Ostern, Pfingsten, Christi Himmelfahrt - manchmal steht so ein verlängertes Wochenende ganz plötzlich vor der Tür und man hat keinen Plan, was man mit den drei oder vier freien Tagen so kurzfristig anfangen soll. Radfahren, klar. Aber wohin? Vor allem wenn man keine Lust hat, sich in den Stau Richtung Gardasee einzureihen. Deshalb haben wir auf Instagram erfahrene Bikepacker und Graveler gefragt, welche Routen sie spontan empfehlen würden, wenn man keine Zeit und Muße hat, sich seine eigene Route zu entwerfen. Das sind die Empfehlungen, die vielleicht nicht direkt vor eurer Haustür liegen, aber mit dem Zug top zu erreichen sind:
Dass Deutschlands höchstes Mittelgebirge hoch im Kurs steht, haben wir uns gedacht, aber ausgerechnet der Westweg für Radfahrer? Es dürfte Ende der 90er-Jahre gewesen sein, als der Schwarzwaldverein diese Alternativ-Route für Mountainbiker ausschilderte. Sie sollte Radfahrer vom vom berühmten und vielbegangenen Westweg für Wanderer fernhalten. Wir haben die Strecke damals ausprobiert und stellten fest: Die Route für Biker durchquert den Schwarzwald parallel zum Wanderweg, aber durchgehend in Forststraßen-Breite und eine Aussichtsetage tiefer. Sprich: Unterhalb der Baumgrenze. Was natürlich im direkten Vergleich enttäuschte, aber nun mal der Zwei-Meter-Regelung in Baden-Württemberg entspricht. Angenehm fanden wir aber schon damals die lückenlose Beschilderung und die Tiefenentspannung im Wald. Und womöglich hat man auch dieser Strecke inzwischen ein paar Panorama-Punkte spendiert.
Wer die Route mit Gepäck am Rad und/oder mit dem Gravelbike in Angriff nimmt, wird sich auf jeden Fall darüber freuen, wenn er nicht auch noch über wurzelige Trails rappeln muss. Mit grobem Schotter und einigen Rampen bergauf wie bergab muss man aber rechnen. Interessant für Bikepacker sind auch die Trekking-Schlafplätze (Mai-Oktober), die man mitten im Wald via App buchen kann: Zeltplätze mit Feuerstelle und Klohäuschen, die man über GPS-Koordinaten findet. Tipp von lauriglitter
Infos: schwarzwaldverein.de und Infos zu den Trekking Camps: nationalpark-schwarzwald.de
Die Route trägt den Hashtag “Gravelextreme” und wer sie komplett durchzieht, wird dabei nicht nur den Schwarzwald, sondern ganz Baden-Württemberg durchqueren. Vier Nationalparke liegen auf der Strecke zwischen Mannheim und Basel (Schweiz), mit “grandiosen Landschaften, abwechslungsreichem Gelände, Abfahrten im Wechsel mit knackigen Berganstiegen”. Das klingt, als wäre man mit breiteren Reifen und Federgabel etwas komfortabler ausgerüstet. Auf jeden Fall aber braucht man ein Navi, weil die Route nicht ausgeschildert ist. Die GPS-Daten gibt es kostenlos und dazu sämtliche Einkehr- und Übernachtungstipps entlang der Etappen, sowie Bahnhöfe für Quereinsteiger.
Auch hier reichen die Übernachtungsempfehlungen vom Zeltplatz im Wald, über Hütten bis hin zum Wellnesshotel. Tipp von _inga.j und saddlestories
Info: schwarzwald-tourismus.info
195 Kilometer durch den Thüringer Wald, das Thüringer Schiefergebirge und ein Stück Frankenwald ist auch noch dabei. Der Kammweg entlang der alten Grenzsteine ist ein Klassiker (erste Erwähnung als Grenzweg im Jahr 1330, seit 1997 Kulturdenkmal!). Auch hier wurde im Juni 2000 eine Alternativroute für Mountainbiker und Radfahrer ausgeschildert, die vor allem die steilsten und teils verblockten Abschnitte des Originals umfährt. Zwischendurch kommen aber beide Routen immer wieder zusammen.
Einstellen darf man sich also auf Asphalt, Schotter und Waldwege wenn man in Hörschel bei Eisenach startet und drei Tage lang dem grünen “R” über Oberhof nach Blankenstein folgt. Dort wirft man traditionell übrigens einen Kieselstein in die Saale, den man beim Start in Eisenach aus der Werra gefischt und den ganzen Weg transportiert hat. Tipp von jnk.sr
Infos: rennsteig.de/radweg und komoot.de
Okay, das ist ein bisschen erklärungsbedürftig, klingt aber alles nach perfektem Abenteuer: Seit 2022 gibt es da eine eingeschworene Bikepacking-Gemeinschaft aus Nürnberg, die jedes Jahr eine neue “Offroad-Oase” durch unbekanntere Regionen scoutet und andere zu einem Self-Supported Bikepacking-Event einlädt. Ohne Zeitnahme, ohne Rennstress, keine Startgebühr. Es geht nur um Freude am Fahren, die Natur und das gemeinsame Erlebnis - bei jedem Wetter. Daher übrigens auch der Name, denn “Letten” bedeutet so viel wie schlammiger Boden, Morast, Dreckbrühe, Schlammlache...
Die dabei entstandenen Routen der letzten Jahre gibt es übrigens auch zum freien Download:
Info: bayrischlettn.de
Hamburg-Lübeck-Wismar-Rostock-Stralsund-Greifswald-Wolgast-Anklam-Stettin (Polen) und von dort mit dem Zug wieder zurück nach Hamburg. Die Route folgt dem “Hanseatenweg” entlang der deutsch-polnischen Ostseeküste und orientiert sich dabei an alten Handelsrouten aus dem Mittelalter. Heute soll die Tour von Hansestadt zu Hansestadt zur europäischen Völkerverständigung beitragen.
Man kann sich die Route zum Nachfahren kostenlos downloaden. Die Strecke ist zwar mit dem Symbol einer schwarzen Kogge markiert, aber zur Sicherheit macht ein GPX-Track durchaus Sinn. Tipp von fraeuleinwalter
Infos: hansegravel.com

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