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MTB-Durchquerungen: Touren abseits der Alpen

Die schönsten Transalp-Alternativen für Mountainbiker

Gitta Beimfohr am 22.03.2018

Wer schon öfter die Alpen per Bike überquert hat, dürfte genügend Erfahrung gesammelt haben. Nur Mut für einen Kulissenwechsel! Wir haben vier MTB-Routen mit neuen Herausforderungen aufgespürt.

Trans-Pirenaica: Die Grenz-Tour zwischen Spanien und Frankreich – der grobe Klassiker

Vom Mittelmeer zum Atlantik, statt vom Tegernsee zum Gardasee – das klingt schon mal viel abenteuerlicher, und ist es auch. Die Pyrenäen sind der natürliche Grenzzaun zwischen Frankreich und Spanien und ziehen sich 430 Kilometer lang von Ost nach West. Allerdings Luftlinie. Mit dem Bike kommen auf den kurvenreichen, steinigen und hochalpinen Wegen am Ende 800–1000 Kilometer zusammen. Auch die Höhenmeter fühlen sich in den Pyrenäen anders an. Wer schon mal die Westalpen überquert hat, weiß, wovon die Rede ist. Auch hier traversiert man den über 3000 Meter hohen Hauptkamm nicht einfach, man folgt ihm. Die Wege klettern also meist durch hochalpines Gelände und sind oft steil, grobschottrig und ausgesetzt. Die Landschaft: großartig, aber auch einsam. Mit Wetterumschwüngen ist stündlich zu rechnen, mit Schutzhütten, Einkehrstationen und Handy-Empfang eher nicht. Eine detaillierte Routenplanung und alpine Erfahrung sind daher Grundvoraussetzungen, wenn Sie sich auf dieses Pyrenäen-Abenteuer einlassen. Auch Französisch- und Spanisch-Sprachkenntnisse sind von Vorteil, vor allem, wenn Sie unterwegs mal nach dem Weg fragen oder einen Notfall erklären müssen. 14 Tage sollte man für die Tour mindestens einplanen. Das entspricht einem durchschnittlichen Tagespensum von knapp 70 Kilometern und 2000 Höhenmetern – danach tun ein bis zwei Entspannungstage am Strand sicher gut. Deutlich entschärfen lässt sich die Tour mit einer Buchung beim Veranstalter. Der transportiert das Gepäck, bucht die Unterkünfte, besorgt Sondergenehmigungen für die Nationalparks und verkürzt die Strecke mit Busshuttle.

Die beste Route
Durch die Pyrenäen gibt es bei Weitem nicht so viele Streckenangebote wie über die Alpen. Man findet aber GPS-Daten in den gängigen Touren-Portalen. Eine sehr gut ausgearbeitete Route mit lohnenden Singletrail-Abschnitten, Unterkunftsliste und guten Tipps für unterwegs verrät das Buch: "Pyrenäen-Cross" von Birgit Wenzel und Frank Hartl, Infos: www.editorial-montana.de  – Diese Route misst knapp 1000 km/27000 hm und hat 14 Tagesetappen.

Beste Touren-Zeit
Vor Juni braucht man auch in den Zentral­­pyrenäen nicht auf schneefreie Pässe hoffen. Juli, August und September sind ideal, auch wenn es gerade auf der spanischen Seite sehr heiß werden kann (Achtung: Wetterumschwünge!).

Unterkünfte & Essen
Bewirtschaftete Hütten gibt es praktisch nicht, aber kleine Pensionen, Cafés und Tante-Emma-Läden auch in den Bergdörfern. ÜF: 35–50 Euro.

An- und Rückreise
Hinflug nach Perpignan und Girona, Rückflug von San Sebastian. Auch Zugverbindungen sind möglich. Infos: www.bahn.de

Veranstalter
Verkürzte Routen mit Bustransfers, Guide und Gepäcktransport bieten: www.mountainbikereisen.ch, www.dav-summit-club.de, www.almeria-bike-tours.de

Trans Pirenaica Pyrenäen MTB-Tour

Trans-Pirenaica: Ein Pyrenäen-Cross kann eine sportliche Alternative zu einer MTB-Transalp sein. Dann heißt es statt Tegernsee-Gardasee eben vom Mittelmeer zum Atlantik.


