Tipp für die NebensaisonRadtouren an der Amalfi-Küste

Barbara Merz-Weigandt

 · 19.10.2023

Unter Kennern der Amalfiküste gilt das Städtchen Atrani noch als Geheimtipp.
Foto: © Vito Fusco Courtesy of Authentic Amalfi Coast
Die steile Amalfiküste mit ihren pittoresken Dörfern ist ein landschaftliches Highlight. Für Radfahrer sind die Straßen am besten außerhalb der Hochsaison zu befahren.
Die Amalfi-Küste mit ihren steil aufragenden Felsen, ihrer zerklüfteten Küstenlandschaft mit vielen kleinen Stränden und den malerischen Fischerdörfern in Pastellfarben ist ein beliebtes Reiseziel. Auch mit dem Fahrrad lässt sich die Region erkunden - vor allem in der Nebensaison.

Der 50 Kilometer lange Küstenabschnitt liegt im Süden der italienischen Halbinsel von Sorrent in der Region Kampanien. Zwischen der Hafenstadt Salerno und dem auf dem Steilufer liegenden Sorrent verläuft eine Küstenstraße, die an eleganten Villen, Weinbauterrassen und an Hängen gelegenen Zitronenhainen vorbeiführt.

Auf der Küstenstraße Amalfitana herrscht in der Hochsaison viel Verkehr. Radfahrer können auf die kleinen Straßen im Hinterland ausweichen.Foto: © Susy Pepe - Distretto Turistico Costa d'AmalfiAuf der Küstenstraße Amalfitana herrscht in der Hochsaison viel Verkehr. Radfahrer können auf die kleinen Straßen im Hinterland ausweichen.

In der touristischen Hochsaison zwischen Mai und September herrscht viel Verkehr auf der Küstenstraße. Eine Fahrradroute von Positano nach Vietri sul Mare über die Staatsstraße ist zwar beschildert, eine Strecke abseits der Hauptverkehrsstraße aber definitiv die bessere Alternative, um die Städte Tramonti, Ravello und Scala zu entdecken. Im Hinterland der Amalfiküste sind kleine asphaltierte Nebenstraßen perfektes Radrevier. Ab und zu sind allerdings auch steile Rampen zu bewältigen. Beim Giro d’Italia 2023 stand der "Valico di Chiunzi" als Bergwertung auf dem Programm.

Tourentipp 1: Vietri sul Mare bis Amalfi

43 Kilometer, ca. 2000 Hm, schwer

Bereits kurz nach dem Start in Vietri sul Mare eröffnen sich wunderschöne Ausblicke über die Amalfitana-Straße Richtung Meer mit versteckten Stränden und Häusern, die sich an die steilen Hänge klammern.

Als nächstes gelangt man nach Cetara, ein altes Fischerdorf, das von einem Turm bewacht wird. Ein kurzer Abstecher von der Hauptstraße führt direkt ins Zentrum des schmucken Dorfes und zum Strand. Wer bereits hungrig ist, kann sich in der Pizzeria Il Piennolo stärken.

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Im kleinen Fischerort Cetara geht es beschaulicher zu als in Amalfi oder Positano.Foto: © Susy Pepe - Distretto Turistico Costa d'AmalfiIm kleinen Fischerort Cetara geht es beschaulicher zu als in Amalfi oder Positano.

Auf der Weiterfahrt Richtung Maiori liegen einige Aussichtspunkte, die zum Genießen und Fotografieren einladen. Ein kultureller Abstecher ist die Abtei Santa Maria de Olearia, eine mehr als tausend Jahre alte Felsenabtei mit Fresken um 1000 n.Chr. bis 1500 n. Chr . Ein Besuch ist lohnenswert, muss jedoch auf der Website der Gemeinde Maiori gebucht werden.

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Nach Besichtigung der Höhlenmalereien führt die Tour angenehm bergab nach Capodorso. Auf der linken Seite passieren wir den imposanten normannischen Turm und gelangen zur Strandpromenade von Maiori, mit dem längsten Strand an der Amalfiküste. An der Strandpromenade liegt auch die Eisdiele Gelateria la Divina. Unbedingt probieren sollte man das hausgemachtes Eis mit echten Früchten und Zitronen aus Amalfi!

Die Stärkung kommt gerade recht, und die Kalorien sind auch schnell wieder verbrannt. Nach Maiori beginnt der 12 Kilometer lange Anstieg auf den Pass "Valico di Chiunzi" in Tramonti. Doch die Auffahrt gestaltet sich recht abwechslungsreich. Die Landschaft verändert sich von Klippen mit Blick auf das Meer hin zu Weinbergen und Kastanienwäldern. Auf halber Strecke lädt ein Weingut mit Osteria zu einer kurzen - oder auch längeren- Pause ein. In der Azienda Agricola Reale kann man an einer Weintour teilnehmen und die Weinberge besichtigen, oder typische Gerichte genießen.

In den steilen Hänge der Amalfiküste werden nicht nur die typischen Zitronen angebaut, sondern auch WeinFoto: © Susy Pepe - Distretto Turistico Costa d'AmalfiIn den steilen Hänge der Amalfiküste werden nicht nur die typischen Zitronen angebaut, sondern auch Wein

Nach der Pause in den alten Weinbergen von Tramonti, wo die Tintore-Traube angebaut wird, geht es weiter zum Chiunzi-Pass. Eine Gedenktafel erinnert auf der Passhöhe an Marco Pantani, den "Piraten", einen der größten italienischen Radfahrer aller Zeiten.

