Legendäre MTB-Touren, Teil 10Die Ligurische Grenzkammstraße

Gitta Beimfohr

 · 20.09.2026

Legendäre MTB-Touren, Teil 10: Die Ligurische GrenzkammstraßeFoto: Delius Klasing
Dienstags und donnerstags nur für Wanderer und Mountainbiker freigegeben: die Ligurische Grenzkammstraße in den Westalpen.
1880 vom italienischen König Umberto I. als Militärstraße angelegt, heute eine der beeindruckendsten Panoramawege der Alpen: die Ligurische Grenzkammstraße. Ihr 60 Kilometer langes Kurvenspektakel entlang der französisch-italienischen Grenze ist bis heute ein Traum auf über 2000 Meter Höhe.

Manche Schottersteine haben die Größe einer Melone, andere die von Orangen. Dazwischen rumpelt man trotz vorausschauender Fahrweise durch Schlaglöcher. Reaktionsschnelles Ausweichen gehört auf der Ligurischen Grenzkammstraße zu den ifahrtechniken. Zumindest bis man Fahrwerk und Handgelenke an das grobe Gerappel unter den Reifen gewöhnt hat. Dann sollte man sich unbedingt darauf konzentrieren, dass man dem Abgrund nicht zu nah kommt, denn die alte Militärstraße in den Seealpen ist zwar breit genug für Geländewagen, aber nach außen hin nicht mit Leitplanken gesichert.

Manche Schottersteine haben die Größe einer Melone, andere die von Orangen. Dazwischen rumpelt man trotz vorausschauender Fahrweise durch Schlaglöcher. Reaktionsschnelles Ausweichen gehört auf der Ligurischen Grenzkammstraße zu den wichtigsten Fahrtechnik-Manövern. Zumindest bis sich Fahrwerk und Handgelenke an das grobe Gerappel unter den Reifen gewöhnt haben. Dann sollte man sich unbedingt darauf konzentrieren, dass man dem Abgrund nicht zu nah kommt, denn die alte Militärstraße in den Seealpen ist zwar breit genug für Geländewagen, aber nach außen hin nicht mit Leitplanken gesichert.

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​60 Kilometer Gänsehaut Richtung Colle di Tenda

Friedlich schlängelt die Straße heute zwischen Monesi di Triora und Limone Piemonte in der Provinz Cuneo um die Berggrate dahin. Stets mit Blick in den Nationalpark Mercantour, mit viel Glück bis zum Mittelmeer und gen Ende schwebt sogar die Spitze des Mont Viso wie eine Fata Morgana über dem nördlichen Horizont. Dass die Straße mit all ihren spektakulären Kurven und Kehren aber mitnichten für Spazierfahrten angelegt wurde, erkennt man an den vielen Festungen und Kriegsstellungen entlang der Route.

Napoleon zog hier oben schon in die Schlacht, bevor König Umberto I. im Jahr 1880 mit dem systematischen Bau von Befestigungsanlagen und Versorgungswegen gegen die Franzosen begann. Jahre später baute Mussolini die Straße im Zweiten Weltkrieg weiter aus, um seinen italienischen “Alpenwall” gegen Frankreich zu verfestigen. Mit mäßigem Erfolg, wie man heute unschwer erkennen kann, denn die einst rein italienische Straße wechselt heute mehrfach auf die französische Seite hinüber. Lauter Gebiete, die Italien damals nach dem Krieg an die Nachbarn abtreten musste.

Wie auf den meisten Militärstraßen der Alpen fährt also auch hier in jeder Schotterkurve etwas Gänsehaut mit, während das lose, grobe Geröll massiv Körner saugt. Rhythmus finden und energiesparend ins Panorama pedalieren, ist auf den wenigsten Abschnitten möglich. Auch Trinkwasserquellen sind praktisch keine vorhanden. Wer auf dem 60 Kilometer langen Offroad-Kernstück zwischen Colle Melosa und Colle di Tenda Verpflegung oder Unterkunft braucht, muss schon in die Täler abfahren. Den höchsten Punkt der Tour markiert der Monte Saccarello (2201 m) - wenn man einen zwei Kilometer langen Abstecher zu seiner Jesusstatue in Kauf nimmt.

