Bike-Herbstziele8 MTB-Trailspots am Meer

Gitta Beimfohr

 · 19.09.2023

Im Herbst sind die sonst stark frequentierten Trails der Toskana wie leergefegt.
Foto: Max Schumann
Das Meer hat noch Badetemperatur, und die MTB-Trails an der Küste sind im Herbst wie leergefegt. Wer vor dem langen Winter noch mal richtig auftanken will: Hier kommen 8 Superspots für Mountainbike-Strecken mit Strandzugang.

1. Madeira - Trail-Surfen in Portugals Wintergarten im Atlantik

Das Spannende an der Blumeninsel Madeira: Jede Küstenseite bietet andere Trails. Gute Fahrtechnik sollte man aber mitbringen.Foto: Max Fuchs, Klambt-GruppeDas Spannende an der Blumeninsel Madeira: Jede Küstenseite bietet andere Trails. Gute Fahrtechnik sollte man aber mitbringen.

So staubig, trocken und flowig wie in den Epic-Videoclips von Profis wie Josh Bryceland, Kriss Kyle und Brandon Fairclough sind die Trails auf der portugiesischen Blumeninsel im Winter selten. Die Temperaturen bleiben zwar im zweistelligen Bereich, aber der Atlantik schickt zur Bewässerung mindestens Dunstwolken. Da trifft es sich gut, dass Madeira auf kleinstem Raum mit unterschiedlichsten Erden aufwarten kann: feiner Vulkanstaub, roter Lehmboden, satter Waldhumus oder alpiner Schotter. Manche MTB-Trails werden durch Feuchtigkeit griffiger, andere kleben sich zementartig im Reifenprofil fest. Umstände, die britische Biker von zu Hause gut kennen, daher gehört Madeira zu ihren favorisierten Freeride-Winterzielen. Auch die Teilnehmer der EWS wählten die Insel zu ihrem Lieblings-Spot. Tipp: Auf der Trans-Madeira lernt man alle Facetten von Madeira kennen – inklusive des schnell schwindelig machenden Nationalgetränks Poncha.

Infos Madeira

Anreise: Flugzeit von deutschen Flughäfen aus: ca. vier Stunden.

Touren: Bergauf geht es auf Madeira meist steil zur Sache. Die Investition in einen Guide mit Shuttle ist daher empfehlenswert. Zum Beispiel bei www.freeridemadeira.com

Events: Trans-Madeira Enduro-Rennen mit 220 Kilometern und 30 Stages in 5 Tagen, www.transmadeira.com
Silvester: Das größte Feuerwerk Europas platzt über Funchal in den Himmel.

2. La Palma - die grünste der Kanaren meldet sich mit ihren MTB-Strecken zurück

Erst Corona, dann Vulkanausbruch - doch jetzt meldet sich das krisengebeutelte Lieblings-Winterziel der deutschen Biker zurück!Foto: Markus Greber, SkyshotErst Corona, dann Vulkanausbruch - doch jetzt meldet sich das krisengebeutelte Lieblings-Winterziel der deutschen Biker zurück!

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Etwas kleiner als Madeira, aber dafür 460 Kilometer südlicher und damit näher am wärmenden Äquator, sonnt sich La Palma im Atlantik. Vorteil der kleinen, grünen Kanareninsel: Ihr deutlich höherer Gipfel, der 2426 Meter hohe Roque de los Muchachos staut die anbrandenden Passatwolken einfach auf und sorgt für einen stabil trockenen Südwesten der Insel. Staubige Trails, diverse Bike-Stationen mit Shuttle-Service und frühlingshafte Badetemperaturen locken im Winter die meisten Biker Europas an – wenn die Vulkane Ruhe geben. Der letzte große Ausbruch in der Cumbre Vieja, Ende 2021, hat nicht nur ein paar Straßen und MTB-Trails verschüttet, sondern auch das Biker-Mekka Puerto Naos an der Westküste von der Außenwelt abgeschnitten. Wegen noch immer austretender Gase dürfen Ort und Strand bis heute nicht betreten werden. Wohl aber die Trails, die auf der meterdicken Ascheschicht des neuen Kraters Tajogaite gezogen wurden. Die Basecamps für Biker sind nun die nördlicher gelegenen Orte Tazacorte und Los Llanos.

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Infos La Palma

Anreise: Knapp fünf Stunden dauert der Direktflug von Deutschland nach Santa Cruz de la Palma.

Touren: Alle Touren sind nach dem Vulkanausbruch wieder fahrbar. Problem: So lange der Ort Puerto Naos gesperrt ist, bleiben die Unterkünfte stark begrenzt. Am besten direkt über die Bike-Stationen buchen, die finden immer ein schönes Plätzchen entlang der Westküste.

