Mit dem E-Mountainbike um den Gardasee

Uli Stanciu

 · 18.12.2016

Mit dem E-Mountainbike um den GardaseeFoto: Uli Stanciu
Mit dem E-Mountainbike um den Gardasee

Eine Umrundung des Gardasees in sechs fantastischen Etappen – zusammengestellt von EMTB-Herausgeber Uli Stanciu, dem Gardasee-Kenner schlechthin, speziell für E-Mountainbiker.

Unter Garda Ronda stellt man sich auf den ersten Blick vielleicht eine schnelle Runde um den Lago auf der Straße vor. Das wären ziemlich genau 158 Kilometer ohne nennenswerte Höhenmeter. Rennradler schaffen das an einem Tag. Doch das Konzept dieser Garda Ronda für Biker und E-Biker ist weit davon entfernt. Mal abgesehen davon, dass die Hauptstraßen um den See sehr verkehrsreich sind, führen die Gardesana Orientale und Occidentale im Osten und Westen durch lange, teils finstere Tunnel. Die Gefahr, hier vom Auto abgeräumt zu werden, ist einfach zu hoch. Bei dieser Garda Ronda aber berührt man diese Straßen nicht, allenfalls überquert man sie mal in den Hauptorten.
Die Idee dieser Garda Ronda liegt vielmehr im grandiosen Landschafts- und Trail-Erlebnis um den Lago. Die Route verbindet fast alle Highlights: vom Monte Baldo über Monte Caplone und Tremalzo. Dabei lässt sich die Strecke ganz unterschiedlich gestalten. Die hier beschriebene Route im Uhrzeigersinn gehört zu den schönsten und ist speziell für E-Mountainbiker konzipiert: Die maximal sechs Etappen lassen sich durchweg – bei Einsatz von allerhand Muskelkraft – mit einer normalen Batterie schaffen.

Verlagssonderveröffentlichung
Gran Turismo - die Garda Ronda, eine Umrundung des Gardasees in sechs fantastischen Etappen.
Foto: Uli Stanciu

GARDA RONDA – DIE STRECKE

Schaut man sich den Gardasee aus der Vogelperspektive an, dann sieht man im Osten und im Westen die schroffen, markanten Berge, im Norden zwischen Riva und Torbole das Sarcatal und im Süden zwischen Garda und Salo den großen, flachen Teil der nördlichen Po-Ebene. Gestandene Mountainbiker werden bei diesem südlichen Teil die Nase rümpfen – alles topfeben, viel Tourismus und viel Verkehr, für Biker uninteressant. Falsch. Die Garda Ronda führt hier abseits der Hauptverkehrsrouten teils direkt am See entlang, überwiegend aber durch Olivenhaine und Weinberge, durch einsame Zypressenalleen, zum guten Teil auf Trails und Waldwegen. Gerade dieser Teil ist schöner und spannender als man denkt. Natürlich könnte man das alles auslassen, indem man von Torri del Benaco nach Toscolano Maderno die Fähre nimmt. Das würde die Fahrt um zwei Tage verkürzen. Aber man würde etwas versäumen.

Nicht so ganz einfach zu gestalten ist dagegen die Streckenführung im Osten und im Westen. Fangen wir mit dem Osten an: Als erstes Bollwerk liegt da der Monte Altissimo, an dessen Nordflanke man speziell mit dem
E-MTB auf schmalem Asphaltweg locker aufwärtsrollt. Möchte man von dort über den bekannten, anspruchsvollen Navene-Trail wieder zum Lago abfahren, so kommt man von hier nur auf dem Radweg am See entlang weiter nach Süden – schön, aber fahrtechnisch nicht prickelnd. Die wenigen Schotterwege und Trails an der Westflanke des Monte Baldos oberhalb von Malcesine bis Brenzone sind durchweg so ruppig und so steil, dass man sie selbst mit dem E-MTB nur mit längeren Schiebepassagen schafft.

