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Mountainbike-Tour: Stoneman Miriquidi

Deutschland: Stoneman – 163 Kilometer durchs Erzgebirge

Stefan Loibl am 10.10.2014

Über neun Gipfel windet sich der Stoneman an der deutsch-tschechischen Grenze. Wir haben die 160-Kilometer-Schleife durchs Erzgebirge abgekurbelt. Reise-Bericht plus GPS-Daten.

Die nackten Zahlen lesen sich wie eine Touren-Statistik nach einem Alpen-Wochenende: zwei Länder, neun Gipfel und 4400 Höhenmeter. Eine Oberschenkelfolter vom Feinsten. Fernab der Zivilisation, mitten durch die einsamen Wälder des Erzgebirges. Geadelt durch den Südtiroler Ex-Rennfahrer Roland Stauder. Er war es, der die Vision einer solchen ausgeschilderten Schleife für Biker ins Leben rief. Das geschah bereits im Jahr 2010, im Schatten der schroffen Felsnadeln der Sextner Dolomiten. Damals schichtete Stauder auf seiner Lieblingsrunde Steinmänner auf, markierte sie und taufte seine 120-Kilometer-Kreation Stoneman-Trail.

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Ostblock-Idylle beim Stopp vorm Tante-Emma-Laden.

Der Stoneman-Trail in den Dolomiten als Vorbild

Dieser Einladung sind bisher tausende Zweirad-Pilger gefolgt, ganz ohne Karte und GPS. Auf den Panorama-Trails der Dolomiten. Über den ersten Ableger seines geplanten Stoneman-Quintetts darf sich nun Deutschlands Stollenreifenfraktion freuen. Genauer gesagt die Sächsische. Denn der Stoneman Miriquidi – wie er offiziell heißt – verbindet neun der höchsten Gipfel des Erzgebirges. Den höchsten Punkt der 163 Kilometer langen Runde hat der Stoneman allerdings seinem Schlenker nach Tschechien zu verdanken: Mit 1244 Metern überragt der Klinovec seinen deutschen Nachbarn, den Fichtelberg, allerdings nur um die Länge eines Maibaums.

Stoneman Erzgebirge MTB

Rauf statt runter: Die alte Naturrodelbahn am Pöhlberg treibt uns in die erste Laktatspitze.

Interview mit Stoneman-Gründer Roland Stauder

BIKE: Welche Rolle spielen die Steinmännchen auf dem Stoneman?
Roland Stauder: Anfangs habe ich mir eingebildet, mit der Hilfe des Tourismusverbandes 120 Kilometer mit Steinmännchen zu markieren. Das hat allerdings nicht funktioniert. Den Stoneman-Trail in den Dolomiten habe ich dann markiert, indem ich das grüne Stoneman-Symbol auf den Boden oder auf Steine gemalt habe. Im Erzgebirge sind sie jetzt schon professioneller. Sie haben die komplette Strecke mit Schildern gekennzeichnet.

Ein, zwei oder drei Tage: Wie lange sollten sich Durchschnitts-Biker für den Erzgebirge-Stoneman Zeit nehmen?
Für Durchschnittsbiker ist die 2-Tages-Variante sicher eine große Herausforderung. Das Schöne beim Stoneman ist aber, dass drei Generationen die Strecke absolvieren können. Heuer hatte ich auf dem Stoneman-Trail Dolomiti ein 9-jähriges Mädchen und einen 72-järigen Biker, die in drei Tagen gefahren sind. Und immer wieder messen sich die Racebiker bei der 1-Tages-Variante.

Roland stauder stoneman porträt

Der Vater des Stoneman: Roland Stauder.


Statt hochalpiner Trails wie in den Dolomiten kurbelt man im Erzgebirge die meisten Kilometer auf Schotter. Ist das beabsichtigt oder nicht anders zu realisieren gewesen?
Ich hätte gerne mehr Trail-Kilometer gehabt. Das Ergebnis ist ein Kompromiss. Ich bin dennoch sehr zufrieden mit der finalen Streckenwahl.


Die Siegertrophäen entstehen in Eigenproduktion. Wie viele hast du insgesamt schon gefertigt?
3600 Stück bis heute.


