ItalienRovereto: Panorama-Trails im Grenzgebiet

Ralf Glaser

 · 24.08.2014

Rovereto: Panorama-Trails im GrenzgebietFoto: Ralf Glaser

„Berg der 10000 Toten“ wird der Pasubio genannt. Auch auf anderen Bergen rund um Rovereto wurde Blut vergossen. Diese Touren führen auf spektakulär angelegten Nachschubwegen zu den Schlachtfeldern.

"Das sind menschliche Knochen, oder?" Lucas Miene zeigt, dass er das Offensichtliche nur ungern glauben will. Doch die Proportionen passen. Hier ein Lendenwirbel, dort eine Elle. Und wenn das mal keine Rippe ist? Dieser Haufen Knochen neben dem Trail stammt von einem Menschen. Um das zu verstehen, braucht man kein Anatomie-Seminar. Außerdem würde niemand Nutztiere in eine solche Einöde treiben, um sie hier verenden zu lassen. Nein, der Pasubio, südlich von Rovereto, ist definitiv kein Mountainbike-Berg wie jeder andere. Auch wenn seine Moser-Klassikerrunden schon früh magische Anziehungskraft auf Biker ausgeübt haben. Heute klebt über den beiden Touren "52 Tunnels" und "Strada degli Scarubbi" zwar ein dickes Bike-Verbot, doch die besten Pasubio-Trails – die zur Bocchetta di Foxi – sind für Mountainbiker nach wie vor offen. Letztere führen geradewegs über die ehemalige Frontlinie des Ersten Weltkriegs. Genau dort sind wir im Moment unterwegs.

NoneFoto: Ralf Glaser
None
Wo im ersten Weltkrieg Schlachten tobten, findet sich heute ein interessantes Trail-Netz für hartgesottene Mountainbiker.Foto: Ralf Glaser
Wo im ersten Weltkrieg Schlachten tobten, findet sich heute ein interessantes Trail-Netz für hartgesottene Mountainbiker.
Die Monti Lessini oder auch die "Kleinen Dolomiten", südlich von Rovereto: Bergab sind die Trails am Cima Carega ein Spaß. Bergauf aber ein hartes Stück Arbeit.Foto: Ralf Glaser
Die Monti Lessini oder auch die "Kleinen Dolomiten", südlich von Rovereto: Bergab sind die Trails am Cima Carega ein Spaß. Bergauf aber ein hartes Stück Arbeit.
Am Corno della Paura lässt sich das gesamte Können der damaligen Straßenbauer bewundern.Foto: Ralf Glaser
Am Corno della Paura lässt sich das gesamte Können der damaligen Straßenbauer bewundern.
Der Pasubio ist nichts für schwache Nerven …Foto: Ralf Glaser
Der Pasubio ist nichts für schwache Nerven …
Weinberg-Idylle am Monte Zugna: Kaum vorstellbar, dass diese Region noch vor 100 Jahren unter schwerem Artilleriefeuer stand.Foto: Ralf Glaser
Weinberg-Idylle am Monte Zugna: Kaum vorstellbar, dass diese Region noch vor 100 Jahren unter schwerem Artilleriefeuer stand.
55 Tonnen Dynamit: der Pasubio ist nur noch ein halber Berg.Foto: Ralf Glaser
55 Tonnen Dynamit: der Pasubio ist nur noch ein halber Berg.
Die Monti Lessini sind durchzogen von Militärstraßen. Dabei kam es hier  im Ersten Weltkrieg nicht zum Kampf.Foto: Ralf Glaser
Die Monti Lessini sind durchzogen von Militärstraßen. Dabei kam es hier  im Ersten Weltkrieg nicht zum Kampf.
NoneFoto: Ralf Glaser
None
Wo im ersten Weltkrieg Schlachten tobten, findet sich heute ein interessantes Trail-Netz für hartgesottene Mountainbiker.Foto: Ralf Glaser
Wo im ersten Weltkrieg Schlachten tobten, findet sich heute ein interessantes Trail-Netz für hartgesottene Mountainbiker.
Wo im ersten Weltkrieg Schlachten tobten, findet sich heute ein interessantes Trail-Netz für hartgesottene Mountainbiker.
Die Monti Lessini oder auch die "Kleinen Dolomiten", südlich von Rovereto: Bergab sind die Trails am Cima Carega ein Spaß. Bergauf aber ein hartes Stück Arbeit.
Am Corno della Paura lässt sich das gesamte Können der damaligen Straßenbauer bewundern.
Der Pasubio ist nichts für schwache Nerven …
Weinberg-Idylle am Monte Zugna: Kaum vorstellbar, dass diese Region noch vor 100 Jahren unter schwerem Artilleriefeuer stand.
55 Tonnen Dynamit: der Pasubio ist nur noch ein halber Berg.
Die Monti Lessini sind durchzogen von Militärstraßen. Dabei kam es hier  im Ersten Weltkrieg nicht zum Kampf.
None

