Die besten MTB Dolomiten Touren entlang der Kriegsfront

Gitta Beimfohr

 · 27.10.2015

Die besten MTB Dolomiten Touren entlang der KriegsfrontFoto: Dan Milner
Die besten MTB Dolomiten Touren entlang der Kriegsfront

Vor 100 Jahren erklärte Italien Österreich den Krieg. Was geblieben ist, sind die Versorgungspfade der einstigen Gegner. Heute ein schier unendliches Trail-Geflecht inmitten der Dolomiten.

Kein Gebirge der Welt hat ein so abenteuerlich in den Fels geschlagenes Pfadnetz wie die Dolomiten. Dass es sich dabei um die Nachschubwege der Soldaten handelte, bekommt man auf den Touren zu spüren.

Als Italien Österreich am 23. Mai 1915 den Krieg erklärte, begann in den Dolomiten ein Stellungskrieg, der bis heute weltweit einzigartig ist. Nicht, weil nach zweieinhalb Jahren auf beiden Seiten 150000 bis 180000 Tote zu beklagen waren, ohne dass es nennenswerte Gebietsgewinne gegeben hätte. Das Besondere an diesem Gebirgskrieg war: Die meisten Soldaten fielen Naturkatastrophen zum Opfer. Felsstürze und Lawinen verschütteten ganze Stellungen. Nachts, bei der Wachablöse, lag der Posten bei minus 40 Grad auch schon mal erfroren im Schnee.

Verlagssonderveröffentlichung

Gebietsgewinne waren deshalb so schwierig, weil sich die Kriegsgegner meist auf Gipfeln gegenüberstanden. Ein Überrennen des Feindes war so nicht möglich. Dafür hätte man erst ins Tal hinunter und den Berg des Gegners wieder hinaufsteigen müssen. Also untertunnelte man sich gegenseitig, füllte die Stollen mit Dynamit und sprengte die Feindstellung samt Berggipfel in die Luft. Zum 100. Jahrestag dieses Stellungskrieges haben wir nun die Touren zusammengestellt, die zu den besonders heftig umkämpften Forts führen.

Die Drei Zinnen waren schon immer umkämpft. Im Krieg stürmten die Italiener mit Artilleriefeuer das Plateau vor den Felszähnen und machten die Drei--Zinnen-Hütte dem Erdboden gleich. Heute haben Wanderer das Gebiet in ihrer Hand. Doch es gibt eine Tour, die auch für Biker erlaubt ist!
Foto: Dan Milner
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  Die besten Militärtrails: Ralf Glaser hat sich durch uralte Kriegsdokumente gelesen und sich dann auf Spurensuche am Berg begeben. Heraus kamen diese beiden Touren-Bücher. Infos: <a href="http://www.delius-klasing.de/buecher/BIKE+Guide+Dolomiten+%28Band+1%29.80797.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">www.delius-klasing.de</a>  und auf <a href="http://www.dynamite-trails.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer nofollow">www.dynamite-trails.de</a>Foto: Delius Klasing Verlag,Georg Grieshaber
Die besten Militärtrails: Ralf Glaser hat sich durch uralte Kriegsdokumente gelesen und sich dann auf Spurensuche am Berg begeben. Heraus kamen diese beiden Touren-Bücher. Infos: www.delius-klasing.de  und auf www.dynamite-trails.de

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10 TOUREN ENTLANG DER FRONT

Manche Relikte aus dem Ersten Weltkrieg erkennt man erst auf den zweiten Blick: Schützengräben, Stacheldraht, rostige Blechdosen und Granatenlöcher in der Felswand. Doch es gibt auch alte Forts und Stollen auf diesen Touren zu entdecken.

  Übersicht der Dolomiten-Touren entlang der KriegsfrontFoto: BIKE Magazin
Übersicht der Dolomiten-Touren entlang der Kriegsfront


1. DREI ZINNEN: Zur Büllelejoch-Hütte
26,6 km I 1804 hm I Schwierigkeit: schwer

Die Drei Zinnen sind wohl die markantesten Felstürme der Dolomiten. Doch selbst auf dem Plateau dieser majestätischen Kulisse wurden Kämpfe ausgefochten. Die Italiener zerstörten die Drei-Zinnen-Hütte und eroberten den Paternsattel. Da die Wege rund um die Drei Zinnen von Wanderern überlaufen sind, ist Biken hier tabu. Die einzige Tour, die hier gefahren werden darf, ist die zur Büllelejoch-Hütte. Allerdings warten hier steilste Anstiege und technisch anspruchsvolle Trails bergab.


