OdenwaldMountainbike-Tour inkl. GPS-Daten

Matthias Rotter

 · 05.03.2016

Odenwald: Mountainbike-Tour inkl. GPS-DatenFoto: Matthias Rotter
Odenwald: Mountainbike-Tour inkl. GPS-Daten
Der Odenwald soll Siegfried zum Verhängnis geworden sein. An einem Brunnen wurde der Nibelungenheld erdolcht, heißt es. Heute wickelt sich ein Pfadnetz um diesen Brunnen, das für vier Etappen reicht.

Schon blöd, wenn man nicht übers Wetter meckern kann. Macht sich normalerweise immer gut, eine dramatische Einleitung mit tief hängenden Wolken und Dauerregen. Dazu quälen sich die Protagonisten der Geschichte durch Schlammlöcher und finstere deutsche Wälder. Die armen Schweine. Aber diese Art von Intro kann ich mir abschminken. Brottrocken ist der Trail. Mein Vordermann braucht nicht mal das Hinterrad zu blockieren, um Staub aufzuwirbeln. Und von wegen finster. Nicht mal im tiefsten Unterholz ist es hier dunkel! Sonnenflecken tanzen wie Schmetterlinge auf dem Pfad, der sich launig am Hang entlangschlängelt. Hoch über uns wölben sich die Kronen knorriger Laubbäume. Manchmal verschluckt Sand die Rollgeräusche. Ein fast mediterranes Ambiente. Unser Guide Dirk hatte also nicht zu viel versprochen, als er beim Start zu unserer Tour durch den Odenwald von den abwechslungsreichen Landschaften schwärmte. Und kaum habe ich den Gedanken zu Ende gedacht, verwandelt sich die Kulisse in einen epischen Weitblick über die Rheinebene. Respekt! Eine ziemlich beeindruckende Vorstellung für ein Mittelgebirge, das an seinem höchsten Punkt mit Ach und Krach die 600-Meter-Marke knackt.

Bisher brachte ich den Odenwald höchstens mit Begriffen wie Kurgastkegeln, Tanztee und Kneippbädern in Verbindung. Vielleicht auch noch mit der germanischen Nibelungensage um Siegfried, den Drachentöter, deren blutiger Showdown angeblich in dieser Gegend stattfand. Jedenfalls nichts, was ins Beuteschema von Mountainbikern passen würde. Doch dann flatterte die Einladung von Dirk Dewald ins Haus, der ganz offensichtlich Alternativen zu Kurgastkegeln und Tanztee parat hat. Bereits vor sieben Jahren reifte im Kopf des ehemaligen Triathleten die Idee zu einem markierten Bike-Routennetz kreuz und quer durch den Odenwald. Ein verwegener Plan in einer Region, die sich ehrfurchtgebietend "Geo-Naturpark" nennt. Schließlich klingt das im ersten Moment eher nach Weltkulturerbe mit striktem Betretungsverbot als nach Bike-Paradies. "Jeder wollte ein Wörtchen mitreden, von Forstamt bis Naturschutz", erzählt Dirk, während wir immer tiefer in die wellige Landschaft eindringen. Doch als Planungsbeauftragter des Geo-Naturpark-Vereins zahlte sich seine Beharrlichkeit gegenüber den Behörden aus. Und bereits im Jahr 2011 konnte der erste von bis heute 30 Rundkursen eröffnet werden. Man kann aber auch Teilstücke der Schleifen zu längeren Touren kombinieren. In vier Etappen wollen wir die Essenz des Odenwaldes erfahren. Lauschige Wälder, einsame Täler, überraschende Aussichtspunkte und natürlich die flowigsten Pfade.

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Von wegen, harmlos! Wer in der Rheinebene startet, kann im Odenwald ordentlich Höhenmeter sammeln.
Foto: Matthias Rotter

