Als die Premieren-Teilnehmer im Sommer 1995 oben auf dem Gletscher des Pic Blanc standen, hatten sie noch keine Ahnung, wie es sich gleich anfühlen wird, wenn sich 400 Downhill-Racer gleichzeitig abstoßen und über das Gletscher-Schneefeld schießen werden. Bremsen auf oder lieber doch nicht? Fuß raus und Gewicht nach vorne - oder besser nach hinten? Klar war nur: Das sulzige Schneefeld muss man so schnell wie möglich hinter sich lassen, damit man dahinter als einer der Ersten ins Geröllfeld wechseln und danach in den Singletrail einfädeln kann. Überholen würde danach deutlich schwieriger werden. Doch leichter gesagt, als getan.
Die unzähligen Videoclips zu den Mégavalanche-Starts sind extrem unterhaltsam: Selbst stabil wirkende Profifahrer werden da von wegrutschenden Hintermännern aus dem Sattel geholt. Verliert einer die Kontrolle über sein Bike, reißt er sein nahes Umfeld definitiv mit. Bilder, bei welchen man kaum glauben kann, dass es bei diesem Kult-Rennen von Alpe d’Huez bisher wirklich “nur” zu Knochenbrüchen gekommen sein soll.
Die erste Mégavalanche 1995 gewann der Franzose François Dola. In den nächsten beiden Jahren stellte sich bereits sein Landsmann Fabrice Taillefer geschickter an. Insgesamt sechs Mal konnte der Schweizer René Wildhaber das Rennen gewinnen und hält damit noch immer den Rekord, bevor sich ab 2009 Rémy Absalon fünf Mal die Krone aufsetzen durfte.
In nun mehr 30 Jahren (2020 fiel wegen Corona aus) kamen die Sieger bei den Männern immer aus der Schweiz oder aus Frankreich. Nur ein einziges Mal war ein Portugiese schneller: 2019 gewann Jose Borges. Den Streckenrekord hält aber immer noch der Franzose Jérôme Clementz mit seinem Super-Run von 2013: Er brauchte für die 21 Kilometer lange Abfahrt inklusive Gegenanstiege: 38 Minuten und 43 Sekunden.
In der Frauen-Wertung dominierte lange Zeit die Französin Anne-Caroline Chausson, 2019 konnte aber auch unsere deutsche Enduro-Queen Ines Thoma gewinnen und in diesem Jahr Raphaela Richter. Mussten sich die Frauen anfangs noch unter das Hauptfeld mischen, bekommen sie heute einen eigenen Startslot nach den Männern. Das hat unter anderem den Vorteil, dass das Schneefeld im oberen Bereich dann schon etwas angetaut ist und mögliche Stürze nicht ganz so weh tun.
Bis heute nehmen jedes Jahr 1500 bis 2000 Biker in Alpe d’Huez am Downhill-Marathon teil. Die Quali-Läufe ziehen sich über mehrere Tage, bevor zum Finaltag nur noch die Besten antreten und in mehreren Blöcken starten. Auch eine Kids-Wertung (MEGA Kid) und eine E-MTB-Kategorie wurden mittlerweile eingeführt.
Nächster Renntermin: 9.-11. Juli 2027. Info: alpedhuez.com
Man kann die Strecke auch nur mal so zum Spaß abfahren. So spürt man auch gleich, dass es sich eigentlich gar nicht um einen reinen Downhillspaß handelt, sondern viel mehr um eine Enduro-Strecke mit zwei ordentlichen Gegenanstiegen. Letztere ziehen sich vor allem, weil man auf der Strecke Integralhelm und einiges an Schutzmontur trägt:
Die Pic-Blanc-Seilbahn shuttelt zum Startpunkt an der Bergstation auf 3330 Metern und endet in Allemond auf 700 Metern Höhe. Die Länge des Schnee-Abschnitts hängt von der Schmelze des Sarenne-Gletschers ab, misst aber zwischen drei und vier Kilometer. Im unteren Bereich kommen immer wieder weglose Geröllhänge zum Vorschein, dann wieder vereinzelte Schneefelder, bis schließlich eindeutig ein Trail übernimmt, der die Almwiesen-Hänge schneidet.
Teilweise drehen die Kurven in den Steilhängen sehr nahe dem Abgrund. Nach sehr felsig-ruppigem Untergrund, geht es auch mal flowig dahin, mit kurzen, wellenartigen Gegenanstiegen, die bereits Körner kosten. Auf dem Hochplateau von Alpe d’Huez muss man dagegen auf einem Flachstück richtig kurbeln und anschließend eine kurze, fiese Rampe auf eine gegenüberliegende Anhöhe hochdrücken.
Die härteste Uphill-Prüfung wartet jedoch bei Km 15. Hier geht’s gleich mehrere Hundert Meter eine Schotterstraße hinauf. Beim Rennen trennt sich hier oft die Spreu vom Weizen. Ohne Stoppuhr im Nacken, kann man die Höhenmeter aber natürlich im Granny-Gang locker abkreiseln.
Fahrtechnisch sollte man sich auf groben, geröllhaltigen Trails sicher fühlen. Unterhalb der Baumgrenze kommen Wurzeln und enge Kehren im Steilhang dazu.
Die GPS-Tracks dazu findet man auf den gängigen Tourenportalen von Komoot und Trailforks.

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