ItalienTrentino: Revierguide Val di Fassa / Val di Fiemme

Gitta Beimfohr

 · 16.08.2016

Trentino: Revierguide Val di Fassa / Val di Fiemme

Panorama mit Dolomiten-Türmen und Naturtrails ohne Verbotsschilder: Im Val di Fassa und Val di Fiemma herrscht Aufbruchstimmung. Ralf Glaser hat die 5 genialsten Trailrunden aufgespürt. GPS-Download:

Vor einem Jahr noch wären diese Touren nicht möglich gewesen. Da galt im Trentino noch das Gesetz: Trails mit mehr als 20 Prozent Gefälle oder einer Breite von weniger als ein quergestelltes Bike dürfen nicht gefahren werden. Außer; sie sind per Schild explizit erlaubt. Nun aber hat man erkannt, dass dieses Gesetz andersherum viel mehr Sinn macht. So gilt jetzt seit 2015: Alle Trails im Trentino sind auch für Mountainbiker erlaubt – außer es gibt einen Grund, sie per Schild zu sperren. So wie beim Friedrich-August-Weg. Auf diesem Panoramaweg sind so viele Wanderer unterwegs, dass Biken hier ohnehin keine Freude macht. Trail-Scout Ralf Glaser hat aber ohnehin eine viel spannendere Alternative gefunden.

"Nennt mich ignorant. Aber wenn ich mich zwischen einem guten Buch und einer guten Landkarte entscheiden muss, lese ich die Karte. Landkarten erzählen mir immer noch die besten Geschichten. Auf dieser hier steht "Val di Fiemme". Und die Geschichte, die sie mir erzählt, heißt "Weg 62, dann Weg 63". Von Pampeago aus schlängelt sich eine gestrichelte, rote Linie zu Tal, umkurvt dabei die Westflanke des Monte Agnello und kippt dann recht schnörkellos durch Wälder und an Felswänden entlang wieder ins Tal. 800 Tiefenmeter etwa. Wie lang? Acht, neun Kilometer mit Sicherheit. Vielleicht auch etwas mehr."

  Typisch Dolomiten, typisch Fassatal: Die Aussicht auf die bleichen Felsen ist immer gigantisch.Foto: Ralf Glaser
Typisch Dolomiten, typisch Fassatal: Die Aussicht auf die bleichen Felsen ist immer gigantisch.

"So eine rote Linie auf der Landkarte ist für mich an Spannung einfach nicht zu übertreffen. Ich studiere Höhenlinien, kalkuliere Steigungen und Gefälle, suche Luftbilder nach Hinweisen ab. Vielleicht finde ich so ja schon vorab die Antwort auf die große Preisfrage: "Epic-Trail oder Epic-Fail?" Denn das ist der Unterschied zu einem Roman: Du kannst nicht einfach nach hinten blättern und schauen, wie die Geschichte ausgeht. Ob der Trail auf der Landkarte etwas taugt, erfährst du erst vor Ort.

Aber jetzt sitze ich hier in Panchià und habe kein Ohr für Diegos Erzählungen. Für meinen Localguide habe ich nur einen Imperativ übrig: "Sag mir bitte, dass dieser Trail geht!" Diegos Blick folgt meinem Finger, der fordernd über die Karte streift. Er grinst: "Und ich dachte schon, ich dürfte morgen zum hundertsten Mal die Latemar-Umrundung fahren." Der Local rutscht jetzt interessiert mit seinem Stuhl näher. "Das ist ein guter Plan! Mit meinen Kunden fahre ich den 63er allerdings nicht so gern", fügt Diego warnend hinzu. Insgesamt sei der Trail schon flowig, aber einige Stellen seien auch ausgesetzt. Da dürfe man sich keinen Fehler erlauben.

