Weiß man doch: Die EU-weite Notruf-Nummer 112 wählen, die GPS-Koordinaten aus dem Navi mitteilen und schon kommt die Rettung im Notfall mit dem Heli angeflogen. Wenn alles klappt, läuft es genau so. Meine Kollegin Barbara musste letztens allerdings eine ganz andere Erfahrung machen. Sie war im Juni mit einer größeren Gruppe in einem Bikepark in Norditalien unterwegs. Eine Bikerin stürzte schwer und es war klar: Knochenbruch, die Verunfallte kommt den Trail aus eigener Kraft nicht mehr hinunter. Also wählte Barbara den 112-Notruf und hatte einen italienisch sprachigen Mitarbeiter am Telefon, der erst noch einen Übersetzer organisieren musste. Dem wiederum reichten die GPS-Standort-Daten nicht, er wollte die genaue Trail-Markierung des Bikeparks wissen...
Kein Vorwurf, vielleicht war der Notruf an diesem Tag unterbesetzt - die Geschichte ging für die Patientin jedenfalls gut aus. Der Heli hat den Unfallort dank Bikepark-Personal gefunden. Dennoch soll die Geschichte zeigen, dass der Notruf in den Alpen deutlich komplizierter ist, als in der Stadt. Deshalb ist es gut, wenn man sich vor der großen Biketour mit den Notruf-Maßnahmen in den Bergen noch mal vertraut macht:
Die Notrufnummer 112 gilt EU-weit (auch Schweiz und Großbritannien). Das System erkennt, aus welchem Land und welcher Region der Anruf kommt und leitet ihn automatisch an eine Rettungsstelle Vorort weiter. Dort sollte immer jemand sitzen, der auch Englisch kann oder einen Übersetzer in Reichweite hat (zum Teil KI-Übersetzung...). Das kann leider auch mal zu einer eingangs beschriebenen Situation führen und lebenswichtige Zeit kosten.
In Österreich gilt außerdem die Notrufnummer 140 und in der Schweiz die 1414. Allerdings funktionieren die im Gegensatz zur 112 nicht ohne Handynetz!
Zur Sicherheit sollte man sich auch noch die Notruf-App SOS EU ALP für den Alpenraum aufs Handy laden. Sie übermittelt automatisch den Standort und macht eine Kommunikation mit der Leitstelle ohne Sprechen möglich. Auch per Chat.
Tipp: Wer in einem Bikepark oder in einer begrenzten Region unterwegs ist, erkundigt sich beim Tourismusverband oder an der Seilbahnstation am besten immer nach der zuständigen Notrufnummer vorort (oft auf der Rückseite des Lifttickets aufgedruckt).
Hat man die Leitstelle am Handy, sollte man die Antworten auf diese 6 wichtigen Fragen bereit haben:
Wer in einer Gruppe durch die Alpen tourt, muss immer damit rechnen, dass es zu einem Sturz kommt - und der letzte Erste-Hilfe-Kurs ist bestimmt schon eine ganze Weile her. Ein Online-Auffrischungskurs vor dem Tourstart schadet daher nicht. Einfach kurz googeln, was Im Notfall als Ersthelfer zu tun ist. Das sind die häufigsten Verletzungen eines Mountainbikers:
Sofortmaßnahmen wie Druckverband, Stabile Seitenlage, Reanimation und Wärme-Management in Notfallsituationen sollte man in diesen Fällen drauf haben.
Sollte der Notruf mit dem Handy aus irgendwelchen Gründen nicht klappen und ihr seid allein oder nur zu zweit (ein Schwerverletzter sollte nicht allein zurück gelassen werden), dann versucht es mit dem internationalen Notsignal: Der Hilfesuchende gibt 6 Mal pro Minute ein Zeichen (Pfeife am Rucksack, Winken mit rotem Tuch, Blinken mit der Taschenlampe am Handy, Klopfen mit einem Stein) ab. Wird man dadurch entdeckt, gibt es ein dreimaliges Zeichen pro Minute zurück.
Im Allgemeinen kennen sich die Piloten in ihrem Revier aus und wissen ob und wo sie landen können. Zur Not lassen sie den Notarzt mit der Winde ab, wenn es die Wetterbedingungen zulassen. Grundsätzlich kann man den Heli-Piloten aber unterstützen:
Sich so hinstellen, dass man mit dem Rücken gegen den Wind steht und beide Arme gerade nach oben strecken. So teilt man dem Piloten erstens mit, woher der Wind am Boden weht (Helis landen immer gegen den Wind) und zweitens teilt man mit den Armen mit: “YES, ich brauche Hilfe.” Streckt man nur einen Arm nach oben und lässt den anderen hängen, formt man dagegen ein N für “NO, ich brauche keine Hilfe.”

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