Schweiz

Graubünden – wirklich das „Home of Trails“?

Adrian Kaether

 · 13.06.2019

Graubünden – wirklich das „Home of Trails“?Foto: Adrian Kaether

Seit mehreren Jahren vermarktet sich Graubünden selbstbewusst als „Home of Trails“. Im letzten Herbst konnten wir diesem Versprechen auf den Spuren Danny MacAskills vier Tage lang auf den Zahn fühlen.

Blauer Himmel, bestes Bergwetter und kaum eine Wolke zu sehen. Die Stollen meines Vorderrades graben sich in den ockergelben Trail und doch fühle ich mich nicht ganz wohl: Denn man sieht kaum zwei Radlängen weit. Es ist bereits Mitte Oktober, aber der heiße Sommer ist im Engadin noch nicht verdaut und der Regen lässt seit über einer Woche auf sich warten. Alles ist gelb, sandig und verödet. Leo, meinen Vordermann, kann ich inmitten der Staubwolke vor mir nur erahnen. Mit vielem hatten wir gerechnet, Mitte Oktober auf rund 3000 Metern. Mit Regen, erstem Schnee auf den Gipfeln, eisigen Winden. Aber dass die Hitze und Trockenheit uns ausbremsen würden, wer hätte das gedacht…

Der Mann von der Isle of Skye und das „Home of Trails“


Eigentlich beginnt die Geschichte dieser Reise aber an einem ganz anderen Ort. In einem Land, das vielleicht auch für seine gelben Heidehügel berühmt ist, aber ganz sicher nicht für sein trockenes Klima. Schottland ist nämlich die Heimat von Trial-Ass und Youtube-Star Danny MacAskill. Auch eines seiner letzten Videos vom April 2018 – Home of Trails – hat mittlerweile gut zwei Millionen Klicks auf Youtube. Kein Vergleich mit den 90 Millionen Klicks von Video-Hits wie "Imaginate", aber trotzdem erstaunlich. Schließlich war das Ganze ja eher eine gut getarnte und lustig gemachte PR-Aktion der Bündner.


Bildgewaltig setzt der Clip den größten Kanton der Schweiz als Mountainbike-Mekka in Szene. Flowige Trails, epische Abfahrten, Danny-mäßige Stunts, feines Essen, spektakuläre Sonnenaufgänge und alles umgeben von einem Panorama, das einem schier den Atem raubt. Zu schön, um wahr zu sein? Wir wollen es herausfinden. Vier Tage Graubünden sind dafür eingeplant. Erst in Celerina bei St. Moritz, dann in Scuol im Unterengadin. So können wir die meisten Spots aus dem Video in kurzer Zeit abklappern und trotzdem das Auto zu Hause lassen. Denn den Transport zwischen den beiden Orten besorgt stilecht und gewissensgerecht die Rhätische Bahn.

  Fährt fast überall hin. Die Rhätische Bahn ist die höchstliegende Eisenbahnlinie Europas und in Graubünden eine vorzügliche Alternative zum Auto. Manchmal geht's sogar so steil rauf, dass man die Bahn als Shuttle nutzen kann.Foto: Adrian Kaether
Fährt fast überall hin. Die Rhätische Bahn ist die höchstliegende Eisenbahnlinie Europas und in Graubünden eine vorzügliche Alternative zum Auto. Manchmal geht's sogar so steil rauf, dass man die Bahn als Shuttle nutzen kann.

In 60 Minuten auf 3000 Meter – Kurvenorgie unterhalb der Trais Fluors


Aber die Planung mit öffentlichen Verkehrsmitteln hat auch ihre Nachteile. Der Transfer dauert immer etwas länger als mit dem Auto und so ist unser Zeitplan eng gestrickt. Trödeleien können wir uns nicht leisten, wenn wir in vier Tagen unser Programm schaffen wollen. Also springen wir als Allererste aus dem Zug, werfen nur schnell das Gepäck ins Hotel und sitzen kaum eine halbe Stunde später wieder auf dem Bike. Eine Gondel trägt uns von Celerina aus ein Stück nach oben, dann heißt es selbst treten. „Kinderwagenweg“ stand da auf der Karte, aber Pustekuchen. Die Schotterrampe ist richtig steil und die elektronischen Helferlein vermelden bereits 2500 Meter Höhe. Da wird die Luft schon dünn für zwei nicht akklimatisierte Flachlandtiroler, bei denen das letzte Intervalltraining schon ein paar Jahre zurückliegt.