Startpunkt Der Parkplatz am Misurinasee, am Beginn der Mautstraße (kostenpflichtig).
Einkehr Büllelejoch-Hütte, Lavaredo-Hütte, Auronzo-Hütte
Infos Eine Touren-Beschreibung inkl. GPS-Daten und Roadbooks gibt’s im BIKE-Guide Dolomiten, 30 Touren von Ralf Glaser, Delius Klasing Verlag, Preis: 14,90 Euro, www.delius-klasing.de

  Drei Zinnen: Zur Büllelejoch-HütteFoto: Markus Greber
Drei Zinnen: Zur Büllelejoch-Hütte


2. MARMOLADA: zur Porta Vescovo
20,35 km I 477 hm | Schwierigkeit: mittelschwer

Die "Eisstadt" nannten die Österreicher ihr Stollensystem, das sie sich in den Eispanzer der Marmolada gepickelt hatten. Hier wähnten sie sich vor dem Feind sicher, bis sich am 13. Dezember eine Lawine löste und alle 300 Soldaten in den Tod riss. Als Biker kommt man dieser schaurigen Geschichte am nächsten, wenn man den gegenüberliegenden Berg, die Porta Vescovo, hinaufklettert – oder den Lift nimmt und über den Passo Padon die tollen Trails nach Arabba hinuntersurft.


Startpunkt Arabba, Seilbahnparkplatz Porta Vescovo. Öffnungszeiten: www.dolomitiportavescovo.it
Infos Die GPS-Daten zur Seilbahn-Tour gibt’s unter www.bike-gps.com als kostenpflichtigen Download.
Auch Ralf Glaser beschreibt in seinem Buch Dynamite-Trails www.dynamite-trails.de eine Tour zum Padon-Kamm, nimmt dabei aber die Sessellifte.

  Marmolada: zur Porta VescovoFoto: Uli Stanciu
Marmolada: zur Porta Vescovo


3. COL DI LANA – der Blutberg
16,7 km I 990 km | Schwierigkeit: schwer

Die Österreicher wussten, dass sie am Col di Lana auf einem zündungsbereiten Pulverfass saßen. Doch ihr Befehl lautete: "Der Berg wird verteidigt bis zum letzten Mann." Als die Italiener die dynamitgefüllten Stollen sprengten, flogen mit dem Berggipfel 245 Österreicher in die Luft. Insgesamt starben am Col di Lana 8000 Soldaten. Bis heute kann man auf dieser kurzen, aber knackigen Runde Granatsplitter von damals finden. Von Livinallongo geht es steil zum Kriegsmuseum hinauf, auf Trails zum Plan de la Mina und weiter zum Siefsattel. Dort wartet eine teils ausgesetzte Trail-Abfahrt.


Startpunkt Livinallongo in den Belluneser Dolomiten.
Tipp Unbedingt das Kriegsmuseum besuchen
Infos Die Touren-Runde samt geschichtlicher Hintergründe und GPS-Daten hat Ralf Glaser in seinem Buch Dynamite-Trails www.dynamite-trails.de beschrieben. Infos: www.trails.de


4. LAGAZUOI: Zum Hexenstein
40,4 km I 1160 hm I Schwierigkeit: schwer

Der Lagazuoi war einer der umkämpftesten Berge im Krieg. Seine Einnahme hätte den strategisch wichtigen Zugang zum Gadertal bedeutet. Die Österreicher hatten sich in die Galerien am Lagazuoi und Hexenstein zurückgezogen und waren zunächst sicher. Bis die Italiener wieder Stollen in den Berg trieben und mit Sprengstoff füllten. Heute noch gleicht der Berg einem Kaninchenbau, den man begehen kann. Die Schuttkegel unterhalb des Berges gehen auf die massiven Sprengungen zurück. Die Tour dorthin führt mit Hilfe von drei Seilbahnen zum Valparola-Pass, zur Nuvolau-Hütte und zum Falzarego-Pass. Achtung: Tragepassagen und teils ausgesetzte Trails!


Startpunkt Cortina d’Ampezzo. Stirnlampe für die Stollenbegehung am kleinen Lagazuoi nicht vergessen!
Infos Die Touren-Beschreibung samt GPS-Daten gibt’s unter: www.trails.de

  Cinque TorriFoto: Tom Bierl
Cinque Torri


5. CORTINA D’AMPEZZO: Cinque Rifugi
47,8 km I 1736 hm I Schwierigkeit: schwer

Quer über die Fanesgruppe verlief die damalige Frontlinie. Die Italiener saßen auf den drei Tofanen, dem Formenton und dem Col Rosa. Doch mehrere Angriffswellen konnten die österreichischen Kaiserjäger nicht aus der Fanes-Scharte und dem Travenanzes-Tal vertreiben. Erst eine Sprengladung in der Tofana vertrieb die Österreicher (darunter Luis Trenker). Diese Tour umrundet alle Brennpunkte dieser Schlacht in einer großen Schleife um die Fanesgruppe. Mit fünf urigen Hütten zur Einkehr und eventueller Übernachtung.


