MTB-Reviertipp UltentalDie Naturtrail-Oase von Meran

Gitta Beimfohr

 · 22.08.2026

Die Trails im Tal sind naturbelassen, aber einen Lift gibt es: Die Schwemmalm-Bahn hilft zu den Trail-Einstiegen hinauf.
Foto: Thomas Roegner
Klarste Fernsicht und überall duftet es nach Äpfeln, Trauben und Steinpilzen - Südtirol wird auch diesen Herbst wieder zum Hotspot vieler Mountainbiker. Da hätten wir einen Geheimtipp: die noch völlig entspannten Naturtrails im Ultental.

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Herrlich ruhig, ursprünglich und viel Fahrspaß - so beschrieb einer unserer Tourenautoren Ende Juni seinen Mountainbike-Trip ins Südtiroler Ultental. Ein Wochenende, an dem in vielen anderen Regionen von “Overtourism” die Rede war. Von Schlangestehen am Lift, von überfüllten Terrassen auf Hütten, von Shuttlebus-Karawanen und ausgefahrenen Trailkurven. Er dagegen habe ganz entspannt seine Tourenrunden durch ein blühendes Meer aus Alpenrosen gedreht, 850 Jahre alte Urlärchen bestaunt und sei in Almütten mit traditionellen Schindeldächern eingekehrt. Oben auf der Innerfalkomai Alm habe er sogar einen Trail entdeckt, den er baldmöglichst noch einmal fahren möchte.

Tatsächlich gehört das Ultental zu den leiseren Regionen Südtirols. Keine 30 Autominuten von Meran entfernt, duckt es sich auf der Karte etwas unscheinbar zwischen die beiden Mountainbike-Hotspots Vinschgau und Paganella Bikepark. Dabei ziehen sich seine knapp 40 Tal-Kilometer sehr aussichtsreich bis zu den 3000ern des Stilfserjoch Nationalparks.

Das natürliche 3-Zonen-Bikerevier

Das bekannteste Ultner Bikeziel ist wohl das Rabbijoch - ein berühmt berüchtigter Scharfrichter für alle Alpenüberquerer, die übers Vigiljoch ins Ultental geklettert kommen. Auf ihrem weiteren Weg Richtung Süden wartet schließlich auf sie dieser 2449 Meter hohe und mit bis zu 25-Prozent-Rampen versehene Übergang. Ein Kraftakt, bei dem natürlich die eigentlichen Schönheiten des Tals auf der Strecke bleiben. Dabei lohnt es sich, tiefer in diese Bergflanken einzutauchen. Kaum eine andere Südtiroler Region, hat sich ihre Ursprünglichkeit so gut erhalten, wie das Ultental.

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Charakteristisch für das Ultental sind seine naturbelassenen Trails auf drei Etagen: Im etwa 1000-1200 Meter hohen Talgrund pedaliert man am Ufer des Zoggler Stausees entlang und passiert zwischen St. Pankraz und St. Gertrud im Talschluss lauter urige Orte mit heiligen Namen. Auf halber Höhe bespaßen Waldwege: samtweich und griffig, aber durchaus mit Wurzeln versehen. Ab der Baumgrenze, oberhalb von 1800 Metern Höhe, empfangen schließlich alpine Pfade. Technisch, verblockt, aber mit viel Aussicht in die Ortlergruppe und bis weit übers Meraner Land. Wer sich den durchaus kernigen Anstieg durch diese drei Zonen verkürzen möchte, setzt sich in die Schwemmalm-Gondel und rollt oben, auf 2100 Metern Höhe, im Sonnenhang los. Wichtig ist nur, dass man bergab in die schönsten Trailrunden einfädelt und es nicht verpasst, in einer der besonders urigen Hütten einzukehren. Denn so naturbelassen wie das Wegenetz gibt sich auch die Ultner Küche: von der frischen Almbutter über die traditionellen Mohnkrapfen bis hin zum Herrngröstl mit Rindfleisch und Kartoffeln - fast alle Zutaten stammen aus der Region.

Die drei schönsten MTB-Touren im Ultental

Hier die drei Touren rein.

1. Riemerbergl Alm

  • Länge: 20 Kilometer
  • Bergauf: 985 Höhenmeter
  • Schwierigkeit: mittel

Tourenbeschreibung

​Auf gleicher Höhe, immer wieder mal mehr oder weniger verblockt, zieht sich ein langer Trail von der Marschnellalm zur urigen Riemerbergl-Alm. Die Aussicht ist fantastisch und reicht von den Südtiroler Dolomiten-Wahrzeichen wie Schlern und Rosengarten zu den Ausläufern des Ortlers, die mit ihren über 3000 Metern das Tal im Westen eingrenzen. Vor den Trail-Spaß haben die Ultner Heiligen aber eine lange, zähe Auffahrt gesetzt. Von St. Walburg am Stausee auf 1100 Metern kurbelt man in zahllosen Schleifen zunächst auf Teer hinauf über Gigglhirn und dann auf Schotter über den Schweinsteig bis zur Marschnellalm auf 2220 Metern Höhe. Nach einer kurzen Schiebepassage fordert der Weg 4B volle Konzentration und Entschlossenheit an den verblockten Stellen. Dann schwingt er sich durch Lärchen hinab zur urigen Riemerbergl Alm, der perfekten Einkehr. Im zweiten Teil wird nochmals ein Trail-Feuerwerk gezündet. Auf Wiesen- und Waldpfaden, unterbrochen von kurzen Schotterteilen, cruist man zurück zum Talboden in Kuppelwies, wo die Scheibenbremsen ihre verdiente, finale Kühlpause einlegen können.