Aber das Panorama gleicht es aus und der Anstieg währt auch nicht ewig. Mit brennender Lunge geht’s in die zweite Gondel und nur Augenblicke später spuckt uns die Bergbahn auf dem Piz Nair wieder aus, dem 3000 Meter hohen Hausberg von St. Moritz und Sonnenaufgangsspot für das Danny-Video. Schnell ein (zugegeben, wenig verdientes) Gipfelfoto mit Steinbock "Gianni" gemacht und ab auf den Trail. Zur Routenplanung kommt zu Testzwecken die hauseigene App des Graubünden-Tourismus zum Einsatz, aber auch die großen Internetplattformen á la Trailforks,

und Herbert-Bike bieten jede Menge Tourenmaterial für die Region an.

Panoramatour mit Trailspaß unterhalb des Piz Nair


Die Richtung, in die uns die App navigiert, stimmt jedenfalls, doch die Tourenbeschreibung hat in Sachen Panorama eindeutig untertrieben. Bis zu einem kleinen Stausee nordöstlich des Gipfels führt uns der Weg, dann klettern wir auf einem steinigen Trail wieder gut 400 Höhenmeter Richtung Trais Fluors, passieren nach einer guten halben Stunde einen weiteren Kamm und sind im Kurvenparadies. Vor uns breitet sich die Berglandschaft aus, vor unseren Rädern schwingt sich der Weg den Kamm hinunter. Nur ruhig sollte man es angehen lassen, denn der Untergrund bietet bei Trockenheit erstaunlich wenig Grip und oft rutscht das Hinterrad durch die engen Kehren, auch wenn man es – dem Umwelt- und Trailschutz zuliebe – eigentlich vermeiden wollte.

  Sieht zwar dynamisch aus, war aber ein Versehen. Der Rutscher sollte auf natürlichen Trails absolut nicht vorkommen, damit auch noch viele andere das tolle Panorama unterhalb der Trais Fluors genießen können.Foto: Adrian Kaether
Sieht zwar dynamisch aus, war aber ein Versehen. Der Rutscher sollte auf natürlichen Trails absolut nicht vorkommen, damit auch noch viele andere das tolle Panorama unterhalb der Trais Fluors genießen können.

Drei Klimazonen in einer Stunde – Trais Fluors, Poschiavo, Val Suvretta


Der Trail fesselt uns und als solcher bleibt er nicht allein. In zweieinhalb Tagen rund um St. Moritz nehmen wir noch die große Runde über Pontresina nach Poschiavo mit einem Abstecher zum Rifugio Sassal Masone unter die Stollen, ebenso wie alle Flowtrails an der Corviglia und den anspruchsvollen Trail durch das Val Suvretta. Insbesondere Letzterer sowie der Kurventrail unterhalb der Trais Fluors und der Abstecher hinter dem Rifugio Sassal Masone bleiben uns lange in Erinnerung. Die Trails sind verblockt und fordernd, aber nicht nur was für absolute Profis. Beim Panorama bleibt einem die Spucke weg und die Abfahrten wollen zum Teil gar nicht enden.

  Das Wasser des Suvrettasees ist kalt und klar, der Trail für unseren Geschmack genau richtig. Nicht zu heftig, aber trotzdem immer wieder mit kleinen Schlüsselstellen durchsetzt.Foto: Adrian Kaether
Das Wasser des Suvrettasees ist kalt und klar, der Trail für unseren Geschmack genau richtig. Nicht zu heftig, aber trotzdem immer wieder mit kleinen Schlüsselstellen durchsetzt.


Die Flowtrails dagegen sind gut gebaut und bieten auch Einsteigern gute Möglichkeiten, sich an den Sport heranzutasten. Leider wurden Steine, Wurzeln und andere natürliche Hindernisse fast vollständig aus den Trails entfernt, was bei uns nicht nur auf Begeisterung stößt – aber gut: Es sind eben speziell angelegte Flowtrails und man kann es nicht jedem Recht machen.