Trentino: Revierguide Val di Fassa / Val di FiemmeFoto: Ralf Glaser
Trentino: Revierguide Val di Fassa / Val di Fiemme
Wer suchet, der findet: Singletrails gibt es in den Tälern Val di Fiemme und Val di Fassa jede Menge. Allerdings braucht man gute Fahrtechnik, um sie genießen zu können.Foto: Ralf Glaser
Wer suchet, der findet: Singletrails gibt es in den Tälern Val di Fiemme und Val di Fassa jede Menge. Allerdings braucht man gute Fahrtechnik, um sie genießen zu können.
Typisch Dolomiten, typisch Fassatal: Die Aussicht auf die bleichen Felsen ist immer gigantisch.Foto: Ralf Glaser
Typisch Dolomiten, typisch Fassatal: Die Aussicht auf die bleichen Felsen ist immer gigantisch.
Zwischendurch ein bisschen Ping-Pong, dann geht’s weiter mit dem Trail-Jo-Jo im Val di Fiemme und Val di Fassa. Dank der Lifte spart man sich viele Auffahrten. Foto: Ralf Glaser
Zwischendurch ein bisschen Ping-Pong, dann geht’s weiter mit dem Trail-Jo-Jo im Val di Fiemme und Val di Fassa. Dank der Lifte spart man sich viele Auffahrten. 
Auch typisch Dolomiten: Das steile Gefälle mit tiefem Schotter ist zu recht gefürchtet.Foto: Ralf Glaser
Auch typisch Dolomiten: Das steile Gefälle mit tiefem Schotter ist zu recht gefürchtet.
Alter Römerweg, Militärstraße? Fakt ist, dass das Val di Fiemme jahrhundertelang auf einer wichtigen Handelsroute lag. Foto: Ralf Glaser
Alter Römerweg, Militärstraße? Fakt ist, dass das Val di Fiemme jahrhundertelang auf einer wichtigen Handelsroute lag. 
Gut in Shape: Der Bikepark Val di Fassa war der erste in den Dolomiten.Foto: Ralf Glaser
Gut in Shape: Der Bikepark Val di Fassa war der erste in den Dolomiten.
Ein Rätsel, warum man dieses Revier noch gar nicht auf dem Touren-Schirm hatte. Zig Routen im Val di Fassa und Val di Fiemme sind bereits lückenlos ausgeschildert.Foto: Ralf Glaser
Ein Rätsel, warum man dieses Revier noch gar nicht auf dem Touren-Schirm hatte. Zig Routen im Val di Fassa und Val di Fiemme sind bereits lückenlos ausgeschildert.
Trentino: Revierguide Val di Fassa / Val di FiemmeFoto: Ralf Glaser
Trentino: Revierguide Val di Fassa / Val di Fiemme
1998 flog ein Militär-Jet bei Cavalese unter einer Seilbahn durch und kappte das Tragseil. Für Local Diego noch immer eine unfassbare Katastrophe.Foto: Ralf Glaser
1998 flog ein Militär-Jet bei Cavalese unter einer Seilbahn durch und kappte das Tragseil. Für Local Diego noch immer eine unfassbare Katastrophe.
Pinien, Fels und Trails: Im Val di Fiemme findet man insgesamt leichtere Trail-Abfahrten als im Fassatal.Foto: Ralf Glaser
Pinien, Fels und Trails: Im Val di Fiemme findet man insgesamt leichtere Trail-Abfahrten als im Fassatal.
Ralf Glaser, Touren-Autor, www.trail.de: Val di Fassa und Val di Fiemme kannte der Autor bisher nur vom Durchpedalieren auf Transalp-Mission. Aber da er des Kartenlesens mächtig ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis er die Trails aufspürte.Foto: Ralf Glaser
Ralf Glaser, Touren-Autor, www.trail.de: Val di Fassa und Val di Fiemme kannte der Autor bisher nur vom Durchpedalieren auf Transalp-Mission. Aber da er des Kartenlesens mächtig ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis er die Trails aufspürte.
Trentino: Revierguide Val di Fassa / Val di FiemmeFoto: Ralf Glaser
Trentino: Revierguide Val di Fassa / Val di Fiemme
Wer suchet, der findet: Singletrails gibt es in den Tälern Val di Fiemme und Val di Fassa jede Menge. Allerdings braucht man gute Fahrtechnik, um sie genießen zu können.Foto: Ralf Glaser
Wer suchet, der findet: Singletrails gibt es in den Tälern Val di Fiemme und Val di Fassa jede Menge. Allerdings braucht man gute Fahrtechnik, um sie genießen zu können.
Wer suchet, der findet: Singletrails gibt es in den Tälern Val di Fiemme und Val di Fassa jede Menge. Allerdings braucht man gute Fahrtechnik, um sie genießen zu können.
Typisch Dolomiten, typisch Fassatal: Die Aussicht auf die bleichen Felsen ist immer gigantisch.
Zwischendurch ein bisschen Ping-Pong, dann geht’s weiter mit dem Trail-Jo-Jo im Val di Fiemme und Val di Fassa. Dank der Lifte spart man sich viele Auffahrten. 
Auch typisch Dolomiten: Das steile Gefälle mit tiefem Schotter ist zu recht gefürchtet.
Alter Römerweg, Militärstraße? Fakt ist, dass das Val di Fiemme jahrhundertelang auf einer wichtigen Handelsroute lag. 
Gut in Shape: Der Bikepark Val di Fassa war der erste in den Dolomiten.
Ein Rätsel, warum man dieses Revier noch gar nicht auf dem Touren-Schirm hatte. Zig Routen im Val di Fassa und Val di Fiemme sind bereits lückenlos ausgeschildert.
Trentino: Revierguide Val di Fassa / Val di Fiemme
1998 flog ein Militär-Jet bei Cavalese unter einer Seilbahn durch und kappte das Tragseil. Für Local Diego noch immer eine unfassbare Katastrophe.
Pinien, Fels und Trails: Im Val di Fiemme findet man insgesamt leichtere Trail-Abfahrten als im Fassatal.
Ralf Glaser, Touren-Autor, www.trail.de: Val di Fassa und Val di Fiemme kannte der Autor bisher nur vom Durchpedalieren auf Transalp-Mission. Aber da er des Kartenlesens mächtig ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis er die Trails aufspürte.
Trentino: Revierguide Val di Fassa / Val di Fiemme

