Bikepacking TürkeiTaurus Mountain Race im Oktober

Gitta Beimfohr

 · 21.09.2026

Im westlichen Taurus gibt es auf halber Höhe noch Wildpferde.
Foto: Getty Images/Aylin Mercan
Am 14. Oktober startet das erste große Bikepacking-Ultrarace durch die Türkei. 1460 Kilometer von Antalya nach Mersin, durch eines der unwegsamsten und einsamsten Gebirge Europas. Ein Rennen, zu dem die internationale Ultradistance-Elite erwartet wird.

Man muss schnell sein, wenn der Brite Nelson Trees eine Route entdeckt und sie zu einer brandneuen “The Mountain Race”-Rennstrecke deklariert. Bis zum 16. Januar 2026 hätte man seine Bewerbung für die Premiere des Ultra-Bikepacking-Rennens durch das türkische Taurusgebirge abgeben müssen, um in den Lostopf für die 150 Startplätze zu kommen. Allerdings war es in diesem Fall wirklich schwer, denn bei einer solch exotischen Route merkt die Ultra-Elite weltweit auf.

Das Taurusgebirge gilt als sehr wenig erschlossen, einsam und unwegsam. Nelson Trees meinte schon nach dem Scouting, dass man hier besser mit dem Mountainbike und viel Profil antritt. Dünne Gravelreifen hätten nur auf den wenigen Überführungsabschnitten Vorteile, und wegen ihres geringeren Gewichts eventuell noch in den Tragepassagen. Ansonsten brauche man in diesem extrem groben Gelände Reifen, die zupacken können. Mit Beschaffung von Ersatzmaterial dürfte es auf dieser Route tatsächlich schwierig werden.

Schildkröten, Schlangen und Wildpferde

Würde man von der türkischen Touristenhochburg Antalya auf der Mittelmeer-Küstenstraße nach Mersin rollen, wären das 480 Kilometer, doch die Rennstrecken von “The Mountain Race” - wie Silkroad, Atlas und Hellenic - nehmen ja bekanntlich nie den direkten Weg zum Ziel. Bei diesem Format für Ultradistanz-Racer geht es darum, einsame Bergwelten zu entdecken und darin komplett ohne Support klar zu kommen. Als Einzelfahrer oder im Zweier-Team. So zweigt auch diese neue Route so schnell es geht von der Zivilisation der türkischen Mittelmeerküste ins westliche Taurusgebirge ab.

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Über 3000 Meter türmen sich hier die Bergketten. Anfangs noch mit Wäldern im Tal, Hochtälern mit Wildpferden, doch je weiter man ins Gebirge vordringt, desto schroffer, staubiger und steiniger wird die Kulisse. Salamander, Schildkröten und Skorpione sonnen sich hier auf den Felsen, aber auch die giftige Berberotter, die man nachts nicht im Schlafsack haben möchte. Von in den Felsen kletternden Wildziegen ist die Rede, aber auch von Wölfen und Schakalen. Insofern ist es vielleicht gar nicht schlecht, wenn bei der Erstausgabe des Rennens erstmal die Survival-Profis an den Start gehen.

Favoriten am Start: Carson und Gemperle

Cynthia Carson ist bereits gemeldet. Die US-Amerikanerin ist derzeit eine der stärksten Ultra-Fahrerinnen der Welt. Sie gewann dieses Jahr bereits das Atlas Mountain Race und das Hellenic Mountain Race und schielt mit dem Taurus-Rennen auf den Gesamtsieg der Serie. So auch der Schweizer Robin Gemperle, der dieses Jahr bereits Atlas- und Silkroad-Titel in der Tasche hat.

Alle anderen Startplätze sind ebenfalls längst vergeben. Allerdings werden die Namen der Teilnehmer erst kurz vor dem Rennen veröffentlicht. Dann kann man sie dank Racetracker auch wieder interaktiv in der Karte verfolgen. Wer mit dem Gedanken spielt, sich für das nächste Taurus Mountain Race zu bewerben - das ist das Prozedere:

Das Rennen führt durch extrem abgelegenes Gelände. Jeder Teilnehmer muss wissen, wie er sich im Notfall selbst helfen kann. Der Anmeldung ist daher ein Bewerbungsverfahren vorgeschaltet. Es zählen:

  • Bikepacking-Erfahrung und Selbsteinschätzung: Der Veranstalter stellt den Bewerbern detaillierte Fragen zu den bisher gemachten Touren.
  • Race Manual Quiz: Es gibt ein offizielles “Race Manual” (Renn-Handbuch) mit den strengen Regeln für Sicherheit und Fairness. Das gilt es intensiv zu studieren, denn im Bewerbungsprozess sind Kontrollfragen eingebaut.
  • Auslosung: Nach erfolgreicher Qualifikationsprüfung entscheidet schließlich das Los über die 100 bis 150 Startplätze, die bei einem Premieren-Rennen zur Verfügung stehen.

Die strengen Regeln während des Rennens

Das Rennen folgt dem strikten Code of Compliance für Unsupported-Rennen:

  • Route & Checkpoints: Man erhält die GPX-Route vom Veranstalter und muss dieser Strecke exakt folgen. Unterwegs gibt es drei bemannte Checkpoints, wo man seine Kontrollkarte (Brevet Card) abstempeln lassen muss.
  • Keine Hilfe von Dritten: Jeglicher Support durch ein eigenes Team, Familie oder private Unterkünfte ist verboten. Verpflegung, Wasser und Ausrüstung darf man mitführen und bei jedermann zugänglichen Betrieben (Geschäfte, Hotels) erwerben.
  • Kein Windschattenfahren: Das Fahren im Windschatten ist den Teilnehmern untersagt – außer für die gemeldeten Zweier-Teams.
  • Reine Muskelkraft: Jede Fortbewegung entlang der Strecke muss komplett aus eigener Kraft erfolgen.
  • Leave No Trace: Es darf kein Müll hinterlassen werden und die Natur ist zu respektieren.
  • Sponsoring-Gebühr: 60 Euro fallen extra an, wenn ein Teilnehmer offizielle Sponsoren hat und die während des Rennens auf Social Media taggen oder bewerben möchte.

Infos zum Taurus Mountain Race 2026

  • Strecke: von Antalya nach Mersin
  • Länge: 1460 Kilometer
  • Bergauf: 36.000 Höhenmeter
  • Start: 14. Oktober 2026, 9 Uhr
  • Startgebühr: ca. 420 Euro
  • Startplatz-Bewerbung an: themountainraces.eventrac.co.uk, race@silkroadmountainrace.cc
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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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