Trotz des technischen Anspruchs bieten die Trails in St. Moritz auch immer wieder flüssig rollende Passagen, die auch mal im Sprung genommen werden können.Foto: Adrian Kaether
Trotz des technischen Anspruchs bieten die Trails in St. Moritz auch immer wieder flüssig rollende Passagen, die auch mal im Sprung genommen werden können.
Die Abfahrt vom Berninapass nach Pontresina ist gut ausgeschildert und wird viel beworben und gepflegt. Die Beschilderung abseits der Hauptrouten könnte im Oberengadin aber zum Teil noch etwas besser sein.Foto: Adrian Kaether
Die Abfahrt vom Berninapass nach Pontresina ist gut ausgeschildert und wird viel beworben und gepflegt. Die Beschilderung abseits der Hauptrouten könnte im Oberengadin aber zum Teil noch etwas besser sein.
Zwischen Lej Alv und Trais Flours Sattel heißt es noch einmal klettern. Nur mit guter Kondition ist auch das oberste Stück noch fahrbar.Foto: Adrian Kaether
Zwischen Lej Alv und Trais Flours Sattel heißt es noch einmal klettern. Nur mit guter Kondition ist auch das oberste Stück noch fahrbar.
Die Heidelandschaft im Oberengadin erinnert an Schottland. Das Wetter ist zum Glück meistens deutlich besser.Foto: Adrian Kaether
Die Heidelandschaft im Oberengadin erinnert an Schottland. Das Wetter ist zum Glück meistens deutlich besser.
Staub so weit das Auge reicht. Das Wetter war im letzten Oktober erstaunlich gut, der Boden aber zum Teil schon ziemlich rutschig und von der Trockenheit aufgebrochen.Foto: Adrian Kaether
Staub so weit das Auge reicht. Das Wetter war im letzten Oktober erstaunlich gut, der Boden aber zum Teil schon ziemlich rutschig und von der Trockenheit aufgebrochen.
Der Abstecher zum Rifugio Sassal Masone lohnt sich landschaftlich wie fahrtechnisch. Weiß im Hintergrund glänzt der Palü-Gletscher.Foto: Adrian Kaether
Der Abstecher zum Rifugio Sassal Masone lohnt sich landschaftlich wie fahrtechnisch. Weiß im Hintergrund glänzt der Palü-Gletscher.
Fährt fast überall hin: Die Rhätische Bahn ist die höchstliegende Eisenbahnlinie Europas und in Graubünden eine vorzügliche Alternative zum Auto. Manchmal geht's so steil rauf, dass man die Bahn sogar als Shuttle nutzen kann.Foto: Adrian Kaether
Fährt fast überall hin: Die Rhätische Bahn ist die höchstliegende Eisenbahnlinie Europas und in Graubünden eine vorzügliche Alternative zum Auto. Manchmal geht's so steil rauf, dass man die Bahn sogar als Shuttle nutzen kann.
Richtung Poschiavo sind die Trails meist flüssig und nicht zu anspruchsvoll. Auch für Familien eine Empfehlung wert.Foto: Adrian Kaether
Richtung Poschiavo sind die Trails meist flüssig und nicht zu anspruchsvoll. Auch für Familien eine Empfehlung wert.
Die Flowtrails sind gut gepflegt und für verschiedene Fahrerlevel attraktiv. Fahrbar auch für Anfänger, richtig schnell werden aber nur versierte Könner.Foto: Adrian Kaether
Die Flowtrails sind gut gepflegt und für verschiedene Fahrerlevel attraktiv. Fahrbar auch für Anfänger, richtig schnell werden aber nur versierte Könner.
Trotz des technischen Anspruchs bieten die Trails in St. Moritz auch immer wieder flüssig rollende Passagen, die auch mal im Sprung genommen werden können.Foto: Adrian Kaether
Trotz des technischen Anspruchs bieten die Trails in St. Moritz auch immer wieder flüssig rollende Passagen, die auch mal im Sprung genommen werden können.
Die Abfahrt vom Berninapass nach Pontresina ist gut ausgeschildert und wird viel beworben und gepflegt. Die Beschilderung abseits der Hauptrouten könnte im Oberengadin aber zum Teil noch etwas besser sein.Foto: Adrian Kaether
Die Abfahrt vom Berninapass nach Pontresina ist gut ausgeschildert und wird viel beworben und gepflegt. Die Beschilderung abseits der Hauptrouten könnte im Oberengadin aber zum Teil noch etwas besser sein.
Die Abfahrt vom Berninapass nach Pontresina ist gut ausgeschildert und wird viel beworben und gepflegt. Die Beschilderung abseits der Hauptrouten könnte im Oberengadin aber zum Teil noch etwas besser sein.
Zwischen Lej Alv und Trais Flours Sattel heißt es noch einmal klettern. Nur mit guter Kondition ist auch das oberste Stück noch fahrbar.
Die Heidelandschaft im Oberengadin erinnert an Schottland. Das Wetter ist zum Glück meistens deutlich besser.
Staub so weit das Auge reicht. Das Wetter war im letzten Oktober erstaunlich gut, der Boden aber zum Teil schon ziemlich rutschig und von der Trockenheit aufgebrochen.
Der Abstecher zum Rifugio Sassal Masone lohnt sich landschaftlich wie fahrtechnisch. Weiß im Hintergrund glänzt der Palü-Gletscher.
Fährt fast überall hin: Die Rhätische Bahn ist die höchstliegende Eisenbahnlinie Europas und in Graubünden eine vorzügliche Alternative zum Auto. Manchmal geht's so steil rauf, dass man die Bahn sogar als Shuttle nutzen kann.
Richtung Poschiavo sind die Trails meist flüssig und nicht zu anspruchsvoll. Auch für Familien eine Empfehlung wert.
Die Flowtrails sind gut gepflegt und für verschiedene Fahrerlevel attraktiv. Fahrbar auch für Anfänger, richtig schnell werden aber nur versierte Könner.
Trotz des technischen Anspruchs bieten die Trails in St. Moritz auch immer wieder flüssig rollende Passagen, die auch mal im Sprung genommen werden können.

