Eigentlich sollte man wirklich im Herbst nach Kaltern kommen. Wenn die Luft nach frisch geernteten Trauben schmeckt. Oder Anfang Oktober, wenn die Törggelen-Zeit beginnt und in den Gastkellern der erste junge Wein zusammen mit Schlutzkrapfen, Schinken und anderen Südtiroler Spezialitäten aufgetischt werden.
Welche Jahreszeit aber häufig verkannt wird: der Frühling! Nicht umsonst fühlen sich die Weinreben in Kalterns Berghängen so wohl. Submediterrane Strömungen sorgen hier bereits ab März für ein Blütenmeer und T-Shirt-Temperaturen im Tal. Mitverantwortlich für dieses besondere Klima ist die letzte Gletschereiszeit, die dieser Region einen ganz besonderen Schliff gegeben hat.
Das Eis formte auf seinem Weg gen Süden eine Art Mittelsonnenbalkon zwischen der 2116 Meter hohen Bergwand auf der einen Seite und dem 400 Meter tiefer liegenden Etschtal auf der anderen Seite. Aus den einst liegen gebliebenen Eisbrocken formte sich der heutige Kalterer See und die Seitenmoränen eignen sich schon früh im Jahr zum Mountainbiken.
Die Anstiege sind moderat und münden in Höhenwege mit viel Panorama. Die Trails: Naturflow auf sanftem Waldboden. Perfekt, um nach einer langen Winterpause frisch in die Tourensaison zu starten. Deshalb haben wir auch unser EMTB-Tourencamp in den Kalterer Frühling gelegt. Auf brandneuen Bikes machen die Touren natürlich noch mehr Spaß!
Kommt man nach Kaltern, sticht einem sofort die 35 Kilometer lange Bergwand ins Auge. In ihrer Flanke zieht sich hoch über den Weinreben ein spaßig zu pedalierender Waldweg Richtung Buchwald dahin, der immer wieder zu schönen Aussichtspunkten führt. Dann öffnen sich Vogelperspektiven auf die Überetsch-Region und die Südtiroler Landeshauptstadt Bozen.
Die Panorama-Runde im Norden Kalterns, die einen Überblick über die Stadt Bozen, die Landschaft und die eiszeitliche Geschichte des Tals verschafft: Vom Ufer des Kalterer Sees klettern die ersten 840 Höhenmeter durch die Weinberge nach Kaltern und weiter Richtung Norden.
Ab der Kalterer Höhe wechselt die Tour auf den Waldboden eines Höhenwegs und schaukelt nun auf ihm knapp zehn Kilometer lang zur Furklauer Schlucht und über die 1000-Meter-Marke bis nach Buchwald hinauf.
Hier geht's auf Waldpfad wieder ins Tal und mit einem Abstecher über die Eppaner Eislöcher, an Burgen und Schlössern zurück nach Kaltern. Der Schlenker über Montiggl kostet 200 Extra-Höhenmeter, wird aber mit einem finalen Trail belohnt!
Kurze Runde mit überschaubaren Höhenmetern, aber ausgesprochen großer Trail- und Highlight-Dichte: Vom Ostufer des Kalterer Sees biegt man ins Frühlingstal ab und lässt sich von dessen milder Luftströmung bis zum Trailnetz-Einstieg im Montiggler Wald leiten.
Es folgen sechs Kilometer knisternde Tannennadelpfade um die hübschen Montiggler Seen mit Café-Bar. Zurück machen die Anstiege zur Leuchtenburg-Ruine und zu den Rosszähnen etwas Mühe, aber die Aussicht von dort oben darf man einfach nicht verpassen!
Zwischen Kaltern und dem Etschtal zieht sich ein eher unscheinbarer, langer Waldrücken dahin: der Mitterberg. Gerade mal 661 Meter ist er hoch, doch sein dichter, grüner Pelz steckt voller Überraschungen.
Speziell für Mountainbiker, denn über seine idyllischen Längstäler gelangt man nahezu asphaltfrei vom Kalterer See bis in den Montiggler Wald, wo ein weitverzweigtes Netz aus natürlichen Flowtrails wartet.
Auf diesen Pfaden lassen sich auch die beiden Montiggler Seen umrunden, die sich hier wie in den Berg eingefasste Edelsteine verstecken. Panorama findet man dagegen ganz im Süden, wo sich der Waldbuckel zuspitzt und in der Mitte ein felsiges Rückgrat bildet: die Rosszähne.
