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Opferberg und Fischbeker Heide sind zu jeder Jahreszeit ein Traum – und die sandigen Trails haben so ihre fahrtechnischen Finessen. Opferberg und Fischbeker Heide sind zu jeder Jahreszeit ein Traum – und die sandigen Trails haben so ihre fahrtechnischen Finessen.

MTB-Supertrail in den Harburger Bergen

Deutschland: Supertrail in den Harburger Bergen

Timo Wölk am 20.02.2010

Zehn Jahre lang hat Timo Wölk als Profi-Fahrer seine Trainingsrunden durch die Harburger Berge bei Hamburg gedreht. Für uns ist der Ingenieur seinen damaligen Supertrail noch mal abgefahren.

Einen Supertrail in Hamburg beschreiben? Ich wohne doch schon seit Jahren im Supertrail-Bundesland Oberbayern! Aber als Profi-Biker waren die Harburger Berge südlich von Hamburg natürlich mein Hausrevier, das stimmt. Noch vor einigen Jahren kannte ich dort jede Wurzel. Habe mich auf den Trails täglich mit meinen Trainingspartnern gematched. Aber, ob da noch alles so ist, wie es mal war? Auf der nächsten Dienstreise in den Norden nutze ich die Zeit auf der Autobahn, um einige Freunde aus Hamburg am Telefon zu einer gemeinsamen Ausfahrt zu überreden. Und zumindest das klappt schon mal wie damals: geht klar. Morgen, Kärntner Hütte, 10 Uhr – wie immer.

Statt Alster, Elbe und Nordsee : Die Harburger Berge sind Hamburgs Ausflugsziel ohne Deich.

Die Kärntner Hütte ist “der” Treffpunkt für Mountainbiker aus dem Norden. Ach, und Wirtin Elke hat sich immer noch nicht dem Namen ihres Wirtshauses angepasst. Gäste werden nach wie vor mit einem herzlichen “Moin Moin” begrüßt, aber Kaiserschmarrn und Frittatensuppe schmecken immer noch wie in Österreich. Wer hier sonntags um 10 Uhr auftaucht, findet meist eine nette Gruppe, der er sich für eine Runde durch die Harburger Berge anschließen kann. Eine generelle Diskussion zur Streckenwahl fällt dagegen aus. Über die Hügel spannt sich ein riesiges Singletrail-Netz mit einigen Highlights, die auf jeder Tour eben in einer bestimmten Richtung befahren werden müssen. Nur lange Abfahrten und Anstiege gibt es nicht.

Menschenleere Pfade in den Harburger Bergen

Unser erstes Ziel: Naturschutzgebiet Fischbeker Heide. Dazu biegen wir vom Forstweg direkt rechts ab Richtung Sennhüttenweg. Hier muss man sich entscheiden für eine tolle Schotterabfahrt mit einer echten Kehre und schnellen Kurven. Oder gleich links der Singletrail: Der Pfad windet sich durch die Landschaft, als hätte ihn ein Fuchs auf der Flucht angelegt. Dazwischen immer wieder Wurzeln, kleine Absätze – und kurze Gegenanstiege. Nach der Querung des Ehestorfer Heuwegs führt der Trail immer am Wildpark Schwarze Berge entlang. Ich hatte völlig vergessen, wie oft man hier schalten muss. Die Fischbeker Heide: landschaftlich ein Traum, egal zu welcher Jahreszeit. Das lockt natürlich auch Spaziergänger an, aber wir streifen die Massen nur kurz und zweigen schnell auf einen menschenleeren Pfad ab. Hier müssen wir nur aufpassen, dass sich hinter einer Kurve nicht eine Herde Heidschnucken niedergelassen hat.

Die Trails sind menschenleer, nur auf die Heidschnucken muss man aufpassen.

Schwung mitnehmen

Jetzt kommt die beste Passage, am ehemaligen Truppenübungsplatz. Der Pfad bockt rauf und runter und die Wurzel-Passagen versuchen, dich aus dem Sattel zu hebeln. Bergab wie bergauf braucht man hier Richtung Karlstein richtig Fahrtechnik. Schon damit der Flow nicht flitzen geht. Allmählich habe ich mich auch wieder an den “Harburger Style” gewöhnt: Immer Zug auf der Kette, treten und den Schwung mit in den nächsten Gegenanstieg nehmen. Gut, dass ich wenigstens noch an breite, leicht rollende Reifen gedacht habe. Angst vor Durchschlägen oder reifenschlitzenden Steinen braucht man hier nicht zu haben. Steine werden hier eher zur Markierung bedeutender Punkte und Erhebungen verwendet. So wie der Karlstein. Kurz vor dem massiven Findling werden die Abfahrten länger und technischer. Kurven, Absätze und Wurzeln sind hier gern mit Laub dekoriert. Dann, immer schneller werdend, schießen wir durch eine grandiose Kurvenkombination auf einen breiten, aber ruppigen Weg.

Immer schön Zug auf der Kette und mit Schwung in den Gegenhang: Harburger Bikestyle.

Aufgepasst am Singletrail Richtung Paul-Roth-Stein! Nimmt man die Pfützen beherzt durch die Mitte, bleibt das Rad abrupt stehen – weil es bis zur Nabe im Schlamm steckt. Am Granit-Findling namens Paul Roth wartet ein richtiger Downhill. Selbst mit relativ viel Federweg und hohem Tempo muss man die Linie schon sehr genau wählen und den Lenker gut festhalten. Nach einigen Wurzelteppichen hole ich noch mal alles aus dem Tretlager raus, denn die Kurven des Gegenhangs waren doch immer fies sandig – perfekt, nicht stecken geblieben! Danach geht es verwinkelt um einige Bäume und über kleinere Absätze weiter bergab. Der Weg wird breiter und kurvt sich irgendwann aus. Hier muss man noch mal kräftig treten, damit die Reifen auch hier in den Kurven in den Grenzbereich kommen.

Übersichtskarte zum Supertrail in den Harburger Bergen.

Auf dem Weg zurück lohnt der Anstieg zum Opferberg. Dort lockt eine super Aussicht Richtung Hamburg. Und auf den letzten Metern setzen wir noch einen kleinen Drop in die Sandkiste – so wie damals.

Absätze und Wurzeln sind auf den Abfahrten kurz vorm Karlstein gern mal mit Laub dekoriert. Dafür lauern keine Felsbrocken.

Timo Wölk am 20.02.2010