Piz Umbrail vs. MadritschjochWer hat den längsten Abfahrtstrail?

Gitta Beimfohr

 · 22.10.2026

Piz Umbrail vs. Madritschjoch: Wer hat den längsten Abfahrtstrail?Foto: Supertrails
Der Piz Umbrail leitet seinen Trail episch ins Schweizer Val Müstair hinunter.
Zwei Klassiker im Stilfserjoch-Nationalpark, die aus dem Touren-Portfolio eines Trailbikers nicht mehr wegzudenken sind. Beide Trails starten auf über 3000 Meter Höhe und gehören zu den längsten Abfahrten der Alpen. Aber welcher bespaßt mehr? Piz Umbrail und Madritschjoch im direkten Vergleich.

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Kein Trail ist gut, nur weil er besonders lang ist. Das würde ja dann auf fast alle Trails im Hauptkamm zutreffen. Entscheidend sind auch Landschaft, Panorama und der Anstieg bis zum Traileinstieg. Das Gesamtpaket muss eben stimmen. So wie bei diesen beiden, sich gegenüberliegenden Kontrahenten im Stilfserjoch-Nationalpark: Madritschjoch und Piz Umbrail. Der eine ein Klassiker aus frühen Transalp-Jahren, der andere der Geheimtipp eines Locals, der erst vor einigen Jahren ans Licht kam. Beide führen durch epische, hochalpine Landschaften und dennoch streiten sich die Geister, welcher der beiden der noch bessere Trail ist. Wir machen daher mal den Fakten-Check:

DatenPiz Umbrail (3033 m)Madritschjoch (3123 m)
Kilometer11,3 km28,5 km
Tiefenmeter1651 m2603 m
Trail-Anteil10,8 km15,3 km
Panorama / Landschaft★★★★★ ★★★★☆
Aufstieg★★★★☆ ★★★☆☆
Fahrtechnik★★★★☆ ★★★☆☆

Der Aufstieg im direkten Vergleich

Beide Pässe thronen im Alpenhauptkamm auf über 3000 Meter Höhe. Sprich: Dort, wo die längsten Trailabfahrten zuhause sind, wird die Luft bereits dünn und es lauern die längsten und härtesten Auffahrten. Doch in beiden Fällen gibt es Aufstiegshilfen:

Madritschjoch

Der Pass zwischen Vinschgau und Ortlermassiv gilt mit seinen 3123 Metern als der höchste, mit dem Bike befahrbare Pass der Ostalpen. Wobei diese Auffahrt alles andere als schön ist: Erst geht’s von Prad im Vinschgau 1250 Höhenmeter auf stark befahrener Passstraße nach Sulden hinauf, dann übernimmt eine 20-prozentige Geröllrampe bis zur Schaubachhütte (2581 m, derzeit nicht bewirtschaftet). Anschließend muss die Kraft noch reichen für die letzten 500 Höhenmeter auf steilster Skipiste und finalem, etwas ausgesetztem Trail bis zur Passhöhe. Eine Schinderei, die sich nur extrem fitte Mountainbiker ohne E-Unterstützung antun. Die Meisten lassen sich von einem Shuttle oder Linienbus nach Sulden bringen, steigen dort in die Seilbahn und knabbern schon an den letzten 500 Höhenmetern, weil die Luft dort oben spürbar dünner wird.

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Kosten Aufstieg: 24,50 Euro pro Person mit Bike

  • Linienbus von Prad nach Sulden (Fahrzeit: 30 Minuten) ca. 4 Euro
  • Seilbahn: 16,50 Euro plus 4 Euro fürs Bike.

Piz Umbrail

Auch hier kann man die Auffahrt in Prad im Vinschgau starten. Von dort klettert man die berühmten 48 Kehren zum Stilfserjoch (2757 m) hinauf und rollt auf der anderen Seite drei Kilometer zum Umbrail-Pass (2501 m), den höchsten Straßenpass der Schweiz, wieder hinunter.

Oder man startet in Sta. Maria im schweizer Val Müstair. Das sind weniger berühmte, dafür aber direkte (und steilere) 1130 Höhenmeter bergauf. Doch wenn man nicht gerade den einen autofreien Tag im Jahr an diesen beiden Passstraßen erwischt, dann machen beide Auffahrten wenig Spaß. Einfach zu viel Auto- und Motorradverkehr. Deshalb setzt man sich am besten in den Linienbus oder Bikeshuttle und startet die Tour oben am Umbrailpass.

Vom Pass geht es direkt auf Trail weiter, aber bald sehr steil. Ohne Motorunterstützung wird man schnell schieben müssen, mit E sind etwa 300 Höhenmeter fahrbar. Dann baut sich eine Wand vor dem Lenker auf: ein Felssteig mit Sicherungsseil! Es folgt ein ziemlicher Balance- und Kraftakt, vor allem, wenn man dazu einseitig ein schweres E-MTB an der Schulter baumeln hat. Knapp 200 Höhenmeter wuchtet man sich auf diese Weise bergauf, bis schließlich der Gipfel auf 3033 Meter Höhe erreicht ist. Bing! Zusatzpunkt für den Umbrail-Trail. Wie viele alpine Abfahrten starten schon oben am Gipfelkreuz?

Kosten Aufstieg von Sta. Maria: 22,80 Euro pro Person mit Bike

  • Postauto von Sta. Maria zum Umbrail-Pass (Fahrzeit 30-40 Minuten) 4 CHF (ca. 4,30 Euro). Die Alternative mit dem Linienbus von Prad zum Stilfserjoch gibt es nur von Mitte/ Ende Juni bis Oktober.
  • Biketransport im Postauto: Tageskarte 15 CHF (ca. 16,30 Euro) und es besteht eine Reservierungspflicht fürs Bike, die nochmal 2 CHF (ca. 2,20 Euro) kostet.