So ist zumindest für jeden was dabei. Die auf Massen von Skifahrern eingestellte Infrastruktur bewältigt den Sommertourismus völlig problemlos und sorgt so für einen reibungslosen Ablauf, wenn man einen der zahlreichen Lifte benutzen möchte, um mehr Tiefenmeter zu sammeln. Und zu guter Letzt ist Trailpflege auch kein Fremdwort für die Region. Bremsrillen oder ausgewaschene Passagen suchten wir selbst am Ende einer langen Saison vergebens. Nur die Beschilderung, abseits der offiziellen Hauptrouten (Flowtrails, Poschiavo-Runde), könnte noch etwas ausgebaut werden, damit man das GPS-Gerät dauerhaft in der Tasche lassen kann.

Scuol – Wildnis im Grenzgebiet


Kaum 50 Kilometer trennen Scuol und St. Moritz. Aber als wir am dritten Tag unserer Reise nach einer guten Stunde Fahrt wieder aus dem Zug springen, merken wir sofort, dass in Scuol alles anders ist. Der Herbst fängt hier im Oktober gerade erst an, die Bäume sind grüner, alles ist wilder und ungezähmter. Fast angstvoll schmiegt sich das kleine Städtchen an die Hänge des tiefen Inntals. Mit seiner Kirche, die wie ein kurzer Finger trotzig gegen den weit entfernten Himmel zeigt.

  Der Laj Nair (schwarzer See) oberhalb von Scuol ist ein Torfsee und macht seinem Namen alle Ehre.Foto: Adrian Kaether
Der Laj Nair (schwarzer See) oberhalb von Scuol ist ein Torfsee und macht seinem Namen alle Ehre.