Auf der Straße nach Ravello rollt man größtenteils bergab, von den Kastanienwäldern zurück Richtung Meer. Musikliebhaber sollten in Ravello, der Stadt der Musik, die Villa Rufolo besuchen. Dieser Ort war die Inspiration für Richard Wagners Klingsor-Garten.

Das letzte Stück der Route führt nach Castiglione di Ravello und weiter nach Amalfi. Es verläuft durch ein schmales Tal, in dem sich erneut das Panorama verändert: von den Kastanienhainen zu den für die Amalfiküste typischen Zitronenterrassen.

Nur wenige Kurven entfernt von Amalfi schmiegen sich die weißen Häuschen von Atrani an einen SteilhangFoto: © Vito Fusco, Authentic Amalfi CoastNur wenige Kurven entfernt von Amalfi schmiegen sich die weißen Häuschen von Atrani an einen Steilhang

In Castiglione di Ravello kehrt der Weg zurück auf die Statale Amalfitana und führt durch Atrani, das kleinste Dorf Italiens. Atrani war Schauplatz des Films "The Equalizer III" mit Denzel Washington. Danach geht es weiter nach Amalfi. Wer will, kann es den anderen Radtouristen gleichtun und das typische Abschlussfoto unter den Treppen der Kathedrale von Sant'Andrea auf der Piazza Duomo machen.

Unterkunft-Tipps für Radtouristen

In Castiglione di Ravello bietet das Casa Gargano eine empfehlenswerte Unterkunft für Radfahrer. Es befindet sich direkt an der Küstenstraße und ist nur 100 m vom Strand entfernt. Radfahrer haben Zugang zu einer privaten Garage unterhalb der Wohnung, die genug Platz für bis zu zwei Autos und mehrere Fahrräder bietet. Zudem gibt es eine Ladestation für Autos oder Elektrofahrräder.

Tourentipp 2: Von Castiglione di Ravello bis Positano

18 Kilometer, 300 Hm, leicht aber verkehrsreiche Strecke

Nachdem man Amalfi durchfahren hat, empfiehlt sich ein erster Stopp am Fiordo di Furore. Hier ist die Straße sehr schmal und Autos können nicht halten, aber Fahrräder kann man an den Felswänden abstellen und die Treppe hinunter zum Strand des Fjords gehen. Umgeben von Fischerhütten war dieser Ort auch Kulisse für den Film "Liebe" mit Anna Magnani genutzt, bei dem Roberto Rossellini Regie führte.

Die Basilika San Gennaro in Praiano ist prachtvoll ausgestattet. Von der Piazza vor der Kirche hat man einen herrlichen Ausblick über die Amalfiküste bis PositanoFoto: © Susy Pepe - Distretto Turistico Costa d'AmalfiDie Basilika San Gennaro in Praiano ist prachtvoll ausgestattet. Von der Piazza vor der Kirche hat man einen herrlichen Ausblick über die Amalfiküste bis Positano

Die nächste Stadt ist Praiano. Nur wenige Schritte von der Straße entfernt liegt die schöne Piazza San Gennaro. Ein kurzer Spaziergang und eine Besichtigung der sehenswerten Basilika San Gennaro bieten sich an.

Positano ist einer der bekanntesten Orte an der Amalfiküste. Er ist als Urlaubsziel mit einem Kieselstrand und steilen, engen Gassen mit Boutiquen und Café beliebt.Foto: © Authentic Amalfi CoastPositano ist einer der bekanntesten Orte an der Amalfiküste. Er ist als Urlaubsziel mit einem Kieselstrand und steilen, engen Gassen mit Boutiquen und Café beliebt.

Nach einer kurzen Weiterfahrt erreicht man Positano. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick auf Punta Campanella, Capri und die Faraglioni-Felsen sowie die Li Galli Inseln, wo alten Legenden zufolge, Meerjungfrauen leben sollen. Der perfekte Fotostopp für Positano mit den Li Galli Inseln im Hintergrund, ist an den Parkplätzen entlang der Straße in Fornillo oder Arienzo.

Zum Abschluss der Tour führt der Weg steil bergab durch die Häuser Richtung Meer.

Allgemeine Infos

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Barbara Merz-Weigandt

Barbara Merz-Weigandt

Chefredakteurin

Barbara Merz-Weigandt, Chefredakteurin von MYBIKE, dem Magazin für engagierte Alltags- und Reiseradler, lebt am Starnberger See. Ihre große Leidenschaft: das Reisen. Mit dem Tourenrad überquerte sie die Alpen – auf der Via Claudia Augusta, der Ciclovia München-Venezia und dem Alpe-Adria-Radweg. Mit Motorsegler und Rad erkundete sie die Inselwelt Kroatiens und die lykische Küste, alle Balearen und Kanaren hat sie mit dem Fahrrad bereist. Am liebsten ist sie mit dem Mountainbike auf den Trails in den Bayerischen Voralpen, den Dolomiten oder auf La Palma unterwegs.

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