmen. Der Trail-Anteil der Abfahrt ist minimal. Ob das gut ist? Unentschieden. Einerseits sind unsere kältesteifen Körper gerade nicht beweglich genug, andererseits wäre ein bisschen mehr Action besser für die Durchblutung als der tränentreibende Fahrtwind. Was auf jeden Fall gut ist: Im Restaurant Ofenhorn wartet ein Frühstück mit reichlich Heißgetränken und Kalorien auf uns. Das Nutellabrötchen von heute Morgen dürfte inzwischen medizinisch kaum noch nachweisbar sein. Auch den Akkus geht es bald besser: Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, den Checkpoint im Restaurant mit 50 Prozent Batterieladung zu erreichen. Um die 750-Wattstunden-Tanks wieder auf 75 Prozent Ladung hochzujubeln, reicht erfahrungsgemäß eine 90-minütige Pause. Genau die Zeit, die wir brauchen, um das Frühstücksbuffet gründlich abzugrasen.

Auf der Abfahrt ins Binntal fühlen wir uns wie in einem Gefrierschrank. Wir legen zweimal eine Pause ein, um uns hüpfend wieder aufzuwärmen. Foto: Marco Triebelhorn
Auf der Abfahrt ins Binntal fühlen wir uns wie in einem Gefrierschrank. Wir legen zweimal eine Pause ein, um uns hüpfend wieder aufzuwärmen.

Gerade als die Sonne die Talsohle ausleuchtet, fahren wir in Binntal wieder los. Gegen 10:30 Uhr wärmt sie endlich spürbar, und wir können zumindest Windjacke und Winterhandschuhe ausziehen. Der Rhône entlang geht es talaufwärts in Richtung Obergoms. Der Streckenabschnitt ist zwar nicht so spektakulär, doch das stetige Auf und Ab ist eine willkommene Abwechslung für die bereits müden Beine. Die auf Langstrecken heikle Balance zwischen Eigenanteil und Motor-Power hatten wir zwar genau kalkuliert, doch während der Akku in der Steckdose minutengenau regeneriert, lassen unsere Bio-Zweizylinder mit der Belastungsdauer sukzessive nach … Noch sind wir aber perfekt im Zeitplan. Auch unser Batterie-Management liegt noch im Rahmen. Den dritten Checkpoint des Stoneman Glaciara in Rekingen erreichen wir sogar früher als berechnet. Alles unter Kontrolle.

Dass unser Abenteuer deutlich mehr ist als ein Rechenexempel aus Systemgewicht, Wattleistung und Höhenmetern, lehrt uns erst der steile, technische Aufstieg nach Bellwald. Der Trail ist so steil, dass wir unvorhergesehen in den drehmomentstarken, aber stromgierigen E-MTB-Modus umschalten müssen. Sorgenvoll müssen wir dabei zusehen, wie die Balken in der Kapazitätsanzeige verlöschen. Nicht, dass es im Wallis keine Steckdosen gäbe, aber die Brotzeitpausen für den Körper und die Akku-Ladezeiten sollten idealerweise deckungsgleich sein. Und je später wir nachladen, desto länger wird die Zwangspause. Ein bisschen Trockenobst und ein Kaffee dauern vielleicht 20 Minuten, doch ein richtig leerer Akku? Mehrere Stunden. Zeit, die wir nicht mehr haben.

Uphillflow heißt das Zauberwort auf dem Trail nach Bellwald. Der Trail ist so steil, dass wir zwischenzeitlich in den drehmomentstärksten E-MTB-Modus schalten müssen. Foto: Marco Triebelhorn
Uphillflow heißt das Zauberwort auf dem Trail nach Bellwald. Der Trail ist so steil, dass wir zwischenzeitlich in den drehmomentstärksten E-MTB-Modus schalten müssen.