An Trailscouts mangelt es in unserer Gruppe nicht. Dirk hat einige Locals zusammengetrommelt, die ihr Knowhow bereits bei der Ausarbeitung des Streckennetzes einbrachten. Zum Beispiel Gerald, der sich neben den Trails auch gut in der bewegten Historie des Odenwaldes auskennt. Den umtriebigen Bikeshop-Besitzer Tord S. oder so illustre Gesellen wie "Unterholz"-Ernst, der im Verdacht steht, Wege zu finden, wo gar keine sind. Beste Voraussetzungen also für launige Kilometer im Sattel. Die ersten Rampen liegen hinter uns, und mittlerweile nähert sich das Zählwerk am Höhenmesser sogar der vierstelligen Anzeige. Denn das Tückische am Odenwald ist seine Lage am Rand der Rheinebene. Bei gerade einmal 90 Metern Basishöhe zeigt selbst ein harmloses Mittelgebirge seine Zähne, wenn’s bis auf 500 Meter hinaufgeht. Es ist eine geschmackvolle Mischung aus Waldwegen, Schotterpisten und Trails, die Dewalds Truppe komponiert hat. Asphaltabschnitte sind Mangelware. Am Krehberg passieren wir das Seidenbucher Felsenmeer, eines von zahlreichen Steinmonumenten im Odenwald. Als hätte ein Riese einen Würfelbecher ausgeschüttet, liegen Hunderte Felsbrocken im Wald verstreut. Spielwiesen für Trialer, geshaped in der letzten Eiszeit. Hier fädeln wir ein in den Nibelungensteig, ein Wanderweg, der den Odenwald von West nach Ost durchquert. Sein markantes rotes "N" führt uns nach Grasellenbach, dem Ziel der ersten Etappe.

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Der beschauliche Ort ist quasi das Epizentrum der berüchtigten Nibelungensage. Jenes germanischen Heldenepos, das von feuerspeienden Drachen, Königen, deren Töchtern, Intrigen und einem Schatz handelt. Im Prinzip also etwas Ähnliches wie die alte TV-Seifenoper "Dallas". Fast alles ist hier nach Figuren oder Requisiten aus jener Sage benannt. So heißen die Gasthöfe beispielsweise Hagen oder Kriemhildenruh. Es gibt eine Guntherstraße. Und im Nibelungencafé werden kalorienreiche Sensationen wie "Eisbombe Siegfried", "Brunhilds Sahnekuppel" oder die Drachenblut-Torte kredenzt. "Und das alles nur wegen eines ominösen Brunnens, von dem niemand weiß, ob es überhaupt der richtige ist", erzählt Hobby-Historiker Gerald, als wir uns am nächsten Morgen auf den Weg dorthin machen. "In der Geschichte ist lediglich überliefert, dass Siegfried an einer Quelle im Wald hinterrücks ermordet wurde." Man darf sich also nicht wundern, wenn ungefähr zehn verschiedene Siegfriedbrunnen in den Odenwald-Karten verzeichnet sind. Als Streckenpate für die beiden Grasellenbacher Rundkurse kennt Gerald natürlich jeden Pfad durchs Unterholz. Und so lotst er uns über ein paar Extra-Trails zu der kleinen Lichtung, wo ein steinernes Kreuz neben der Quelle an den Meuchelmord erinnert.

bike/M3957593Foto: Matthias Rotter

Klar, dass auf einer Tour durch den Odenwald ein Abstecher zum höchsten Gipfel des Mittelgebirges zum Pflichtprogramm gehört. Auf dem Weg zum Katzenbuckel passieren wir uralte Grenzsteine, die alte Handelsstraßen markierten. Eine verwitterte Inschrift verrät, dass es schon im Jahr 1831 einen Gulden Strafe kostete, wenn man mit seinem Fuhrwerk den Weg verließ. Der Odenwald hatte zwar keinen so räuberischen Ruf wie der benachbarte Spessart, dennoch war eine Reise durch die verlassenen Wälder mit einem hohen Abenteuerfaktor verbunden.

Lichtscheues Gesindel bedrohte Hab und Gut, ein Menschenleben war nicht viel wert. Auf einer Anhöhe bei Beerfelden steht noch heute ein Galgen, wo man bis zu drei Schurken gleichzeitig aufknüpfen konnte. Dann stehen wir auf dem ehemaligen Vulkankegel und genießen die Aussicht bis übers gewundene Neckartal, das den Odenwald im Süden begrenzt. Atemnot stellt sich auf 626 Metern Höhe aber nur ein, weil Dirk und seine Kumpels mal wieder aufs Tempo drücken. Denn bis Wald-Michelbach weist das Streckenprofil noch etliche Anstiege aus. Vor allem müssen wir uns aus dem Neckartal wieder aufs Niveau des Odenwaldes hinaufarbeiten. Doch auf dem Höhenrücken zwischen Steinach- und Ulfenbachtal haben die Locals einmal mehr einen herrlichen Singletrail ausfindig gemacht, der alle Mühen lohnt. Auf dem alten Grenzweg, dessen Verlauf mit Marksteinen gekennzeichnet ist, sind die Racer in der Gruppe mit ihren Cross-Country-Hardtails in ihrem Element. Übermütig wie Kinder toben sie über den Pfad.