Erst Dolomiten, dann Erzgebirge: In welcher Gegend wir es den nächsten Stoneman geben?
Mein Ziel für den nächsten Stoneman ist Österreich. Ich hatte bereits erste Gespräche für Stoneman-Trails in Italien, der Türkei, der Schweiz, Spanien, Frankreich und Schweden. Insgesamt sind  fünf Tourismus-Destinationen sehr interessiert. Zwei potenzielle Strecken habe ich wegen zu wenig Trail-Anteil nicht abgenommen. Es ist ein langer Weg Alpenvereine, Grundstückbesitzer, Jäger und Forst  für so ein Projekt zu gewinnen. Mir ist es nicht so wichtig, möglichst schnell viele Stoneman-Trails zu erschaffen. Wichtig ist, dass die, die es gibt, gut sind. Ich bin immer noch nicht mit dem Stoneman-Trail Dolomiti zufrieden. Dort gilt es noch Verfeinerungen zu machen. Beispielsweise die 120 Kilometer mit Steinmännchen zu markieren.


Was sind für Dich die Highlights des Stoneman Miriquidi?
Die Mischwälder, die Menschen und das Trailcenter Rabenberg.

Stoneman Miriquidi Erzgebirge

Arbeitsnachweis: Auf allen neun Gipfeln kommt die Stempelkarte in die Presse.

Alle Infos und Fakten zum Stoneman Miriquidi im Erzgebirge

Die Route: Der Weg Der Stoneman Miriquidi verbindet die höchsten Erhebungen des Erzgebirges entlang der deutsch-tschechischen Grenze. Höchster Gipfel ist der Keilberg (tschechisch: Klinovec) mit 1244 Metern. Man kann an jeder Stelle einsteigen. Der Weg ist lückenlos ausgeschildert, eine Karte sollte man für den Notfall aber dabeihaben. Wer die Route ohne Stress genießen will, sollte besser drei Tage einplanen.

Karte Stoneman Trail Deutschland

In einem, zwei oder drei Tagen lässt sich der Stoneman durchs Erzgebirge bezwingen.


Der Charakter: Der Großteil der Route folgt Schotterpisten und Asphaltwegen. Die Trail-Passagen sind nicht besonders lang und technisch anspruchsvoll. Ein Hardtail ist völlig ausreichend. Allerdings fordern die vielen, kurzen Anstiege die Kondition.


Karten: Eine Übersichtskarte erhält man mit dem Starterpaket. Kompass-Wanderkarte 806 "Westliches Erzgebirge", 1:50000, ISBN 9783850267250


Übernachtung: 13 Gasthäuser und Hotels an der Strecke bieten Pakete von 2-4 Übernachtungen an – auch mit Gepäcktransport. Preise: von 119 bis 249 Euro. Alle Infos unter www.stoneman-miriquidi.com

Touren: Geführt wird der Stoneman von mehreren Anbietern, z.B. www.bikeacademy-erzgebirge.de

Stoneman Miriquidi – 1. Tag

Von Oberwiesenthal folgt man auf waldigen Schotterpisten ein Stück weit der Schmalspurbahn-Trasse, ehe es auf den Bärenstein hinaufgeht. Im Tal überbrückt man die Strecke zum Pöhlberg, den man auf einer alten Naturrodelbahn erklimmt. Auf den Scheibenberg führt ein feiner Singletrail hinauf, ein asphaltierter Radweg hinunter. Die 35 Kilometer zum Rabenberg sind mit 1000 Höhenmetern gespickt. Nach dem unteren Stauseebecken in Markersbach muss man kurz schieben. Vor Rittersgrün wartet ein weiterer, knackiger Uphill. An der tschechischen Grenze erklimmt man den Kamm zum Rabenberg.

Einkehr: Berghotel Pöhlberg oder Berggasthof Scheibenberg

Stoneman Miriquidi – 2. Tag

Nach der Trail-Abfahrt vom Rabenberg folgt der sanfte Anstieg zum Auersberg. Hinter Johanngeorgenstadt wechselt die Route nach Tschechien. Von der Hochebene des Blatenský vrch geht es nach Abertamy hinab, ehe man entlang einer Skipiste auf den Plešivec kurbelt. Nach einer langen Schotterabfahrt folgt ein Asphaltanstieg, der mit netten Trails in Jáchymov endet. Nun steht der längste Anstieg des Stonemans an: die 600 Höhenmeter zum Klinovec. Einen netten Trail fährt man erst rauf, dann runter. Von Boží Dar sind es nur noch wenige Höhenmeter zum Fichtelberg, ehe ein Wiesenweg zum Startpunkt führt.

Einkehr: Gasthäuser in Johanngeorgenstadt und Jáchymov.

Den gesamten Artikel sowie die GPS-Daten zum Stoneman Miriquidi finden Sie unten als kostenlosen Download.

Stefan Loibl am 10.10.2014