Recht viel mehr als ein Schulterzucken ringt mir Diegos Warnung erst mal nicht ab. Nun gut, Diego führt ein Bike-Hotel. Da scheint es nachvollziehbar, dass er ungern die eigene Kundschaft dezimiert. "Auf jeden Fall haben wir im Val di Fiemme auch ohne den 63er mehr als genug gute Trails." Diego schnappt sich die Karte und legt eine kurze Gedankenpause ein. Jetzt rutsche ich mit meinem Stuhl näher. "Gerade hier hinter dem Dorf ziehen zig Pfade durch den Wald. Die sind in der Karte gar nicht alle eingezeichnet. Ich zeig’ sie Dir morgen." Okay. Aber erst den 63er!
Greifen wir der Geschichte voraus. Um einen Berg wie den Monte Agnello, praktisch im Hinterhof von Panchià, kann man Diego nur beneiden. Zwei lange Tage spielen wir Trail-Jo-Jo. Mit Seilbahn und Shuttle. Pinien, Fels und Trails. Mal flowig, mal eng, mal steil, mal verwurzelt. Ein Heidenspaß. Für seine Signature-Spitzkehren lobt Diego Freibier aus. "Ein Bier für jede Kehre! Aber Du musst alle vier beim ersten Mal fahren, sonst gibt’s nichts!" Diego weiß schon, wie er seine Klientel motiviert. Doch wenig überraschend muss ich passen. "Mach Dir nichts draus. Das hat noch keiner beim ersten Mal geschafft", tröstet mich Diego grinsend, während ich mein Bike wieder auf den Trail hieve. Egal. Bei dem Menü, das mir Diego in seinem Hinterhof auftischt, ist auch ohne Siegerbier jeder Meter seinen Einsatz wert. Aber eines treibt mich doch um: Wieso weiß ich jetzt erst etwas davon?

Es ist ja nicht so, dass ich noch nie im Val di Fiemme gewesen wäre. Mit dem Rennrad habe ich mich auf dem Passo Manghen über die Lagorai-Kette gequält. Mit dem Bike habe ich auf der Latemar-Umrundung das Val di Fiemme immerhin gestreift. Und dann ist es ja auch nicht so, dass man sich hier nie in Sachen Mountainbike exponiert hätte. Vor sechs Jahren tat man sich mit den Nachbartälern Val di Fassa und Valsugana zur Mountainbike-Region "Dolomiti Lagorai Bike" zusammen. Etwas später kam noch San Martino di Castrozza mit dazu. Zig offizielle Touren wurden ausgewiesen und, wie ich jetzt feststellen muss, ziemlich vorbildlich ausgeschildert.

