Italien

Südtirol: Die fünf schönsten MTB-Hüttentouren

Gitta Beimfohr

 · 05.12.2016

Südtirol: Die fünf schönsten MTB-HüttentourenFoto: Jörg Reuther

In Südtirol gibt es unzählige Hütten. Doch die echten Geheimtipps liegen oft versteckt. Unser Tourenguide verrät fünf MTB-Touren zu seinen Lieblingshütten.

Wer in Südtirol die letzten Höhenmeter auf eine Hütte zukurbelt, der bestellt im Geiste schon die nahende Belohnung: Schlutzkrapfen, Spinatknödel und/oder Speck-Jause. Und danach noch einen Apfelstrudel? Das sind so die typischen Hüttengerichte, die man in Südtirol serviert bekommt.

Aber wie kann es sein, dass ein Hüttenwirt am Langkofel für seine Fischspezialitäten berühmt ist? Manche Hütten liegen in Südtirol auch so perfekt in der Landschaft, dass sie völlig überlaufen werden. Dass nur wenige Kurbelumdrehungen weiter aber ein echtes Kleinod wartet, weiß kaum jemand. Einer, der es wissen muss, weil er schon seit knapp 15 Jahren die Südtiroler Berge erkundet, ist Thomas Rögner. Als Tourenguide ist es ihm wichtig, dass er seinen Touren-Gruppen Hütten mit einem speziellen Etwas zeigen kann. Hütten mit einer genialen Lage etwa oder einer außergewöhnlichen Speisekarte. Manchmal ist es aber auch nur die besondere Herzlichkeit eines Hüttenwirts, die Thomas Rögner zum Fan werden lässt.


Diese fünf Hütten in bester Lage finden Sie hier beschrieben – die GPS-Daten gibt's unten zum kostenlosen Download:

1. Rifugio Emilio Comici
2. Fodara Vedla
3. Mahlknechthütte
4. Vöraner Alm
5. Wieseralm

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1. Rifugio Emilio Comici


Dass man von einer Hütte, die direkt am Dolomitenstock des Langkofels klebt, eine gigantische Aussicht hat, kann man sich vorstellen. Doch die Hütte ist für ihren Fisch berühmt.

  Rifugio Emilio Comici: Dass man von einer Hütte, die direkt am Dolomitenstock des Langkofels klebt, eine gigantische Aussicht hat, kann man sich vorstellen.Foto: Jörg Reuther
Rifugio Emilio Comici: Dass man von einer Hütte, die direkt am Dolomitenstock des Langkofels klebt, eine gigantische Aussicht hat, kann man sich vorstellen.

Lage, Lage, Lage. Was Immobilienmakler als Verkaufsargument predigen, gilt auch für die Hütteneinkehr, mit der man seine Bike-Tour krönen möchte. Und in dieser Kategorie erntet das Rifugio Emilio Comici schon mal 100 Punkte. Ganz nah schmiegt es sich mit seiner Rückwand an den über 3181 Meter hohen Felspfeiler des Lang­kofels. Von der Hüttenterrasse aus scheint man die senkrechte Felswand fast schon greifen zu können. Gen Norden öffnet sich dagegen ein Super-Panoramablick auf den berühmten Stock der Sella-Gruppe.

Die Tour dorthin startet man am besten von St. Ulrich im Grödnertal. Von dort schraubt man sich aus der Talsenke zwischen Seiser­alm-Hochfläche und dem Zweitausender Monte Piz bergauf. Nach 700 Höhenmetern geht’s dann im welligen Auf und Ab dahin. Schaut man zurück, liegt St. Christina bereits weit unten im Tal, doch der Hauptanstieg zur Hütte folgt erst jetzt. Der Weg zieht sich nun ein langes Bachtal hinauf. Die letzten Meter auf einer Schotterpiste, die eine Almwiese hinaufkreuzt. Doch am Ende dieses Zickzack-Kurses leuchten schon die hellblauen Fensterläden der Comici-Hütte. Auf 2153 Metern Höhe gelegen markiert sie passenderweise auch den höchsten Punkt der Tour. So kann man sich die Leckereien von Hüttenchef Marzola – darunter viele Fischspezialitäten – guten Gewissens auftragen lassen. Dass es hier im Winter ordentlich abgeht, verraten der nahe Sessellift und die roten Alarmknöpfe an den Tischen.

