ItalienDie schönsten MTB-Touren um Santa Caterina

Ralf Glaser

 · 14.01.2020

Die schönsten MTB-Touren um Santa CaterinaFoto: Ralf Glaser

Der Gavia-Pass ist der ganze Stolz des kleinen Örtchens Santa Caterina. Doch abseits der Giro-d'Italia-Kehren tut sich eine wahre Pracht für versierte Hochgebirgs-Biker auf.

INFOS


Das Revier

Der Charme von Santa Caterina in der lombardischen Gemeinde Falvurva liegt ganz klar in seinem hochalpinen Ambiente. Die höchsten Gipfel rund um diesen kleinen Ort ragen über die 3500-Meter-Marke hinaus, und die Highlights für Biker starten ab einer Höhe von 2500 Metern. Man kratzt daher auf Tour nicht selten an der 3000-Meter-Marke. In die dort vorherrschende, dünnere Luft helfen zwar diverse Shuttles und Seilbahnen hinauf, aber die Erfahrung und Bike-Beherrschung für hochalpines Gelände muss man selbst mitbringen. Nicht nur, dass man es hier häufig mit verblockten Trails zu tun hat – auch das Wetter sollte man hier immer im Blick behalten. Die möglichen Fluchtwege sind oft weit, ein Gewitter kann in manchen Passagen zu einem Biwak zwingen. Daher klipp und klar: Santa Caterina ist für MTB-Einsteiger denkbar ungeeignet! Wer sich aber fahrtechnisch sicher fühlt, findet hier das perfekte Revier für ein ausgefülltes, verlängertes Wochenende. Santa Caterinas Touren haben das Potenzial, lange in Erinnerung zu bleiben.

Den kompletten Revier-Guide sowie die GPS-Daten zu den drei BIKE-Touren finden Sie unten im Download-Bereich.

  1. Passo dell’Alpe (23,8 km | 1400 hm ohne Shuttle)
  2. Gavia-Trails (46,2 km | 2040 hm ohne Shuttle)
  3. Forni-Trails (50,7 km | 2310 hm ohne Shuttle)
Die Touren ziehen durch eine karge Hochgebirgslandschaft, die vom Schmelzwasser der Gletscher geformt wurde. Unter dem Passo Gavia haben sich die Wasser zum Beispiel einen Weg durch den Felsen gebohrt: die Ponte di Pietra. Für Biker eine Brücke, von der man nicht abrutschen sollte.Foto: Ralf Glaser
Die Touren ziehen durch eine karge Hochgebirgslandschaft, die vom Schmelzwasser der Gletscher geformt wurde. Unter dem Passo Gavia haben sich die Wasser zum Beispiel einen Weg durch den Felsen gebohrt: die Ponte di Pietra. Für Biker eine Brücke, von der man nicht abrutschen sollte.
Der Gavia-Pass ist der ganze Stolz des kleinen Örtchens Santa Caterina. Doch abseits der Giro-d'Italia-Kehren tut sich eine wahre Pracht für versierte Hochgebirgs-Biker auf.Foto: Ralf Glaser
Der Gavia-Pass ist der ganze Stolz des kleinen Örtchens Santa Caterina. Doch abseits der Giro-d'Italia-Kehren tut sich eine wahre Pracht für versierte Hochgebirgs-Biker auf.
Die Berge hinter dem Passo Gavia waren im Ersten Weltkrieg die zweite Verteidigungslinie der Italiener. Praktisch alle Trails dort gehen auf den Gebirgskrieg zurück. Sie wurden mit großem Aufwand wieder authentisch hergerichtet.Foto: Ralf Glaser
Die Berge hinter dem Passo Gavia waren im Ersten Weltkrieg die zweite Verteidigungslinie der Italiener. Praktisch alle Trails dort gehen auf den Gebirgskrieg zurück. Sie wurden mit großem Aufwand wieder authentisch hergerichtet.
Viele Einkehrmöglichkeiten finden sich auf den Santa-CaterinaTouren nicht. Aber dafür sind die vorhandenen Hütten umso uriger. So wie hier die Baite dell’Ables, die direkt auf der Trail-Querung Richtung Confinale-Abfahrt liegt (siehe Tour 3).Foto: Ralf Glaser
Viele Einkehrmöglichkeiten finden sich auf den Santa-CaterinaTouren nicht. Aber dafür sind die vorhandenen Hütten umso uriger. So wie hier die Baite dell’Ables, die direkt auf der Trail-Querung Richtung Confinale-Abfahrt liegt (siehe Tour 3).
Highlight von Tour 1 ist die Trail-Querung über den Laghetto dell’Alpe. Hier wurden alte Militär-Trails wieder aufgehübscht.