Man sollte schwindelfrei sein, denn auf diesem Felsgrat sitzend baumeln die Beine bereits ins 400 Meter tiefer gelegene, abrupt abfallende Etschtal.
Wer morgens am Kalterer See startet, gleitet mit thermischem Rückenwind auf dem Etschtal-Radweg zum Trudner Horn – und am Nachmittag auch wieder zurück. Der Anstieg der Tour beginnt schließlich am Biotop Castelfeder und zieht sich 21 Kilometer lang, wie eine Girlande um den Bauch des Berges herum.
Bei lange Zeit sechs Prozent Steigung errollt man sich die 1063 Höhenmeter leicht und erlebt dabei Dörfer, Tunnels, Wälder und Trassen. Nach der Rast auf der Cisloner Alm geht's mit ein paar Trail-Abstechern nach Truden zurück und dann sehr abwechslungsreich um die Südflanke des Berges zurück ins Etschtal.
Auch dem 1781 Meter hohen Trudner Horn, das südöstlich von Kaltern, auf der anderen Seite des Etschtals ragt, sieht man seine Besonderheiten aus der Ferne nicht an. Der alleinstehende Brocken besteht auf der einen Seite aus Dolomitgestein und auf der anderen aus rot-braunem Quarzporphyr.
Über seine Nordostflanken fegen raue alpine Winde, während im Südwesten submediterranes Klima föhnt. Gegensätze, die an diesem Berg eine extreme Artenvielfalt sprießen lassen. Daher gehört das Trudner Horn auch zu den wichtigsten Naturparks in Südtirol.
Als Mountainbiker darf man fast alle Gesichter dieses geologischen Wunders erleben, denn man folgt einfach der Bahntrasse der ehemaligen Fleimstalbahn, die für Radfahrer ausgeschildert wurde und umrundet das Trudner Horn, bis man auf der Sonnenterrasse der Cisloner Alm (1249 m) steht. Nach dieser idyllischen Einkehr könnte man den 1er-Trail ins Etschtal rocken oder entspannter die in der Tour empfohlene Umfahrung nehmen.
Gemeinsam die Trail-Touren von Kaltern erleben, dabei Fahrtechnik-Kniffe von Profis erklärt bekommen – und das Ganze auf den neuesten E-MTBs von Radon und einigen anderen Bike-Herstellern: Im April findet wieder das EMTB-Trail Camp am Kalterer See statt.
Vier Tage lang starten die Tourengruppen morgens am Ostufer des Kalterer Sees auf unterschiedlich anspruchsvolle Ausfahrten. Dort, wo sich Schlüsselstellen auftun, wird an der Fahrtechnik gefeilt, dort wo sich Gasthöfe mit besonders guter Küche zeigen, wird natürlich eingekehrt.
Das absolute Highlight wird wieder die gemeinsame Einkehr in einem der Kalterer Weingüter sein, wo die edlen Tropfen ausgiebig probiert werden dürfen. Zurück im Camp am Gasthof Klughammer stehen Reparatur-Workshops an, während bereits das Abendessen vom Grill herüberduftet.
„Kaltern ganz in rot“ – oder auch in weiß. Je nachdem welche Weinsorte eben gerade gefeiert werden soll. Das ganze Jahr über lassen sich die Kalterer Events zu ihren Exportschlagern einfallen. Die Festsaison startet Ende April wieder mit einem Wein-Wandertag und endet schließlich mit dem großen „Weinkulinarium“ am 3. Oktober. Ein Termin, der sich bestens mit einem Törggelen-Tourenwochenende verbinden lässt. Alle Event-Infos dazu: kaltern.com
Kleine Abenteuer-Runde, die mit dem Bike keinen, zu Fuß aber umso mehr Sinn macht: 302 Stufen und diverse Holzstege führen bei Altenburg, südlich von Kaltern, in die Rastenbachklamm. Vorbei an einem alten Bergwerk, einem tosenden Wasserfall und glasklaren Wasserbecken. Am Ende gewährt eine Plattform einen grandiosen Blick über die vom Gletscher geschürfte Talwanne (2,5 km/248 hm). Schönes Alternativ-Programm, wenn das Bike mal in der Garage stehen bleiben soll.
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