Welches Panorama ist schöner?

Madritschjoch-Trail : Die Trail-Abfahrt vom höchsten, bergauf “fahrbaren” Pass der Ostalpen:Foto: SupertrailsMadritschjoch-Trail : Die Trail-Abfahrt vom höchsten, bergauf “fahrbaren” Pass der Ostalpen:

​Madritschjoch

Die Aufstiegskulisse zum Madritschjoch gewinnt erst in der Gondel so richtig an Fahrt: Man schwebt direkt auf die mächtigen grauen Felswände von Schrötterhorn (3388 m) und Königsspitze (3851 m) zu. In ihren Gipfeln kleben noch die Gletscher, darunter klaffen die Schutthänge der Moränen, die einst mit Eis gefüllt waren. Schmelzwasser rauschen die Felswände hinunter, im Hintergrund thront König Ortler. Die Aussicht auf den letzten 500 Höhenmetern bis zum Pass wächst, aber den geröllhaltigen Almwiesen selbst sieht man an, dass sie im Winter als Skipiste dienen.

Das ändert sich jedoch schlagartig, sobald man der letzte Schritt aufs schmale Joch gemacht ist. Vor allem, wenn man morgens früh dran ist: Auf der anderen Passseite leuchtet die Sonne dann gerade die riesige Wanne des Madritschtals aus. Eine riesige Talwanne, über der rechterhand die Einsflanken des Cevedale (3769 m) glitzern. Man sitzt sprachlos auf dem schmalen Übergang und kann nun dem Trail über drei gigantische Geländestufen hinweg bis zur Zufallhütte im Talschluss hinunter folgen.

Piz Umbrail

360-Grad-Panorama am Gipfel: Es reicht von der Berninagruppe über die Silvretta bis hin zu den Ötztaler Alpen und natürlich dem nahen Ortlermassiv. Später folgt die Aussicht über den Lai da Rims, der wie ein Infinity-Pool auf einem Felsbalkon chillt. Insgesamt bewegt man sich hier oben lange Zeit in einer hochalpinen, felsigen Mondkulisse, bis man unten im Val Müstair auf 2000 Meter Höhe in den Wald eintaucht.

Die beiden Trail-Abfahrten im Vergleich

Madritschjoch

Die Abfahrt startet auf 3123 Meter Höhe mit engen Serpentinen im sandigen bis felsigen Steilhang. Die Bremsen müssen trotz Gefälle dosiert eingesetzt werden, damit die Reifen nicht wegrutschen. Richtigen Grip bieten auf den ersten 100 Tiefenmetern nur vereinzelten Felsplatten. Doch dann geht’s auf samtigem Almboden flowig dahin. In der zweiten Geländestufe warten eng gezogene, aber griffige Serpentinen, bevor man am Fuße eines Kletterfelsens einen kurzen Gegenanstieg hochwuchten muss.

Nach 860 Tiefenmetern erreicht man die Zufallhütte, wo das Tal eine 90-Grad-Biegung macht. Jetzt folgt man dem Marteller Talweg, der mal breiter, dann wieder als Pfad, mit kurzen Schotter- aber auch Asphalt-Unterbrechungen in den Vinschgau hinunter zieht.

Insgesamt hat diese Abfahrt:

  • Länge: 28,5 Kilometer
  • Bergab: 2603 Tiefenmeter
  • Trail-Anteil: 15,3 Kilometer
  • Schwierigkeit: mittel

Piz Umbrail

Der Trail vom 3033 Meter hohen Gipfel hat es nicht eilig ins Tal zu kommen. Er windet sich in ausladenden Serpentinen gemächlich eine Stufe tiefer. Allerdings ist der Untergrund sandig bis sulzig und ein Wegrutschen ist hier oben für mindestens 100 Tiefenmeter keine gute Idee. Danach greifen die Reifen deutlich besser, aber es wird steiniger.

Nach unzähligen Serpentinen und Stufen durch diese sibrig-graue Felsenwelt eilt der Pfad schließlich ins erste Almwiesengrün, in dem sich der Lei da Rims auf 2400 Meter Höhe sonnt. Der kleine Gebirgssee liegt auf einem Plateau, von dem der weitere Trail hinunterklettern muss. Und das macht er in fast schon übereinander gestapelten Serpentinen in einem Steilhang. Es ist die Schlüsselstelle der Tour, stürzen darf man hier nicht.

Auf den restlichen 600 Tiefenmetern kann man die Bremsen aber wieder lösen. Vor allem, wenn ab 2000 Meter Höhe Waldboden übernimmt und der Grip wieder zu 100 Prozent da ist.

Insgesamt hat diese Abfahrt:

  • ​Länge: 11,3 Kilometer
  • Bergab: 1651 Tiefenmeter
  • Trail-Anteil: 10,8 Kilometer
  • Schwierigkeit: schwer

Fazit:

​Das Madritschjoch gewinnt bei Gesamtlänge, Tiefenmetern und absoluten Trail-Kilometern. Der Piz Umbrail hat prozentual dagegen den höheren Trail-Anteil, ist aber auch die deutlich anspruchsvollere Abfahrt. Grundsätzlich sind beides epische Trail-Erlebnisse, die man sich unbedingt mal gönnen sollte.

Die GPX-Daten zu beiden Trails finden BIKE-Abonnenten (digital und print) auf bike-magazin.de unter “Mein Bereich” zum kostenlosen Download.

Welchen der beiden Trails fahrt ihr lieber?

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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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