AllgäuRanger spüren mit Wärmebild-Kameras Wildcamper auf

Gitta Beimfohr

 · 08.09.2026

Allgäu: Ranger spüren mit Wärmebild-Kameras Wildcamper aufFoto: iStock/rdonar
Einer Wärmebild-Kamera entgeht in der Nacht nichts. Wer beim Wildcampen erwischt wird, muss mit 600 Euro Bußgeld rechnen.
Bikepacking und Gravel-Overnighter liegen gerade voll im Trend. Doch leider werden die Schlafsäcke immer häufiger auch in Naturschutzgebieten ausgerollt. Im Allgäu greifen die Ranger daher jetzt zur Drohne. Es drohen Bußgelder bis 600 Euro.

Unwahrscheinlich, dass ich erwischt werde, wenn ich hier, im abgelegenen Bergwald, mein Zelt einfach aufschlage. So dürfte auch so mancher Gravelbiker vielleicht denken. Wenn nicht zufällig der Förster oder Jäger des Weges kommt, mag das auch so sein. Doch im ausgewiesenen Naturschutzgebiet “Allgäuer Hochalpen” scheinen solche Overnighter so stark zugenommen zu haben, dass sich die Behörden zu drastischen Maßnahmen gezwungen sehen. Ab sofort setzen die Ranger dort autonom fliegende Drohnen mit Wärmebild-Kameras ein, um illegale Camper im Zelt, aber auch in Wohnmobilen (auf Wandererparkplätzen) aufzuspüren. Damit lassen sich Feuerstellen, aber auch Körper im dichtesten Unterholz am Bildschirm darstellen. Und dann kann es teuer werden: Bis zu 600 Euro Bußgeld sind für eine verbotene Übernachtung im Naturschutzgebiet fällig.

Warum? In Naturschutzgebieten ist schon das Verlassen der Wege verboten. Parkranger berichten dazu von “Vandalismus” in Form von illegalen und in der Trockenzeit hochgefährlichen Feuerstellen, abgerissenen Ästen, zerstörter Fauna und hinterlassenem Müll. Außerdem würde das Wild und die Tierwelt häufig in der Brutzeit gestört. Auch im Naturpark Karwendel kommt es bereits seit einiger Zeit zu typischen “Insta-Hotspots”. Allerdings setzt man hier noch nicht auf Drohnen mit Wärmebild-Kameras, sondern auf Social Media: Wird dort ein Campingbild samt Ortsangabe präsentiert, wissen auch die Ranger, wo sie in den nächsten Wochen vermehrt auf Streife gehen müssen, um das nächste gefährliche Lagerfeuer zu verhindern.

Was bedeutet Notbiwakieren genau?

Wildcampen ist in Deutschland, wie fast überall in Europa, grundsätzlich verboten. Geduldet wird lediglich ein “Notbiwakieren” mit Schlafsack, Isomatte und Rettungsdecke bis einfachem Tarp. Was im Detail bedeutet: “Eine ungeplante Nacht im Freien zu verbringen, um in einer Notsituation das eigene Leben und die Gesundheit zu schützen.” Solche Notsituationen können sein:

  • Einbruch der Dunkelheit: Man hat sich auf einer Tour verschätzt und z. B. die Abfahrt ins Tal wäre ohne ausreichendes Licht zu riskant.
  • Wetterumschwung: Plötzliches Gewitter, Sturm, Nebel, Kälteeinbruch, Murenabgang oder starker Regen machen das Weiterfahren unmöglich.
  • Erschöpfung oder Verletzung: Die körperlichen Kräfte reichen nicht mehr aus, oder ein Unfall zwingt zum Stopp.

Erlaubt ist das Übernachten im Wald auch auf den offiziell eingerichteten Trekkingcamps im Wald. Fast jedes deutsche Mittelgebirge bietet mittlerweile solche kleinen Plätze im Wald an. Meist groß genug für vier bis fünf Zelte, mit Feuerstelle, bereitliegendem Brennholz und einer Kompost-Toilette. Man bucht diese Plätze für eine Nacht online und erhält gegen eine kleine Gebühr (ca. 5-15 Euro) die GPS-Daten der jeweiligen Standorte.

Haltet euch an den Ehrenkodex: “Leave no Trace”:

  • Niemals Müll hinterlassen: Auch keine Bananenschalen! Europäische Bodenmikroben können exotisches Material schlechter zersetzen.
  • Notdurft im Wald: Profis haben eine kleine Schaufel dabei, um die eigenen Hinterlassenschaften zu vergraben. Toilettenpapier sollte mitgenommen und in den nächsten Hundekot-Mülleimer geworfen werden.
  • Waschen und Geschirrspülen: ausschließlich ohne Seife. Auch biologisch abbaubare Seife ohne synthetische Inhaltsstoffe schadet in Seen und Bächen den Kleinstlebewesen.
  • Feuer im Wald: Nur an offiziell eingerichteten Feuerstellen und auch da nicht nach längerer Trockenzeit.
  • Flora und Fauna achten: Nicht in erkennbare Wildwechselzonen legen (Tierspuren und Kot am Boden) und keine Pflanzen unnötig beschädigen.

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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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