  Alter Römerweg, Militärstraße? Fakt ist, dass das Val di Fiemme jahrhundertelang auf einer wichtigen Handelsroute lag. Foto: Ralf Glaser
Alter Römerweg, Militärstraße? Fakt ist, dass das Val di Fiemme jahrhundertelang auf einer wichtigen Handelsroute lag. 

Eigentlich wusste ich das. Aber gezuckt habe ich trotzdem nie. 1998 hat im Val di Fiemme ein amerikanischer Militär-Jet bei einer verunglückten Kunstflugeinlage das Tragseil einer Seilbahn gekappt. Zwanzig Menschen stürzten samt Seilbahnkabine 100 Meter tief in den Tod. Das weiß ich noch, als wäre es gestern gewesen. Doch ansonsten war das Val di Fiemme für mich halt das Tal, das man auf dem Weg in die Dolomiten durchquert. Epic Fail! "Na ja, bisher konnten wir wegen der Gesetzeslage im Trentino unsere Trails auch nicht aktiv bewerben", sekundiert Diego zu meiner Ehrenrettung. Ja, die Trentiner und ihr Mountainbike-Gesetz. Die Regelung mochte ja gut gemeint gewesen sein. Gut durchdacht war sie nicht. Oder wie hätte man selbst vor Ort nachprüfen sollen, ob ein Trail "steiler als 20 Prozent und/oder im Durchschnitt schmaler als ein quer gestelltes Rad" ist? Vor allem: Wie hätte man es vor der Einfahrt in einen Trail überprüfen sollen? Selbst für Topokarten-Nerds lief die Frage "legal oder illegal?" oft genug auf eine Kartensatzleserei hinaus. Geschichte. Dass man mit dieser Regelung vor allem den eigenen Touristikern ins Knie geschossen hatte, wurde den Trentinern bald klar. Deshalb hatten sich schon 2012 Regierung, Touristiker, Alpenverein und Mountainbiker an den Runden Tisch gesetzt, um eine praxistaugliche Regelung zu finden. Nach drei Jahren Arbeit sind die Karten nun neu gemischt. Die neue Regelung liegt auf dem Tisch, und sie enthält eine eindeutige Kernbotschaft: "Mountainbiken ist ein Wachstumsmarkt. Von diesem Kuchen wollen wir im Trentino ein großes Stück abhaben!"

Wie die schöne, neue Biker-Welt im Trentino einmal aussehen könnte, lässt sich im Val di Fassa zumindest schon erahnen. "Wir diskutieren hier seit fast einem Jahr, welche Touren wir in das neue Trentiner Mountainbike-Netz einbringen", erzählt Willy. Und wird dieses Wegenetz auch Singletrails enthalten? Willy schaut etwas überrascht. Was für eine Frage. Als Gründer der Bike-Schule "Fassabike" hatten sich der Mailänder William Basilico und sein einheimischer Sozius Stefano Davarda schon in Sachen Freeride positioniert, als Freerider in der Bike-Szene noch eher Exotenstatus hatten. Die erste Frucht der Bemühungen war der Bikepark am Belvedere oberhalb von Canazei. Bei seiner Eröffnung vor neun Jahren war er der erste Bikepark der Dolomiten.

Gute Referenzen für ein Verhandlungs-Team. Zumindest im Fassatal stehen die Chancen also recht gut, dass nicht nur Wanderverbände, sondern auch die Biker das neue Bike-Wegenetz mögen werden. Aber was passiert mit den nicht offiziellen Trails? Hier liest sich die neue Regelung eindeutig. Zukünftig darf im Trentino jeder Trail legal mit dem Bike befahren werden, solange er nicht explizit verboten ist. Kommuniziert und beworben wird aber nur das offizielle Wegenetz. Auf diese Weise hofft man zu erreichen, dass sich das Phänomen "Mountainbike" von selbst auf unbedenkliche Areale kanalisiert. Verbote soll es nur punktuell geben, etwa, wenn ein Trail stark von Wanderern frequentiert wird. Und auch hier lässt die neue Regelung den Verantwortlichen vor Ort die Freiheit, Verbote zum Teil nur zeitlich begrenzt zu erlassen, etwa nur während der Hauptsaison. Aber was, wenn ein Tourismusverband einfach alle Singletrails vor Ort verbietet? Stefano winkt ab: "Mal abgesehen davon, dass es dafür keine Grundlage gibt – warum sollte das jemand tun?"