Auf dem Weg zurück ins Tal passiert die Route die Steinerne Stadt – ein Kletterparadies, in dem sich die Freeclimber zu Hunderten die Finger langziehen. Dann rollt man auf den Passo Sella zu und holpert schließlich parallel zur Staatsstraße gemütlich bergab zurück ins Grödner Tal –
14 Verdauungskilometer lang.


Tour-Länge: 37,9 km – 1678 hm


Hütten-Infos: Das Rifugio Emilio Comici wurde 1955 erbaut und nach einer südtiroler Bergsteigerlegende benannt. Emilio Comici kletterte in den Dreißiger Jahren 100 Erstbegehungen in den Dolomiten. Darunter auch den Salamiturm des Langkofels. 1938 wurde er Bürgermeister von Wolkenstein, bevor er mit 39 Jahren bei einem Sturz aus der Kletterwand ums Leben kam.
Rifugio Emilio Comici: ganzjährig geöffnet, Tel. 0039/0471/794121, www.rifugiocomici.com

  Das Rifugio Emilio Comici am Langkofel: die Hütte ist für ihren Fisch berühmt.Foto: Privatfoto
Das Rifugio Emilio Comici am Langkofel: die Hütte ist für ihren Fisch berühmt.

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2. Fodara Vedla


Der Fanes-Naturpark ist bekannt für seine grandiose Landschaft. Ein Geheimtipp dagegen: die herzlichen Wirte der Fodara Vedla.

  Fodara VedlaFoto: Jörg Reuther
Fodara Vedla

Kurz nach Tour-Start in St. Vigil öffnet sich der Fanes-Naturpark an der Pederü-Hütte. Die Lust auf einen Cappuccino sollte man an diesem Rummelplatz jedoch unterdrücken, denn 1400 Höhenmeter weiter oben wartet das Paradies. Doch zuvor der Einstiegshammer: Steil an der Fahrbarkeitsgrenze windet sich erst eine grobe Schotterstraße zur Hochfläche hinauf und nach der Fanes-Hütte die Rampe zum Limo-See. Dann rauscht man zehn Kilometer Richtung Cortina d’Ampezzo hinunter, bevor die letzten 800 Höhenmeter Auffahrt zum Sennessee anstehen. Doch dann folgt reiner Abfahrtsspaß zur Fodara hinunter. Hier darf man nun die Gastfreundschaft einer wirklich herzlichen südtiroler Wirtsfamilie genießen. Auch wegen der guten Weinkarte am besten mit Übernachtung buchen!


Tour-Länge: 55 km – 2023 hm


Hütten-Infos: Die Schutzhütte Fodara Vedla (1966 m) wurde nach dem Ersten Weltkrieg am Rande der Sennes Alm errichtet. Dieses alte Haus dient heute als Übernachtungslager. Im neuen Haupthaus gibt’s neben dem Gasthaus auch Zimmer mit Dusche. Geöffnet vom 1.6.–6.11.16, Übernachtung im Lager ab 29 Euro. Tel. 0039/0474/501093, www.fodara.it

  Schutzhütte Fodara VedlaFoto: Jörg Reuther
Schutzhütte Fodara Vedla

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3. Mahlknechthütte


Etwas abseits vom Touristenrummel schlummert auf der Seiser Alm ein kleines Idyll mit eigenem Kräutergarten: die Mahlknechthütte.

