30 Jahre EurobikeBlick hinter die Kulissen: So funktioniert die Logistik hinter 40.000 Radtouren pro Jahr

Barbara Merz-Weigandt

 · 07.06.2026

Verena Sonnenberg und Thomas Schmid leiten die Geschäfte bei Eurofun Touristik. Seit 30 Jahren bietet der Veranstalter Aktivtouren in Europa an. Die Radreisen laufen unter der Marke Eurobike.
Foto: Eurofun GmbH
MYBIKE: Herr Schmid, Eurofun Touristik organisiert seit über 30 Jahren Radreisen in ganz Europa. Was macht eine gelungene Radreise aus Ihrer Sicht aus?

40.000 Radreisende, 9.000 Leihräder, 2.000 tägliche Transports – und trotzdem persönliche Betreuung: Eurofun-Geschäftsführer Thomas Schmid erklärt im exklusiven Interview, wie organisierte Radreisen in Europa wirklich funktionieren.

​Einfach aufs Rad steigen und losradeln – was für Gäste nach unbekümmertem Radurlaub aussieht, ist das Ergebnis eines ausgeklügelten logistischen Netzwerks. Eurofun Touristik organisiert seit über 30 Jahren Radreisen und Fahrradtouren quer durch Europa, von München bis Mallorca, von der Donau bis in die Toskana.

Im Interview gibt Geschäftsführer Thomas Schmid einen Blick hinter die Kulissen: Wie werden täglich bis zu 2.000 Gepäcktransporte koordiniert? Warum setzt der Veranstalter auf 12 eigene Außenstellen statt digitale Anonymität? Und wie schafft es Eurobike, bei knapp 40.000 Aktivurlaubern pro Saison den persönlichen Kontakt zu jedem einzelnen Gast zu halten?

„Persönliche Betreuung ist unser Alleinstellungsmerkmal"

Ein Gespräch mit Thomas Schmid, Geschäftsführer Eurofun Touristik über Radreisen, Logistik und die Philosophie hinter 30 Jahren Eurofun Touristik

Meistgelesene Artikel

1

2

3

4

5

Thomas Schmid: Eine gelungene Radreise bedeutet für unsere Gäste vor allem: Einfach aufsteigen und losradeln. Das Rad wartet bereits vor Ort, das Gepäck wird separat transportiert, und man kann sich voll und ganz auf das Erlebnis konzentrieren – die Landschaft genießen, ohne an organisatorische Details denken zu müssen. Diese scheinbare Leichtigkeit ist es, die unsere Gäste schätzen. Aber dahinter steckt natürlich ein enorm aufwändiges logistisches System.

Können Sie uns einen Einblick in diese Logistik geben? Welche Dimensionen hat das Ganze?

In einer Saison betreuen wir knapp 40.000 Aktivurlauber auf unseren Rad- und Wanderreisen. Allein über 9.000 Leihräder müssen zu ihren Einsatzorten gebracht werden. Täglich koordinieren wir bis zu 2.000 Gepäck- und Personentransfers in über 25 Destinationen. Über 75 Fahrzeuge sind im Einsatz, um Ausrüstung, Gepäck und Gäste zuverlässig von Ort zu Ort zu bringen. Das ist ein eng verzahntes Zusammenspiel zahlreicher Akteure, das wir sorgfältig dirigieren müssen.

Das klingt nach einer gewaltigen Herausforderung. Wie stellen Sie sicher, dass dieses komplexe System reibungslos funktioniert?

Der Schlüssel liegt in unserem Netzwerk von 12 Außenstellen in ganz Europa – zwischen München, der Donauregion, der Toskana und Mallorca. Diese Außenstellen ermöglichen eine direkte Präsenz in unseren touristischen Zielgebieten und sorgen für kurze Wege in der Organisation. Aber noch wichtiger: Es sind die Menschen vor Ort, die den Unterschied machen.

Inwiefern machen die Menschen den Unterschied?