  Foto: Ralf Glaser
Highlight von Tour 1 ist die Trail-Querung über den Laghetto dell’Alpe. Hier wurden alte Militär-Trails wieder aufgehübscht.  
Die Hängebrücken unterhalb des Forni-Gletschers.Foto: Ralf Glaser
Die Hängebrücken unterhalb des Forni-Gletschers.
Trail-Sharing: Die besten Bike-Routen sind ausgeschildert.

  Foto: Ralf Glaser
Trail-Sharing: Die besten Bike-Routen sind ausgeschildert.  
Vom Rifugio Branca geht’s direkt auf einem Trail weiter. Foto: Ralf Glaser
Vom Rifugio Branca geht’s direkt auf einem Trail weiter. 
Hochgebirge hat auch immer was mit Schieben oder Tragen zu tun.Foto: Ralf Glaser
Hochgebirge hat auch immer was mit Schieben oder Tragen zu tun.
Die Bilder täuschen ein bisschen. Es gibt zwar flowige Abschnitte, aber stets im Wechsel mit verblockten S2- oder sogar S3-Passagen. Echte Hochgebirgs-Trails eben.Foto: Ralf Glaser
Die Bilder täuschen ein bisschen. Es gibt zwar flowige Abschnitte, aber stets im Wechsel mit verblockten S2- oder sogar S3-Passagen. Echte Hochgebirgs-Trails eben.
Der Spaziergang zum Forni-Gletscher wird leider jedes Jahr ein bisschen länger.Foto: Ralf Glaser
Der Spaziergang zum Forni-Gletscher wird leider jedes Jahr ein bisschen länger.
Gels und Riegel müssen in den Rucksack, weil es in der Region nicht viele Einkehrstationen gibt. Auf den Hütten selbst stehen dann eher deftige Gerichte auf der Tafel.Foto: Ralf Glaser
Gels und Riegel müssen in den Rucksack, weil es in der Region nicht viele Einkehrstationen gibt. Auf den Hütten selbst stehen dann eher deftige Gerichte auf der Tafel.
Die Touren ziehen durch eine karge Hochgebirgslandschaft, die vom Schmelzwasser der Gletscher geformt wurde. Unter dem Passo Gavia haben sich die Wasser zum Beispiel einen Weg durch den Felsen gebohrt: die Ponte di Pietra. Für Biker eine Brücke, von der man nicht abrutschen sollte.Foto: Ralf Glaser
Die Touren ziehen durch eine karge Hochgebirgslandschaft, die vom Schmelzwasser der Gletscher geformt wurde. Unter dem Passo Gavia haben sich die Wasser zum Beispiel einen Weg durch den Felsen gebohrt: die Ponte di Pietra. Für Biker eine Brücke, von der man nicht abrutschen sollte.
Der Gavia-Pass ist der ganze Stolz des kleinen Örtchens Santa Caterina. Doch abseits der Giro-d'Italia-Kehren tut sich eine wahre Pracht für versierte Hochgebirgs-Biker auf.Foto: Ralf Glaser
Der Gavia-Pass ist der ganze Stolz des kleinen Örtchens Santa Caterina. Doch abseits der Giro-d'Italia-Kehren tut sich eine wahre Pracht für versierte Hochgebirgs-Biker auf.
Der Gavia-Pass ist der ganze Stolz des kleinen Örtchens Santa Caterina. Doch abseits der Giro-d'Italia-Kehren tut sich eine wahre Pracht für versierte Hochgebirgs-Biker auf.
Die Berge hinter dem Passo Gavia waren im Ersten Weltkrieg die zweite Verteidigungslinie der Italiener. Praktisch alle Trails dort gehen auf den Gebirgskrieg zurück. Sie wurden mit großem Aufwand wieder authentisch hergerichtet.
Viele Einkehrmöglichkeiten finden sich auf den Santa-CaterinaTouren nicht. Aber dafür sind die vorhandenen Hütten umso uriger. So wie hier die Baite dell’Ables, die direkt auf der Trail-Querung Richtung Confinale-Abfahrt liegt (siehe Tour 3).
Highlight von Tour 1 ist die Trail-Querung über den Laghetto dell’Alpe. Hier wurden alte Militär-Trails wieder aufgehübscht.

