Gitta Beimfohr
· 29.07.2026
Fragt man bei der Bergwacht nach, steckt hier genau das Problem: Viele Biker denken, die Touren- und Routenplanung funktioniert in den Alpen genauso wie im Flachland oder im Mittelgebirge. Alle nötigen Infos gibt’s im Netz und sind per Handy jederzeit abrufbar. Wer sich damit in die Alpen aufmacht, wird ziemlich schnell auf einen dieser vermeidbaren Fehler stoßen:
Wann startet der Deutsche in den Urlaub? Genau: am Samstag. Schuld daran ist seit Urzeiten der Bettenwechsel in den gebuchten Hotels. Auch geführte Transalp-Gruppen machen sich am liebsten am Samstag auf den Weg. Deshalb ist es für alle individuellen Alpenüberquerer eine gute Idee, an einem anderen Wochentag zu starten. Eine Verschiebung auf Freitag oder Sonntag reicht schon aus, um auf den typischen Transalp-Passagen nicht auf große Gruppen aufzufahren und in einen Trail-Stau zu geraten. Wer an einem Montag startet, findet auch auf den Hütten leichter einen Platz auf der Terrasse und vor allem in den Unterkünften. Denn in den Bergen gibt es keinen Bettenwechsel am Samstag!
Die erste Frage, die man als Alpenüberquerer abends in der Hütte gestellt bekommt: “Und, wohin fahrt ihr morgen weiter?” Gehören Sie dann bitte nicht zu der wachsenden Anzahl von Leuten, die dann antworten: “Keine Ahnung, wir fahren nach GPS”. Das ist nicht nur fahrlässig, sondern auch gefährlich. Es reicht nicht, eine fremde Tour aus dem Netz zu laden und dem Track blind hinterher zu fahren. Alpenüberquerer brauchen ein “Überblickswissen” von ihrer Route, um jederzeit auf Wetter, Unfälle oder Pannen reagieren zu können. Grundsätzlich sollte die Route immer auf Logik und bis kurz vor Start auf Wetter und Fahrbarkeit beobachtet und gecheckt werden. Gab es irgendwo ein Unwetter, das eine Mure ausgelöst und einen Trail-Abschnitt verschüttet hat? So erst kürzlich im beliebten Val d’Uina geschehen. Eine gute Infoquelle ist der Alpenverein. Zuhause am Rechner lässt sich die Route deutlich einfacher umplanen, als am kleinen Handy- oder Navi-Display. Vor allem, wenn damit auch eine Umbuchung der Unterkünfte verknüpft ist. Das Gute daran: Wer sich im Vorfeld so mit der Route beschäftigt, bekommt das nötige Überblickswissen im alpinen Raum automatisch dazu.
Alle haben auf den Tag hingefiebert, der eine muss noch schnell aufs Klo, der andere schraubt noch schnell was am Rad - am Starttag geht es immer hektisch zu, bevor sich der Tross endlich in Bewegung setzt. Da will man nicht derjenige sein, der nach einem Kilometer schon wieder “Stoooppp!” schreit, weil der Rucksack etwas schief sitzt. Doch, unbedingt! Kleine Zipperlein sollten sofort behoben werden, weil sie sich durch Schonhaltung sonst ganz schnell zu Verspannungen, Rücken- oder Knieschmerzen ausweiten, die in den nächsten Tagen im Sattel sicher nicht angenehmer werden. Profis planen daher für den Starttag immer eine extra kurze Strecke ein, damit genau solche Nachjustierungen und ein tempomäßiges Eingrooven innerhalb der Gruppe möglich sind.
Schwere Sachen nach unten. Oder waren es doch die leichten? Beides falsch. Im Prinzip sollten die schweren Dinge eher mittig platziert und gleichmäßig austariert werden. So zerrt nichts an den Schultern oder schiebt in den Nacken und so drückt auch nichts auf den unteren Rücken oder aufs Steißbein. Aber der Hauptgrund ist: So liegt der Schwerpunkt nah am Körper und zieht nicht nach hinten oder schaukelt seitwärts. Wichtig ist aber auch: Dinge, die schnell greifbar sein müssen, wie Erste-Hilfe-Set, Geld und Regensachen, nach oben oder in die Seitentaschen!
An Schlauch, Pumpe und Minitool denken die meisten, aber was ist mit den Ersatz-Bremsbelägen? Auf einer Transalp ist man mit deutlich mehr Gepäck unterwegs, die Abfahrten sind Kilometer lang und wenn man Pech hat, kommt man in einen Regenschauer und es schmirgelt den Stopper-Belag nur so weg. Und in den Alpen rollt man nicht mal so eben an einem Bikeshop mit den passenden Ersatzteilen vorbei. Wer auf der ganz sicheren Seite sein will, hat auch noch eine Ersatzspeiche, ein Ausfallende und Ersatzschrauben für die Cleats am Schuh im Gepäck. Kleine Teile nur, aber sie haben das Potenzial, eine Tour schmerzlich früh beenden zu können.
Gehört zur Kategorie: Ach, hab ich vergessen, hat bestimmt ein anderer dabei oder kauf ich unterwegs. Meist ist es so, dass nur einer aus der Gruppe an Sonnenmilch gedacht hat und zwar in Form eines Minifläschchens aus der Drogerie. Sprich: Reicht auf der Tour gerade so für eine Person. Und das mit dem Unterwegskaufen klappt in den Alpen auch in den seltensten Fällen. Fakt ist aber: Nacken und Arme sind beim Radfahren direkt der Sonne ausgesetzt. Wenn hier die Haut am ersten Tag schon verbrennt, wird man die restlichen Tage im zu warmen Langarmshirt und/oder mit Halstuch fahren müssen. Auch wer zu den “Bei mir wird es immer schnell braun”-Hauttypen gehört - die Strahlung in alpinen Höhen ist deutlich intensiver. Daher auch wenn es bewölkt ist: Eine halbe Stunde vor Tourstart Lichtschutzfaktor 50+ auftragen!
Es gibt kein einziges Argument dafür, den Helm nicht auf dem Kopf zu tragen. Er schützt sogar bei Hitze vor einem Sonnenstich. Oder bei völlig unerwartetem Autoverkehr in einer Schotterkehre. Oder beim harmlosen Bergaufpedalieren, wenn ein anderer Biker mit 90 Sachen entgegengeschossen kommt. Aber natürlich auch beim Kapital-Überschlag auf einem verblockten Trail. Letzterer passiert statistisch übrigens seltener, als ein Sturz auf einer vermeintlich harmlosen Schotterstraße. Wenn der Helm zu unbequem sitzt oder Hitze staut, dann ist es ein schlecht belüftetes oder falsch eingestelltes Modell. In diesem Fall lohnt sich vielleicht eine Neuanschaffung mit optimierter Belüftung?
Eine Transalp ist kein Rennen. Wenn man den ganzen Tag Zeit hat für 50 Kilometer und 1200 Höhenmeter, dann darf man doch wohl ausschlafen? Jein. Es gibt verschiedene Gründe, warum man in den Bergen besser früh aufsteht:

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