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Revier-Check: Mountainbiken in Berlin

Deutschland: MTB-Touren in und um Berlin

Henri Lesewitz am 20.02.2010

Das Ergebnis der großen BIKE-Leserbefragung hat die Abenteuerlust in uns geweckt. Wir suchen MTB-Touren in Regionen, die für unsere Leser Niemandsland sind. Diesmal: Mountainbiken in Berlin.

Das mieseste Bike-Revier Deutschlands präsentiert sich ausgesprochen wunderbar und dazu noch voll möbliert. Überall Pulsbeschleuniger der ausgeprägten Sorte. Schanzen. Brücken. Stege. Brusthoch gebaut, mindestens.

Der ganze Hang sieht aus wie ein Musterstreckenfachgeschäft. Unfassbar viele Europaletten sind zu einem dichten Rampen-Ensemble vernagelt, das den Bodenkontakt umfassend verhindern will. Ein Mountainbike-Flugplatz. Nicht mitten, aber immerhin in Berlin. In der Stadt, deren höchste Erhebung ein begehbarer Sendemast mit der Silhouette eines riesigen Zahnstochers mit aufgepiekster Disko-Kugel ist. Und die ansonsten flach ist wie Kate Moss.

MTB-Tour Berlin

Der Boden gepachtet, die Pulsbeschleuniger gebaut: Downhill-Biotop in den Müggelbergen.

“Top of the pops!”, sagt Ralf Hübers. Die Augen funkeln. Am Bein lehnt eine Axt. Hübers steht in den Müggelbergen, in der “grünen Lunge von Berlin”, wie das Waldgebiet am Rande des Stadtteils Köpenick genannt wird. Hübers steht am Fuße der Strecke, in der ganze Jahre seiner Freizeit stecken. Er steht auf breit auseinander gestellten Beinen, wie auf einem umgedrehten V. Er steht da und verschränkt die Arme. Stolz, ein wenig trotzig auch. Dass Berlin das mieseste Mountainbike-Revier Deutschlands sein soll, kann er noch immer nicht fassen. “Um das hier beneiden uns Downhiller in ganz Deutschland”, sagt Hübers, schwenkt den Blick über die Strecke und dübelt ihn in der Menschenmenge fest, die sich neben einem gewaltigen Schanzenungetüm in die Plastikrüstungen schält. Geschätzte hundert Fahrer wuseln bereits herum. Weitere Abfahrtshungrige kommen mit hochpotenten Bikes herangeschoben. Manche tragen Jeans, einige sind exzentrisch frisiert. Keiner erweckt den Eindruck, als wäre er zimperlich bei der Ausübung seines Hobbys.

Ralf Hüber MTB Berlin

Ralf Hübers, Künstler: "Die Strecke ist zwar nur 700 Meter lang, doch die sind maximal ausgenutzt. Darum beneiden uns Biker in ganz Deutschland."

“Hey Ralf, Morgenstund’ hat Blei im Arsch!”, ruft einer, den sie “Ben” nennen. Hübers winkt grüßend zurück. Hübers kennt jeden hier und jeder hier kennt Hübers. Er ist der Vorstandsvorsitzende des Vereins Downhill Berlin e. V., der Chef. Die Gründung des Vereins war nötig geworden, nachdem im Juli 2001 wieder mal ein illegales Rennen mit massivem Polizeieinsatz aufgelöst wurde und die Müggelberge für Downhiller gesperrt werden sollten. Heute sei die Försterin happy über die schöne, professionelle Sprunglandschaft, sagt Ralf. 84 Euro koste der Jahresbeitrag, für Kinder die Hälfte.

MTB-Revier Berlin

Schwungvoll durch die Brandenburger Dauerwelle: die Eisenschweine beim Entleeren der Oberschenkel.

Ich bin irritiert. Einen Ort wie diesen dürfte es dem Klischee nach gar nicht geben. Berlin ist Mountainbike-Steppe, Erlebnisbrachland, betoniertes Nichts. So jedenfalls könnte man das Ergebnis der alljährlichen BIKE-Leserbefragung werten, gefiltert aus den Aussagen von 15000 Lesern: Null Prozent Reiseabsicht für Berlin. Und nur ein einziges, mickriges Prozent für das Umland Brandenburg. Derart ignoriert werden ansonsten nur das Saarland sowie Hamburg nebst Umgebung. Das Ergebnis wirft Fragen auf. Kann es Orte geben, die so schrecklich sind, dass niemand dorthin will? Die so wenig bieten, dass sich Massen von Bikern Jahr für Jahr über kostenpflichtige Autobahnen an den Gardasee stauen, wo sie dann nach den immer gleichen Schotter-Touren vor den Pizzerias stehen, devot flehend um einen Platz? Um das herauszufinden, bin ich hier.

Alles über den Revier-Check und Mountainbiken in Berlin lesen Sie im PDF-Download.

MTB-Tour Berlin: Wannsee-Schleife

20 km – 1 h 20 min – Schwierigkeitsgrad: mittel

Startpunkt der Tour ist der Biergarten „Loretta am Wannsee“ am S-Bahnhof Wannsee. Nach kurzem Einrollen geht es bald auf die erste knackige Steigung, einen ehemaligen Schuttberg mit Blick über Berlin. Nach dem Glienicker Schloss, dem Mittelpunkt der Tour, folgt ein kurzes Stück durch den Glienicker Park und dann über schmale Trails und Waldwege am Schäferberg vorbei zur Havel. Oberhalb der Havel schlängeln sich zahlreiche Singletrails durch den Wald. Wer es ruhiger mag, kann auch gemütlich am Wasser entlangrollen. Nach einigen Kilometern erreichen Sie wieder die Königsstraße, die direkt zum Ausgangspunkt der Tour führt.

Henri Lesewitz am 20.02.2010

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