Gitta Beimfohr
· 06.08.2026
Mal kurz überlegen, wie man als Hobbybiker eine Transeuropa-Route von Norwegen nach Griechenland angehen würde: 4695 Kilometer und mehr als 30.000 Höhenmeter? Also erstmal Urlaub für ein halbes Jahr einreichen. Mindestens. Dann bräuchte man natürlich viel Gepäckraum, denn die Tour soll ja ein Selbstversorger-Abenteuer werden: Zelt, Schlafsack, Geschirr, Werkzeug, warme Sachen für den hohen Norden, Regensachen...
Um es kurz zu machen: Der diesjährige Trans Continental Sieger Robin Gemperle hatte nur eine 7-Liter-Rahmentasche dabei. Darin haben zwar weder Zelt noch Schlafsack Platz, aber doch überraschend viele Teile, die Gemperle jedes Gramm wert waren. Nach dem Rennen packt der Schweizer seine Prototypen-Reisetasche vor der Instagram-Kamera aus.
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Hunderte Ultra-Racer aus aller Welt melden sich jedes Jahr zum “TCR” an. Jedes Jahr auf einer neuen Route, jedes Jahr als Selbstversorger. Auch dieses Jahr legten am 19. Juli in Trondheim 422 Starter ab. Sie müssen bestimmte Fixpunkte ansteuern, dürfen die Route dazwischen aber selbst bestimmen. Schlafplätze, Verpflegung - alles in Eigenregie. Warum ich das im Präsens schreibe? Weil die meisten Racer des Rennens noch einige Tage unterwegs sein werden.
Als der Sieger Robin Gemperle am 30. Juli die Ziellinie in Kalamata, im Süden der griechischen Halbinsel Peloponnes überfuhr, kämpfte das hintere Rennfeld noch mit skandinavischem Gegenwind. Stand heute, 6. August, Racetag Nr. 18, haben inzwischen 128 Racer:innen das Ziel erreicht, 170 Racer haben bereits aufgegeben (40 Prozent), 124 sind noch unterwegs. Dank GPS-Tracker kann man sie in einer interaktiven Karte verfolgen auf ihrem Weg durch Deutschland, Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn und über den Balkan weiter durch Albanien, Nordmazedonien bis nach Kalamata.
Auf dieser Route muss man nicht nur fit und klimaresistent sein, sondern auch ein gewisses Organisationstalent aufbringen. Schließlich gilt es auch einige Fährverbindungen taktisch klug in die Routen- und Etappenplanung miteinzuflechten. Der derzeit letzte, noch kämpfende, Racer hat gerade die Slowakische Grenze überquert und noch geschätzte 2655 Kilometer bis zum Ziel vor sich. Wobei der vielleicht gar nicht kämpft, sondern vielmehr genießt. Das nämlich war ursprünglich die Idee des Trans Continental Races: Zeitnahme ja, aber primär sollten die Teilnehmer ein Abenteuer erfahren. Europas unterschiedliche Landschaften und Mentalitäten kennenlernen, mit ihren Bewohnern in Kontakt kommen. Einige Teilnehmer bemängeln den zunehmenden, professionellen Race-Charakter bereits.
Unwahrscheinlich, dass Gemperle während seiner abgespulten 450 Kilometer pro Tag mit irgendjemandem ins Gespräch gekommen ist. Ohne Schlafsack und Isomatte im Gepäck hatte er vermutlich auch nicht besonders viel Schlaf eingeplant. Tatsächlich betrug seine reine Fahrzeit auch nur 8 Tage, 2 Stunden und 49 Minuten. Der Rest (ca. 50 Stunden) war Stand-, Pausen- und vermutlich auch Fährzeit.
Die schnellste Frau war in diesem Jahr wieder Sarah Bosslet. Die Deutsche gewann das TCR ebenfalls bereits 2024. Dieses Jahr führte sie die neu eingeführte FLINTA-Wertung an und erreichte das Ziel in Kalamata nach 12 Tagen, 11 Stunden und 1 Minute.
Alle Infos samt interaktiver Karte mit allen noch racenden Teilnehmern gibt’s auf dotwatcher.cc

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