3. Elba - Weltmeister-Trails

Elba: klein, aber fein. Bei der Marathon-WM 2021 wurde im Osten der Insel jeder Trail-Zentimeter in die 115 Kilometer lange Rennstrecke eingebaut.Foto: Dan MilnerElba: klein, aber fein. Bei der Marathon-WM 2021 wurde im Osten der Insel jeder Trail-Zentimeter in die 115 Kilometer lange Rennstrecke eingebaut.

Man kann die kleine, aber schönste Insel der Toskana auf lohnenden Trails umrunden (fünf Tage) oder auch mittendurch auf Kammpfaden überqueren (drei Tage). Luft­linie trennen Ost- und Westküste zwar nur 27 Kilometer, aber die Inselberge dazwischen werfen genug Abenteuerspielplatz für mehrere Etappen auf. Sportlich steil kämpft man sich im Westen zum höchstmöglichen Punkt, den 1019 Meter hohen Monte Capanne hinauf und hangelt sich anschließend im sanfter werdenden Auf und Ab gen Osten vor. Am Ende sind die Berge zwar nur noch 300 bis 500 Meter hoch, aber die Trails bleiben rau, schotterig und naturbelassen ruppig. Dolce Vita gibt es trotzdem, denn fast jeder Anstieg wird mit sensationeller Aussicht übers Meer belohnt, und viele Abfahrten münden in eine traumhaft schöne Badebucht. Eine Kulisse, die auch die internationale Marathon-Elite begeisterte, als in Capoliveri 2021 die Weltmeisterschaften ausgefochten wurden. Aber natürlich wird auch auf Elba inzwischen ein bisschen mit der Schaufel nachgeholfen: Ein Trailcenter mit einfachen, aber auch sehr verblockten Abfahrten wartet in der Granitblock- und Sandsteinfelsenlandschaft bei San Piero in Campo, in den Südostflanken des Monte Capannes.

Infos Elba

Anreise: Die kleine toskanische Insel ist von allen Mittelmeer­inseln am schnellsten mit der Fähre erreichbar. Gerade mal 45 Minuten dauert die Überfahrt.

Touren: Eine Online-Karte mit der kompletten Übersicht über alle Bike-Strecken, inklusive der besten Trails gibt’s von Transalp-Touren-Autor Andreas Albrecht: gps-bikeguide.com

Events: Capoliveri Legend Cup, ein Mara­thon im Mai mit zwei Strecken (75/50 km), www.capoliverilegendcup.it

4. Triest - spannende Stadt, neue MTB-Strecken und Trails

Triest liegt nah an der Grenze zu Slowenien. Hier geben sich slowenische und italienische Locals die Trail-Schaufeln in die Hand.Foto: Getty ImagesTriest liegt nah an der Grenze zu Slowenien. Hier geben sich slowenische und italienische Locals die Trail-Schaufeln in die Hand.

Mehrfach hat die Hafenstadt an der Adria im Laufe ihrer Geschichte ihre Nationalität gewechselt. Sie gehörte schon zu Österreich, Frankreich, Deutschland und Jugoslawien, bevor sie nach dem Zweiten Weltkrieg wieder an Italien zurückgegeben wurde. Die verschiedenen Baustile in der Altstadt zeugen noch davon. Heute wird Triest auch die „Hauptstadt des Kaffees“ genannt. Es gibt unzählige Cafés und Bars, die nach der Tour für ein reges Nachtleben sorgen. Aber apropos Tour: Das Revier beginnt hinter den Altstadtgassen mit bis zu 1000 Meter hohen Gipfeln, die zum Großteil bereits slowenische Namen haben, denn die Grenze zum Nachbarland liegt nur einen Halbtagesausritt entfernt. Für ein spannendes Trail-Netz zurück in die Stadt sorgen sehr umtriebige Locals, die offensichtlich viel Zeit in ihren Küstenwäldern verbringen. Topspot!

Infos Triest

Essen & Trinken: Fleisch- und Sauerkraut-Freunde sollten in Triest unbedingt in einem der typischen „Buffets“ einkehren. Ein Relikt aus Habsburger Zeiten, für das sogar die Triestiner Schlange stehen. Zum Beispiel: www.buffetdapepi.it
Osmize: Im Wald über der Stadt trifft man auf kleine Buschenschänken: www.osmize.com

Touren: Drei Touren mit den besten Trail-Abschnitten im BIKE-Revier-Guide Triest www.bike-magazin.de

5. Sierra Nevada - wo Winnetou biken würde

Die über 3000 Meter hohen Gipfel der Sierra Nevada kratzen sich die wenigen Wolken vom Himmel. Daher ist es hier meist grüner als in den Wüsten drumherum - aber ab Oktober auch schon sehr frisch.Foto: Getty ImagesDie über 3000 Meter hohen Gipfel der Sierra Nevada kratzen sich die wenigen Wolken vom Himmel. Daher ist es hier meist grüner als in den Wüsten drumherum - aber ab Oktober auch schon sehr frisch.