  
Die Hängebrücken unterhalb des Forni-Gletschers.
Trail-Sharing: Die besten Bike-Routen sind ausgeschildert.

  
Vom Rifugio Branca geht’s direkt auf einem Trail weiter. 
Hochgebirge hat auch immer was mit Schieben oder Tragen zu tun.
Die Bilder täuschen ein bisschen. Es gibt zwar flowige Abschnitte, aber stets im Wechsel mit verblockten S2- oder sogar S3-Passagen. Echte Hochgebirgs-Trails eben.
Der Spaziergang zum Forni-Gletscher wird leider jedes Jahr ein bisschen länger.
Gels und Riegel müssen in den Rucksack, weil es in der Region nicht viele Einkehrstationen gibt. Auf den Hütten selbst stehen dann eher deftige Gerichte auf der Tafel.
Die Touren ziehen durch eine karge Hochgebirgslandschaft, die vom Schmelzwasser der Gletscher geformt wurde. Unter dem Passo Gavia haben sich die Wasser zum Beispiel einen Weg durch den Felsen gebohrt: die Ponte di Pietra. Für Biker eine Brücke, von der man nicht abrutschen sollte.


Beste Reisezeit

Santa Caterina selbst liegt in der Lombardei auf 1734 Metern Höhe. Die Touren führen, wie gesagt, bis an die 3000-Meter-Marke. Dementsprechend kurz ist die Bike-Saison, denn Santa Caterina ist im Winter als ausgesprochenes Schneeloch bekannt. Vor Anfang/Mitte Juni lässt sich kaum auf gute Bedingungen auf den Trails hoffen. In schattigen Lagen, etwa hinter dem Passo Zebrù, ist bis weit in den Hochsommer noch mit Schneefeldern zu rechnen. Die beste Zeit für ausgedehnte Runden ist daher der Spätsommer. Bis Mitte/Ende Oktober zeigt sich dann auch im Normalfall das Wetter am stabilsten.


Geführte Touren

Guide Andrea Panizza von E-Motion hat seinen Bikepoint im Ortszentrum von Santa Caterina. Er kennt sämtliche Bike-Möglichkeiten des Stelvio-Nationalparks aus dem Effeff. Er arbeitet nicht nach einem festen Programm, sondern vereinbart Touren individuell. Außerdem kann man bei ihm auch hochwertige (E-/Fat-)-Mountainbikes mieten. Infos: www.mtbemotion.com


Shuttle

Der Gavia-Pass lässt sich noch gut mit einem normalen Taxi erklimmen. Doch für alle anderen Anstiege rund um Santa Caterina geht ohne Geländefahrzeug wenig. Einen solchen bieten Simone und Corrado von Alpintaxi Cola, Tel. 0039/333/4706865. Weitere Shuttle-Anbieter unter: www.bormiobike.it


Seilbahnen

Alle Seilbahnen mit Sommer-Öffnungszeiten rund um Santa Caterina transportieren problemlos auch Bikes. Allerdings sind die Betriebszeiten überschaubar. Meist laufen sie nur in der Zeit von Ende Juni bis nach dem ersten Septemberwochenende.