Die Lösung für diesen Teil der Lago-Runde liegt ganz klar auf der Ostseite des Monte Baldos. Hier gibt es gleich mehrere Varianten, von der schmalen Strada Graziani zwischen Rifugio Graziani und Spiazzi bis zu den hübschen Trails am Lago Pra da Stua, an der Madonna della Neve und am Passo Cerbiolo. Kennen Sie alles nicht? Ein Grund mehr, die Garda Ronda in Angriff zu nehmen. Auf dieser Seite hat man zwar kein Lago-Panorama, aber dafür sind die Blicke hinunter ins Etschtal ähnlich faszinierend. Erst weiter im Süden quert man dann die Schulter des Monte Baldos Richtung Lago. Auf der langen Abfahrt von der Malga Zocchi zum Dörfchen Campo sind die Weitblicke über den Gardasee dafür umso berauschender. Da gibt es Stellen, von denen aus man Monte Brione ganz im Norden und Sirmione ganz im Süden gleichzeitig sehen kann. Besser geht’s nicht.

Die Westseite des Lagos bietet deutlich mehr Möglichkeiten: Die faszinierend schroffen Berge im lombardischen Teil des Gardasees sind durchzogen von Schotterstraßen und Trails. Zum größeren Teil fährt man hier auf Militärwegen aus dem ersten Weltkrieg. Hier hat man eine große Auswahl an Routen – von ganz leicht am See entlang bis hin zu langen Anstiegen und Abfahrten durch traumhafte Landschaften am Monte Caplone und am Tremalzo.

  Garda Ronda – ImpressionenFoto: Uli Stanciu
Garda Ronda – Impressionen


...

GARDA RONDA – DIE ORGANISATION

Etappenfahrten wie die Garda Ronda sind mit dem E-MTB ein besonderes Erlebnis. Schon mit einem normalen Bike besteht das Abenteuer einer Etappen-Tour in der Fahrt zu einem unbekannten Ziel – man weiß morgens nie genau, wo man abends ankommt. Beim E-MTB kommt noch die spannende Frage hinzu: Schaffe ich die Etappe mit meiner Batteriekapazität? Normale Batterien bieten heute eine Reichweite von etwa 1200 bis 1400 Höhenmetern, abhängig hauptsächlich vom Einsatz der eigenen Muskelkraft, von der Fahrstufe des Motors und vom Körpergewicht. Bei normaler Kondition könnte ein E-Mountainbiker von der Kraft her aber locker 2500 Höhenmeter pro Tag mit E-Unterstützung schaffen. Das hieße, dass man zum Beispiel diese Garda Ronda um ein bis zwei Tage verkürzen könnte. Doch das lassen heute gängige Batterien nicht zu.

Die erste Lösung für Transalp- und Garda-Ronda-Biker heißt daher: Ersatzbatterie. Die verdoppelt die Reichhöhe, hat aber den entscheidenden Nachteil, dass man nicht nur das Ladegerät und die zweite Batterie im Rucksack mitschleppen muss, sondern dass sich der Platz für die Siebensachen, die man bei einer Etappenfahrt für die Hüttenübernachtung braucht, drastisch reduziert.

Die zweite Lösung heißt nachladen. Da Sie das Ladegerät ohnehin mitführen müssen, können Sie in den Pausen die Batterie nachladen. Dazu brauchen Sie aber zuerst einmal eine Steckdose. Selbst, wenn man die am Weg findet, so muss man sich zwei bis drei Stunden Zeit nehmen, bis zumindest der größere Teil der Akku-Lämpchen wieder leuchtet. Bei dieser Lösung heißt es: früh losfahren, nach zwei bis drei Stunden Fahrt das geeignete Etablissement zum Nachladen finden und dann warten. Erst am Nachmittag kann man dann weiterradeln. Auf den meisten Etappen der Garda Ronda – vor allem im dicht besiedelten Süden – wird man die begehrte Steckdose auch sicher finden. Bei der Rückfahrt über den einsamen Monte Caplone zum Tremalzo sieht es jedoch schlecht aus – da wird man ohne Ersatzbatterie oder Einsatz von viel Muskelkraft kaum durchkommen.

