Gitta Beimfohr
· 10.10.2026
Wenn über den bis zu 500 Meter hohen Bergkuppen des Sintra-Gebirges die Sonne brütet, flimmern schon mal 40 Grad und mehr über den Trails. Dagegen können dann auch die Schattenwürfe der Pinien und Steineichen nicht mehr viel ausrichten. Die Trails mutieren dann zu staubigen Sandrutschen, in welchen die Reifen nur noch wenig Halt finden. Jedenfalls im Sommer ist das so.
Richtung Herbst und Spätherbst aber bläst der Atlantik immer häufiger Wolken in die portugiesischen Küstengebirge. Manche bleiben als Nebel in den Wäldern hängen, andere schütten sich auch mal kurz aus - und das macht die sonst so trockenen Trails im Sintra jetzt so wunderbar griffig. Für Lissabons Locals beginnt nun die schönste Zeit zum Biken, denn die Sintra-Berge liegen gerade mal 40 Kilometer westlich von der portugiesischen Hauptstadt entfernt. So lässt sich dieser Superspot aus der Stadt auch mit dem Nahverkehrszug schnell erreichen.
Dabei müssten Lissabons Biker gar nicht so weit fahren, denn sie durften sich schon innerhalb der Stadtgrenzen einen eigenen Trailspot anlegen. Und zwar im 900 Hektar großen Monsanto-Stadtpark. Eine Grünanlage mit wildwachsendem Baumbestand, etwa dreimal so groß wie der Central Park in New York. Hier winden sich die unterschiedlichsten Lines vom 220 Meter hohen Gipfel hinunter. Manche völlig naturbelassen, bei anderen wurde in Sachen Fahrfluss und Airtime eine Schippe draufgelegt.
Der dritte wichtige Bikespot befindet sich knapp 50 Kilometer südlich der Stadt: der Naturpark Arrábida bei Setúbal. Auch hier winden sich die Trails durch Korkeichenwälder, balancieren aber auch schon mal am Rand von Kalksteinklippen dahin und erfordern auf längeren Abfahrten Erfahrungen mit Stufen, Wurzeln (die sind im Herbst natürlich rutschig!) und losem Geröll. Besonderes Highlight an diesem Spot: Manche Trails enden an einem besonders schönen Badestrand!
Man erreicht den 800 Hektar großen Park aus dem Stadtzentrum über den Grünen Korridor (Corredor Verde), einen 2,5 Kilometer langen Grünstreifen, der 2012 nur für Fußgänger und Radfahrer Richtung Park angelegt wurde. Der Park selbst hat nicht viel von einem Stadtpark im klassischen Sinne. Statt steriler Rasenflächen mit Rosenbeeten und Sitzbank-Armada findet man hier neben ein paar Freizeitanlagen vor allem naturbelassenen Wald in einer Hügellandschaft von bis zu 220 Metern Höhe. Speziell im Herbst, wenn die Bäume lichter werden, blitzt immer mal eine Aussicht auf den Tejo auf.
Wie viele Trails sich im Monsanto-Wald mittlerweile winden, darüber streiten sich die Touren-Portale. Es sollen aber bis zu 49 Trail-Abschnitte sein, die von den Locals liebevoll gepflegt werden. Von leicht bis “das schaut man sich vorher besser an”. Jumps, Felsen, Wurzeln, Gaps und Northshore-Elemente - viel mehr braucht man eigentlich nicht. Die wichtigsten Lines:
| Route 13 MTB | Rundweg / Moderat | ca. 10,5 km durch dichte Waldabschnitte |
| Gigantone und Lost John & Lost Dogs | Enduro-Trail / Technisch | Beliebt mit Sprüngen und schnellen Kurven |
| A1 / A1 Lower | Flow- / Wald-Trail | Schnell, trocken, wenige feste Hindernisse |
| Johnny’s (I, II, III) | MTB- / E-Bike-Trails | Gut fahrbare Waldpfade |
| Miradouro da Tapadinha | Skill Park | Kleiner Übungs- und Geschicklichkeitspark |
Den größten und vielseitigsten Spot Lissabons teilen sich Biker man mit Wanderern und Touristen, die vor allem wegen der maurischen Burgen und Paläste in diesem kleinen Küstengebirge flanieren. In den knorrigen Wäldern dazwischen aber verlaufen sich kaum Wanderer, weshalb man auf den Trails meist freie Bahn hat. Auch hier haben die Locals dem Fahrfluss mit der Schaufel etwas nachgeholfen.
Die Trails sind teils doppelt so lang wie im Monsanto-Park, die Kurven runder, man findet überall natürliche Absprunghilfen und Rockgarden bis hin zu riesigen, aber überraschend griffigen Rock Slabs, über die man sich erstmal trauen muss. Ein spannender Mix am Atlantik, in dem man auch die europäische Downhill-Elite antreffen kann. Höchster Gipfel ist der Cruz Alta (528 m).
Geführte, teils auf lange Touren bis zur Atlantikküste und einen Shuttle-Service bietet in diesem Revier der Veranstalter “We Ride” an. Info: weride.pt
Eine komplette Trail-Übersicht gibt’s auf trailforks.com
Der Naturpark liegt südlich von Lissabon, jenseits des Tejo. Hier wurden inzwischen auch Trails angelegt, die allerdings sehr steinig und verblockt sind. Einfacher ist die Rota Trans Arrábida, auf der man sich an das Revier erstmal vorsichtig herantasten kann. Eine 115 Kilometer lange ausgewiesene Strecke durch den gesamten Naturpark. Infos dazu auf alltrails.com

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