Weitere Touren

Touren-Autor Andreas Albrecht hat sich dem Gebiet Alta Rezia besonders gewidmet. In seinem "Alta Rezia GPS Trailguide", (Preis: 21,99 Euro) finden sich zahlreiche, lohnende Touren, die jedoch relativ verstreut liegen. Der "Hotel Sport Santa Caterina GPS Trailguide" beschränkt sich auf die Touren-Möglichkeiten im direkten Umfeld. Infos: www.gps-bikeguide.com

Der Guide "Dynamite Trails Band 2" von Ralf Glaser konzentriert sich auf Touren im historischen Umfeld des Gebirgskrieges und bietet hierzu viele Hintergrund-Infos. Der Südseite des Ortler ist ein Kapitel mit sechs Touren gewidmet. Infos: www.trails.de

  Die drei Touren um Santa Caterina im ÜberblickFoto: Infochart
Die drei Touren um Santa Caterina im Überblick


Erreichbarkeit

Die Zufahrt von Bormio nach Santa Caterina war im Sommer 2019 für einige Tage wegen eines drohenden Felssturzes aus Sicherheitsgründen gesperrt. Deswegen musste leider auch das geplante Event der Trailtrophy kurzfristig abgesagt werden. Der fragliche Hang ist seit Jahren als fragil bekannt und im Grunde nichts Ungewöhnliches (die Alpen erodieren). 2019 kamen allerdings mehrere Faktoren zusammen: ein sehr später, starker Schneefall, gefolgt von einer schnellen, durch starke Regenfälle verursachten Schneeschmelze. Dadurch wurde der entsprechende Hang ungewöhnlich durchweicht und kam in Bewegung. Der Hang steht nun unter andauernder geologischer Beobachtung. Die darunter liegende Verbindungsstraße nach Santa Caterina ist aber seit einigen Wochen wieder frei befahrbar, und höchstens noch zeitlich begrenzt in der Nacht gesperrt.

SZENE-HIGHLIGHTS


Trailtrophy

Die ursprünglich schon für 2019 geplante erste Auflage der Trailtrophy in Santa Caterina steht auch für 2020 auf dem Kalender der Serie. Der genaue Termin ist noch nicht bekannt, ins Auge gefasst ist aber eine Durchführung Anfang Juli 2020. Infos: www.trailtrophy.eu


Giro d’Italia

Auch der Giro ist regelmäßig in Santa Caterina zu Gast – der Passo Gavia zählt zu den legendären Highlights der Italienrundfahrt. 2019 musste der Giro einen Umweg in Kauf nehmen, da der Passo Gavia noch unter einer dichten Schneedecke lag und aufgrund einer Wetterfront sogar mit Lawinengefahr zu rechnen war. Der genaue Streckenverlauf des Giro 2020 ist noch nicht klar. Sollte der Passo Gavia aber wieder auf der Agenda stehen, dann kann man dort auch als Zuschauer ein echtes Radsportfest erleben.


Winter-Fatbike

Wer sich auch von schlechtem Wetter und Kälte nicht vom Biken abhalten lässt, kann in Santa Caterina sogar im Winter biken. Touren-Guide Andrea Panizza schwingt sich auch dann regelmäßig in den Sattel seines E-Fatbikes und kennt dafür die spaßigsten Runden im Schnee. Das absolute Touren-Highlight führt dann zum Rifugio Branca auf knapp 2500 Metern Höhe!


Den kompletten Revier-Guide inkl. Tourenbeschreibungen und GPS-Daten finden Sie in BIKE 11/2019. Als PDF kostet der Revier-Guide 1,99 Euro. Warum nicht kostenlos? Weil Qualitätsjournalismus einen Preis hat. Dafür garantieren wir Unabhängigkeit und Objektivität. Das betrifft ganz besonders die Revier-Guides in BIKE. Die lassen wir uns nicht bezahlen, sondern das Gegenteil ist der Fall: Wir lassen sie uns etwas kosten, und zwar Hunderttausende Euro jedes Jahr.
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