Saisonende, alles zu: Keine Steckdose weit und breit

Und so kommt unsere Rechnung nun endgültig durcheinander: Als wir uns in Bellwald auf den geplanten Mittagsstopp mit Ladephase freuen, ist der Ort still und leer – Saisonende. Kein einziges Restaurant hat mehr geöffnet. Klickklack, wenigstens der Stempelautomat an Checkpoint vier funktioniert. Und obwohl uns bis Fiesch nur noch wenige Höhenmeter fehlen, werden wir langsam nervös. Eine Handvoll Gummibärchen helfen mir, Laune und Konzentration aufrechtzuerhalten. Für die spaßige, aber knackige Abfahrt, reicht die Energie auch noch – und dann finden wir in Fiesch doch noch ein Restaurant. 13.30 Uhr, Akku-Stand: 40 Prozent, Resthöhenmeter: deutlich über 1500. Das will so gar nicht mehr zu unserer Marschtabelle passen. Im Wissen, dass wir ziemlich lang sitzen bleiben müssen, schlagen wir uns erneut die Bäuche voll. Bis wir nach 90 Minuten mit 60 Prozent Batterieladung wieder aufs E-Bike steigen. Leider sehnen wir uns jetzt eher nach einem Mittagsschlaf als nach weiteren knapp 1600 Höhenmetern. Aber nach ein paar Pedalumdrehungen kommt der Espresso in den Nervenspitzen an und mit ihm die Kohlenhydrate in den Muskelfasern.

Auf dem Trail zurück zur Fiescheralp ist Konzentration gefragt. Der Trail ist exponiert, ziemlich verblockt, und die steilen Gegenanstiege werden mit der merklich schwindenden Batterieunterstützung immer schwieriger zu bewältigen. Langsam spüren wir, dass wir bereits elf Stunden unterwegs sind und über 4000 Höhenmeter in den Beinen haben. Foto: Marco Triebelhorn
Auf dem Trail zurück zur Fiescheralp ist Konzentration gefragt. Der Trail ist exponiert, ziemlich verblockt, und die steilen Gegenanstiege werden mit der merklich schwindenden Batterieunterstützung immer schwieriger zu bewältigen. Langsam spüren wir, dass wir bereits elf Stunden unterwegs sind und über 4000 Höhenmeter in den Beinen haben.

Zwei Drittel der Anstiege haben wir doch schon geschafft, dann kriegen wir den Rest auch noch hin. Viele Serpentinen gestalten die 1000 Höhenmeter von Fiesch auf die Fiescheralp recht kurzweilig. Auch die Steigung lässt sich im Eco-Modus pedalieren. Das ist gut, denn die fahrtechnisch schwierigen Streckenabschnitte, die definitiv mehr Motorenkraft erfordern werden, stehen ja erst noch an. Bis dahin heißt es: Batterie sparen! Je höher wir gelangen, desto mehr lenkt der Ausblick auf die andere Talseite ab. Dort rückt jetzt das Breithorn ins Panorama, von dem wir am Morgen noch den Sonnenaufgang bestaunt haben. Der Berg erscheint uns jetzt unsagbar weit weg. Erstaunlich, wie weit man doch an einem Tag mit dem E-Bike vorankommen kann.

Kurz vor Tagesende muss der Akku nochmal geladen werden

Um 17:00 Uhr spuckt uns der Tunnel am Märjensee aus: Klickklack, der fünfte Checkpoint. Langsam, aber sicher schleicht die Müdigkeit von den Beinen bis in die Arme, bis zum Kopf auf. Elf Stunden sind wir bereits unterwegs. Jetzt nur nicht auch noch die Konzentration verlieren! Der Trail zurück zur Fiescheralp ist anspruchsvoll, teils exponiert und ziemlich verblockt. Steile Gegenanstiege gilt es, mit Schwung zu nehmen, bis der E-MTB-Modus nicht mehr zu vermeiden ist. Zweimal müssen wir sogar schieben. Es hilft nichts, wir müssen auf der Fiescheralp noch mal 20 Minuten laden, um die letzten 230 Höhenmeter zur Moosfluh mit 20 Prozent in Angriff nehmen zu können. Natürlich wird es trotzdem nicht reichen, das ist uns schon klar. Aber bevor uns auch noch das Tageslicht ausgeht, halten wir das für einen angemessenen Kompromiss.

