Radfahren in den AbruzzenDie Juwelen der Trabocchi-Küste

Barbara Merz-Weigandt

 · 19.10.2023

Der Radweg Via Verde zwischen Ortona und San Vito verläuft direkt an der Küste
Foto: © Regione Abruzzo
Die Radrunde ”Juwelen der Trabocchi-Küste” in den Abruzzen ist eine abwechslungsreiche Tour an der Küste und ins Hinterland.
Die Abruzzen werden als die nördlichste Region Süditaliens angesehen und beeindrucken ihre Besucher mit einer Küstenlinie von über 125 Kilometern, sanften Hügeln und Berggipfeln im Landesinneren, die bis zu 3.000 Meter hoch sind. In dieser vielfältigen Region, sowohl kulturell als auch landschaftlich, finden auch Radfahrer eine Vielzahl an abwechslungsreichen Touren. Ein Tourentipp zwischen Küste und Hinterland.

Von ihrer Adriaküste erstrecken sich die Abruzzen bis zu den Bergen des Abruzzischen Apennins. Das Gebirgsmassiv Gran Sasso d'Italia erreicht eine Höhe von fast 3.000 Meter. Die Region ist berühmt für ihre atemberaubende Landschaft, die in drei Nationalparks und einem Regionalpark bewundert werden kann.

Tourentipp: Die Juwelen der Trabocchi-Küste

Typisch für die süditalienische Adriaküste sind Fischerhütten mit einem Steg auf Pfählen. Diese “Trabocchi” kennt man im Deutschen auch unter den Begriffen „Fischergalgen“ oder „Fischwaage“. Die Trabocchi wurden seit dem Mittelalter entlang von Küstenabschnitten gebaut, an denen aufgrund der Meeresströmung große Fischschwärme vorbeiziehen. Von den Trabocchi aus warfen die Fischer riesige Netze aus und konnten sie relativ einfach wieder hochziehen. Die Trabocchi wurden aus robustem Robinien- und Kastanienholz erbaut, die einzelnen Bauteile sind nur durch Seile verbunden. Diese Hütten sind vor allem entlang eines Küstenabschnitt in den Abruzzen zu finden, der daher den Namen Costa dei Trabocchi trägt. Viele von ihnen dienen heute als exklusive Fischrestaurants.

Viele der typischen “Trabocchi”-Pfahlbauten findet man heute noch entlang der Küste zwischen Ortona und Fossacesia in den AbruzzenFoto: Simone SpoltoreViele der typischen “Trabocchi”-Pfahlbauten findet man heute noch entlang der Küste zwischen Ortona und Fossacesia in den Abruzzen

Tourenbeschreibung

  • Start-/Zielort: Ortona
  • Länge km: 72,2
  • Durchschnittliche Steigung: 4,5 %
  • Maximale Steigung: 16 %
  • Schwierigkeit: mittel
  • Höhenunterschied: 297 m

Startpunkt der Route “Juwelen der Trabocchi-Küste” ist Ortona, wo die beeindruckende Costa dei Trabocchi beginnt. Diese erstreckt sich bis nach Vasto. Die lange Küstenlinie verändert ihr Erscheinungsbild nach einem anfänglichen Abschnitt mit breiten Sandstränden im Norden (in den Bezirken Foro, Lido Riccio und Lido dei Saraceni). Sie wird zu einer Abfolge von Buchten, Klippen und Vorgebirgen mit üppiger mediterraner Vegetation, die zum Meer hin ausgerichtet sind.

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Ortona liegt auf einem Hügel und bietet vom "Passeggiata Orientale" (Östlicher Rundweg) aus ein atemberaubendes Panorama. Zu den Sehenswürdigkeiten gehören der Palazzo Farnese, das Castello Aragonese, die Kirchen "Santa Maria delle Grazie" und "della Santissima Trinità", die Kathedrale sowie die San Tommaso-Kirche, die dem Apostel Thomas gewidmet ist. Außerdem gibt es viele Museen zu besichtigen. Von Ortona aus führt die Reise weiter zum Dorf Poggiofiorito, das den Besucher bereits am Ortseingangmit einem wunderschönen Stadtgarten mit Zedern empfängt. Ein Besuch lohnt sich auch bei der Fonte Santa Maria aus dem 16. Jahrhundert, wo bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts die Bäuerinnen ihre Wäsche wuschen, sowie bei der Kirche San Matteo.

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Nach acht Kilometern gelangt man nach Lanciano, einer bedeutenden Gemeinde in der Provinz Chieti mit einer tausendjährigen Geschichte. Hier befindet sich das Heiligtum des Miracolo Eucaristico, welches das älteste eucharistische Wunder der katholischen Kirche aufbewahrt.

Nicht verpassen sollte man die Kirchen S. Maria Maggiore und S. Agostino, mit wunderschönen Portalen, den Aragonesischen Turm und die Diokletianbrücke. Kulinarischer Tipp: die lokale Spezialität "Rintrocilo" - ein handgefertigtes "Spaghetto" mit quadratischem Querschnitt, das mit Schafsoße oder Hammelragout serviert wird.

Ein typisches Pasta-Gericht an der Trabocchi-Küste ist Rintrocilo mit Fleischsauce.Foto: Regione AbruzzoEin typisches Pasta-Gericht an der Trabocchi-Küste ist Rintrocilo mit Fleischsauce.