Trans-Dinarica: Durch wildes Karstgebirge und acht Länder, hoch über der Adria

Die Via Dinarica zählt 2017 zu den zehn besten Reisezielen weltweit, findet die National Geographic Traveler. Der 2000 Kilometer lange Wanderweg führt durch die weißen, karstigen Felsen des Dinarischen Gebirges und durchquert dabei acht Balkanländer von West nach Ost: Slowenien, Kroatien, Bosnien und Herzigowina, Serbien, Montenegro, Albanien, Kosovo und Mazedonien. Im Mai 2018 soll nun auch eine entsprechende Route für Mountainbiker eröffnet werden: die Trans-Dinarica. Bis dahin werden zwar erst zwei Länder mit der Streckenführung fertig sein, aber als Touren-Stoff sollte das erst mal reichen, denn jedes Land wartet mit mindestens sieben Tagesetappen auf.

Am bekanntesten wird einigen Alpenüberquerern der Abschnitt durch Slowenien sein. Trans-Slovenia 1 startet in Kranjska Gora, folgt dem karibikblauen Wasser der Soca und übergibt den Staffelstab im Küstenort Piran an Kroatien. Die Kroaten arbeiten derzeit noch an der Strecke, werden aber die Richtung gen Velebitgebirge einschlagen. Das Küstengebirge thront direkt über der Adria, für Trails mit Meerblick ist also für viele Kilometer gesorgt und am Ende schließt die Trans-Kroatien-Route bei Biograd na Moru mit einem Bad im Meer. Die Trans-Bosnien-Herzigowina klettert wieder hinauf in die karstigen Berge. Am Blidinje-See vorbei und über die berühmte Brücke von Mostar. Zurückkehrende Wanderer von der Via Dinarica erzählen bereits von einer Tour durch einsame, faszinierende Gebirgslandschaften. Was sie aber besonders begeistert habe, seien die extrem freundlichen Menschen und das einfache, sonnengereifte Essen.

Die Route
Es wird noch ein paar Jahre dauern, bis alle acht Länder ihre Route fertig skizziert und zusammengeknüpft haben. Definitiv fertig bis zur Eröffnung im Mai 2018 sind:
• Slowenien: (385 km/10100 hm/7 Etappen)
• Bosnien und Herzigowina: (308 km/8800 hm/7 Etappen)
• Kroatien wird sich im Laufe des Sommers 2018 anschließen.
Infos zur Route, samt Unterkunftsadressen und GPS-Daten: www.transdinarica.com

Unterkünfte
Von privaten Bed & Breakfast-Häusern mit Gemüsegarten bis zum Drei-Sterne-Hotel in größeren Orten gibt’s entlang der Route alles.

Gepäcktransport / Rücktransfer
Jedes Land hat seine eigene Organisation und bietet sowohl Touren-Guides, als auch Gepäcktransport und Rücktransfer zum Touren-Ausgangspunkt an. Auch, wenn Sie auf eigene Faust mit GPS-Daten unterwegs sind.
Infos: Good Place, slovenia@transdinarica.com; VMD Adventure Travel, croatia@transdinarica.com; Green Visions, bosnia@transdinarica.com

Beste Touren-Zeit
Nach der Routeneröffnung im Mai 2018 bis Ende Oktober. Im Hochsommer wird es im küstennahen Gebirge sehr heiß. In Frühjahr und Herbst können die typischen Winde mit plötzlichen Sturmböen für Regengüsse sorgen.

Trans Dinarica MTB Tour Slowenien Kroatien

Trans-Dinarica: Die MTB-Route durchquert acht Balkanländer. Er wurde im Mai 2018 eröffnet, die Strecke durch Slowenien und Bosnien und Herzigowina ist bereits fertig. 