Um 17 Uhr gelangen wir durch den Tunnel zum Märjensee. Obwohl das Wallis seit Wochen keinen Regen gesehen hat, ist der Tunnel feucht und sehr dunkel. Foto: Marco Triebelhorn
Um 17 Uhr gelangen wir durch den Tunnel zum Märjensee. Obwohl das Wallis seit Wochen keinen Regen gesehen hat, ist der Tunnel feucht und sehr dunkel.

Zum Schluss gibt’s die Belohnung: 1400 Tiefenmeter ins Tal zum Abschluss des Stoneman Glaciara

Die Batterieanzeige blinkt das erste Mal rot, als das Ende der Steigung zur Moosfluh noch nicht in Sicht ist. Was für ein Blödsinn mit dieser Extra-Schleife! Was haben sich der Stauder und die Streckenleger dabei gedacht? Gedanken, die einem eben so durch den Kopf pulsieren, wenn der letzte Akku-Streifen verblasst und der Angstschweiß aus den Poren tritt. Angst, dass dieses Projekt nach all der Mühe und Vorbereitung am Ende wegen dieser bescheuerten Extra-Meter am Ende doch noch zu scheitern droht. Doch dann liegt er plötzlich unter uns, der Aletschgletscher. Von der tief stehenden, goldenen Abendsonne dramatisch ins Szene gesetzt. Wir könnten jetzt jede einzelne seiner Eisrippen zählen, die sich da auf 23 Kilometern Länge durchs Tal vorarbeiten. Durch meine Freudentränen etwas verschwommen erkenne ich dahinter die Konturen von Aletschhorn, Eiger, Mönch und Jungfrau. Ein Anblick, für den man sich selbst als bergverwöhnter Schweizer einen Moment auf ein Bänkchen setzen muss, um den Moment zu genießen. Was für ein Timing: Sonnenaufgang auf dem Breithorn und Sonnenuntergang auf der Moosfluh, perfekter hätte es fast nicht laufen können. Und das Allerbeste: Fünf Prozent Akku sind auch noch im Tank! Das sollte für die restlichen 1400 Tiefenmeter, die wir jetzt nur noch bergab rollen müssen, wohl reichen.

Der Aletschgletscher erstrahlt im goldenen Abendlicht, und 1400 Tiefenmeter liegen noch vor uns, ein wahrlich magischer Moment. Foto: Marco Triebelhorn
Der Aletschgletscher erstrahlt im goldenen Abendlicht, und 1400 Tiefenmeter liegen noch vor uns, ein wahrlich magischer Moment.

Unsere Stimmung ist so feierlich, dass wir fast vergessen, uns den Stempel am letzten Checkpoint abzuholen. Auch als ich mir wenige Minuten später auf dem ruppigen Trail noch einen Platten am Hinterrad einfange – geschenkt. Passiert. Das kann uns die Siegerlaune nicht verderben. Nein, das schaffen erst die kleinen Gegenanstiege, mit denen wir tatsächlich gar nicht mehr gerechnet haben. Wieder treibt das Adrenalin Schweißperlen auf die Stirn. So erreichen wir mit absolut null Prozent Akku-Ladung am E-MTB irgendwann doch noch das Hotel. Und zwar exakt so, wie wir es heute frühmorgens verlassen haben: im Dunkeln.

Das nennt man wohl Punktlandung: Mit genau Null Prozent Akku-Ladung sind wir zurück in Mörel. Das Akku-Management hätte nicht besser aufgehen können, auch wenn wir deswegen zwischenzeitlich richtig ins Schwitzen kamen… Foto: Marco Tribelhorn
Das nennt man wohl Punktlandung: Mit genau Null Prozent Akku-Ladung sind wir zurück in Mörel. Das Akku-Management hätte nicht besser aufgehen können, auch wenn wir deswegen zwischenzeitlich richtig ins Schwitzen kamen…

