Taurus Mountain Race 2026250 Racer kneten bei Antalya durch biblischen Schlamm

Gitta Beimfohr

 · 15.10.2026

Taurus Mountain Race 2026: 250 Racer kneten bei Antalya durch biblischen Schlamm

Die noch völlig unbekannte Rennstrecke im türkischen Taurusgebirge. Die 250 Bikepacker des Taurus Mountain Races knabbern gerade daran. | Foto: dotwatcher.cc / Livetracking

​Es ist DIE Gelegenheit, einen noch völlig weißen Fleck auf der Mountainbike-Landkarte live mitzuerleben: Das Taurus Mountain Race im Liveticker. Das Bikepacking-Rennen ist gestern im türkischen Antalya gestartet und zieht nun bis auf 3000 Meter Höhe ins nahezu unbekannte Taurusgebirge hinauf. Derzeit unter den Führenden bei den Frauen: Marei Moldenhauer aus Freiburg.

​Türkische Mittelmeerküste am 14. Oktober: Wer rechnet da nicht mit blauem Himmel und sonnigen Temperaturen. Man hätte es den Bikepacking-Racern bei ihrer Pionierfahrt durchs türkische Taurusgebirge jedenfalls gewünscht. Schließlich haben sie für die kommenden Tage 1440 Kilometer und 35.000 Höhenmeter durch ein für alle Teilnehmer völlig unbekanntes Terrain vor der Gabel.

Die Schaltwerke verkleben reihenweise

Bekommen haben die fast 250 Starter stattdessen am gestrigen Mittwoch in Antalya: sintflutartigen Regen, der bis Mitternacht anhalten sollte. Die Wassermengen von oben waren schon heftig, doch es kam schlimmer: Kurz hinter dem Küstenferienort Antalya verließ die Route bereits die Asphaltstraße und bog auf die Offroadpiste ab. Die bange Frage, ob sich der Boden in diesen, für Radfahrer noch unbekannten, Bergen bei Regen wohl in Erdnussbutter-Paste verwandeln würde, wurde also nach wenigen Kilometern beantwortet: Ja, tut er. Und zwar massiv.

Reihenweise verklebten die Schaltwerke. Jede etwas flüssigere Pfütze wurde genutzt, um den Schmodder aus den Schaltröllchen, Zahnkränzen und Reifenprofilen zu spülen. Schließlich ging's gleich zu Beginn von Meereshöhe stramme 1100 Höhenmeter hinauf. Die Aussicht vom ersten erkämpften Pass wäre wahrscheinlich großartig gewesen - wenn Regenwolken und Nebel das Panorama nicht vereitelt hätten.

Nach 232,7 Kilometern und 5600 Höhenmetern erreichten die schnellsten Fahrer gegen 23 Uhr völlig durchnässt, schlammverkrustet und frierend Checkpoint 1: ein Hostel mit Verpflegung und Schlafmöglichkeit. Ein Angebot, das normalerweise zu Beginn eines Bikepacking-Rennens kaum genutzt wird. Doch diesmal war auch der letzte überdachte Fußboden-Zentimeter schnell vergriffen. 113 Schlafsackrollen lagen da schnell dicht an dicht. Wer später kam, musste nach kurzer Verpflegung wieder in den Regen hinaus - die nächste Rampe vor der Nase.

Denn jetzt geht’s die nächste Stufe hinauf, die Route klettert nun weiter gen Osten, die 2000 Höhenmeter-Marke im Visier. Ganz vorn mit dabei ist der Deutsche Jochen Böhringer, der sich hinter den Führenden Benedek Borsos (Ungarn) und Justinas Levelka (Litauen) derzeit auf dritter Position hält. Bei den Frauen lag gestern lange Zeit Marei Moldenhauer aus Freiburg ganz vorn (gesamt Platz 23). Sie wurde inzwischen von der Französin Nathalie Baillon überholt, kann aber gut dranbleiben.

Wetteraussichten: Das nächste Gewitter rollt an

Der zweite Tag des Rennens begann für die Racer heute Morgen trocken und zögerlich sonnig, wenn auch noch etwas frisch. Wobei es noch bis zu 24 Grad warm werden soll. Die schlechte Nachricht: Vom Mittelmeer her rauscht gerade eine energiegeladene Gewitterwolke heran, die sich vermutlich in den nächsten Stunden wieder in den Bergen festsetzen wird. Auf 2000 Meter Höhe dürfte das für die schnellsten Fahrer der nächste Härtetest werden.

Bis auf über 3000 Meter Höhe wird das Rennen noch hinaufklettern und die Wetterdaten für die nächsten Tage sehen nicht gut aus.

Auf “Dotwatcher” kann man das Rennen dank Livetracker, Karte, Höhenprofil und Live-Kommentaren nahezu live mitverfolgen und erfährt so jede Menge über ein wirklich spannendes, europäisches Gebirge, das Biker und Touren-Veranstalter bisher noch gar nicht auf dem Radar hatten.

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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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