Spätestens im Sommer 2015 hätten die nationalen Enduro-Meisterschaften in Canazei als eine Art Katalysator zu einem Umdenken geführt, erzählt Stefano. "Die meisten Athleten sind schon ein paar Tage vor dem Wettkampf zum Trainieren angereist und haben sich ein Hotelzimmer genommen. Spätestens da hat auch der Letzte bemerkt, dass sich mit Bikern Geld verdienen lässt." Und schließlich zeige sich ja schon jetzt, dass die Kanalisierung der Biker über ausgewiesene Trails funktioniert. In der Seilbahn hoch zum Col Rodella sind wir bei Weitem nicht die einzigen Biker. Die meisten davon ziehen auf der Sellaronda ihre Runden, auf der sich das riesige Sella-Massiv seit Neuerem sogar auf einer Trail-Variante umrunden lässt.

Kurz nach der Bergstation am Col Rodella muss selbst ich mir eingestehen, dass manche Bike-Verbote, zumindest zeitweise, durchaus Sinn machen. Ausgesetzt, schmal, und mit einem Mörderpanorama zieht der Friedrich-August-Weg unterhalb des Langkofel-Massivs zur Plattkofelhütte hinüber. Als ich zum letzten Mal hier war, Ende September vor ein paar Jahren, tollten nur ein paar Murmeltiere über die Wiesen. Heute ähnelt der Höhenweg einer Ameisenstraße auf dem Weg zum Zwetschgendatschi. Da braucht es gar kein Verbotsschild mehr, um sich hier nach einer Alternative umzusehen. Glücklicherweise hat Stefano schon einen Ersatz-Trail parat. Direkt neben dem Verbotsschild für den Friedrich-August-Weg, in unmittelbarer Nähe einer riesigen Holzkuh, zweigt ein unscheinbarer Graben in die Hochalmfläche ab. Erst nach hundert Metern wird der Trail deutlich und dann auch recht bald deutlich steiler als 20 Prozent. Im Durchschnitt schmaler als ein quer gestelltes Bike? "Ehrensache", meint Stefano und nimmt mich auf eine Trail-Achterbahn mit, wie man sie selbst in den Dolomiten selten findet. "529" heißt der Trail prosaisch. Für mich taufe ich ihn nach der Holzkuh am Einstieg auf den Namen "Gran-Muca-Trail". Und die Chancen stehen gut, dass dieser Trail ins offizielle Wegenetz mit aufgenommen wird. Was dieses Buch angeht, so ist das letzte Kapitel noch nicht geschrieben. Aber die Landkarten des Trentinos quellen vor spannenden Geschichten nur so über."


Hier seine fünf frisch aufgespürten Trailrunden im Val di Fassa und Val di Fiemme:

  Die Mountainbike-Touren im Val di Fassa und Val di Fiemme in der Karte als Überblick.Foto: Infochart
Die Mountainbike-Touren im Val di Fassa und Val di Fiemme in der Karte als Überblick.

Die besten MTB-Touren im Val di Fassa und Val di Fiemme:


Slavin-Trails / 17,2 km / 810 hm / 3 h
Einer der vielen, feinen Trails am Monte Agnello im Val di Fiemme. Der erste Abschnitt verläuft über den zitierten Weg 62. Wo dort allerdings die ausgesetzten Passagen beginnen (Weg 63), zweigt diese Tour in Richtung Talgrund ab und folgt einer wesentlich weniger ernsten, dabei aber kaum weniger flowigen Kombination aus Sahne-Trails.