Für den 3482 Meter hohen Mulhacén ist es wahrscheinlich schon zu spät. Der höchste Gipfel der spanischen Sierra Nevada wirft sich meist schon früh im Herbst seine weiße Winterruhedecke über. Was schade ist, denn hier oben gibt es tatsächlich einen Trail-Einstieg, und wer es drauf anlegt, kann von hier oben bis zum Strand hinunterfeuern – längere Abfahrten sind in ganz Europa nicht möglich. Noch spannender aber ist die Durchquerungsroute durch die Sierra Nevada. Von Granada nach Almeria sammeln sich 350 Kilometer und 10500 Höhenmeter auf staubigen Pisten und aussichtsreichen Hochgebirgspfaden an. Unterwegs kann man am Wegesrand Feigen, Granatäpfel und Mandeln vom Baum pflücken oder im Bergort Trevélez Original-Serrano-Schinken probieren. Am besten kontaktiert man die Guides vor Ort. Sie entwerfen auch individuell Touren, je nach Schneelage.

Infos Sierra Nevada

Anreise: Almeria, Granada und Malaga bieten sich als Zielorte für Touren in der Sierra Nevada an.

Reisezeit: Die geführ­ten Touren enden im Oktober. Auf eigene Faust muss man in der Sierra mit frischen Temperaturen rechnen!

Geführte Touren: Spezialisten für Sierra-Nevada-Touren auch mit Shuttle oder als Selfguided-Variante mit Unterkünften: www.almeria-bike-tours.de und www.puremountains.com

6. Sizilien - Vulkane auf dem MTB hautnah erleben

Am Ätna können die Trails die Reifen zum Schmelzen bringen, auf den erloschenen Vulkanen der Liparischen Inseln nicht.Foto: Moritz AblingerAm Ätna können die Trails die Reifen zum Schmelzen bringen, auf den erloschenen Vulkanen der Liparischen Inseln nicht.

Italiens größte Insel ist riesig. Mehrere spannende Mittelgebirge ragen aus ihrem Landesinneren, sie sind praktisch die Fortsätze des Apennin im Stiefel des Festlands. Mountainbiken kann man hier bis weit in den Herbst, und ab Oktober kann man sich hier die Orangen direkt vom Baum pflücken. Aber der eigentliche Star der Insel ist natürlich der Ätna. Der höchste aktive Vulkan Europas ändert seine Höhe mit jedem Ausbruch und pendelt zwischen 3200 und 3357 Metern. Shuttle und Seilbahn helfen beim Aufstieg, aber die letzten Meter muss man selbst in dieser Höhe kurbeln. Die Aussicht übers Mittelmeer, die Straße von Messina und die Stadt Catania wachsen dabei exponentiell mit. Wie weit man dem Riesen dabei auf den rauchenden Pelz rücken darf, bis die Reifen wegschmelzen, erklärt ein Local, denn ohne Guide sind Vulkan-Touren in Italien verboten. Allerdings kennt der auch die schönsten Aschehänge, durch die man mit dem Bike wieder bergab wedeln kann. Es dauert ein wenig, bis man die richtige Fahrtechnik für diesen exoti­schen Untergrund draufhat. Aber wem das gefällt, der hängt vielleicht noch einen abenteuerlichen Schiffstrip zu den Vulkanen der vorgelagerten Liparischen Inseln dran.

Infos Sizilien

Geführte Touren: Bike Alpin bietet im Frühjahr und Hernst eine einwöchige Trans-Sizilien-Tour von Cefalù bis zum Ätna an. Infos: www.bikealpin.de

Bike & Boat: Der Veranstalter TrailXperience organisiert einen Vulkan-Trip auf einem alten Holzsegelboot: von einer Liparischen Insel zur nächsten, plus Ätna und Stromboli-Erfahrung. Auch individuelle Gruppenreisen sind möglich. Insgesamt neun Tage. Infos: www.trailxperience.com

7. Toskana - die ganze Küste ist ein einziger MTB-Spot

Die Toskana hat unendlich viel mehr zu bieten als Punta Ala, sagt Ines Thoma. Und die muss es wissen - Deutschlands beste Enduro-Racerin hat ein ganzes Touren-Buch mit ihren Lieblings-Trails gefüllt.Foto: Max SchumannDie Toskana hat unendlich viel mehr zu bieten als Punta Ala, sagt Ines Thoma. Und die muss es wissen - Deutschlands beste Enduro-Racerin hat ein ganzes Touren-Buch mit ihren Lieblings-Trails gefüllt.