2. Tour Innerfalkomai Alm und Mariolberger Alm

  • Länge: 36,1 Kilomter
  • Bergauf: 1495 Höhenmeter
  • Schwierigkeit: mittel

Tourenbeschreibung

​Rauschend und gurgelnd schießt der Kirchbach neben dem Holperpfad ins Tal, Schmetterlinge tanzen über den blühenden Almwiesen – die Abfahrt von der Inner-Falkomai-Alm ist ein Naturidyll sondergleichen. Außer, es haben sich nicht nur schräge und kantige Felsbrocken auf dem Pfad bequem gemacht, sondern auch besonders entspannte Kühe. Dann könnte es sein, dass man als Normalbiker einmal öfter aus dem Sattel gezwungen wird. Naturtrail-Spezialisten werden den Weg 3B dagegen als spannende Herausforderung feiern. Dafür ist der abschließende Waldweg zwischen Schildegg und St. Walburg wieder ein locker dahinkurvendes Schmankerl, auf dem alle Spaß haben.

Einkehrtipp: die einfache, aber schnuckelige Innerfalkomai Alm (2050 m). Alternativ schwenkt man zuvor am Hühnerspiel (Km 16) nach rechts auf den Weg Nr. 8 und hangelt sich dann über den Weg 9 zur Mariolberger Alm, um dort einzukehren. Somit umgeht man auch den etwas ruppigen Trail am Kirchbach entlang.

3. Schwemmalm

  • Länge: 20,9 Kilometer
  • Bergauf: 1030 Höhenmeter
  • Schwierigkeit: mittel

Tourenbeschreibung

​Minimale Höhenmeter – wenn man die Schwemmalm-Umlaufbahn als Aufstiegshilfe nutzt – maximaler Fahrspaß und eine besonders schöne Einkehr: Schon der Einstieg in die Tour ab der Innerschwemmalm ist ein Traum. Handtuch breit kippt der Pfad in einen Lärchenhain hinunter. Steinig und holprig zwar, aber nicht zu steil oder zu technisch. Doch das war nur der Anfang. Nach einem kurzen Schiebestück bergauf, schnürt sich der 12A auf drei Reifenbreiten zu. Schmal und ruppig steuert er nun auf 2000 Metern Höhe von den Schwemmalmen zum Schusterhüttl hinüber. Immer am Hang entlang. Das Panorama ist sensationell, aber zum Staunen bleibt wenig Zeit. Zahlreiche verblockte Stellen erfordern immer wieder einen kurzen, kräftigen Antritt. Gleichzeitig will das Hinterrad entlastet werden. Was häufig zunächst unfahrbar aussieht, entpuppt sich als Holperpassage, die sich mit Entschlossenheit wegbügeln lässt. Die Tour ist anspruchsvoll, zählt aber definitiv zu den Highlights im Ultental.

Einkehr-Tipps: Zwei Einkehrmöglichkeiten warten auf der Tour: die Äußere Schwemmalm (2145 m) und ca. 5 Minuten weiter die etwas ruhiger gelegene Innere Schwemmalm (2093 m).

Infos Ultental

Anreise

​Nur 20 Minuten von Meran entfernt liegt der Einstieg ins Sacktal von Ulten, italienisch Val d’Ultimo. Anreise mit dem Auto: über Inntal- und Brenner- Autobahn bis zur Ausfahrt Bozen Süd. Weiter über die MeBo bis Ausfahrt Meran-Süd, dann nach Lana und weiter den Wegweisern Richtung Ultental folgen. Entfernung von München: 325 Kilometer, Fahrzeit 3:30 Stunden.

Liegt nur 500 Meter von der Seilbahn entfernt: der Naturgarten des Arosea Life Balance Hotels.Foto: Christian BehnkeLiegt nur 500 Meter von der Seilbahn entfernt: der Naturgarten des Arosea Life Balance Hotels.

Unterkunft

Im Life Balance Hotel AROSEA in St. Walburg schläft man nicht nur in einem alpinen Naturhotel mit exzellenter, regionaler Küche, es gibt auch einen großen Wellness-Bereich und mit Thomas Gerstgrasser einen Hotelchef, der die Ultner Trails bereits seit 20 Jahren kennt. Auf Wunsch geht er als Guide auch schon mal mit auf Tour oder öffnet die gut bestückte GPX-Bibliothek des Hotels. Perfekt: Die Talstation der Schwemmalm-Bahn liegt vom Hotel gerade mal 500 Meter entfernt. Info: arosea.it

Women Camp mit Well 2 Fit

Gaby Buchner von Well 2-fit bietet bereits seit einigen Jahren Ladies-Bikecamps im Ultner AROSEA Hotel an. Infos und Termine: well2-fit.de

Bike-Verleih

An der Talstation der Schwemmalm-Bahn gibt es eine gut bestückte Verleihstation mit sämtlichen Radkategorien inklusive Zubehör und Reparatur-Service. Info: rentandgo.it

Seilbahn

Die Schwemmalm-Umlaufbahn ist von Ende Mai bis Ende Oktober in Betrieb. Täglich von 9 - 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 9 - 18 Uhr. Info: merano-suedtirol.it

Info allgemein

ultental-info.de

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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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