Auch die letzte Etappe der Tour fordert vollen Einsatz der Beinmuskulatur. Das ständige Auf und Ab beginnt mit dem Anstieg auf die Tromm, deren vom Irene-Aussichtsturm gekrönter Gipfel nur unwesentlich unter der Höhe des Katzenbuckels liegt. Die Rheinebene ist bereits wieder in Sichtweite, aber vorerst lockert der Odenwald seinen Griff um die Waden noch nicht. "Richtig bergab geht’s erst ganz zum Schluss", dämpft Dirk meine Freude auf ein gefälliges Finale. Der Tanz der Kette über die Ritzel geht weiter. Kreidacher Höhe, Galgenhöhe und Eichelberg heißen die nächsten topografischen Gemeinheiten, bevor am "Kalten Herrgott" die Wellen des Gebirges langsam im Rheintal verebben. Doch auch fürs Finale hat sich Dirk noch ein Highlight aufgespart. Im Weinheimer Exotenwald rollen wir, vorbei an zerfurchten Mammutbäumen und Atlaszedern, dem Ziel entgegen. Na, kein Wunder, bei dem Klima im Odenwald.

Die 4 MTB-Etappen der Odenwald-Tour

  Karte: Die viertägige Odenwald-Tour mit dem Mountainbike in der Übersicht.Foto: Infochart Karte: Die viertägige Odenwald-Tour mit dem Mountainbike in der Übersicht.


Erste Etappe: Lorsch – Grasellenbach
36,4 km/1116 hm

Nach dem Start in Lorsch an der Königshalle (UNESCO-Weltkulturerbe) kann man sich bis Heppenheim fünf Kilometer lang einrollen, bevor der Anstieg zur Starkenburg (Wahrzeichen der Bergstraße) erstmals den Einsatz der Berggänge fordert. Bei der Weiterfahrt durch die Weinberge genießt man einen herrlichen Blick auf die Rheinebene. Ab Krähberg führt ein schmaler Trail entlang des Nibelungensteigs nach Schlier­bach hinunter. Nach dem Anstieg zur Burg Lindenfels bietet sich eine Möglichkeit zur Einkehr. Über eine kurze Abfahrt auf einem Pfad erreicht man das Gumpener Kreuz. Es bleibt wellig: knackige Rampe über den "Stotz", rasant bergab nach Fürth-Weschnitz. Abermals leitet nun der Nibelungensteig in spitzen Kehren hinauf zur Walburgiskapelle (kurze Tragepassagen). Bei guter Sicht kann man bis Frankfurt am Main blicken. Das Finale rollt entspannt auf Forstwegen zum Tagesziel in Grasellenbach. Übernachtungstipps www.mtb-geo-naturpark.de

bike/M4004982Foto: BIKE Magazin


Zweite Etappe: Grasellenbach – Reisenbach Grund

56,4 km/1378 hm

Die ausgeschilderte Geo-Naturpark-MTB-Strecke GR E1 führt auf verlassenen Pfaden zum sagenumwobenen Siegfriedbrunnen und weiter über hügeliges Terrain zum Marbach-Stausee. Nach der Unterquerung des beeindruckenden Himbächel-Viaduktes folgt ein langer Anstieg zum rund 550 Meter hohen Krähberg (Einkehrmöglichkeit im Waldgasthof Reußenkreuz). Mit neuer Energie in den Beinen macht die endlos lange Abfahrt durch eines der wildromantischsten Odenwaldtäler richtig Spaß. Kurz vor Keilbach geht es erneut unter einem mächtigen Viadukt hindurch. Der Kalorienschub sollte für den langen, kräftezehrenden Anstieg nach Mudau noch reichen. Immerhin ist Mudau die höchstgelegene Gemeinde des Odenwalds. Auf dem Weg überquert man die Grenze von Hessen nach Baden-Württemberg. Vom dortigen Sendemast aus geht es auf der asphaltierten Kreisstraße K3921 bis zum Etappenziel in Reisenbach Grund. Übernachtung www.landgasthof-zum-grund.de