Die dritte Lösung: ein Begleitauto. Diese Luxusvariante befreit einen schlagartig vom ausladenden Rucksack mit dem Gewicht für Gepäck und Ersatzbatterie. Und da die meisten ohnehin mit dem Auto am Gardasee anreisen, steht dieses Transportmittel ja prinzipiell für die Runde zur Verfügung. Aber man braucht natürlich einen Fahrer, der versorgt sein will und dessen Übernachtung auch etwas kostet.

  Garda Ronda – ImpressionenFoto: Uli Stanciu
Garda Ronda – Impressionen


...

GARDA RONDA – DIE ETAPPEN

Diese Garda Ronda ist auf sechs Etappen angelegt, die durchschnittlich etwa 1400 Höhen-meter haben. So kann man es jeden Tag zur Not mit ordentlich Muskel-Power und viel Sparwillen mit einer Batterie schaffen. Doch es begleitet einen die Furcht vor der leeren Batterie und die ständige Kalkulation im Kopf, ob man sich am steilen Anstieg wirklich mal den Turbo-Gang leisten darf. Unbeschwerter wird die Tour allemal, wenn man auf eine Ersatzbatterie oder ein Begleitauto zurückgreifen kann.


ETAPPE 1: Vom BIKE-Festivalgelände in Riva rollt man erst mal am Lago entlang nach Torbole. Von da ab geht’s bergauf über Busatte immer auf der schmalen Asphaltstraße Richtung Monte Altissimo, eine Strecke, auf der man schon mal ein paar tolle Blicke über den nördlichen Lago hat. Am Dos Remit zweigt man links ab Richtung Freeride-Strecke Val de Diaol. Die lässt man aber nach Kurzem links liegen und radelt weiter erst auf einem Waldweg ziemlich steil bergauf, dann auf der geschotterten Strada Brentegagna hinunter zum Dörfchen Festa. Ab hier gibt es zwei Möglichkeiten: steil bergauf mit etwa 350 Metern Länge und 70 Höhenmetern Schiebepassage bis zum ersten Etappenziel, dem Hotel San Giacomo. Oder – wem das zu anstrengend ist – erst nach Brentonico und über die Straße bergauf zum Hotel San Giacomo. Das ist fahrtechnisch leicht, hat aber mehr Höhenmeter.

Mit Wechselbatterie oder Autobegleitung kann man freilich noch ein ganzes Stück weiterkommen, zum Beispiel bis zum Passo San Valentino oder nach einer sehr schönen Trail-Passage zum Lago Pra da Stua und über den Passo Pozza della Cola zum Kirchlein Madonna della Neve. Ganz in der Nähe, allerdings etwas abseits vom Kurs, liegt das Rifugio Monte Baldo. Wer es mit Ersatzbatterie bis hierher schafft, hat 42 Kilometer und etwa 2000 Höhenmeter bewältigt.


ETAPPE 2: Kehrt man schon im Hotel San Giacomo ein, steht einem am nächsten Morgen zuerst die hübsche Trail-Passage und die Fahrt zur Madonna della Neve und zum Rifugio Monte Baldo bevor, wo man einmal die Batterie aufladen könnte. Dann geht es weiter über Pian della Cenere (Ebene der Asche) und immer mäßig steil bergauf zum Bivacco Lavacchio (leider ohne Strom) und schließlich weiter auf einem Waldweg mit ein paar steilen Rampen hinauf zum Passo Cerbiolo. Traum-Route mit schönen Blicken ins Etschtal. Auf Schotter geht es weiter, bis man den Südteil der schmalen Strada Graziani erreicht, auf der man dieses ganze Teilstück auch auf Asphalt zurücklegen könnte. Das wäre aber deutlich weniger abwechslungsreich.