  MahlknechthütteFoto: Jörg Reuther
Mahlknechthütte

Selbst auf der überlaufenen Seiser Alm gibt es noch ein idyllisches Fleckchen: die Mahlknecht-Hütte. Hier sitzt man am Biotop-Weiher, rechts recken sich die Rosszähne wie eine Wand aus Lanzen, und geradeaus kann man Platt- und Langkofel fast berühren. Dass auf der Hütte mit Kräutern aus dem eigenen Biotop gewürzt wird, schmeckt man.
Die Bike-Runde zur Hütte startet in Seis. Über den Spitz­bühel und die Laurinhütte klettert man zur Seiser Alm hinauf (alternativ mit der Gondel von Seis). Am Restaurant Goldknopf vorbei geht es über die Mahlknecht Schwaige (nicht verwechseln) weiter zur Mahlknechthütte. Hartgesottene fahren noch weiter zum Tierser Alpl. Nach der Einkehr kurz auf gleichem Weg bergauf zurück, dann rollt man über die Hochebene der Seiser Alm und freut sich schon auf die herrlich wurzligen Waldwege über Bad Ratzes zurück nach Seis.


Tour-Länge: 34,9 km – 1444 hm


Hütten-Infos: Die erste Mahlknecht Schwaige (2045 m) stand bereits 1902, doch die Hütte hat eine bewegte Geschichte: Feuer 1935, Umbennenung, Komplettabbruch und Wiederaufbau an selber Stelle. Mit der Mahlknecht-Familie ist auch der Name zurückgekehrt. Tel. 0039/0471/727912, www.mahlknechthuette.com

  MahlknechthütteFoto: Jörg Reuther
Mahlknechthütte

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4. Vöraner Alm


Die Berge zwischen Bozen und Meran zeigen sich immer vielschichtiger, je höher man kommt. Am Gipfel: eine Bombenaussicht.

  Vöraner AlmFoto: Jörg Reuther
Vöraner Alm

Diese Runde über Meran passiert gleich drei Almen, öffnet Weitblicke über die Sarntaler Gipfel, kurvt durch die Stoarnenen Mandln und wartet am Ende mit einer sportlichen Abfahrt auf. Die Tour startet tief im Becken von Nals, begleitet vom Grün der Apfelbäume und Weinreben. Die kleine Selbstbedienungsgondel ab Burgstall erspart 900 unfahrbare Höhenmeter auf Wurzelpfaden zum Hochplateau zwischen Hafling und Vöran. Hat man den Wald hinter sich gelassen, öffnen sich die satten Almen. Die Leadner Alm ist meistens sehr voll. Es lohnt sich, bis zur Vöraner Alm hi­naufzukurbeln. Die Kost ist zwar einfach, aber das Panorama ungeschlagen. Weiter geht’s zu den Stoanernen Mandln hinauf. Die Abfahrt nach Vilpian ist sehr ruppig, man kann aber im Berggasthof Möltner Kaser noch eine Rast einlegen.


Tour-Länge: 46,2 km – 1994 hm


Hütten-Infos: Mit drei Almen direkt an der Route fällt die Auswahl schwer. Die Leadner Alm liegt direkt an einer "Wanderautobahn" von Hafling und ist deshalb meist sehr voll. Ruhiger geht es auf der kleinen Vöraner Alm auf über 1800 Metern zu. Die Kost ist einfach, das Panorama aber eine Wucht. Geöffnet: 14.5.–9.11. Tel. 0039/360/320469, www.hafling-meran2000.eu

  Vöraner AlmFoto: Jörg Reuther
Vöraner Alm

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5. Wieseralm


Eine unglaublich weite Hochalmfläche im Eisacktal mit 360-Grad-Rundumblick – und mittendrin steht, einfach so, die Wieseralm.

