Der Ciclovia Pedemontana FVG3 verläuft 180 Kilometer entlang des friulanischen Alpenbogens: vom venezianisch geprägten Sacile bis ins Collio-Weingebiet nach Gorizia – gemeinsam mit Nova Gorica Europäische Kulturhauptstadt 2025 – über Maniago, berühmt für seine Messerschmieden, das UNESCO-Welterbe Cividale del Friuli, durch vier DOC-Weinregionen und begleitet von den kulinarischen Genüssen Friaul-Julisch Venetien.
Der Morgen liegt kühl über den Kanälen von Sacile. Nicht umsonst trägt das Städtchen den Beinamen „Garten der Serenissima“ – hier, wo die mächtige Republik Venedig einst ihre Sommerfrische abhielt, beginnt der Radweg Pedemontana. Vor dem Start lohnt der Blick auf das prächtige Ragazzoni Palais mit seiner kunstvollen Renaissance-Fassade oder ein Abstecher ins nahe gelegene Weingut Vistorta. Das historische Anwesen, dessen Ursprünge bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, ist nicht nur für seine exzellenten DOC-Weine bekannt, sondern auch für seine beeindruckende Villa im venezianischen Stil. Von Sacile führt der Radweg sanft in die wellige Hügellandschaft von Pordenone. Zwischen Sumpfwiesen und Auwald liegt die Pfahlbausiedlung Palù di Livenza, UNESCO-Weltkulturerbe und eindrucksvolles Zeugnis prähistorischer Siedlungskultur.
Wenige Kilometer weiter warten die spektakulären Gorgazzo-Quellen: Smaragdgrünes Wasser sprudelt hier aus einer der tiefsten Karstquellen Europas. Der Weg führt weiter nach Marsure. Hier bewahrt die Latteria Sociale seit Generationen die friulanische Molkereitradition. Milch- und Käseliebhaber bekommen beim Besuch einen Einblick in handwerkliche Käseherstellung und die Möglichkeit zur Verkostung. Die letzten Kilometer bis Maniago bieten spektakuläre Ausblicke auf die Voralpenkulisse. Die Stadt empfängt ihre Besucher mit besonderem Charakter: Seit dem 15. Jahrhundert wird hier Messerschmiedekunst gepflegt. Das Museum der Messerschmiederei und Schmiedekunst bildet den würdigen Abschluss. Von mittelalterlichen Schwertern bis zu modernen Küchenmessern wird die jahrhundertealte Tradition lebendig.
Durch wilde Flusstäler und historische Bergdörfer führt die zweite Etappe von Maniago hinauf bis zum Tor der majestätischen Julischen Alpen.
Von Maniago führt die Route durch eine Landschaft voller Kontraste: sanfte Hügel, wilde Flusstäler und die nahenden Gipfel der karnischen Voralpen. In Cavasso Nuovo lohnt sich eine kulinarische Pause: Die berühmte rote Zwiebel von Cavasso, DOP-geschützt und von einzigartig milder Süße, prägt die regionale Küche. Weiter geht es entlang des Meduna-Bachs, dessen kristallklares Wasser durch ursprüngliche Schluchten rauscht. Die Naturoasen von Navarons und Paludana bieten Abkühlung und Entspannung an den zwei Strändchen – Badetuch nicht vergessen! Zwischen Flussauen und Alpengipfeln malerisch auf einem Felsvorsprung thront Toppo di Travesio. Seine antiken Gassen, blühenden Gärten und Steinhäuser mit Innenhöfen aus dem 18. Jahrhundert machen den Ort zu einem der „Schönsten Dörfer Italiens“.
