Bikepacking Finnland7 Tage Gravel-Abenteuer in Lappland

Karen Eller

 · 03.09.2026

Mit 41 Nationalparks bietet Finnland eine einzigartige Mischung aus unberührter Natur, Seen und Wäldern.
Foto: Moritz Sonntag
Sieben Tage, drei Regionen, endlose Gravelpisten: Drei Frauen erkunden Finnisch-Lappland zwischen Ruka, Posio und Syöte. Mit Wildnis-Camps, Sauna, Moltebeeren, stillen Seen und einem Finale im Bikepark wird die Tour zum Gravel-Abenteuer fernab der Zivilisation.

Themen in diesem Artikel

​Ein Handschlag, sechs Monate zuvor. „Wir machen das.“ Mehr brauchte es nicht. Drei Frauen – Maria, eine Schwedin mit Wohnsitz in Innsbruck, Caroline aus Vorarlberg und ich, Karen aus Garmisch – und ein Plan: Gravel-Bikepacking durch Finnisch-Lappland. Sieben Tage. Irgendwo zwischen Wäldern, Seen und Mooren, möglichst weit weg von jeglicher Zivilisation. Ruka-Kuusamo liegt nur wenige Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Die Region bietet rund 900 Kilometer Gravelstrecken und trägt auch deshalb den Beinamen „Home of Gravel“. Dichter Nadelwald, glasklare Seen, Flüsse – und Wege, die sich scheinbar endlos durch die Landschaft ziehen. Das erste Geräusch nach dem Start: das leise Schnurren der Reifen auf feinem Gravel. Die Wege sind keine uniformen Schotterstraßen. Mal geht es kilometerlang geradeaus durch offenes Gelände, dann biegt der Pfad unvermittelt in den Wald. Der Untergrund wechselt ständig: fester Schotter, weiches Moos, Wurzeln, Flechten – manchmal fühlt es sich fast wie ein Mountainbike-Trail an. Dann öffnet sich der Wald wieder, ein weiter Horizont vor uns. Und irgendwo ist immer ein See. Finnland hat 168 000 davon. Vorbeifahren ist keine Option. Unser lokaler Guide Visa, mitverantwortlich für das jährliche Fellscape-Event, begleitet uns einen Tag lang und zeigt uns, was diese Region für Gravelbiker ausmacht: die Vielfalt an Oberflächen, der ständige Wechsel zwischen schnellen, offenen Passagen und technischen Waldwegen. Eine Kombination, die sich nicht nachbauen lässt.

Lagerfeuer und Wild Food

Abends verwandelt sich die Wildnis in etwas anderes. Entlang der Routen gibt es Wilderness Camps – oft direkt an einem See, mit Feuerstelle und Sauna. Nicht fünf Sterne, sondern fünf Holzscheite. Die Sauna muss selbst eingeheizt werden. Darin werden wir schnell zu Spezialistinnen. In unseren Vorratstaschen sind hauptsächlich regionale Spezialitäten: Ruisleipä, finnisches Roggenbrot, am liebsten mit Butter, geräuchertem Käse, Schinken und Gurke. Zum Frühstück gibt es Kaurapuuro, einen Haferbrei mit Früchten. Und abends? Da kommt Makkara auf den Rost. Die finnische Bratwurst grillen wir ganz traditionell direkt am Holzstock über der Glut. Unterwegs locken kleine Waldcafés mit Filterkaffee und frischen Zimtschnecken zum Stopp. Wild Food gibt es gratis: Blaubeeren wachsen buchstäblich überall am Wegesrand. Nach Ruka-Kuusamo führte die Route weiter Richtung Posio. Über 500 Kilometer Gravelstrecken durchziehen die Region, dazu Highlights wie der Riisitunturi-Nationalpark und der Korouoma-Canyon. Der Untergrund wird hier feiner, die Geraden länger, das Tempo höher. Dann wieder Abzweige in den Wald: weicher Boden, Wurzeln, Moorpfade. Die finnische Einsamkeit hat eine ganz eigene Qualität. Sie ist nicht leer, sondern voller Leben. Voller Wald, Wasser, Vögel und Wind. Manchmal fahren wir einen halben Tag, ohne einem einzigen Menschen zu begegnen. Die Landschaft wechselt dabei ständig zwischen dichten Nadelwäldern, weiten Mooren und spiegelglatten Seen. Die spektakulärste Unterbrechung: In einem Moorgebiet leuchten plötzlich gelbe Tupfer zwischen den Blaubeerbüschen. Lakkas – Moltebeeren. In Finnland selten, eine echte Delikatesse. Wir halten für zehn Minuten inne und genießen die leckeren Früchte. Kurz danach: ein See, der überquert werden muss. Ein Ruderboot an unserem, eines am gegenüberliegenden Ufer. Drei Frauen, drei Bikes und eine Lagebesprechung, die etwas länger dauert als geplant. Die Lösung ist umständlich, aber wir kommen trockenen Fußes mit unseren Bikes über den See.