Leider ist unsere Feierlaune gerade etwas gedämpft, weil wir die eigentlich spaßige letzte Abfahrt vor lauter Zeit- und Akku-Stress, aber auch vor lauter Müdigkeit, gar nicht richtig auskosten konnten. Daher sind wir uns einig: Den Stoneman Glaciara an einem Tag, mit einer Batterie zu fahren, ist möglich – aber empfehlen können wir es nicht. Das Wallis ist landschaftlich zu schön, die Trails zu gut, und das Essen könnte man mit mehr Zeit auch besser genießen. Trotzdem sind wir natürlich stolz, als wir die Stempelkarten im Hotel abgeben und die Stoneman-Trophäe in Empfang nehmen – auch wenn es für uns mit dem E-MTB nur ein normaler Stein ist und nicht der goldene, den ein Bio-Biker für den Eintagesritt bekommen hätte.

Stoneman – die Idee

Idee und Konzept stammen vom ehemaligen Marathon-Weltmeister Roland Stauder, der im Hochpustertal die Steinmännchen für seine erste Stoneman-Route aufschichtete. Die Idee: Es geht darum, eine große, ausgewiesene Runde in 1–3 Tagen zu schaffen. Als Leistungsnachweis gilt es, ein Stempelheft zu führen, und am Ende gibt es eine Trophäe. Inzwischen wurde das Konzept exportiert mit der Auflage, dass jedes Land nur eine Stoneman-Route ausweisen darf.

Die Stoneman-Trophäen Foto: Marco Triebelhorn
Die Stoneman-Trophäen

Infos Stoneman Glaciara

Die Kulisse

Die Route des Stoneman Glaciara führt zwischen den größten Gletschern der Alpen, imposanten Viertausendern und jahrhundertealten Bergdörfern durch den Schweizer Kanton Wallis. Die Länge und Anzahl der einzelnen Etappen mit insgesamt 127 Kilometern und 4700 Höhenmetern kann man individuell wählen. Die Drei-Tage-Variante eignet sich perfekt als Genuss-Tour, um die landschaftlichen Highlights und die lokale Kulinarik zu genießen.

Die 2-Tages-Etappen fuhren wir mit dem E-MTB an einem Tag - wahrlich eine Monster-Tour. Foto: Karin Kunkel-Jarvers
Die 2-Tages-Etappen fuhren wir mit dem E-MTB an einem Tag - wahrlich eine Monster-Tour.

Schwierigkeitsgrad

Gute Fahrtechnik erforderlich, einige Pfade teils ausgesetzt. Große Teile der Route führen aber über Schotterstraßen, die für alle gut fahrbar sind.

Lademöglichkeiten

Das Laden in den Restaurants ist zumindest mit eigenem Ladegerät und herausnehmbaren Batterien kein Problem. ACHTUNG: Die meisten Ladestationen verfügen bisher noch nicht über ein Ladegerät für das neue Smart-System von Bosch. Lademöglichkeiten gibt’s hier: Checkpoint Bellwald Fiescheralp; Riederalp; Binn, Goms (Blitzingen).

Starterpaket für den Stoneman Glaciara

Den GPX-Track und Infos zur sinnvollen Routeneinteilung gibt’s auf der Stoneman-Website. Eine Routenkarte liegt dem Starterpaket bei, und die Strecke ist zusätzlich komplett beschildert. Die Tour wird gegen den Uhrzeigersinn gefahren. Im Starterpaket findet sich auch die Stempelkarte, die bei den sechs Checkpoints abgestempelt werden muss: Breithorn, Binn, Reckingen, Bellwald, Märjela, Mossfluh. Gäste der 23 Partnerhotels erhalten Stempelkarte und Trophäe direkt im Hotel, externe Gäste bei den offiziellen Ausgabestellen. Die Adressen der Partner sind auf der Stoneman-Website gelistet.