Im Dörfchen Cambrigar zweigt man von der Straße ab und hält sich rechts auf einem schmalen Asphaltweg, der eigentlich wegen eines Erdrutsches für Fahrzeuge gesperrt ist. Wer sich davon nicht abhalten lässt, wird im Wald ein paar Steine entdecken, die auf die Straße gekullert sind – mit dem E-MTB kommt man da problemlos vorbei. Danach folgt ein längerer Asphaltanstieg an der Malga Ime vorbei, wo man auch einkehren und die Batterie aufladen kann. Von hier aus geht es stetig bergauf an der Malga Colonei vorbei bis auf den Rücken des Monte Baldos bei der Malga Zocchi auf 1350 Metern Höhe. Wunderbar: Ab hier hat man wieder majestätische Blicke über den Gardasee. Nach der Abfahrt auf schmalen Schotter- und Asphaltwegen erreicht man Prada Alta beim ehemaligen Albergo Al Cacciatore, das derzeit jedoch geschlossen ist. Wer hier oben übernachten will, muss auf der flachen Straße ein bisschen nach rechts rollen und das Albergo Edelweiss nehmen. Mit genug Saft im Akku kann man sich aber durchaus an die weitere Abfahrt wagen, die jetzt über abenteuerliche und recht anspruchsvolle Trails zum uralten Dörfchen Campo hinunterführt.

Das Dörfchen Campo ist zwar ganz ursprünglich geblieben, weil mit dem Auto kaum erreichbar, aber man kann hier nicht übernachten. Also bleibt einem nur, von Campo oberhalb des Lagos weiter nach Süden zu rollen, auf einem echt spaßigen Trail-Kurs, der aber immer wieder ein paar steile Schnapper bereithält, die natürlich an der Batterie nagen. Hat man schließlich den Ort Garda erreicht, so liegen die Berge erst mal hinter einem – weiter geht es ganz flach, aber sehr schön auf dem Radweg immer am See entlang nach Bardolino. Wer es mit Ersatzbatterie auf der ersten Etappe bis zum Rifugio Monte Baldo geschafft hat, für den stehen am zweiten Tag bis Bardolino 67 Kilometer und 1503 Höhenmeter an.


ETAPPE 3: Für alle, die mit einer einzigen Batterie in Prada Alta übernachten mussten, steht als dritte Etappe ein Langschlag an. Es geht durch die padanischen Hügel um den ganzen südlichen See herum bis nach Salo – das sind "nur" 1430 Höhenmeter, aber eben auch über 96 Kilometer. Zum Trost sei gesagt, dass der Süden des Sees dicht besiedelt ist. Man findet überall Gasthäuser und Restaurants, wo man wieder Strom in den Akku pushen kann. Außerdem kann man an vielen Orten übernachten – zum Beispiel in Peschiera oder Desenzano.

Man sollte sich die Strecke im Süden allerdings nicht als reine Roller-Tour vorstellen, eben und ohne Hindernisse. Im Gegenteil. Vor allem ab Desenzano haben wir einen anspruchsvollen Trail-Kurs ausgesucht. Allein von Desenzano bis Salo kommen 650 Höhenmeter zusammen. Dabei führen die verschlungenen und manchmal recht fordernden Trails teils durch dichte Wälder, Olivenhaine, Zypressenallen. Und bei alledem muss man sauber navigieren, um die vielen Abzweige zu finden – auch das kostet Zeit.

  Garda Ronda - Etappen 1-3Foto: Uli Stanciu
Garda Ronda - Etappen 1-3


ETAPPE 4: Nach der Übernachtung im feudalen Salo mit seiner belebten Uferpromenade geht es dann wieder richtig Gebirge, an der Westseite des Gardasees nach Norden. Die ersten 1100 Höhenmeter führen auf schmaler Asphaltpiste bergauf über Vobarno und Eno zum Passo Cavallino. Das sollte vorerst mit einem Akku zu machen sein, zumal man am Rifugio Passo Cavallino gut einkehren und nachladen kann. Ein Begleitauto kann übrigens ab Vobarno auf der ganzen Strecke mitfahren. Vom Cavallino geht es weiter auf Schotter noch mal 250 Höhenmeter bergauf und dann wieder bergab ins Valvestino über Capovalle und Moerna zum kleinen Dorf Persone. Das ist nun die letzte Nachlade-, Einkehr- oder Übernachtungsmöglichkeit vor der fünften, der Königsetappe der Garda Ronda. Das heißt: Hier muss man übernachten und am nächsten Morgen unbedingt mit vollem Akku losfahren.