Scuol war früher, das erzählt uns ein Guide, ein Schmugglerparadies wie fast jede Bergregion in Grenznähe. Zehn Kilometer nach Norden und man steht in Österreich, zehn Kilometer nach Süden und man hat Italien erreicht. Dazwischen jedoch eine gewaltige Gipfellandschaft, durch die nur wenige Biker-gerechte Pfade führen. Aber gerade im Kontrast zum Oberengadin mit seinen weiten, offenen Landschaften liegt der Reiz unserer Unternehmung. Seilbahnen gibt es hier im Oktober nur eine einzige und genau die trägt uns am nächsten Morgen hinauf aus dem Ort Richtung Alp Clünas.

Morgenstimmung auf der Alp Clünas


Unser Guide Werni von Supertrailrides ist ein Urgestein in Scuol und hat für unseren frühen Aufstieg seine Verbindungen spielen lassen. In der allerersten Gondel schweben wir um halb Acht gemeinsam mit dem Seilbahn-Personal in die Höhe. Von da aus geht es noch ein Stück weiter mit dem Jeep nach oben, damit wir schon kurz nach Sonnenaufgang auf der Alp Clünas ankommen und die Morgenstimmung in all ihrer Pracht genießen und festhalten können. So jedenfalls der Plan.

  Das Wetter in Scuol hatte in letzter Minute ein Einsehen und sorgte für Gänsehautstimmung am letzten Morgen der Reise.Foto: Adrian Kaether
Das Wetter in Scuol hatte in letzter Minute ein Einsehen und sorgte für Gänsehautstimmung am letzten Morgen der Reise.


Aber die Wolken hängen dicht über dem Tal, der Himmel zeigt nur Nuancen von Schwarz und Grau und drückt förmlich auf die Gipfel am Horizont. Von Sonne keine Spur. Ich sitze im Jeep und mir wird jetzt schon ganz übel, wenn ich an die Fotos denke, die das nachher geben soll. Kaum laden wir aber die Bikes von der Ladefläche, da hat Petrus ein Einsehen und pünktlich zum Sonnenaufgang reißt der schwarze Himmel auf und hüllt uns in ein dramatisches, goldenes Licht.


Vielleicht ein gutes Omen. Denn auch der Trail, der folgt und uns über die Alp Clünas und die Alp Laret führt, hat es in sich. Oben geht es mit Highspeed über die baumlosen Fluren, dann wird der Trail schmaler und fräst sich am Berghang auf einer Höhe Richtung Norden, während die Abfahrt zum wilden Bergfluss Tasnan technisch und steinig gerät. Eine pittoreske Holzbrücke trägt uns über den Fluss, weiter unten treffen wir auf die steinernen Zwillingsbrücken bei Pra da Punt, die auch schon Danny MacAskills Hinterräder auf ihrem Rücken gespürt haben. Den Sprung von Brücke zu Brücke sparen wir uns aber, denn zwischen den Überwegen geht es steil hinunter und ein Fehler hier ist mit Sicherheit tödlich. Unglaublich, was der Schotte sich alles traut!

Waldtrails am schwarzen See

  Oberhalb des Laj Nairs schwingen sich die Trails in wundervollen Kurven durch den lichten Wald. Foto: Adrian Kaether
Oberhalb des Laj Nairs schwingen sich die Trails in wundervollen Kurven durch den lichten Wald. 


Die Abfahrt mit anschließendem Schlenker über einen Kurventrail östlich der Motta Naluns nimmt den Rest des Vormittages in Anspruch. Doch auch auf der Südseite des Ortes warten weitere Trails auf uns. Sie liegen zumeist oberhalb des Laj Nairs, der seinem Namen „schwarzer See“ alle Ehre macht. Werni, unser Guide vom Vormittag, spielt jetzt das Shuttle und kurvt uns gut 300 Meter in die Höhe, danach übernimmt sein Kollege Xaver die Führung, hält uns auf dem Transfer mit Stories von Bikern, Schmugglern und Zöllnern bei Laune, bevor er uns über grüne, offene Wiesen in den Kiefernwald hineinführt.