Der Radweg verläuft weiter durch Weinberge. Ein Stopp lohnt sich beim Weingut Bulfon. Mit Weitblick und Leidenschaft hat sich die Familie der Rettung und Kultivierung vergessener und fast ausgestorbener autochthoner Rebsorten verschrieben. Bei Pinzano al Tagliamento öffnet sich der Blick auf den mächtigen und spektakulären Tagliamento, den letzten Wildfluss der Alpen. Der nächste Höhenpunkt folgt beim Naturreservat Cornino-See: Türkisgrünes Wasser schimmert zwischen Felswänden, über denen Gänsegeier kreisen – eine der wenigen Kolonien dieser majestätischen Vögel in Italien. Das Besucherzentrum informiert über das erfolgreiche Wiederansiedlungsprojekt. Nach den Naturerlebnissen lockt bei Birra Garlatti Costa handwerklich gebrautes Bier zur Erfrischung. Von dort sind es nur noch wenige Kilometer zum Etappenziel Gemona del Friuli.
Vorbei an Burgen und durch edle Weinberge führt die dritte Etappe bis zum langobardischen UNESCO-Weltkulturerbe in Cividale del Friuli.
Gemona del Friuli, pittoresk am Fuß der Julischen Alpen gelegene mittelalterliche Stadt, wurde nach einem Erdbeben von 1976 eindrucksvoll wiederaufgebaut. Der Dom Santa Maria Assunta grüßt mit seiner imposanten Fassade die Radfahrer. Heute vereint die Stadt Geschichte mit zeitgenössischer Architektur und Street Art und bildet das Tor zum UNESCO-Biosphärenreservat Julische Alpen. Einige Radkilometer weiter thront die imposante Burg Artegna auf einem Hügel. Das mittelalterliche Städtchen zu ihren Füßen begeistert mit verwinkelten Gassen und dem prächtigen Schloss Savorgnan. Ab Savorgnano del Torre wird die Landschaft sanfter, die Hügel weicher.
Sie gehen über in die Rebzeilen des renommierten Weinbaugebiets DOC Friuli Colli Orientali. Diese bringen einige der besten Weine Italiens hervor, wie den autochtonen Pignolo und Schioppettino – ein Zwischenstopp in einer der traditionsreichen Kellereien ist Pflicht. Hier wird auch die Gubana serviert, das spiralförmige Hefeteiggebäck mit Nuss-Rosinen-Füllung, das zu jedem friulanischen Fest gehört.
Die finale Abfahrt nach Cividale del Friuli ist spektakulär: Die von Julius Caesar als Forum Iulii gegründete Stadt – Namensgeberin für ganz Friaul – erhebt sich malerisch über dem Natisone-Fluss. Ab 568 n. Chr. war Cividale Sitz des ersten langobardischen Herzogtums in Italien und später Residenz der Patriarchen von Aquileia. Die Teufelsbrücke, die sich kühn über die Schlucht spannt, ist nur eines von vielen Highlights: Der Tempietto Langobardo, ein UNESCO-Weltkulturerbe mit atemberaubenden Stuckarbeiten, und das archäologische Nationalmuseum dokumentieren die außergewöhnliche Bedeutung dieser Stadt.
Weltklasse-Weine, österreichisches Erbe und die legendäre Rose von Gorizia prägen den letzten Abschnitt des Radwegs bis an die slowenische Grenze.
Entlang des Natisone-Flusses schlängelt sich die Route durch eine Landschaft, in der Weinreben die Hauptrolle spielen. In Manzano lädt die Acetaia Midolini, eine der größten Essigmanufakturen der Welt, zur Besichtigung ein. Nach San Giovanni al Natisone grüßt bereits der Monte Quarin, zu dessen Füßen Cormons liegt. Die Stadt atmet österreichische Geschichte: Maximilian I. von Habsburg wacht als Statue über die Piazza Libertà, während der Dom Sant‘Adalberto mit seiner prächtigen Freitreppe beeindruckt. Hier wechselt die Route vom DOC-Gebiet Friuli Colli Orientali ins legendäre Collio Weinanbaugebiet. Die Hügel, seit Jahrhunderten bepflanzt, bringen Weine von Weltrang hervor – Ribolla Gialla, Friulano und Malvasia.