ETAPPE 5: Jetzt kommt eindeutig die schönste Etappe der Garda Ronda – über den Monte Caplone zum Tremalzo. Der Caplone ist der südliche Bruder des Tremalzos, ganze zwei Meter höher, aber dafür viel einsamer, wilder, ursprünglicher. Auch hier haben die Italiener im ersten Weltkrieg eine Militärstraße gebaut, die sich abenteuerlich durch die zerklüfteten Felsen windet. Aber diese Straße wird heute von Bikern nicht befahren und kaum von Wanderern begangen. Die ehemals breitere Kriegsstraße ist so über die vielen Jahre vor allem ab der Malga Tombea zu einem schmalen Trail geschrumpft. Der Untergrund ist grob und ruppig, aber mit dem E-MTB schafft man das überall problemlos fahrend. Neben dem Fahrspaß hat man am Caplone aber auch ein überwältigendes Panorama über den südlichen Gardasee und ab der Passhöhe, die sich Bocca di Campei nennt, einen Wahnsinns­weitblick nach Norden in die Gletscher des Adamellos. Panoramamäßig ist das wirklich der Hammer.


ETAPPE 6: In der durchweg traumhaften Trail-Abfahrt mit vielen kleinen Tunnel gibt es nur einen Wermutstropfen: Ziemlich weit oben ist einer dieser Tunnel noch vor Kriegsende nicht fertiggestellt worden, und danach hat keiner mehr weitergebaut. Wer also in das Tunnelloch einfährt, steht schon nach wenigen Metern vor einer geschlossenen Wand. Also muss man sein E-MTB auf einer supersteilen Rampe über etwa 25 Höhenmeter auf den Grat schieben und auf der anderen Seite wieder runterkraxeln. Eine funktionierende Schiebetaste kann man hier wirklich gut brauchen.

  Garda Ronda - Etappen 4-6Foto: Uli Stanciu
Garda Ronda - Etappen 4-6

Danach ist alles prächtig. Es geht auf Flowtrails hinunter zur Bocca Lorina und dann auf Schotter weiter ins Valle San Michele. Das Teuflische an dieser Traumetappe ist nur, dass man jetzt wieder bergauf bis zum Rifugio Garda am Tremalzo muss. Das sind ab Valle San Michele noch mal 432 Höhenmeter, was die Gesamthöhenmeter der Tour auf satte 1727 Höhenmeter schraubt – mit einer Batterie fast nicht zu machen, es sei denn, man lässt über 300 Höhenmeter nur die Muskeln spielen. Teuflisch weiterhin, dass ein Begleitauto einen hier nicht erreichen kann. Selbst, wenn man eins hat, muss man hier also den Ersatz-Akku in den Rucksack nehmen. Dann schafft man es jedoch locker – wir haben es ausprobiert.

Wenn man hier schon den Ersatz-Akku im Rucksack hat, dann muss man am Rifugio Garda vor dem Tremalzo auch nicht unbedingt eine Übernachtung einlegen, sondern kann hier zu Spaghetti und Cappuccino einkehren und dann gleich weiterrauschen. So reduziert sich die Fahrzeit der Garda Ronda mit Ersatz-Akku bestimmt auf nur fünf Tage. Denn zum Tremalzo-Tunnel sind es von hier aus nur noch 160 Höhenmeter bergauf, die der zweite Akku sicher hergibt. Und dann geht’s bergab – auf der Strecke, die nahezu alle Lago-Biker kennen. Über 1800 Höhenmeter Schotter zum Passo Nota, dann auf Waldwegen zum Passo Rocchetta, auf Trail und Schotter nach Pregasina und zur alten Ponale-Straße, die auf der letzten Abfahrt nach Riva noch einmal die schönsten Lago-Panoramen ermöglicht.

  Gardasee-Umrundung ganz individuell: Mit dem interaktiven Tourenplaner auf <a href="http://www.bike-gps.com/" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">www.bike-gps.com</a>  kann man sich seine persönliche Route nach eigenem Geschmack zusammenstellen.Foto: Uli Stanciu
Gardasee-Umrundung ganz individuell: Mit dem interaktiven Tourenplaner auf www.bike-gps.com kann man sich seine persönliche Route nach eigenem Geschmack zusammenstellen.