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​Graveln im Bikepark

​Rund um den südlichsten Fjell Finnlands erstreckt sich eine Landschaft aus bewaldeten Hügeln, Mooren und Seen. Der Syöte-National park ist geprägt von weiten Naturflächen und einem Aussichtspunkt auf rund 430 Metern Höhe. Auf diesem Berg ist über die letzten Jahren ein Bikepark entstanden. Der moderne Sessellift dient im Winter den Skisportlern und im Sommer den Mountainbikern. Die Trails hier sind technischer und abwechslungsreicher als alles Vorherige: kurvig, anspruchsvoll, mit schnellen Passagen und unerwarteten Richtungswechseln. Das perfekte Finale nach einer Woche Wildnis. Doch zuvor: ein letzter See. Das Wasser ist kalt. Sehr kalt. Nach sieben Tagen auf dem Gravelbike aber genau richtig. Unser letzter Abend in der Wildnis führt uns zu Matti. Er war früher Snowboardprofi, bis mehrere Verletzungen seine Karriere beendet hatten. Heute vermietet er sein Tipi hoch oben auf einem Hügel – allerdings nicht an je den. Nur an besondere Menschen. So wie uns. Aber es gibt eine Bedingung: Wir müssen einen Nature Silent Walk teilnehmen. Schweigen. In der Natur. Für drei Frauen, die inzwischen gelernt haben, stundenlang über Blaubeeren und Bootslogistik zu diskutieren, ist das eine echte Herausforderung. Natürlich machen wir trotzdem mit. Und wir lernen viel. Über die Natur. Über die Pflanzenwelt. Über die Umgebung. Und über den berühmten Chaga-Pilz. Er wächst vor allem an Birken und spielt in der traditionellen nordischen Naturkunde eine besondere Rolle. Matti erzählt von seiner Bedeutung und bereitet uns daraus einen Tee zu. Dann kommt die Nacht. Wir schlafen im Tipi. Auf Rentierfellen. Am Feuer. Oben auf dem Hü gel. Weit weg von allem. Irgendwann schlafe ich ein. Am nächsten Morgen fragt mich Matti: „Wie hast du geschlafen? Hast du geträumt?“ „Ja. Und zwar ziemlich intensiv.“ Vielleicht lag es am Chaga-Tee. Vielleicht am Rentierfell. Vielleicht am Tipi. Vielleicht an diesem besonderen Ort hoch oben über Syöte. Matti sagt, dass viele Menschen hier oben besonders intensiv träumen. Ich glaube es ihm sofort.

​Bikepacking Finnisch-Lappland: Die Route

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Tag 1 Ruka – Juumajärvi See / Pohjantähti Wilderness Camp, 97 km, 660 hm

Tag 2 Juumajärvi See – Palosaari Reindeer Farm, 106 km, 830 hm

Tag 3 Palosaari Reindeer Farm – Himmerki Holiday Resort, 71 km, 390 hm

Tag 4 Himmerki Holiday Resort – Guest House Lehtiniemi, 83 km, 520 hm

Tag 5 Guest House Lehtiniemi – Kelliniemi lean-to-shelter, 121 km, 600 hm

Tag 6 Kelliniemi – Teerivaara / Hetken Matka Kota, 100 km, 770 hm

Tag 7 Teerivaara – Iso-Syöte / Hilltop Hotel, 80 km, 870 hm

​Was man wissen muss: Tipps & Infos

Finnland wird auch das „Land der tausend Seen“ genannt – tatsächlich sind es rund 168.000. Die traditionellen Mökki, Hütten am See, sind beliebte Sommerorte. Ruhe, Natur, Baden, Angeln und die Sauna gehören zum typischen finnischen Lebensgefühl. ​Finnisch-Lappland nimmt rund ein Drittel des Landes ein und beeindruckt mit endlosen Wäldern, klaren Seen, Mooren und weiten Fjelllandschaften. Dank der Mitternachtssonne wird es im Sommer wochenlang kaum dunkel.

