EMTB-Hütten-TourMit dem E-Bike auf die Gufferthütte am Achensee

Andreas Kern

 · 30.11.2022

Viel schöner kann der Gardasee auch nicht, nur größer – und der Lago bietet insgesamt noch mehr Trails.
Foto: Andreas Kern
Bilderstrecke zur EMTB-Hüttentour zwischen Achensee und Guffert. | Bilder: Andreas Kern
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Am Ostufer des Achensees in Tirol wellen sich die Blauberge. Ein fast schon unscheinbares Gebirge im Vergleich zur Karwendel-Felsbastion gegenüber. Dafür genießt man auf dieser Klassikerrunde mit dem E-MTB inklusive Übernachtung auf der Gufferthütte noch immer reinen Bergfrieden.

Blauberge. Klingt für mich immer noch wie Blaubeere. Die ersten Bilder, an die man sich als Erwachsener aus seiner Kindheit noch erinnern könne, stammen aus einem Alter von fünf, sechs Jahren. Weiter zurück blicke man in der Regel nicht. Das sage nicht ich, sondern Leute, die sich beruflich mit dem menschlichen Oberstübchen beschäftigen. Also muss ich etwa ein Schultütenbub gewesen sein, als ich mit meinen Eltern von München aus in die Blauberge musste. Zum Wandern. Puh! Ich erinnere mich an keinen Gipfel, an keinen See. Nur an eine Handvoll Blaubeeren. Und an eine Almhütte.

Die Runde um den Guffert gehört zu den Touren-Klassikern. Seine 2194 Meter hohe Spitze ist sogar von München aus zu sehen.
Im Herbst gibt es auf der Blaubergalm leider keine Blaubeeren mehr, aber Leoni und Appi dürfen sich ein Bier aus dem kalten Brunnen vor der Hütte fischen.Foto: Andreas Kern
Im Herbst gibt es auf der Blaubergalm leider keine Blaubeeren mehr, aber Leoni und Appi dürfen sich ein Bier aus dem kalten Brunnen vor der Hütte fischen.

E-Bike-Tour: Etappe 1 – vom Achensee zur Gufferthütte

Seither ist viel Wasser in den Achensee geprasselt. 45 Jahre nach meiner Erstbesteigung der „Blaubeeralm“ alias Blaubergalm bin ich wieder hier. Mit meinen Freunden Appi und Leoni. Und wie es sich im dritten Jahrtausend gehört, nicht zu Fuß, sondern mit dem E-Mountainbike.

„Die Gegend rund um den Achensee schreit förmlich nach dem E-Bike“, sagt Appi, der im echten Leben Markus heißt. Er muss es wissen, denn als Bikeguide (und Innsbrucker) kennt er die Tiroler Top- & Flop-Spots besser als jeder andere. Er war es auch, der mir eine Wochenend-Tour in die Blauberge vorgeschlagen hat. Kurz vor Hüttensaisonschluss, Anfang Oktober. In der besten aller Zeiten. Und sofort hatte ich mein Déjà-vu: Blaubeer-Hände anno 1976!

Das Feine an den Blaubergen: Sie sind deutlich verkehrsberuhigter als der bekannt-überlaufene Nachbar auf der anderen Seite des Achensees, das Karwendel. Gerade jetzt im Herbst. „Die meisten Biker zieht es Richtung Plumsjochhütte oder Lamsenjoch“, weiß der Local. „Wenn du deine Ruhe haben willst, fährst du in die andere Richtung!“

Also vom „Tiroler Fjord“ hinauf in die sanften Blauberge. Die bilden einen natürlichen Sperrriegel zwischen Bayern und Tirol. Aber sind zugegebenermaßen weit weniger spektakulär als die Felswände im Karwendel. Macht aber nichts! Im Gegenteil.

Zum Saisonfinale wollen wir drei ein tiefenentspanntes E-Bike-Wochenende verbringen. Ohne Wanderer-Slalom und Wartezeiten an den Ladestationen, sondern mit Alm-Cruisen, Ratschen, Schlemmen und Ruhegenießen. In Appis Masterplan passt unsere Übernachtungshütte fugenfrei: die Gufferthütte. Die schönste (und einzige) Alpenvereinshütte in den Blaubergen. Aber davon später mehr.

MTB-Klassiker: die Guffertrunde

Los geht’s in Achenkirch. Aber erst mal: Wo parken? Mein Kumpel Appi fackelt nicht lange, spielt kurzerhand den Einheimischentrumpf aus und fragt die Dame an der Kasse von Spar im tiefsten Tiroler Aborigines-Slang, ob wir unser Auto über Nacht auf dem Parkplatz stehen lassen können. Wir können.

Also schnell Übernachtungskram packen, Hüttenschlafsack und Ladegerät für den Akku nicht vergessen – und schon rollen wir Richtung Achenwald. An diesem Freitagnachmittag Anfang Oktober bläst der warme Föhnwind allen Alltagsstress über die Achenseewellen hinab ins Inntal. Wir nehmen die andere Richtung. Blauberge, wir kommen!