Die Strecke:

  • Etappe 1: Mörel – Ernen: 42,9 Kilometer / 1990 Höhenmeter
  • Etappe 2: Ernen – Fiesch: 34,9 Kilometer / 770 Höhenmeter
  • Etappe 3: Fiesch – Mörel: 49,3 Kilometer / 1940 Höhenmeter

Trophäen

Registrierte Bio-Biker, die den Stoneman an einem Tag schaffen, erhalten eine Steinmännchen-Trophäe in Gold. Für zwei Tage gibt es Silber, für drei Bronze. E-Biker bekommen als Erinnerung eine Trophäe aus Naturstein – vielleicht ein Grund mehr, den Stoneman Glaciara lieber als Genuss-Tour in mehreren Etappen zu fahren.

Infos allgemein

Unterkunfts- und Einkehradressen entlang der Strecke und alle wichtigen Infos zur Tour gibt es unter stoneman-glaciara.com


Viererpack - die anderen Stonemen

Die Ur-Version ist der Stoneman Dolomiti im Hochpustertal mit 120 Kilometern und 4000 Höhenmetern. Seine Route führt durchs Drei-Zinnen-Gebiet. Foto: Christian Penning
Die Ur-Version ist der Stoneman Dolomiti im Hochpustertal mit 120 Kilometern und 4000 Höhenmetern. Seine Route führt durchs Drei-Zinnen-Gebiet.

1 Stoneman Dolomiti – das Original

Die Ur-Strecke, an der Roland Stauder einst seine Steinmännchen als Wegweiser aufschichtete, führt durch die großartige Kulisse der Sextener Dolomiten. Die zehn Kilometer lange, ausgesetzte Demuth-Passage (leichtere Umfahrung möglich) ist hier genauso legendär wie der Blick auf die berühmten Drei Zinnen. Wer hier antritt, muss mit dolomiten-typischen, steilen Anstiegen rechnen und sollte fahrtechnisch gut drauf sein. „Abgestempelt“ wird hier an den Checkpoints über ein Armband, das am Ende an der Ausgabestelle vorgezeigt werden muss. Insgesamt hat die Strecke 115 km und 4000 hm. Saison: Juni bis September, Starterpaket: 25 Euro, Infos bei Stoneman Dolomiti

2 Deutschland: Stoneman Miriquidi

Das Erzgebirge in Sachsen war der Gewinner unter den zahlreichen Bewerbern für die deutsche Stoneman-Version. Sie startet in Oberwiesenthal und führt auf fahrtechnisch einfachen Schotter- und Feldwegen im Auf und Ab an der idyllischen Talsperre Cranzahl vorbei und klettert dann aber sportlich über Bärenstein, Pöhlberg und Scheibenberg. Am Ende mündet die Tour im Trailcenter Rabenberg, wo doch noch mal etwas Fahrtechnik gefragt ist. Die gesamte Route: 162 km und 4400 hm. Saisonstart: 28. April, Infos und Starterpaket

3 Österreich: Stoneman Taurista

Die österreichische Ausgabe des Stoneman führt durchs Salzburger Land, genauer gesagt durch die Flachau. Startort ist Altenmarkt. Von hier aus geht’s den hohen Rossbrand hinauf (1768 m) und anschließend konditionell anstrengend, fahrtechnisch an einigen hochalpinen Passagen auch anspruchsvoll (Seekarscharte), vor prächtiger Kulisse dahin: Dachstein, Bischofsmütze und die Hohen Tauern mit dem Großglockner schauen dabei zu, wie man sich grasbewachsene Bergflanken im Zickzack hinaufkämpft. Auch hier ist ein eintägiger Gewaltritt keine gute Idee. Schon wegen der vielen einladenden Hütten, die man entlang der Strecke nicht achtlos liegen lassen möchte. Insgesamt: 123 km und 4500 hm (die Route war letztes Jahr von Umleitungen betroffen). Saison: Juni bis September, Infos und Starterpaket.

4 Belgien: Stoneman Arduenna

Pommes statt Germknödel! Warum nicht? Mit langen, zehrenden Anstiegen können die Ardennen im französischsprachigen Osten Belgiens zwar nicht aufwarten, aber knackige Anstiege und schöne Landschaft können sie. Und was Trails betrifft, stellen sie so manch anderen Kollegen sogar in den Schatten. Insgesamt: 176 km und 3900 hm, Infos bei Stoneman Arduenna.

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