Unsere Kolleginnen und Kollegen in den Außenstellen sind die Schnittstelle zwischen Planung und gelebtem Reiseerlebnis. Sie organisieren nicht nur, sondern können auch improvisieren, wenn es darauf ankommt. Jede Urlaubswoche bei einer Eurobike Originalreise startet mit einem persönlichen Infogespräch vor Ort. Die Gäste erhalten alle Unterlagen, eine Erklärung zur App, bekommen Tipps zum Streckenverlauf und können individuelle Fragen stellen. Bei Radreisen wird auch das Leihrad persönlich angepasst. Und auch während der Tour ist immer ein direkter Ansprechpartner telefonisch erreichbar.

Diese persönliche Betreuung scheint Ihnen sehr wichtig zu sein…

Absolut. Dieses aufwändige Modell bringt natürlich hohen logistischen und wirtschaftlichen Aufwand mit sich. Doch das ist für uns ein klar definiertes Alleinstellungsmerkmal: Wir wollen persönliche Betreuung vor Ort bieten, das ist ein zentraler Teil unserer Unternehmensphilosophie. In der Reisebranche ist dieses Modell zunehmend selten geworden – wir setzen auf technologisch unterstützte, aber menschlich getragene Prozesse.

Wie schulen Sie Ihre Mitarbeiter für diese anspruchsvollen Aufgaben?

Wir organisieren jährlich vor der Saison mehrtägige „Training Days" an unserem Stammsitz in Obertrum bei Salzburg. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden intensiv fachlich und persönlich eingeschult, erfahrene Außenstellenleiter geben ihr Wissen intern weiter. Aktuelle Änderungen werden besprochen, interne Abläufe gemeinsam reflektiert und verbessert. Nur wer die Zusammenhänge im Detail kennt, kann vor Ort flexibel reagieren – etwa bei kurzfristigen Änderungen oder unerwarteten Situationen wie Hochwasser oder Streckenumleitungen.

Welche Rolle spielt das Feedback Ihrer Gäste?

Eine sehr wichtige! Bei den persönlichen Informationsgesprächen oder Transfers kommen wir als Unternehmen ins direkte Gespräch mit unseren Gästen. Auf unseren Radtouren, bei denen die Radfahrer eigenständig unterwegs sind, schaffen wir so Vertrauen und geben Sicherheit. Die ungefilterten Rückmeldungen unserer Außenstellenteams sind ein wertvoller Feedback-Kanal für Kundenzufriedenheit und potenzielle Verbesserungen.

Stichwort Nachhaltigkeit – welche Rolle spielt das bei Ihren Radreisen?

Nachhaltigkeit rückt zunehmend in den Fokus. In den Außenstellen achten wir verstärkt darauf, Abläufe ressourcenschonend zu gestalten. Wir haben auch erste Schritte hin zur Umstellung auf E-Mobilität eingeleitet. Entlang der Donau sieht man beispielsweise bereits elektrisch betriebene Transporter mit den Logos von Eurobike Radreisen auf den Straßen.

Wenn Sie Ihre Radreisen in einem Satz zusammenfassen müssten?

Touristische Logistik auf höchstem Niveau, mit persönlicher Handschrift. Wir schaffen aus einfachen Urlaubstagen begeisternde und prägende Momente, die noch lange in Erinnerung bleiben.

Herr Schmid, vielen Dank für das Gespräch!

---

Das Interview führten wir im Juni 2026

Artikel teilen:
Barbara Merz-Weigandt

Barbara Merz-Weigandt

Chefredakteurin

Barbara Merz-Weigandt, Chefredakteurin von MYBIKE, dem Magazin für engagierte Alltags- und Reiseradler, lebt am Starnberger See. Ihre große Leidenschaft: das Reisen. Mit dem Tourenrad überquerte sie die Alpen – auf der Via Claudia Augusta, der Ciclovia München-Venezia und dem Alpe-Adria-Radweg. Mit Motorsegler und Rad erkundete sie die Inselwelt Kroatiens und die lykische Küste, alle Balearen und Kanaren hat sie mit dem Fahrrad bereist. Am liebsten ist sie mit dem Mountainbike auf den Trails in den Bayerischen Voralpen, den Dolomiten oder auf La Palma unterwegs.

Meistgelesen in der Rubrik Touren