Startpunkt Cortina d’Ampezzo. Der mondäne Skiort galt im Krieg als wichtiges Handelszentrum und war daher so hart umkämpft.
Infos Die Touren-Beschreibung samt GPS-Daten als kostenpflichtiger Download gibt’s unter www.bike-gps.com


6. CORTINA: Super-Panorama mit Lift
54,3 km I 372 hm I Schwierigkeit: mittelschwer

Manche Schotterabfahrten dieser Runde sind ein wenig tricky, weil es sich um tiefes, grobes Geröll mit hohem Neigungsgrad handelt. Ansonsten sind auf dieser Tour keine fahrtechnischen Hindernisse zu befürchten. Dafür gibt es ein Maximum an Panorama, das man dank der Zeit- und Kraftersparnis durch die vier Lifte auch entsprechend genießen kann. Die Tour startet ebenfalls in Cortina d’Ampezzo und umrundet die ehemaligen Kriegsschauplätze wie Faloria, Monte Cristallo, die Tofanen, Averau, Nuvolau und Cinque Torri. Das Panorama steigert sich dabei von Gipfel zu Gipfel. Schön, dass es auch nicht an einladenden Einkehrstationen mangelt!


Startpunkt Parkplatz am alten Bahnhof von Cortina d’Ampezzo
Infos Die Tour Freeride-Panorama gibt’s samt GPS-Daten als kostenpflichtigen Download bei www.bike-gps.com

  Fanes - VigilFoto: Jörg Reuther
Fanes - Vigil


7. ÜBER DIE FORCELLA AMBRIZZOLA
154 km I 5250 hm I Schwierigkeit: schwer

Für diese große Runde nimmt man sich am besten drei Tage Zeit. Die Tour führt über die alten Nachschubwege an alten Schießscharten und Forts vorbei und lässt dabei kein Highlight aus. Der erste Tag führt von St. Vigil durchs Fanestal und über den Passo Porsporcora und Pocol schließlich zum Rifugio Croda da Lago. Am zweiten Tag geht es den herrlichen Trail zur Forcella Ambrizzola hinauf, über Supertrails nach Alleghe und weiter nach Arabba. Übernachtung im Rifugio Viel del Pan (Bindelweg). Am dritten Tag warten noch die berühmten Spots Pralongià und Armentarola.


Startpunkt St. Vigil in Enneberg. Die Tour startet an der Pederü-Hütte. (Weg dorthin ausgeschildert)
Infos GPS-Daten gibt es von dieser Tour leider nicht, aber ein ziemlich genaues Roadbook, mit dem sich die Route leicht in die Karte übertragen lässt. Infos: www.bike-magazin.de, Webcode #570

  Forcella AmbrizzolaFoto: Jörg Reuther
Forcella Ambrizzola


8. BINDELWEG-PANORAMA
30,4 km I 1395 hm | Schwierigkeit: mittelschwer

Der Bindelweg gehört zu den absoluten Touren-Klassikern – allerdings nicht nur bei Bikern, sondern auch bei Wanderern. Am besten daher nicht am Wochenende fahren. Für die Trail-Variante der Tour steigt man in Arabba in den Lift zur Porta Vescovo hinauf. Dann über das Rifugio Padon hinauf und zum Col d’Ornella hinunter. Am Wegesrand informieren Schilder über das Kriegsgeschehen.


Startpunkt Seilbahnparkplatz Arabba
Infos Die GPS-Daten der Tour gibt’s unter www.trails.de


9. MONTE SPINA: Trails am Helm
24,4 km I 1355 hm | Schwierigkeit: mittelschwer

Der Monte Spina ist ein kahler Bergrücken, der bei Sexten gen Süden verläuft. Er markiert das östliche Ende der Dolomiten und wirkt auf den ersten Blick unscheinbar. Klettert man aber von Sexten den langen Anstieg zur Sillianer Hütte hinauf, blickt man in die ganze Pracht der Sextener Dolomiten und folgt einem Trail bergab, der in die grünen Wiesen hineingemalt scheint. Dabei entdeckt man auf dem ganzen Weg immer wieder Stellungsreste aus dem Krieg. Von der Klammbachhütte folgt man flüssig zu fahrenden Karrenwegen schließlich bergab.


Startpunkt Sexten im Pustertal
Infos Die Touren-Beschreibung samt GPS-Daten gibt es im Buch Dynamite-Trails www.dynamite-trails.de. Infos: www.trails.de


10. SEXTENER "DOLOS": Strudelkopf
48,7 km I 1367 hm | Schwierigkeit: mittelschwer

Die Tour führt von Niederdorf über die ehemals heiß umkämpfte Plätzwiese zur Dürrensteinhütte hinauf (super Küche!). Von dort klettert man – am besten zu Fuß – auf ruppigem Schotter zum Strudelkopf hinauf, um sich vor prächtiger Bergkulisse (Cristallo, Drei Zinnen, Hohe Gaisl) die alten Forts anzusehen. Mittelschwere Tour auf einfach zu fahrenden Schotterstraßen. Nur von der Dürrensteinhütte zum Strudelkopf hinauf ist der Weg steil und ruppig.


Startpunkt Niederdorf oder Toblach
Infos Die Touren-Beschreibung der Plätzwiese-Mountainbike-Tour samt GPS-Daten gibt’s unter www.bikeandhike.de

  Strudelkopf - DürrensteinhütteFoto: Veranstalter
Strudelkopf - Dürrensteinhütte
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