Die Reise führt weiter nach Fossacesia, das im Herz der Costa dei Trabocchi auf einem Hügel liegt und einen herrlichen Blick auf die Adria bietet.

Sehenswürdigkeiten auf der weiteren Strecke der Radtour sind die Zisterzienserbasilika San Giovanni in Venere und die felsige Küste von Punta Cavalluccio. Dieser Küstenabschnitt ist besonders charakteristisch wegen seiner vielen noch gut erhaltenen Trabocchi. Nach weiteren 15 Kilometern erreicht man San Vito Chietino. Das Dorf, das von D'Annunzio als "Stadt der Besen" bezeichnet wird, liegt auf einem Felsvorsprung. Das Panorama erstreckt sich von der Majella bis zum Gargano und den Tremiti-Inseln.

Dieser zerklüftete Küstenabschnitt wird vom Promontorio del Turchino („Turchino-Vorgebirge“) geprägt. Die Region verdankt ihren guten Ruf vor allem dem sehr klaren Meer, in dem sich die intensiven Farben des Himmels spiegeln. Mit dem "Trabocco del Turchino", ist hier eine der am besten erhaltenen Fischerplattformen erhalten.

Via Verde Costa dei Trabocchi: Radweg mit toller Aussicht direkt an der Küste

Der verkehrsfreie Radweg, der sich über 42 km entlang der Küste zwischen Ortona und Vasto erstreckt, bietet spektakuläre Ausblicke auf die Adria und die Trabocchi. Neben dem Radweg gibt es auch einen Fußgängerweg, so dass auch Wanderer von der Via Verde profitieren können. Der Weg führt durch 9 Gemeinden, darunter Rocca San Giovanni, wo einer der schönsten Abschnitte der gesamten Strecke zu finden ist. In den Gewässern des Ortsteils Vallevò befindet sich seit 1994 eine bronzene Christusstatue (der Cristo degli Abissi) in etwa 4 Metern Tiefe. Am Ufer schmückt eine Zwillingstatue den Ort, um den Einwohnern die Möglichkeit zu geben, Christus zu verehren. 2023 war Fossacesia Marina der Startort des Giro d’Italia. Das erste 19,6 Kilometer lange Einzelzeitfahren verlief entlang der Costa dei Trabocchi nach Ortona. Weitere Informationen über die Via Verde finden Sie hier.

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Foto: Regione Abruzzo
Die Via Verde dei Trabocchi ist ein verkehrsberuhigter Rad- und Fußgängerweg in den Abruzzen. Entlang der 42 Kilometer langen Strecke gibt es viele Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Unterkünfte

GPS-Daten zur Radtour “Juwelen der Trabocchi-Küste”

Die Tour “Juwelen der Trabocchi-Küste” führt zunächst ins Hinterland Richtung Poggiofiorito und Lanciano. Der letzte Abschnitt von Fossacesia nach Ortona verläuft großteils direkt an der Küste auf dem Via Verde Radweg mit Blick aufs Meer und die bekannten Trabocchi.

Den GPX-Track zur Tour gibt es in der MYBIKE-Collection auf komoot.

Veranstaltungs-Tipp: Art Bike & Run + Wine

Im Sommer findet in Fossacesia das Event "Art Bike & Run + Wine" statt. Es ist eine Veranstaltung, die sich um Natur, Essen und Wein, Sport und Kunst in der wunderschönen Landschaft der Costa dei Trabocchi dreht.

"Art Bike & Run + Wine" ist eine internationale Veranstaltung, die von Legambiente Italia unterstützt wird. Sie findet an der Costa dei Trabocchi statt, einem Teil der Via Verde (auch als "Grüner Weg" bekannt), der auf einer stillgelegten Eisenbahnlinie errichtet wurde. Dieser Rad- und Fußweg erstreckt sich über 42 Kilometer und verbindet Ortona mit San Salvo. Von hier aus führen mehr als 300 Kilometer Fahrradwege durch die malerischen Weinberge ab.

"Art Bike & Run + Wine" veranstaltet über einen Zeitraum von drei Tagen verschiedene Events und Aktivitäten für die gesamte Familie. Darunter geführte (kulinarische) Radtouren und Straßenkunst. Außerdem besteht die Möglichkeit, typische abruzzesische Speisen und Weine zu probieren.

Veranstaltungsort ist das ABR Village am ehemaligen Bahnhof in Fossacesia Marina.

Mehr Infos unter artbikeandrun.it

Allgemeine Infos unter www.italia.it/en und unter abruzzoturismo.it/de/

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Barbara Merz-Weigandt

Barbara Merz-Weigandt

Chefredakteurin

Barbara Merz-Weigandt, Chefredakteurin von MYBIKE, dem Magazin für engagierte Alltags- und Reiseradler, lebt am Starnberger See. Ihre große Leidenschaft: das Reisen. Mit dem Tourenrad überquerte sie die Alpen – auf der Via Claudia Augusta, der Ciclovia München-Venezia und dem Alpe-Adria-Radweg. Mit Motorsegler und Rad erkundete sie die Inselwelt Kroatiens und die lykische Küste, alle Balearen und Kanaren hat sie mit dem Fahrrad bereist. Am liebsten ist sie mit dem Mountainbike auf den Trails in den Bayerischen Voralpen, den Dolomiten oder auf La Palma unterwegs.

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