Tour und Reise enden nach einem Schmankerl von flowigen und einfach zu fahrenden Waldtrails an der Brücke über den Inn, von wo aus ein kurzer Transfer zum erfrischenden Brunnen im Ortszentrum von Scuol führt. Ganz im Danny MacAskill-Spirit feiert Mitfahrer Leo das Ende unserer Reise mit einer kleinen Stunteinlage auf der Brunnenmauer. Aber es ist eben nicht jeder mit Danny MacAskills Talent gesegnet und so landet das Kind im wahrsten Sinne des Wortes im Brunnen.

Dramatisches Licht auf der Alp Clünas im Morgengrauen.Foto: Adrian Kaether
Dramatisches Licht auf der Alp Clünas im Morgengrauen.
Begleiter Leo versucht sich an einem Danny-mäßigen Stunt auf der Brunnenmauer von Scuol. Es klappt auch…bis es dann nicht mehr klappt und Bike samt Fahrer im Brunnen landen.Foto: Adrian Kaether
Begleiter Leo versucht sich an einem Danny-mäßigen Stunt auf der Brunnenmauer von Scuol. Es klappt auch…bis es dann nicht mehr klappt und Bike samt Fahrer im Brunnen landen.
Das Dorf Scuol ist voller alter Häuser, die ein bisschen an den Schellenursli erinnern. Die kleinen, tief eingelassenen Fenster und der helle Anstrich der Nischen sollen Licht einfangen ohne zu viel Wärme nach außen abzugeben. Clever!Foto: Adrian Kaether
Das Dorf Scuol ist voller alter Häuser, die ein bisschen an den Schellenursli erinnern. Die kleinen, tief eingelassenen Fenster und der helle Anstrich der Nischen sollen Licht einfangen ohne zu viel Wärme nach außen abzugeben. Clever!
Der Inn, die Lebensader des Engadin, liegt in Scuol tief im Tal.Foto: Adrian Kaether
Der Inn, die Lebensader des Engadin, liegt in Scuol tief im Tal.
Enge Kehren im Laubwald oberhalb der Clozza. Eine steile und kurvige Schlüsselstelle verlangt nach sehr guter Bike-Kontrolle, alle anderen tragen besser. Der Rest ist aber gut fahrbar.Foto: Adrian Kaether
Enge Kehren im Laubwald oberhalb der Clozza. Eine steile und kurvige Schlüsselstelle verlangt nach sehr guter Bike-Kontrolle, alle anderen tragen besser. Der Rest ist aber gut fahrbar.
Die Holzbrücke über den Tasnan ist rustikal aber schön. Der anspruchsvollere Teil der Abfahrt liegt hier gerade hinter uns.Foto: Adrian Kaether
Die Holzbrücke über den Tasnan ist rustikal aber schön. Der anspruchsvollere Teil der Abfahrt liegt hier gerade hinter uns.
Dramatisches Licht auf der Alp Clünas im Morgengrauen.Foto: Adrian Kaether
Dramatisches Licht auf der Alp Clünas im Morgengrauen.
Begleiter Leo versucht sich an einem Danny-mäßigen Stunt auf der Brunnenmauer von Scuol. Es klappt auch…bis es dann nicht mehr klappt und Bike samt Fahrer im Brunnen landen.Foto: Adrian Kaether
Begleiter Leo versucht sich an einem Danny-mäßigen Stunt auf der Brunnenmauer von Scuol. Es klappt auch…bis es dann nicht mehr klappt und Bike samt Fahrer im Brunnen landen.
Begleiter Leo versucht sich an einem Danny-mäßigen Stunt auf der Brunnenmauer von Scuol. Es klappt auch…bis es dann nicht mehr klappt und Bike samt Fahrer im Brunnen landen.
Das Dorf Scuol ist voller alter Häuser, die ein bisschen an den Schellenursli erinnern. Die kleinen, tief eingelassenen Fenster und der helle Anstrich der Nischen sollen Licht einfangen ohne zu viel Wärme nach außen abzugeben. Clever!
Der Inn, die Lebensader des Engadin, liegt in Scuol tief im Tal.
Enge Kehren im Laubwald oberhalb der Clozza. Eine steile und kurvige Schlüsselstelle verlangt nach sehr guter Bike-Kontrolle, alle anderen tragen besser. Der Rest ist aber gut fahrbar.
Die Holzbrücke über den Tasnan ist rustikal aber schön. Der anspruchsvollere Teil der Abfahrt liegt hier gerade hinter uns.
Dramatisches Licht auf der Alp Clünas im Morgengrauen.