Die GPS-Daten zu dieser MTB-Tour gibt's hier: http://trails.de/tour/slavin_trails


Fassa Bike Classic / 49,9 km / 2120 hm / 4 h
Italiener lieben Bike-Marathons, und Marathonisti lieben steile Anstiege. Mit drei raumgreifenden Schlenkern
umrundet diese Strecke den Talgrund um Moena und Pozza di Fassa und bietet dabei ausreichend Gelegenheit, den aktuellen Stand der Kondition zu testen. Wer sich das böseste Stück sparen will, nimmt die Seilbahn zum Col Lusia.


Cresta Rodella / 7,5 km / 980 hm / 1 h
Mörderpanorama zwischen Langkofel, Sella und Marmolada, flowige Trails, aber auch sehr anspruchsvolle
Schlüsselpassagen und enge Kehren kennzeichnen diesen Top-Freeride-Trail. Ein Traum für versierte Fahrer! Einige Abschnitte, insbesondere vor der Waldgrenze, sind jedoch sehr erosionsanfällig. Bitte sehr defensiv fahren!


Die GPS-Daten zu diesen zwei MTB-Touren können Sie unter www.trails.de herunterladen.


Langkofel-Trail / 37,2 km> 1270 hm/1950 hm / 5 h
Ein Bergmassiv wie der Langkofel ist zu verlockend, um es nicht mit dem Mountainbike zu umrunden. Auch wenn ein großer Teil dieser Tour ins benachbarte Grödnertal ausweicht. Die Cheater-Einlage über die Seilbahn Ciampinoi spart Höhenmeter und Kraft. Mit dem Val Duron, der Gratpassage Auf der Schneid und der Steinernen Stadt warten zum Ausgleich ein paar echte Bike-Klassiker. Und zum Finale gibt’s den Gran-Muca-Trail. Der Pfad zweigt direkt vor dem für Biker verbotenen Frie­drich-August-Weg ab und ist eine perfekte Alternative zum ohnehin sehr überlaufenen Wanderweg.


Pampeago Enduro / 24,9 km / 270 hm/1400 hm / 3:30 h
Es dauert etwas, bis diese Tour die Katze aus dem Sack lässt. Es gibt ereignisreichere Strecken als den Talradweg durch das Val di Fiemme, die Seilbahnauffahrt zum Passo Feudo oder die dann folgende Schotterabfahrt bis Pampeago. Dort aber wartet ein nicht enden wollender Trail vom Allerfeinsten über die im Text zitierte Kombination aus Weg 62 und Weg 63. Doch Vorsicht: Auch wenn der Trail an sich (bis auf ein paar kurze fahrtechnische Schlüsselstellen) nicht extrem schwierig ist, hält er doch einige sehr ausgesetzte Stellen bereit. Ergo: Diese Tour ist für Biker mit einer sehr sicheren Fahrtechnik reserviert!


Die GPS-Daten zum Langkofel-Trail und der MTB-Tour „Pampeago Enduro“ können Sie unten kostenlos herunterladen.


INFOS VAL DI FASSA und VAL DI FIEMME


Das Revier Der Fluss Avisio entspringt unterhalb der Marmolada und durchfließt das Val di Fassa in südlicher Richtung. Ab Predazzo macht er einen Knick Richtung Westen, und das Tal ändert seinen Namen in Val di Fiemme. Dies ist vor allem kulturell bedingt – das Val di Fassa zählt zu den vier ladinischen Tälern rund um die Sella-Gruppe. Touristisch könnte man beide Täler als eine große Urlaubsregion betrachten. Beiden Tälern gemein ist eine Kulisse aus Dolomiten-Massiven wie aus dem Bilderbuch. Das Val di Fiemme wird jedoch im Süden von der Lagorai-Gruppe begrenzt. Dort kommt der Granitsockel der Dolomiten zum Vorschein. Beide Täler arbeiten in Sachen Mountainbike eng zusammen. Im gesamten Avisio-Tal sind zahlreiche Bike-Routen ausgewiesen und ausgeschildert. Die steilen Anstiege und Abfahrten machen das Val di Fassa zum eher anspruchsvollen Gebiet, Einsteiger-Touren finden sich nur im Val di Fiemme.