Das Beste am E-MTB ist ja, dass man auch bergauf noch ratschen kann. So merke ich gar nicht, wie schnell wir die gut 600 Höhenmeter durch den goldfarbenen Herbstwald hinauf zur Blaubergalm hochfliegen.

Die Hüttenwirtin begrüßt uns herzlich – und mit einem interessanten Slang. „Niederländerin, nicht Holländerin“, verbessert sie mich und lacht. Die Hütte platzt schier vor lauter Nippes und Krimskrams. Ich erstehe ein Paar Kaminwurzen, die über dem Kachelofen hängen. Man weiß ja nie, was so ein Touren-Tag noch bringt.

Nach diesem Einkehrschwung heißt es: Endspurt zur Gufferthütte. Ich bin gespannt, wie viele Mountainbiker wir wohl auf der Hütte treffen. Schließlich gehört die Guffertrunde zu den absoluten Klassikern.

Appi alias Markus ist zufrieden.Foto: Andreas Kern
Appi alias Markus ist zufrieden.
Hüttenwirtin Kathi und ihr Team achten sehr darauf, dass was Gesundes auf den Tisch kommt. Die Zutaten stammen vom Achensee. Das gefällt mir.

Oben angekommen, die Überraschung: Wir sind die Einzigen! Trotz Freitag nach Feierabend, perfektem Bergsträßlein, Akku-schonender Steigung und idealer Herbstmilde. Na, umso entspannter! Leoni besetzt gleich drei Liegestühle auf der großen Südterrasse, und wir freuen uns des Lebens.

Die Gufferthütte hat ihren Namen von der Guffertspitze geerbt, die uns mit ihren 2195 Metern Höhe die Sicht aufs Rofangebirge versperrt. Die Sonne hängt derweil bereits tief über dem zackigen Karwendel-Horizont. Zeit fürs Abend­essen! Was sofort auffällt: Durch die Gufferthütte weht der pragmatische Wind der Sechziger-Jahre. 1957 abgebrannt, musste sie anschließend komplett neu aufgebaut werden. Doch Hüttenwirtin Kathleen Beutmann und ihr Team schaffen mit viel Liebe und Herzblut eine Bergheimat für eine Nacht, in der man sich sofort wohlfühlt.

Der Gastraum ist übersichtlich, das Abendessen ausgesprochen fein. Kein 08/15-Hütten-Einerlei. Man schmeckt, dass hier mit Herz und hochwertigen Zutaten gekocht wird. Und wenn die Hütte fernab vom Schuss liegt, ist es umso ehrenwerter, auf regionale Lieferanten zu setzen. So wie Kathi. Als Betthupferl gönnen wir uns noch ein Stamperl Zirbenschnaps von einer Edelbrennerei in Maurach am Achensee. Und um Punkt zehn: Licht aus! Wie es sich in einer AV-Hütte gehört. Schließlich wird die Etappe morgen bedeutend länger und anstrengender als heute.

E-MTB-Tour Achensee: Etappe 2 – über Kaiserhaus und Kögljoch zum Achensee

Schwungvoller Morgenanstieg zum Abendstein hinauf, dann weiter zum Ragstattjoch.Foto: Andreas Kern
Schwungvoller Morgenanstieg zum Abendstein hinauf, dann weiter zum Ragstattjoch.

Neuer Tag, neues Touren-Glück! Anders als gestern Abend ist es um neun Uhr morgens ziemlich frisch. Also lang-lang angelegt, denn es geht erst flott bergab, bevor wir im Nordwald hoch zum Gipfel des Abendsteins hochschnurren werden. Eine Stunde – und 800 Tiefenmeter später – schwingen Leoni, Appi und ich im Kaiserhaus ab. Ich muss an dem bewirtschafteten Forsthaus meinen Akku laden. Das kommt davon, wenn man den Schlüssel fürs Akku-Fach nicht dabei hat. Und die Bikes an der Gufferthütte leider draußen bleiben müssen.

Eine Stunde und ein paar Kaffees später bin ich wieder im Spiel. Und es kann weitergehen. Wer in dem winzigen Weiler Pinegg geradeaus bergab schießt, findet sich flugs im Inntal wieder. Wir aber wollen Richtung Rofangebirge, ins Bergsteigerdorf Steinberg. Hierher führt ein breiter, aber ausgesprochen lohnender Fahrweg – schwindelerregend senkrecht über dem Grand Canyon der Steinberger Ache.

Steinberg selbst bietet an diesem Samstagmittag nichts, was unseren Aufenthalt künstlich verlängern könnte. Keine Kneipe. Kein Bäcker. Und das Tourismusbüro hat zu. Aber ein Bub verrät uns, wo sich die Steckdosen für einen letzten Boost verstecken. Und dann: Schnell weiter! Der Achensee ruft. Aber zwischen ihm und uns baut sich das letzte Hindernis auf: das Kögljoch.

Viel schöner kann der Gardasee auch nicht, nur größer – und der Lago bietet insgesamt noch mehr Trails.Foto: Andreas Kern
Viel schöner kann der Gardasee auch nicht, nur größer – und der Lago bietet insgesamt noch mehr Trails.