Fragt man drei passionierte Bike & Beach-Urlauber nach ihrem Lieblings-Spot, sind sich mindestens zwei davon einig: Punta Ala. Und das hat natürlich Gründe. Hier wartet ein cooler Campingplatz direkt am Strand, und die Trails in die Küstenberge hinauf beginnen direkt hinter dem Zelt. Bekannt wurde dieser Spot, nachdem die EWS hier 2013 zum ersten Mal gastierte und die sandigen Flowtrails mit Meerblick in den internationalen Fokus rückte. Seither drängeln sich hier die Sommer-Camper. Daher ist es eine gute Idee, erst im Herbst nach Punta Ala zu kommen, dann findet man die Trails zwar mit Gebrauchsspuren vor, aber man hat sie fast für sich allein.

Regelmäßig gepflegt, dafür aber ohne direkten Meerzugang, sind die für Biker aufpolierten Wildschweinpfade der Maremma. Und mittendrin liegt das Bike-Hotel Massa Vecchia wie eine Oase mit Restaurant, Pool und sogar einem eigenen Pumptrack im Garten. Unbedingt einen Besuch wert ist auch der relativ neue Tuscany Coast Park in Castagneto Carducci samt Meerblick-Trails und ganzjährigem Shuttle-Dienst. Ach, am besten nimmt man gleich seinen kompletten Resturlaub. Die Wälder entlang der toskanischen Küste stecken voller Überraschungen!

Mir sind die Trails in Punta Ala mittlerweile zu voll. Mein Favorit ist der Folgorito-Downhill in der Provinz Massa-Carrara, ein alter Militärweg aus dem Zweiten Weltkrieg. - Ines Thoma, Enduro-Profi

Infos Toskana

Unterkünfte:
www.massavecchia.it
www.campingpuntala.it

Touren: Die Enduro-Rider Ines Thoma und Max Schumann haben die besten Trails der Toskana aufgespürt und in ihrem Buch „Toskana-Trails“ beschrieben.
Bucketride bietet Camping-Roadtrips zu den besten Spots an: www.bucketride.de

Bikepark: Tuscany Coast Park, 20 Autominuten nördlich von Piombino, www.tuscanycoastoutdoor.com

8. Ligurische Küste - im Winter ein Geheimtipp für Mountainbikes

Die Trails in Finale Ligure und Pietra Ligure werden das ganze Jahr über gepflegt. Mit der speziellen Punktekarte kann man sich als User dafür bedanken.Foto: Max Fuchs, Klambt-GruppeDie Trails in Finale Ligure und Pietra Ligure werden das ganze Jahr über gepflegt. Mit der speziellen Punktekarte kann man sich als User dafür bedanken.

Wer das hochfrequentierte Trail-Netz von Finale Ligure nur im Sommer kennt, wird sich im Herbst die Augen reiben: nichts und niemand unterwegs. Freie Fahrt auf allen Trails. Vor allem, seit sich das benachbarte Pietra Ligure mit seinen Trail-Kilometern nahtlos angeschlossen hat. Man muss sich auch gar nicht beeilen, denn die inzwischen 200 Trails sind den ganzen Winter über geöffnet. So, wie die meisten Bars und Restaurants in den Küstenorten übrigens auch. Allenfalls trifft man auf ein paar Trail-Bauer, die schon wieder neue Pfade ausgraben für die nächste Saison. Was die beste Reisezeit in der kühleren Jahreszeit betrifft: Wetterkarte beobachten. Wenn sich ein sogenanntes „Genua-Tief“ ankündigt, muss man mit einigen Tagen Regen und kaltem Wind rechnen. Ansonsten aber kann man hier selbst im Januar ein paar Sonnenstunden lang kurz/kurz fahren.

Infos Ligurien

For you card: Für 12 Euro bekommt man neben der Trailmap eine Karte zum Punktesammeln in Supermarkt, Cafés und Shuttle. Damit erhält man Benefits und unterstützt nebenbei die Trail-Pfleger. Erhältlich vor Ort oder online. Infos: www.finaleoutdoor.com

Touren: Die Trailmap enthält bereits das angeschlossene Bike-Netz von Pietra Ligure. Insgesamt: 200 Trails.

Unterkunftstipp: Agriturismo Rose di Pietra, sehr familiär, www.rosedipietra.com

Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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