Das europäische Sea-Otter-Festival wird in Girona gefeiert, “The Traka” hat die Stadt schon längst zur Gravel-Hochburg gemacht, Rennradprofis überwintern auf den einsamen Bergstraßen zum Grundlagentraining und auch Trailbiker können ihr Glück seit ein paar Jahren kaum noch fassen: Girona hat sich zu einem echten Hotspot aller Radkategorien gemausert.
Die katalanische Stadt liegt 100 Kilometer nordöstlich von Barcelona, zu Füßen der Pyrenäen. Von hier aus hat man die Wahl: entweder durch flache Flusstäler rollen, auf einsamen Bergstraßen die bewaldeten Kuppen der Gavarres hochkurbeln, auf panoramareichen Sandpisten Richtung Costa Brava hinunter oder Richtung Pyrenäen hinauf touren oder einen der Trailspots und Enduro-Parks ansteuern. Hauptattraktion der letzten Kategorie: der Santa Coloma de Farners Trailpark!
Wer mehr an Gironas Landschaft interessiert ist, wird sich an das weit verzweigte Schotter- und Sandpisten-Netz halten müssen, das in der Gravel-Szene so gehyped wird. Diese Wege schrauben sich auf 1000 Meter Höhe und in den Pyrenäen, ganz im Norden der Provinz bis auf über 2900 Meter Höhe hinauf. Ein Wegenetz, das ausgeschildert und - je nach Schneelage - das ganze Jahr freigegeben ist.
Die richtig guten Trails aber findet man in Girona gebündelt in den Parks, die von den Locals in nicht so frequentierten Berghängen angelegt wurden. Hier heißen die Attraktionen zwar nicht Landschaft und Ausblick, sondern schnell trocknende, griffige Sandsteinpfade, Rockslabs und alles, was das Enduro-Herz begehrt. Hier die besten Spots:
Der Trailpark befindet sich südlich von Girona im Wald. Einen Lift gibt es nicht, die Trail-Einstiege erreicht man auf zwei Hauptrouten nach 200 bis 300 Höhenmetern Selbstkurbeln. Daher ist hier ein E-MTB sehr hilfreich, speziell im oberen Abschnitt, wo der Anstieg steiler wird. Doch auch auf den Abfahrten macht das E-MTB etwas mehr Spaß, denn es gibt immer wieder ein paar kurze Gegenanstiege zu erklettern. Ein Großteil der Trails führt immer wieder auf riesigen Sandsteinfelsen dahin, die auch bei Regen überraschend viel Grip bieten. Von flowig bis Expert sind hier alle Trail-Kategorien vertreten.
Am südöstlichen Stadtrand werfen sich die 500 Meter hohen Bergkuppen der Les Gavarres auf. Ein Naturschutzgebiet zwar, aber einige Trailtouren durch Korkeichenwälder sind auch hier erlaubt. Am Ende sogar mit Meerblick. Gerade im Winter, wenn die Tage kürzer werden, sind diese Trails aus der Stadt schnell erreicht.
Nördlich von Girona ist Banyoles ein guter Ausgangspunkt für Touren rund um den Rocacorba (959 m). Der Anstieg zu diesem Gipfel gilt unter Radsportlern als Formtest. Mountainbiker kurbeln die Asphaltkurven deutlich gemütlicher rauf und sind vor allem auf die abzweigenden Trail-Abfahrten in der Südflanke fokussiert.
Im knapp 500 Meter hohen Hügelzug zwischen Girona und der Costa Brava hat sich ein MTB-Park mit ausgesprochen hoher Trail-Dichte eingenistet. Man startet in den Trailpark am besten von Sant’ Gregori aus und arbeitet sich von dort aus ins 100 Kilometer weite Trailnetz vor. Weiter in Richtung Les Guilleries wird die Auswahl an Singletrails größer, aber auch anspruchsvoller. Felsstufen und loses Geröll muss man mögen.
Niordwestlich von Girona taucht man in eine völlig andere Kulisse ein. Statt sandig trockener Hügelketten, taucht man hier in dichte Wälder ein, aus welchen die kegelförmigen Vulkankrater der Garrotxa herausragen. Bikeparks gibt es hier keine, aber es lohnt sich eine ausgedehnte Tour durch diese Naturschönheiten.
Für einen Kontrast zum bewaldeten Hinterland geht es an die Küste. Rund um das Cap de Creus treffen anspruchsvolle Wege auf eine offene, karge Landschaft und Ausblicke aufs Mittelmeer. Auch im Hinterland von Palamós lassen sich Trails zu einer spannenden Küstentour verbinden.

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