Jordan Bike Trail: Wadi-Trip – nicht zum höchsten, aber zum tiefsten Punkt der Erde

Seit Jahrtausenden führt diese alte Handelsroute durchs Königreich Jordanien: 700 Kilometer von Um Quais im Norden des Landes, bis nach Aqaba am Roten Meer. Vor einigen Jahren wurde der Weg für Wanderer wieder ausgegraben und nun eine Variante dazu auch für Biker ausgewiesen. Ein spezielles Gebirge wird dabei nicht überquert. Jordaniens Landschaft ist vielmehr zerfurcht von Jordan-Graben und typischen Wadis, ausgetrockneten Flusstälern, die nur zu Regenzeiten Wasser führen. Für Biker bedeutet das ein ständiges, oft auch steiles Auf und Ab durch quer verlaufende Talfurchen und über staubtrockene Hochebenen.

Streckenfinder Matt Loveland hat den Jordan Bike Trail mit insgesamt 20549 Höhenmetern in 15 Etappen eingeteilt. Wer nur eine Woche Zeit hat, kann auch einzelne Abschnitte auswählen, die sich landschaftlich und kulturell unterscheiden. Der nördliche Abschnitt führt durch eine relativ grüne Hügellandschaft mit Pinien- und Olivenhainen an der Hauptstadt Amman vorbei und schließlich unter Meereshöhe bis nah ans Tote Meer. Im zentralen Abschnitt warten die zerklüfteten Canyon-Landschaften von Dana mit längeren Anstiegen von bis zu 1250 Höhenmetern am Stück. Der dritte Teil steuert an der berühmten Felsenstadt Petra vorbei, durch die Wüstenlandschaft des Wadi Rum und endet schließlich am Roten Meer, direkt am Badestrand von Aqaba. Mit GPS kann man die Tour jederzeit allein in Angriff nehmen. Doch gerade im Süden werden die Unterkünfte und Wasserstellen rar. Da hat ein Guide natürlich deutlich schneller ein Beduinen-Zelt organisiert. Beste Reisezeit: Frühjahr und Herbst.

Der Jordan Bike Trail
Der Brite Matt Loveland hat acht Jahre selbst in Jordanien gelebt und zusammen mit Outdoor-begeisterten Locals den Jordan Bike Trail zum Leben erweckt. Auf der sehr strukturierten Internetseite ist jedes Detail der Strecke samt Höhenprofil, Karte und GPS-Daten beschrieben.

Die Tour in Zahlen:
• Abschnitt Nord: 229 km/8069 hm
• Abschnitt Zentral: 246 km/7428 hm
• Abschnitt Süd: 255 km/5052 hm
Gesamt: 700 km/20549 hm/15 Etappen

Die Tour führt hauptsächlich über Pisten und Sandpfade. Bergauf muss man das Bike in steilen Anstiegen auch mal schieben, fahrtechnisch warten aber keine großen Herausforderungen. Alle Infos: www.jordanbiketrail.com

Auf eigene Faust oder geführt?
Die ersten zwei Abschnitte sind ohne Guide kein Problem. Man durchquert genügend Orte mit Unterkünften, Wasser und Verpflegung. Wichtig ist nur, dass Sie sich im Notfall auch in der Wüstenhitze bei über 40 Grad zu helfen wissen. Eine geführte Tour beinhaltet auch Gepäcktransport, Begleitfahrzeug und Rücktransfer.

Sicherheit
Im Königreich Jordanien herrscht seit 30 Jahren Frieden. Allerdings sind die Grenzen zu Syrien und zum Irak militärisches Sperrgebiet. Die Etap­pen-Tour hält sich aber fern von diesen Grenz-gebieten. Infos: www.auswaertiges-amt.de

Jordan Bike Trail Wadi Trip MTB-Tour

Jordan Bike Trail: Die MTB-Route durch Jordanien umfasst 20549 Höhenmeter in 15 Etappen. Doch sie ist in drei Teile aufgeteilt, die man auch einzeln nachfahren kann.