  Ein Rätsel, warum man dieses Revier noch gar nicht auf dem Touren-Schirm hatte. Zig Routen im Val di Fassa und Val di Fiemme sind bereits lückenlos ausgeschildert.Foto: Ralf Glaser
Ein Rätsel, warum man dieses Revier noch gar nicht auf dem Touren-Schirm hatte. Zig Routen im Val di Fassa und Val di Fiemme sind bereits lückenlos ausgeschildert.


Anreise mit dem Auto: Routen-Planer schicken einen von Norden meist über das Grödnertal und den Sella-Pass. In den meisten Fällen ist aber eine Anreise über Bozen Nord–Welschnofen–Karerpass–Moena die bessere Route.


Karten und Touren-Infos: Tabacco-Blätter 06 "Val di Fassa" und 014 "Val di Fiemme/Lagorai", beide im Maßstab 1:25000. Offizielle Bike-Touren mit GPS-Download gibt’s unter: www.dolomitilagoraibike.it
Weitere Touren mit größtmöglichem Singletrail-Anteil: www.trails.de


Unterkünfte Eine komplette Liste aller Bike-Hotels und Unterkünfte findet sich unter www.dolomitilagoraibike.it und www.bike-holidays.com


Bikeshops
Val di Fassa: bit.ly/bikeshops-fassa
Val di Fiemme: bit.ly/bikeshops-fiemme


Infos allgemein Informationen zu Unterkünften, Liftanlagen und Touren-Karten bekommen Sie hier: www.visitfiemme.it/de/sommer und www.fassa.com


FÜNF DINGE, DIE MAN IM VAL DI FASSA UND VAL DI FIEMME NICHT VERPASSEN DARF:


1. Rafting

Der Avisio-Fluss durchfließt gleichermaßen das Val di Fassa und das Val di Fiemme und bietet ein optimales Wildwasserterrain für Einsteiger. Die Rafting-Tour startet in Masi di Cavalese nahe des Sessellifts und endet nach etwa drei Stunden in Molina. Von Mai bis September. Anmeldung ab acht Jahren. Infos: www.avisiorafting.it


2. Klettersteige

Noch berühmter als in Sachen Mountainbike sind die Dolomiten für das Klettern. Wer sich die zum Teil sehr anspruchsvollen Klettereien in den großen Wänden nicht zutraut, findet in den zahlreichen, meist sehr gut gesicherten Klettersteigen vor Ort, eine gute Alternative. Einsteigern hilft ein Bergführer zum Gipfelerlebnis. bit.ly/klettersteige-fassa-fiemme und www.fassa.com


3. Klettern

Wer mit Seil, Karabinern (und Klemmkeilen) umgehen kann, findet in den Dolomiten ein Paradies. In Campitello del Fassa steht an der Talstation der Seilbahn Col Rodella eine künstliche Kletterwand. Natürlichen Fels gibt’s in der Steinernen Stadt am Sella-Pass: ca. 200 eingerichtete Routen bis 30 Meter Höhe vom 3. bis 9. Schwierigkeitsgrad. Sella und Langkofel sind dann das Eldorado für alpine Kletterer. Mit Touren von Sport-klettern mit Bohrhaken bis brüchig alpin. www.avisiorafting.it


4. Hochseilgarten

Ohne besondere Vorkenntnisse und daher auch mit Kindern möglich, ist eine Klettereinlage in den Hochseilgärten. Im Val di Fiemme befinden sich insgesamt zwei landschaftlich sehr schön gelegene in eher leichtem bis mittelschwerem Schwierigkeitsgrad. Einer davon liegt an der Straße Richtung Passo Manghen, der andere am Flussufer des Torrente Avisio bei Ziano di Fiemme. www.adventuredolomiti.it und www.avisiorafting.it

  Ralf Glaser, Touren-Autor, <a href="http://www.trail.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">www.trail.de</a> : Val di Fassa und Val di Fiemme kannte der Autor bisher nur vom Durchpedalieren auf Transalp-Mission. Aber da er des Kartenlesens mächtig ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis er die Trails aufspürte.Foto: Ralf Glaser
Ralf Glaser, Touren-Autor, www.trail.de : Val di Fassa und Val di Fiemme kannte der Autor bisher nur vom Durchpedalieren auf Transalp-Mission. Aber da er des Kartenlesens mächtig ist, war es nur eine Frage der Zeit, bis er die Trails aufspürte.


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