Noch ein Déjà-vu: Es muss Anfang der Neunziger gewesen sein, als ich am Achensee die Ausbildung zum Bikeguide gemacht habe. Bei Sport Wöll in Pertisau. Die Erinnerung ist wie ausradiert, nur das Kögl­joch kommt mir irgendwie bekannt vor, als wir über die flache Kuppe rauschen. Da muss ich wohl vor 30 Jahren schon mal gewesen sein. Mit meinem Marin Team Issue.

Egal! Tief unter uns glitzert der Achensee verführerisch in der Nachmittagssonne. Und irgendwo hinter dem Berg mit dem eindrücklichen Namen „Vorderunnütz“ sonnt sich die Gufferthütte in der Oktobersonne. Eines ist sonnenklar: Am schönsten sind die Blauberge, wenn sie golden glänzen!

Daten der E-MTB-Hütten-Tour am Achensee:

Etappe 1 - vom Achensee zur Gufferthütte

  • Distanz: 22,2 Kilometer
  • bergauf: 889 Höhenmeter
  • bergab: 341 Tiefenmeter

Etappe 2 - übers Kaiserhaus und Kögljoch zum Achensee

  • Distanz: 50,7 Kilometer
  • bergauf: 1504 Höhenmeter
  • bergab: 2052 Tiefenmeter
E-MTB-Hütten-Tour Achensee: Höhenprofil der 2-Etappen-Tour mit Übernachtung auf der GufferthütteFoto: Delius Klasing Verlag GmbH
E-MTB-Hütten-Tour Achensee: Höhenprofil der 2-Etappen-Tour mit Übernachtung auf der Gufferthütte
Umrundung der Guffertspitze in zwei Etappen: die E-MTB-Hütten-Tour am AchenseeFoto: Karin Kuinkel-Jarvers
Umrundung der Guffertspitze in zwei Etappen: die E-MTB-Hütten-Tour am Achensee

Info Hütten-Tour Guffert

Anreise mit den Öffis
Weder der Ort Achensee noch Steinberg am Rofan sind per Zug erreichbar. Zielbahnhof ist Jenbach im Inntal. Von München nach Jenbach fährt man nonstop in 1:25 Stunden ab 19,90 Euro einfach. Die Fahrradkarte kostet 9 Euro. Die letzten zwölf Kilometer hoch zum Achensee geht’s dann mit Muskelkraft. Wer mit dem Auto anreist, braucht für die knapp 100 Kilometer von München nach Achenkirch etwa eineinhalb Stunden. Man fährt auf der A8 nach Holzkirchen und via Bad Tölz, Lenggries und Achenpass nach Achenkirch.

Die Unterkunft
Die Gufferthütte ist eine Hütte der DAV Sektion Kaufering. Sie thront auf 1475 Metern Höhe auf der Südseite der Blauberge in Tirol. Hier können 68 Gäste übernachten, in Zwei-, Vier-, Sieben- und Neunbettzimmern oder Schlaflagern. AV-Mitglieder zahlen zwischen 10 und 18 Euro pro Nacht, Nichtmitglieder zwischen 20 und 28 Euro. Die Halbpension mit Frühstück und dreigängigem Abendessen kostet 29,50 Euro. Die Hütte öffnet im Mai und schließt Mitte Oktober. Von Achenwald, Pinegg und Valepp ist sie perfekt per E-MTB erreichbar.

E-Biken in der Region
Wer am Ufer des Achensees steht, hat die Qual der Wahl: nach Westen ins weithin bekannte Karwendel – oder nach Osten Richtung Rofan, Brandenberger Alpen und Blauberge. Die drei kleineren Gebirgszüge werden von Bikern längst nicht so stark frequentiert wie der Nachbar Karwendel.

Die Blauberge bilden als südlicher Sperrriegel des Mangfallgebirges die natürliche Grenze zwischen Bayern und Tirol. Die Brandenberger Alpen erreichen an der Guffertspitze (2195 m) ihren Höhepunkt. Südlich des Hochtals von Steinberg strebt das Rofangebirge zackig in den Tiroler Himmel.

Das Revier wird von breiten und perfekt geneigten Forststraßen erschlossen, die sich optimal fürs E-MTB eignen. Achtung, in Tirol gilt das Gesetz: Alle Wege und Pfade, die nicht speziell für Mountainbiker ausgeschildert sind, sind offiziell verboten.

Das gilt auch für Forststraßen, die von Autos befahren werden dürfen. Doch im Vergleich mit anderen österreichischen Bundesländern hat Tirol bisher das größte Touren-Netz für Biker freigegeben.

Bikeshops
Die nächsten Shops mit Werkstatt-Service und Ersatzteilangebot gibt es erst wieder im Inntal: Veloce Cycles in Wiesing (Dorf 20), Tel. 0043/5244/20950, www.biketirol.at

Bergböcke Bikes & Outdoorsportartikel in Schwaz, Archengasse 10, Tel. 0043/664/5269570

Infos allgemein
Welcome-Center Achensee im Atoll in Maurach. Tel. 0043/5953000.
Achenkirch: Informationsbüro Achenkirch, Untere Dorfstraße 387, Tel. 0043/59530050.
www.achensee.com

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