Graubünden: ein würdiges Home of Trails?


Es dürfte kaum überraschen, dass zumindest die beiden Spots St. Moritz und Scuol dem „Home of Trails“-Siegel durchaus gerecht werden. Gute Trails gibt’s in beiden Destinationen, weit mehr als wir in vier Tagen ausprobieren konnten! Während St. Moritz mit offener, freier Landschaft und toller Infrastruktur punktet, gerät Scuol eindeutig wilder, doch auch das hat seinen Reiz. Familien und Anfänger sind hier nicht so gut aufgehoben, für fahrtechnisch versiertere Piloten ist es dagegen ein absolutes Highlight. Trails ohne Ende, ein tolles Panorama und die Nähe zu anderen Hotspots wie Nauders oder Livigno sorgen in Scuol für eine Stammkundschaft, die dem Ort schon seit Jahren die Treue hält. Beschilderung und Karten mit den einschlägigen Wegen sucht man für Scuol allerdings ziemlich vergeblich. Wer ohne Guide fährt, sollte sich vorher umfassend vorbereiten, damit einem die besten Trails auch nicht entgehen.

Die Trails im Detail

  Trotz des technischen Anspruchs bieten die Trails in St. Moritz auch immer wieder flüssig rollende Passagen, die auch mal im Sprung genommen werden können.Foto: Adrian Kaether
Trotz des technischen Anspruchs bieten die Trails in St. Moritz auch immer wieder flüssig rollende Passagen, die auch mal im Sprung genommen werden können.


Celerina – Trais Fluors – Panoramarunde (3h 30min, 420hm, 1470tm, 15,7km)
Von Celerina aus zur Marguns Bahn, dann auf dem „Kinderwagenweg“ (190 hm, max. 18 Prozent Steigung) zur Corviglia-Bahn. Auf dem Piz Nair Richtung Westen abfahren, dann rechts halten, um zur Fuorcla Schlattain und zum Lej Alv zu gelangen. Von dort aus über die Chamanna Saluver wieder bergauf Richtung Trais-Fluors-Sattel. Die Abfahrt folgt dann dem Trail unterhalb der Trais Flours. An der T-Kreuzung links auf den Panoramaweg einbiegen und später scharf rechts, um auf den steilen Spitzkehren-Trail zu kommen, der den Hang zwischen Samedan und Celerina in direkter Linie Richtung Ost-Südosten bergabführt (auf Karten eindeutig zu erkennen – Achtung, zum Teil als S3 qualifiziert). Von dort aus auf beliebiger Route zurück nach Celerina.

  Der Abstecher zum Rifugio Sassal Masone lohnt sich landschaftlich wie fahrtechnisch. Weiß im Hintergrund glänzt der Palü-Gletscher.Foto: Adrian Kaether
Der Abstecher zum Rifugio Sassal Masone lohnt sich landschaftlich wie fahrtechnisch. Weiß im Hintergrund glänzt der Palü-Gletscher.
  Richtung Poschiavo sind die Trails meist flüssig und nicht zu anspruchsvoll. Auch für Familien eine Empfehlung wert.Foto: Adrian Kaether
Richtung Poschiavo sind die Trails meist flüssig und nicht zu anspruchsvoll. Auch für Familien eine Empfehlung wert.


Celerina – Poschiavo – Celerina Runde (5h, 290hm, 2020tm, 41,5km)
Von Celerina auf dem Radweg nach Pontresina, dann mit dem Zug Richtung Berninapass. Auf dem Berninapass dem Weg Richtung Rifugio Sassal Masone folgen, von dort aus Richtung Alp Grüm abfahren (erstes Stück steinig und technisch – S2), dann weiter Richtung Poschiavo. Hier sind die Trails eher schnell und flowig und für fast alle Fahrerlevel machbar. In Poschiavo bietet sich eine Mittagspause an, danach mit der Bahn wieder auf den Berninapass und der ausgeschilderten Trail-Abfahrt Richtung Pontresina folgen. Von dort wieder auf dem Radweg zurück nach Celerina. Alternativ lohnt sich am Ende auch ein kleiner Abstecher Richtung Lej da Staz, um von dort aus Richtung Celerina abzufahren (plus ca. 30min, 110hm, 3km).