Ein kulinarisches Muss ist die Trattoria al Cacciatore la Subida in Cormons: Seit Generationen vereint Familie Sirk hier slowenische und friulanische Küche mit den edlen Tropfen der Region. Der Radweg führt durch das edle Weingebiet Russiz, wo das Weingut Villa Russiz zur Verkostung einlädt, und weiter durch den schattigen Preval-Wald nach Gorizia. Umgeben von Weinbergen laden hier die charakteristischen gelben „Collio‘s Fenster“ zur Rast: Markante Panoramabänke inszenieren die sanften Rebhügel wie lebende Gemälde. Die Grenzstadt, einst „Nizza Österreichs“ genannt, besticht durch habsburgischen Charme, blumige Gärten und schöne Plätze für einen Aperitivo: Der Azaleen-Garten Viatori wird im Frühling zum Blütenmeer, der Piuma-Park mit exotischen Bäumen zur Ruheoase. Kulinarisch besticht Gorizia mit Görzer Gulasch, Pflaumen-Knödeln und Presnitz-Kuchen. Besonders köstlich: der Winter-Radicchio „Rose von Görz“ mit rosiger Form, roter Farbe und fein-bitterem Geschmack.
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Friaul-Julisch Venetien liegt im Nordosten Italiens und ist von Deutschland aus gut erreichbar. Es bietet eine große Vielfalt unberührter Naturlandschaften: In weniger als zwei Autostunden gelangt man von den Gipfeln der Alpen und Dolomiten zu den Sandstränden der 130 km langen Adriaküste, quer durch weite Ebenen mit majestätischen Flüssen wie dem Tagliamento und Isonzo, bis hin zu den sanften Weinbergen der Hügellandschaften. Alles liegt nah beieinander: Morgens wacht man in den Bergen auf, mittags genießt man das Essen am Meer, und abends speist man zwischen den Weinbergen.
Kulturelle Einflüsse prägen die Region. Österreichisch-ungarisches Erbe trifft auf slawisch-balkanische Traditionen, mediterrane Lebensart verschmilzt mit venezianischem Flair, während die eigenständige friulanische Kultur mit ihrer eigenen Sprache das verbindende Element bildet. Diese Vielfalt prägt bis heute Architektur, Küche, Sprache und Lebensweise
Der weltberühmte San Daniele Schinken, luftgetrocknet in den Hügeln von San Daniele del Friuli, gilt als einer der edelsten Rohschinken überhaupt. Dazu gesellen sich exzellente Weißweine: Die DOC-Gebiete Collio, Colli Orientali und Isonzo bringen Ribolla Gialla, Friulano und Malvasia von internationalem Rang hervor – Weine, die zu den besten Italiens zählen. Die friulanische Küche mit Einflüssen aus Österreich, Slowenien und Venetien schafft eine einzigartige gastronomische Identität – bodenständig, ehrlich und von höchster Qualität.
Mit fünf Radfernwegen und 100 Rundwegen durchzieht ein dichtes Netz an Radwegen die Region und erschließt deren außergewöhnliche Vielfalt: Von den Lagunen der Adria über die sanften Weinberge des Collio bis zu den spektakulären Alpentälern der Karnischen und Julischen Alpen reicht das Spektrum. Der Ciclovia Pedemontana FVG3, der Alpe Adria Radweg und die Ciclovia del Tagliamento gehören zu den Flaggschiffen dieser Infrastruktur.
Rad & Rail/ Rad & Boat / Rad & Bus: Das dichte Radwegenetz wird durch eine umfangreiche Verkehrsmittel-Infrastruktur an Zügen, Bussen und Booten ergänzt.
Das umfängliche Angebot für Genussradler, Gravel- und Mountainbiker in Friaul-Julisch Venetien gibt es unter www.turismofvg.it/de/bike
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