...

GARDASEE – DIE GESCHICHTE


Eiszeit Der Gardasee entstand, als sich die Gletscher der letzten Eiszeit vor etwa 15 000 Jahren zurückzogen. Die Eismassen hatten das Becken des Sees ausgefräst. Der Gletscher war damals etwa einen Kilometer dick und hatte eine Breite von 30 Kilometern. Den Zufluss zum Gardasee bildet die Sarca im Norden. Nach Süden fließt das Wasser im Fluss Mincio ab.


Erste Besiedelung Die ersten Menschen siedelten am Gardasee vor etwa 4000 Jahren in der Bronzezeit. Gefunden wurden Pfahlbauten bei Malcesine und Felszeichnungen im Ledrotal.


Die Römer Unter den Römern gehörte der Gardasee zur Provinz Cisalpina. Vor allem die Halbinsel von Sirmione war ein beliebter Ferienort für die römische High Society.


Die Seeschlacht Anfang des 15. Jahrhunderts wurde ein Teil des nördlichen Gardasees von Mailand besetzt. Deshalb fassten die Venezianer den Beschluss, sechs Galeeren über die Etsch bis Rovereto zu bringen. Von hier wurden die Schiffe von bis zu 2000 Ochsen auf hölzernen Rollen über den Passo San Giovanni nach Torbole gezogen. 1439 kam es zur Seeschlacht. Die Venezianer eroberten den Hafen von Riva zurück.


Rotes Kreuz 1859 kommt es bei Solferino im Süden des Gardasees zur Schlacht zwischen Österreich und Italien. Es geht um die Unabhängigkeit Italiens. Über 40 000 Soldaten liegen danach verletzt auf dem Schlachtfeld. Sie werden unabhängig von ihrer Herkunft von der Zivilbevölkerung versorgt – die Geburtsstunde des internationalen Roten Kreuzes.


Erster Weltkrieg Zwischen 1914 und 1918 tobt am nördlichen Gardasee ein Stellungskrieg zwischen Österreich und Italien. Die Militärwege am Altissimo und am Tremalzo sind heute die Grundlage für die schönsten Bike-Touren am Gardasee und für die Garda Ronda. 1918 fallen das Trentino und Südtirol an Italien.

  Garda Ronda – ImpressionenFoto: Uli Stanciu
Garda Ronda – Impressionen


...

INFORMATIONEN GARDASEE

Laut einer Umfrage glauben 50 Prozent der Deutschen, dass der Gardasee zu Südtirol gehört. Da­nebengetippt! Der nördliche, kleinere Teil des Lagos befindet sich auf dem Terrain der Provinz Trentino, das bis zum ersten Weltkrieg als "Welschtirol" zu Österreich-Ungarn gehörte. Die Grenze des Trentinos quer über den See befindet sich ziemlich genau zwischen Capo Reamol nördlich von Limone und dem Val Marza nördlich
von Navene. Der ganze östliche und südliche Teil bis Sirmione gehört zur Provinz Verona in der Region Veneto, der ganze westliche Teil zur Provinz Brescia in der Lombardei.

Der Gardasee liegt genau 65 Meter über dem Meeresspiegel, hat eine Fläche von 370 Quadratkilometern, ist 52 Kilometer lang, hat an seiner breitesten Stelle eine Ausdehnung von 17 Kilometern und ist an der tiefsten Stelle 346 Meter tief.

Erst in neuerer Zeit wurde der See nach dem Ort Garda am Südende des Monte Baldos benannt – die Österreicher nannten ihn "Gartsee". Zur Römerzeit hieß er nach einer Gottheit "Lacus Benacus", später im italienischen "Benaco".

Neben dem Tourismus liegt die Haupteinnahme-quelle der Gardasee-Bewohner in der Landwirtschaft, haupt sächlich im Weinbau (Marzemino, Bardolino, Valpolicella, Lugana) und beim Olivenöl. Im Norden überwog früher die Holzwirtschaft, es gab Papier- und Möbelfabriken, die zum Teil heute noch existieren.