"Lass uns abhauen", meint Luca. Spricht’s und stapft mit geschultertem Enduro-Hardtail die kleine Anhöhe hinter den Sieben Kreuzen hinauf. Tatsächlich lassen uns nicht nur die sterblichen Überreste von österreichischen oder italienischen Soldaten frösteln. Inzwischen atmet auch das Vallarsa von tief unten dicken Nebel auf das karge Plateau hinauf. Während die Feuchtigkeit langsam unter die Kleidung kriecht, wird die Sicht immer schlechter. Selbst die Gräben, Trichter und Stollen verblassen im weißen Dunst. Immerhin haben wir den höchsten Punkt der Tour schon erreicht.

Gott sei Dank arbeitet das menschliche Gehirn selektiv. Gerade dachte ich noch, dass ich das Bild von den Knochen nicht mehr aus dem Kopf kriegen werde, da fokussieren meine Augen bereits wieder Lucas’ Hinterrad. Hardtail hin oder her: An dem Italiener dranzubleiben, ist für mich praktisch unmöglich. Wenigstens den Anschluss nicht verlieren! Da steht schon die nächste Serpentine an: Mein Reifen macht das charakteristische "Wrrrra-pa-pa-paaa!" auf dem gepflastertem Trail, dann geht’s beherzt um die Ecke. Eine Handbreit neben der Trockenmauerkehre lauert bereits der freie Fall. Bei solchen Fahrmanövern in der Steilwand sind die Knochen von vorhin natürlich schnell vergessen. Erst als wir 1600 Höhenmeter tiefer unsere Löffel in den Cappuccino-Schaum tauchen, kommen die Bilder wieder in mir hoch.

"Rund um Trento sind wir praktisch nur auf Militärwegen unterwegs", erzählt Local Luca. "Doch hier am Pasubio jagt einem die Geschichte immer noch Schauer über den Rücken." Zu wissen, dass an einem Ort vor vier Generationen gekämpft und gestorben wurde, ist ja das Eine. Doch mit den Leichenteilen unserer Ur-Großväter direkt konfrontiert zu werden, ist doch noch mal eine andere Nummer. Meist beschränken sich die sichtbaren Relikte der Weltkriegssoldaten auf ein paar verrostete Konservenbüchsen und Stacheldrahtknäuel. Viel zu abstrakt, um den meisten Bikern den Spaß auf den ehemaligen Nachschubwegen zu vermiesen.

Rund um Rovereto gibt es auch einige Berge der Sorte "Weltkrieg light". Der Monte Baldo ist so einer. Das kleine Skigebiet am Corno della Paura hat von den Artilleriestellungen dort oben wenig übrig gelassen. Nur die alte Militärstraße, die sich von Avio aus über satte 1400 Höhenmeter nach oben schraubt, ist noch original. Wobei ein Großteil inzwischen geteert wurde. Über 24 Kehren sucht sich der Kanonenweg gemächlich seinen Weg über die steile Bergflanke nach oben. Erst kurz unterhalb des Gipfels offenbart sich das ganze Können der Straßenbauer von damals: Durch Tunnels und von Trockenmauern gestützt, quert die Straße eine jäh abfallende Felswand. Dort öffnet sich bald ein perfekter Aussichtsbalkon: weit unten das Etschtal, drüben die Lessinischen Berge und die "Kleinen Dolomiten". Im Süden verlieren sich die letzten Ausläufer der Alpen im Dunst über der Po-Ebene. Allein für diesen Blick hat sich der 1400-Höhenmeter-Anstieg definitiv gelohnt.

Zwei der beschriebenen Mountainbike-Touren um Rovereto:


• Tour 1: Bocchetta di Foxi / 41,9 km / 1530 hm / 5:30 h
• Tour 2: Monte Zugna / 35,2 km / 1680 hm / 5:30 h


Den gesamten BIKE-Revierguide Rovereto samt Roadbooks zu diesen Touren können Sie in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen:

Downloads:

Meistgelesene Artikel