Ganz allein ist man auf der Grenzkammstraße allerdings nicht unterwegs. Auf dem Hauptabschnitt, der inzwischen auch als “Alta Via del Sale” (Salzstraße) vermarktet wird, dürfen gegen Maut auch Geländewagen und Motorräder fahren. Nur dienstags und donnerstags nicht. Dann ist die Strecke Wanderern und Mountainbikern vorbehalten, die nur eine symbolische Maut von einem Euro bezahlen.

Die Unwetterschäden von Oktober 2020 noch nicht beseitigt

Zwar nervt es, wenn man sich an den anderen Tagen tatsächlich mal an einem Auto vorbeiquetschen muss, andererseits wird die Straße dafür stetig saniert. Gerade in den Westalpen, wo die Tiefdruckgebiete vom Atlantik her nahezu ungebremst anbranden und ihre Ladung ausschütten, wäre die alte Militärstraße sonst längst erodiert. Es kann daher immer sein, dass die Straße auch während der Saison wegen Sanierungsarbeiten gesperrt wird.

So sind auch die massiven Unwetterschäden vom Oktober 2020 im Royatal noch immer nicht komplett beseitigt. Der Tunnel am Tendepass war allein viereinhalb Jahre lang komplett gesperrt. Der ist für Radfahrer zwar ohnehin nicht interessant, aber die legendäre Südrampe, die kurz vor dem Tunnel abzweigt, gehört zum Schönsten, was man sich in den Alpen vor den Lenker legen kann.

46 Serpentinen klettern vom französischen Ort Tende zum 1871 Meter hohen Pass hinauf. Im Steilhang fast übereinander gestapelt und mit durchschnittlich 9 Prozent Steigung gut zu pedalieren. Leider wurden diese Schotterkehren im Zuge der Tunnelarbeiten ebenfalls gesperrt. Aber wie das eben immer so ist mit diesen Bauzäunen, die man leicht aufschneiden kann...

Für die klassische Tour auf der Ligurischen Grenzkammstraße braucht man allerdings weder den Tunnel, noch die Südrampe des Tendepasses. Man fährt hier vor dem Tunnel auf der italienischen Seite ab. Diese Nordrampe hat auch 12 Asphaltkehren, ist aber bei Weitem nicht so ein Erlebnis wie die Südrampe. Wenn man also schon mal da ist, lohnt es sich schon, den Serpentinenstapel von Tende aus in Angriff zu nehmen. Oder man startet gleich in Tende und fährt die Ligurische Grenzkammstraße einfach in entgegengesetzter Richtung.

Wichtig ist nur, dass man sich vorab über mögliche Sperrungen erkundigt. Derzeit liegt eine Meldung vor, dass der Tunnel (und damit auch die Tende-Südrampe) ab dem 21. September 26 wieder komplett gesperrt wird.

Karte mit der Ligurischen Grenzkammstraße im Überblick

Die Ligurische Grenzkammstraße kann man auch von Tende aus über den Colle di Tenda Richtung Süden fahren.Foto: WikipediaDie Ligurische Grenzkammstraße kann man auch von Tende aus über den Colle di Tenda Richtung Süden fahren.

​Öffnungszeiten & Mautbestimmungen

  • Saison: Die Grenzkammstraße ist nur in den schneefreien Sommermonaten geöffnet. Meist von Mitte Juni bis Mitte Oktober, täglich von 8 bis 20 Uhr. Dienstag und Donnerstag ist die Straße für den motorisierten Verkehr gesperrt und nur für Wanderer und Radfahrer freigegeben.
  • Mautgebühren: Das Kernstück (ca. 30 Kilometer zwischen Limone Piemonte und Briga Alta) ist mautpflichtig: 20 Euro für Autos/Geländewagen und 15 Euro für Motorräder. Radfahrer zahlen eine symbolische Gebühr von 1 Euro.
  • Wichtig: Ungedingt genug Verpflegung und vor allem Trinkwasser mitnehmen, es gibt unterwegs kaum Wasserquellen.
  • Infos allgemein: altaviadelsale.it

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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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