Coast to Coast: Einmal wie Braveheart die schottischen Highlands bezwingen

Die schottische Antwort auf "Transalp" heißt "Coast to Coast". Unter diesem Synonym findet man im Internet mittlerweile diverse Routen durch die berühmten schottischen Highlands. Einige dieser Strecken nehmen es wörtlich und starten auf der Höhe von Aberdeen an der Nordseeküste, um dann fünf oder sechs Tage später bei Inverness die Atlantikküste zu erreichen.

Andere beginnen unten in Glasgow und schlagen sich gen Norden durch. Am höchsten Gipfel des Landes (Ben Nevis, 1345 m) vorbei und weiter bis nach Inverness. Wie in den Alpen auch, hat man hier die Wahl: leichte Routen auf Schotter und Flowtrails oder lieber anspruchsvoll und unterwegs keinen Natur-Trail auslassen. Und auch wenn die Highlands den Alpen höhenmäßig nicht das Wasser reichen können – ihre Natur-Trails fühlen sich definitiv hochalpin an. Grobes Geröll, Felsplatten, Wasserablaufrinnen, Flussbettquerungen, aber auch baumloses Superpanorama über grüne Berge, Seen und Felswände. Eine Kulisse eben, in der nicht zufällig seit vielen Jahren Heldenfilme gedreht werden. Höhenmeter werden in Schottland übrigens oft nicht gemessen und angegeben. Nicht, weil es keine spürbaren Anstiege gäbe. Gerade auf einer Coast-to-Coast-Tour sammeln sich durchaus höhere, vierstellige Höhenmeter an. Doch sie sind nichts dagegen, wenn Wind und Wetter ihre Schwerter ziehen. Und wer das Land von Ost nach West überquert, wird jeden Tag mit Gegenwind zu kämpfen haben. Aber das gehört zur schottischen Tour eben dazu – so, wie die nassen Füße und das wieder durchwärmende Glas Whisky am Abend.

Highland-Überquerung mit dem MTB
Die Highlands zu durchqueren ohne dabei auch nur einen einzigen Tropfen Regen abzubekommen, ist möglich – statistisch gesehen aber eher selten. Neben guter Regenbekleidung muss daher bei jeder ambitionierten Tour auch immer ein Plan B für die Streckenführung her. Eine komplette Überquerung hat zwischen 300 und 350 Kilometer und 5000 bis 8000 Höhenmeter. Beste Touren-Zeit: Ende April bis September.

Unterkünfte
In jedem kleinen Ort in Schottland findet man mindestens ein liebevoll geführtes Bed & Breakfast. Buchbar auch über z. B. booking.com

Coast to Coast als Rennen
Anfang September findet das Rat Race Coast to Coast statt. Von Fort William Richtung Nordosten bis Nairn. Die GPS Daten der Strecke mit bis zu 158 km/2854 hm (2 Etappen) gibt’s hier: www.ratrace.com

Geführte Touren
• Coast-to-Coast-Route von Aberdeen nach Inverness: 350 km/6 Etappen, Preis inkl. Guide, HP, zwei Dinner und Gepäcktransport: 1794 Euro, Infos: www.wildernessscotland.com
• Von Glasgow nach Inverness (280 km/5000 hm/5 Etappen). Über Fort Williams am Ben Nevis, Devil’s Staircase und Loch Ness bis nach Inverness. Preis inklusive Guide, ÜF, Gepäcktransport und Rücktransfer:1398 Euro. Infos: www.fahrtwind.de

Coast to Coast MTB Tour Schottland

Eine Highland-Überquerung in Schottland: Unter dem Begriff „Coast to Coast“ gibt es verschiedene MTB-Routen von der Nordseeküste zur Atlantikküste. Das schafft man in 5-6 Tagen.


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Gitta Beimfohr am 22.03.2018