Mountainbike-Supertrail Sentiero 153 Mountainbike-Supertrail Sentiero 153 Mountainbike-Supertrail Sentiero 153

Italien: MTB Supertrail am Monte Grappa – Sentiero 153

Mountainbike-Supertrail Sentiero 153

  • Gitta Beimfohr
 • Publiziert vor 2 Jahren

Ein Bild von einem Trail. Rein optisch kann diesem alten Militärpfad am Monte Grappa wohl kein anderer Alpen-Trail das Wasser reichen. Auch fahrtechnisch: reinster Flow. Wenn der Abgrund nicht wäre.

Keine Ahnung, ob es an den 25000 Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg liegt, die hier oben im Ossarium begraben liegen, oder an der Abfahrt, die gleich kommt: Steigt man am Gipfel des Monte Grappas aus dem Shuttle-Bus, kriecht eine elektrisierende Anspannung unter die Haut. Rückblickend ist dieser Adrenalin­spiegel von Vorteil, denn der schärft auch die Konzentration – und die kann man auf dem legendären Frontsteig Sentiero 153 gut gebrauchen.

Der 1775 Meter hohe Monte Grappa sieht aus, als wäre er einst aus den Dolomiten abgebröckelt und in die italienische Tiefebene hineingewürfelt worden.

Der 1775 Meter hohe Monte Grappa sieht aus, als wäre er einst aus den Dolomiten abgebröckelt und in die italienische Tiefebene hineingewürfelt worden. Wie eine riesige Festung liegt er da mit seinen fast senkrechten, weißen Felswänden. Uneinnehmbar, so scheint es auf den ersten Blick. Die österreichischen Truppen versuchten es im Ersten Weltkrieg – und bezahlten ihr Scheitern mit vielen Tausend toten Soldaten. Die am Gipfel verschanzten Italiener konnten ihr Land in dieser letzten großen Schlacht am Monte Grappa zwar verteidigen, bluteten für diesen Sieg aber ebenfalls mit 12615 gefallenen Soldaten, in nur sechs Tagen. Seither gilt der Berg in Italien als Heiligtum.


Die GPS-Daten zum Sentiero 153-Supertrail am Monte Grappe können Sie kostenlos unter dem Link am Ende des Artikels herunterladen.


Ehrfurcht ist daher auch für Biker angebracht. Denn die meisten der berühmten Zickzack-Trails in der Steilwand haben die Soldaten allein im Winter 1917/18 in den Fels gehackt. Diese ehemaligen Nachschubwege sind also ziemlich genau 100 Jahre alt – und trotzdem dürfen wir sie heute ohne Verbote mit dem Bike befahren. Doch apropos fahren: Die Tour beginnt mit dem Sentiero 156, der direkt vom Parkplatz des Gipfelplateaus abzweigt. Hier hat der Weg noch Saunahandtuch-Breite und kurvt im leichten Auf und Ab an der Hochplateaukante dahin. Bei besonders klarem Wetter soll man von diesem Höhenweg bis zur Adria blicken können. Aber die Vogelperspektive über die Po-Ebene ist auch beeindruckend. Dann wird der Weg schmaler und setzt zur ersten Abfahrt in eine Talmulde an. Ein kurzes Stück auf Asphalt an einem alten Fort vorbei, dann links dem Militärpfad zum Monte Boccaor hinauf folgen. Der Pfad klebt hier ganz dicht am verwinkelten Fels, fädelt durch einen Tunnel, klettert schottrige Rampen hinauf, und manchmal ragen Büsche in die zunehmend schmalere Fahrspur. Knapp 100 Höhenmeter, die anstrengen, aber auch warmmachen – für das, was noch kommt.

Markus Greber Das Grün rechts und links des Trails gaukelt mehr Spielraum vor als tatsächlich da ist.  

Und den kompletten Überblick auf das, was noch kommt, erhält man unvermittelt nach einer Linkskehre um einen Felsvorsprung: der Sentiero 153 in seiner ganzen Pracht am Gegenhang. Wie von Picasso in die Felswand geritzt. Mit Tunnels, die von hier oben wie Mäuselöcher aussehen, zackt sich der Weg ins Tal hinunter. Für Nicht-Schwindelfreie ist das vielleicht der schönste Moment der Tour, denn ab dem Einstieg in den 153er sind keine Fehler mehr erlaubt: Schmal und fein geschottert krallt sich der Pfad in die Wand. Sorge bereiten nur vereinzelte lockere Steine. Trifft man einen davon mit dem Vorderrad, sollte man das schnell wieder unter Kontrolle bringen. Also besser zum Hang hingelehnt fahren? Im besten Fall ritzt das Gebüsch dann ein paar Striemen in die Arme. Im Schlechtesten hakt man mit dem Lenker ein und wird abgeworfen. Also besser schulmäßig zentral über dem Bike sitzen, nicht in den nahen Abgrund schauen, zur Not ein paar besonders kniffelige Spitzkehren schieben – und einfach die Nerven bewahren. Nach 700 Tiefenmetern blickt man ehrfürchtig zurück auf das Trail-Gemälde in der Felswand und spürt, wie das Adrenalin einem wohligen Glücksgefühl weicht.

Markus Greber Nach einer Linkskehre öffnet sich der Blick auf den Gegenhang mit dem markanten Zickzack-Trail.


Die Tour

Gesamt 27,1 km, 1764 hm. Mit Shuttle nur 290 hm. Am Monte Grappa sind vorwiegend Shuttle für Paraglider unterwegs. Am besten mit eigenem Auto zum Trail-Einstieg und später mit Shuttle wiederholen (20 Euro). Shuttle-Treff: Tilly’s Locanda in Borso del Grappa.

Der Sentiero 153 am Monte Grappa - Kartenübersicht


Gitta Beimfohr

Als Reiseredakteurin bei BIKE ist sie meist auf der Suche nach neuen Trails. Ihren Urlaub verbringt sie aber am liebsten auf echten Trail-Klassikern.

Wolfgang Watzke Gitta Beimfohr, BIKE-Redakteurin



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