TRAIL-GESETZ IM TRENTINO

Seit 2015 gibt es ein neues Trail-Gesetz im Trentino – also nur am nördlichen Gardasee. Für Veneto und Lombardei gibt es keine Einschränkungen. Mit dem neuen Gesetz sind alle Trails frei befahrbar, es sei denn, eine Gemeinde (also der Bürgermeister) spricht ein Verbot für einen Weg aus. Dafür gibt es klare Kriterien: Der Trail muss entweder von Wanderern stark frequentiert oder für Biker gefährlich sein (Absturz-gefahr) oder eine besondere historische Bedeutung haben (Friedenspfad, etc.). Welche Trails diese Kriterien erfüllen, wird von einem Gremium festgelegt, das aus Vertretern der Gemeinde, dem Forstamt, dem Alpenverein, dem Tourismusverband und den Bike-Vereinen besteht. Die Garda Ronda ist frei befahrbar.

UNTERKÜNFTE FÜR DIE GARDASEE-UMRUNDUNG


ETAPPE 1:
• Hotel San Giacomo, Brentonico, www.hotelsgiacomo.it, T. 0039/(0)464/391560
• Hotel Bucaneve, Brentonico, www.hotel-bucaneve.com, T. 0039/(0)464/391557
• Rifugio Graziani, www.albergorifugiograziani.it, T. 0039/(0)464/867005
• Rifugio Monte Baldo, www.rifugiomontebaldo.it, T. 0039/(0)464/391553


ETAPPE 2:
• Rifugio Cedron, www.albergorifugio-cedron.it, T. 0039/(0)45/6247071
• Agriturismo MalgaIme, T. 0039/(0)45/7265104
• Albergo Edelweiss, Prada alta, www.edelweiss-hotel.it, T. 0039/(0)456/289039
• Hotel Marina, Bardolino, www.hotel-marina.it, T. 0039/(0)45/7210177


ETAPPE 3:
• Enjoy Garda Bike Hotel, Peschiera, www.gardabikehotel.com, T. 0039/(0)45/6401050
• Hotel Nazionale, Desenzano, www.hotelnazionaledesenzano.it, T. 0039/(0)309/158555
• Hotel Duomo, Salo, www.hotelduomosalo.it, T. 0039/(0)365/21026


ETAPPE 4:
• Rifugio Passo Cavallino, www.facebook.com/rifugiocavallinopassofobbia, T. 0039/(0)339/4078519
• Antica Osteria Pace, Persone Valvestino, www.anticaosteriapace.it, T. 0039/(0)365/745008


ETAPPE 5:
• Rifugio Garda, Tremalzo, www.tremalzo.info, T. 0039/(0)464/598105
• Rifugio Passo Nota T. 0039/(0)365/951190


ETAPPE 6:
• Hotel Luise, Riva del Garda, www.hotelluise.com, T. 0039/(0)464/550858
• Aktiv Hotel Santa Lucia, Torbole, www.aktivhotel.it, T. 0039/(0)464/505140


ITALIENISCH FÜR E-MOUNTAINBIKER
• Abstellraum: deposito bici
• Aufladen: ricaricare
• Batterie: batteria
• Doppelstecker: ciabatta
• E-Bike: bici elettrica
• Steckdose: presa
• Strom: corrente

  Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe EMTB 2/2016 können Sie in der EMTB App (<a href="https://itunes.apple.com/de/app/emtb-das-magazin-fur-e-mountainbiker/id1079396102?mt=8" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">iTunes</a>  und <a href="https://play.google.com/store/apps/details?id=de.delius_klasing.emtb" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">Google Play</a> ) lesen oder die Ausgabe im <a href="http://www.delius-klasing.de/zeitschriften/EMTB.215962.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">DK-Shop nachbestellen</a> .Foto: Markus Greber
Diesen Artikel bzw. die gesamte Ausgabe EMTB 2/2016 können Sie in der EMTB App (iTunes  und Google Play ) lesen oder die Ausgabe im DK-Shop nachbestellen .

Meistgelesene Artikel

Unbekanntes Element