bike/M4004983Foto: BIKE Magazin


Dritte Etappe: Reisenbach Grund – Grasellenbach

61,1 km/1273 hm

Die längste Etappe startet hinauf nach Strümpfelbrunn und Waldkatzenbach, vorbei am Steinernen Tisch. Das Ende der Kletterei ist aber erst am Katzenbuckel erreicht, mit 626 Metern der höchste Berg im Odenwald. Der Kratersee erinnert daran, dass der Katzenbuckel einmal ein Vulkan war. Vom Gipfel führen wunderschöne Trails in Richtung Schlossruine Eberbach. Dort wartet der fahrtechnisch anspruchsvollste Streckenabschnitt: endlos lange Serpentinen, die hinab nach Eberbach am Neckar führen. Dann locker rollen entlang des Neckars bis nach Hirschhorn, wo sich eine Mittagsrast anbietet. Vom südlichsten Punkt der Tour geht es nun wieder auf Forstwegen in Richtung Norden. Der Höhenweg, ein traumhafter Singletrail, führt stetig ansteigend für die nächsten acht bis zehn Kilometer in Richtung Wald-Michelbach. An Waldlücken öffnen sich herrliche Blicke nach Osten in Richtung des badischen Odenwaldes. Die letzten Kilometer bis Wahlen verlaufen auf Radwegen. Übernachtungstipps www.mtb-geo-naturpark.de

bike/M4004984Foto: BIKE Magazin


Vierte Etappe: Grasellenbach – Lorsch
54,8 km/866 hm

Der Auftakt der letzten Etappe beginnt mit dem Anstieg zur Tromm, einem markanten Höhenrücken. Nach Würdigung der Aussicht von der Plattform des Ireneturms führt ein Panoramaweg nach Kreidach. Am Wegesrand passiert man zahlreiche Kunstobjekte, die zum Nachdenken anregen. Auf der Kreidacher Höhe überquert man die Landesstraße L535, und es beginnt der letzte, steile Anstieg des Tages: auf Forstwegen hinauf bis nach Ober-Abtsteinach. Typisch Odenwald lassen die aussichtsreichen Wege keine Langeweile aufkommen. Bald rückt die Rheinebene wieder ins Blickfeld. Es folgt ein schmaler Trail in Richtung Unter-Abtsteinach, bevor es in ständigem Auf und Ab um den Eichelberg herum nach Oberflockenbach geht. Finales Highlight sind die flowigen Trails nach Weinheim und die Passage durch den Stadtwald mit seinen exotischen Mammutbäumen. Die letzten 15 Kilometer führen flach zurück nach Lorsch.

bike/M4004985Foto: BIKE Magazin

Infos zum Mountainbiken im Odenwald


Das Mittelgebirge Der Odenwald erhebt sich am Ostrand der Rheinischen Tiefebene im Dreieck zwischen den Städten Darmstadt – Heidelberg – Miltenberg. Höchster Berg ist der Katzenbuckel im Süden des Mittelgebirges mit 626 Metern Höhe. Im krassen Gegensatz zur dicht besiedelten Rheinebene ist der Odenwald sehr ländlich und durchzogen von einsamen Tälern. Typisch: Freiflächen sorgen immer wieder für Aussichtspunkte. Und man rollt meist durch freundlichen Mischwald anstatt durch düstere Nadelwälder.


Anreise Aus Süden und Norden über die Rheintalautobahn A5, aus Osten über die A3 (Würzburg – Aschaffenburg,
Ausfahrt Wertheim/Miltenberg. Oder über Heilbronn auf der A6.


Karten Kompass-Wanderkarte "Bergstraße/Odenwald" WK 827, 1:50000, ISBN 978-3850263542
Touren und GPS-Daten. In Zusammenarbeit mit den Locals wurden im Odenwald bislang 30 Rundkurse mit insgesamt etwa 1000 Streckenkilometern ausgeschildert. Die Strecken lassen sich auch kombinieren. Gute Ausgangspunkte sind die Region Gras-Ellenbach/Fürth in der Mitte, Weinheim im Süden und Seeheim-Jugenheim im Norden. Infos, Übernachtungstipps und GPS-Daten unter www.mtb-geo-naturpark.de


Geführte Touren Tord Steinbock, Inhaber des Shops Odenwaldbike in Lorsch, bietet geführte Touren
(z. B. Trans-Odenwald) und Fahrtechnik-Trainings an. Infos: Hirschstraße 1 in Lorsch, Tel. 06251/7055657, www.odenwaldbike.de


Bikepark In Beerfelden (südlich von Erbach) lockt ein kleiner aber feiner Park mit sieben Strecken und einem Lift.
Infos www.bikepark-beerfelden.de


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