  Die Flowtrails sind gut gepflegt und für verschiedene Fahrerlevel attraktiv. Fahrbar auch für Anfänger, richtig schnell werden aber nur versierte Könner.Foto: Adrian Kaether
Die Flowtrails sind gut gepflegt und für verschiedene Fahrerlevel attraktiv. Fahrbar auch für Anfänger, richtig schnell werden aber nur versierte Könner.


Piz Nair - Val Suvretta und Flow Trails (2h 15min, 120hm, 1300tm, 15,2km)
Diese Tour startet oben am Piz Nair, der von St. Moritz direkt mit der Bergbahn oder von Celerina aus mit der Bergbahn und einem kleinen Pedalierstück gut zu erreichen ist (siehe Celerina Trais Fluors Runde). Vom Gipfel aus folgt man der Schotterpiste Richtung Westen, dann links halten und dem Trail folgen, der fast am Ufer des Suvrettasees Richtung Südwesten verläuft und dann in Richtung Südosten abknickt (z. T. steinig bis zu S2 mit einem fiesen Rockgarden). Von dort aus über den Fopettas-Flowtrail in Richtung Tal. Es bietet sich an, diesen Trail mit einigen Runden auf dem WM- oder dem Olympia-Flowtrail zu kombinieren, die beide mit der Bergbahn von St. Moritz Richtung Corviglia leicht zu erreichen sind. Alternativ zum Suvretta-Trail kann man auch dem etwas weniger anspruchsvollen S1-Trail folgen, der sich an der Südflanke des Piz Nair Richtung Westen schwingt. Dieser Trail endet direkt an der Corviglia.


Scuol – Alp Clünas – Motta Naluns Trail (4h, 760hm, 1690tm, 27,3km)
Von Scuol-Tarasp aus mit der Bergbahn Richtung Motta Naluns, dann treten bis zur Alp Clünas. Von dort aus über die Alp Laret und die Alp Valmala Richtung Ftan abfahren (Trail vor Alp Valmala teils steinig bis S2). In einer Kehre führt der Trail wieder auf die Straße. Hier finden sich die Zwillingsbrücken über den Bergfluss Tasnan aus dem Danny-MacAskill-Video. Von dort aus bergauf Richtung Ftan, dann weiter Richtung Motta Naluns. Die Trailabfahrt liegt hier am Hang oberhalb der Clozza und windet sich in vielen engen Kehren wieder Richtung Tal (S1 bis S2, mit einer Schlüsselstelle S3).

  Enge Kehren im Laubwald oberhalb der Clozza. Eine steile und kurvige Schlüsselstelle verlangt nach sehr guter Bike-Kontrolle, alle anderen tragen besser. Der Rest ist aber gut fahrbar.Foto: Adrian Kaether
Enge Kehren im Laubwald oberhalb der Clozza. Eine steile und kurvige Schlüsselstelle verlangt nach sehr guter Bike-Kontrolle, alle anderen tragen besser. Der Rest ist aber gut fahrbar.


Laj Nair Trails (1h 30min, 11km, 430hm)
Von Scoul aus den Straßen und Forstwegen zum Laj Nair folgen, von dort aus noch gute 500 Meter Richtung Südwesten, dann scharf links der Traverse Richtung Westen folgen. Dort der Abfahrt zurück nach Scuol folgen (kurviger aber leicht zu fahrender Singletrail mit einigen Forststraßen-Abschnitten). Wer sich im unteren Abschnitt rechts hält, bekommt die etwas knackigere Linie serviert, links verläuft die zahmere Route.

  Oberhalb des Laj Nairs schwingen sich die Trails in wundervollen Kurven durch den lichten Wald. Foto: Adrian Kaether
Oberhalb des Laj Nairs schwingen sich die Trails in wundervollen Kurven durch den lichten Wald. 

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