​Unsere Bikepackingroute führt durch Ruka-Kuusamo, Posio und Syöte im Nordwesten Finnlands. Die drei Regionen zeigen, warum sich Finnland zunehmend zum Geheimtipp für Gravelbiker entwickelt: Neue Routennetze entstehen, Bikepacking wird immer beliebter und eine wachsende Szene bringt Gravel-Events hervor.

​Saison

Die beste Zeit für eine Gravel-Bikepacking-Tour in Nordfinnland ist zwischen Mitte Juni und Ende September. Ab Mitte Juni sorgt die Mitternachtssonne für besonders lange Tage, während sich die Landschaft bis September in ein farbenprächtiges Herbstpanorama verwandelt. Im Juli hatten wir meist sonniges Wetter bei 20–26 Grad Celsius und überraschend wenige Mücken. Den noch kann das Wetter schnell wechseln – auch im Sommer sind kühle Temperaturen und Regen tage möglich. Gute Vorbereitung auf unterschiedliche Wetterbedingungen ist daher wichtig.

Anreise

Für die Anreise gibt es mehrere Möglichkeiten: Von München nach Helsinki und anschließend per Flug nach Rovaniemi oder Kuusamo. Von Rovaniemi geht es per Transfershuttle weiter nach Ruka, dem Ausgangspunkt unserer Route. Alternativ bietet sich der Nachtzug von Helsinki Richtung Norden mit anschließender Busfahrt nach Ruka an. ruka.fi

​Für die Planung

  • bikeland.fi Allgemeine Info, Routenvorschläge und GPX-Tracks
  • excursionmap.fi Feuerplätze, Übernachtungsmöglichkeiten und Hütten in Finnland
  • gravel.ruka.fi Gravelnetz Region Ruka-Kuusamo
  • korpigravel.fi Guide Visa Region Ruka-Kuusamo
  • rukasafaris.fi Leihbikes, Unterkunft, Shuttle, Transfer, Guide

​Übernachten

  • RUKA – KUUSAMO Isokenkäisten Klubi, Wilderness Lodge & Wild Food Kitchen Rukariutta Apartments
  • POSIO Kelliniemi Zeltplatz oder Shelter Himmerki Holiday Resort
  • SYÖTE Hilltop Hotel Hetken Matka (Tipi)

Highlights

​Korpihilla Finnische Delikatessen aus Beeren und Kräutern. Bei Voranmeldung kocht Besitzerin Ritva auch in ihrem idyllischen Haus am Riisitunturi Nationalpark

Livojärvi Cafe Sommercafe an der finnischen Riviera mit besten Pancakes

Palosaari Reindeer and Fishing Farm

Fellscape Gravelevent und Radrennen

Nature Silent Meditationswalk mit Matti in Teerivaara bei Syöte

​Huskyfarm Syötteen Eräpalvelut

Rafting am Kitkajoki-Fluss

Kayaking oder SUP am Kitkajärvi See in Posio

Besuch von Pentik weltweit bekannte Keramikkünstlerin

Fazit zur Bikepacking-Tour Finnisch-Lappland

​Finnisch-Lappland ist kein Ziel für schnelle Kilometerjagd, sondern für alle, die Gravel-Bikepacking als echtes Naturerlebnis verstehen. Zwischen Ruka-Kuusamo, Posio und Syöte warten endlose Schotterwege, technische Waldpassagen, einsame Moore und glasklare Seen. Die sieben Tage haben gezeigt: Wer sich auf wechselnde Untergründe, lange Etappen und Wetterumschwünge einlässt, wird mit einer außergewöhnlich vielseitigen Tour belohnt. Und spätestens nach einer Nacht im Tipi, einem Sprung in den kalten See und einer Fahrt unter der Mitternachtssonne ist klar: Diese Wildnis bleibt im Kopf. Karen Eller, Reiseautorin

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