  WieseralmFoto: Jörg Reuther
Wieseralm

Südlich von Bruneck klettert eine Forststraße zur Wieser-alm hinauf. Zu Beginn gut fahrbar, stiert sie gen Ende so dermaßen steil bergauf, dass man aus dem Sattel muss. Nun ja, die Mega-Aussicht auf die zackigen Aferer Geisler und den Peitlerkofel gibt es eben nicht umsonst. Immerhin handelt es sich hier um einen der schönsten Aussichtspunkte der Dolomiten. Nach der Rast in der urigen Wieseralm, die übrigens noch immer ohne Strom auskommt, lohnt ein Trail-Abstecher zu den Glittner Seen. Zurück geht’s über das Jakobsstöckl mit kleiner Gedenkkapelle, der mystische Eigenschaften nachgesagt werden. Vorbei an Kreuzwiesenalm und (mit kleinem Umweg) Starkenfeldhütte rauscht man nun bergab nach Ehrenburg. Alternativ und kürzer ist der teils steile, aber insgesamt flowige Wanderweg Nr. 3 hinunter nach Onach.


Tour-Länge: 64,5 km – 1855 hm


Hütten-Infos: Die Wieseralm liegt in den Lüsner Bergen auf 2054 Metern Höhe und kommt noch immer ohne Strom aus. Entsprechend einfach ist die Speisekarte der drei Senioren, die die Hütte seit vielen Jahren führen. Nächste Hütte mit Strom: Kreuzwiesenalm, www.kreuzwiesenalm.com

  WieseralmFoto: Jörg Reuther
Wieseralm

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Infos zum Mountainbike-Revier Südtirol


Das Revier Südtirol ist die nördlichste und größte Provinz Italiens. Hütten gibt es hier in den Bergen wie Sand an der ligurischen Küste. Das macht die Region gerade für Touren-Fahrer besonders interessant. Vor allem, wenn man von Locals und Bikeguides solche Geheimtipps zugesteckt bekommt, wie diese fünf Hütten-Touren: von der urigen Wieseralm über Bruneck bis hin zum Gourmet-Tempel Emilio Comici am Langkofel.


Beste Reisezeit Mediterranes Klima: Südtirol gilt nicht umsonst als der Obstgarten der Alpen. Die Ötztaler- und Zillertaler Alpen halten die kalten Luftmassen aus dem Norden ab, die Dolomiten die Tiefdruckgebiete aus dem Süden. Daher sind die Südtiroler Gebirge meist von März bis November schneefrei.


Karten Supertrail-Maps: Bozen Nord, Bozen Süd, Vinschgau Nord, Vinschgau Ost, Meran Nord je 16,95 Euro. Infos: www.delius-klasing.de
Kompass-Karten im Maßstab 1:50000, www.kompass.at


Südtirol-Online-Special Auf unserer Website haben wir ein großes Südtirol-Special zusammengestellt. Darunter die besten Touren-Reviere wie Vinschgau, Meran, Sexten, Eggental, Pustertal und Fanes. Alle Touren inklusive Beschreibung, GPS-Daten, Einkehr- und Unterkunftstipps.


Bike-Unterkünfte
Von der einfachen Hüttenunterkunft über Frühstücks­pensionen, bis hin zum Fünf-Sterne-Hotel in historischen Gemäuern – wer nicht gerade zur Törggelen-Zeit nach Südtirol kommt, wird immer eine Unterkunft finden.
Hotels mit speziellem Service für Mountainbiker finden Sie bei Südtirol Bike Hotels, www.bikehotels.it


Der Autor
Thomas Rögner guided schon seit 2002 Touren und Alpenüberquerungen für Alps Biketours. Als erklärter Südtirol-Fan gibt es wohl keine Hütte, die er noch nicht mit dem Bike angesteuert hat. Diese Auswahl stammt aus seinem ganz persönlichen Schmuckkästchen.

  Die fünf Hütten-Touren für Mountainbiker aus BIKE 4/2016 in der Übersichtskarte.Foto: Infochart
Die fünf Hütten-Touren für Mountainbiker aus BIKE 4/2016 in der Übersichtskarte.

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