Deutschland

Im Reich der Maulwürfe

Henri Lesewitz

 · 30.11.2017

Im Reich der MaulwürfeFoto: Henri Lesewitz

In den Stollen des Bergwerk Kamsdorf scheint nie die Sonne, dafür ist die Niederschlagswahrscheinlichkeit gleich null. Perfekt, dachte sich Guide Lucas Rham, auf der Suche nach einem Ganzjahresrevier.


Wir waren zusammen mit Guide Lucas Rham, der auf der Suche nach einem perfekten Ganzjahresrevier zum Tourenbiken war, im Bergwerk Kamsdorf. Ein Fotoreport aus einer bizzaren Unter-Tage-Welt.

Auf die Kanaren fliegen? Zum Spinningkurs gehen? Oder auf dem Heimtrainer das Wohnzimmer-Parkett vollschwitzen? Dass man sich diese Fragen überhaupt stellt, zeigt die Verzweiflung, die der Winter bei Mountainbikern auslösen kann. Man kann natürlich versuchen dem Übel zu trotzen: sich anziehen wie ein Eskimo und dann bei eklig-nasskaltem Wetter auf matschigen Trails herumgurken. Doch es gibt noch eine andere Alternative. Das Bergwerk im Thüringer Örtchen Kamsdorf ist der vermutlich einzige Ort Deutschlands, vielleicht sogar Europas, in dem man selbst im Winter bei stabilen Plusgraden und auf 100 Prozent schneefreien Trails ausschweifende Mountainbike-Runden drehen kann. Lukas Rham bietet im unterirdischen Stollensysthem geführte Touren an. Knapp 300 Kilometer Gesamtlänge haben die Tunnel in dem bizzaren, rabenschwarzen Labyrinth, das auf vier Ebenen in 10 bis 40 Metern Tiefe verläuft. Drei Stunden dauert die Tour. Ein spektakuläres Erlebnis mit Anstiegen, Downhills, wilden Kurvenkombinationen und sogar einem Bikepark samt gebautem Flowtail.

In BIKE 1/2018 – ab 5. Dezember 2017 am Kiosk – gibt's die große Reportage über die Bike-Tour unter Tage. Eine Fotogalerie finden Sie vorab hier.

  Guide Lucas Rham und Freundin Nina Hoffmann empfangen die Tourengäste vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude des Bergwerks, in dem sich heute eine Ausstellung befindet.Foto: Henri Lesewitz
Guide Lucas Rham und Freundin Nina Hoffmann empfangen die Tourengäste vor dem ehemaligen Verwaltungsgebäude des Bergwerks, in dem sich heute eine Ausstellung befindet.
  Die Lampen werden auf Wunsch von Lucas gestellt – kleine, leuchtstarke Helmlampen von Lupine.Foto: Henri Lesewitz
Die Lampen werden auf Wunsch von Lucas gestellt – kleine, leuchtstarke Helmlampen von Lupine.
  Fahrstuhl? Abseilen? Ins Innere des Bergwerks geht es easy per Bike. Einfach durch das Gittertor schlüpfen, schon ist man drin.Foto: Henri Lesewitz
Fahrstuhl? Abseilen? Ins Innere des Bergwerks geht es easy per Bike. Einfach durch das Gittertor schlüpfen, schon ist man drin.
  Die Helme für die Besucher, die der „Kamsdorfer Verein zur Pflege der Bergbau-Tradition“ fast täglich anbietet. Biker haben natürlich ihre eigenen Helme.Foto: Henri Lesewitz
Die Helme für die Besucher, die der „Kamsdorfer Verein zur Pflege der Bergbau-Tradition“ fast täglich anbietet. Biker haben natürlich ihre eigenen Helme.
  Vom Eingangstunnel aus führt eine steile Eisentreppe ins Stollensystem. Für die Downhill-Rennfahrer Lucas und Nina ein willkommener Aufwärm-Kick.Foto: Henri Lesewitz
Vom Eingangstunnel aus führt eine steile Eisentreppe ins Stollensystem. Für die Downhill-Rennfahrer Lucas und Nina ein willkommener Aufwärm-Kick.
  Nach wenigen Metern wir es stockdunkel. Man ist nur 10 Meter unter der Erde, aber völlig abgeschritten vom Tageslicht. Es gibt weder Lichtschächte, noch großartig Scheinwerfer. Allein die Helmlampe kämpft in den meisten Tunneln gegen das allgegenwärtige Schwarz an.Foto: Henri Lesewitz
Nach wenigen Metern wir es stockdunkel. Man ist nur 10 Meter unter der Erde, aber völlig abgeschritten vom Tageslicht. Es gibt weder Lichtschächte, noch großartig Scheinwerfer. Allein die Helmlampe kämpft in den meisten Tunneln gegen das allgegenwärtige Schwarz an.
  Im Gegensatz zum Salzbergwerk in Sondershausen, wo seit Mitte der Neunziger Biker durch die breiten, gut befahrbaren Schächte geführt werden, sind die Gänge im Bergwerk Kamsdorf eng und roh. Selbst als Enduro-Fahrer kommt man hier auf seine Kosten. Foto: Henri Lesewitz
Im Gegensatz zum Salzbergwerk in Sondershausen, wo seit Mitte der Neunziger Biker durch die breiten, gut befahrbaren Schächte geführt werden, sind die Gänge im Bergwerk Kamsdorf eng und roh. Selbst als Enduro-Fahrer kommt man hier auf seine Kosten. 
  Biken mit permanentem Tunnelblick: Das Schachtlabyrinth ist eine gigantischen Abenteuer-Revier für Biker – erschaffen in hunderten Jahren von Bergleuten auf der Suche nach Erz.Foto: Henri Lesewitz
Biken mit permanentem Tunnelblick: Das Schachtlabyrinth ist eine gigantischen Abenteuer-Revier für Biker – erschaffen in hunderten Jahren von Bergleuten auf der Suche nach Erz.
  Die Helmlampe als einzige Lichtquelle: Guide Lucas (Mitte) kennt sich in Schwarz der Schächte aus, solange man den Kegel seiner Helmlampe sieht, muss man sich keine Sorgen machen.Foto: Henri Lesewitz
Die Helmlampe als einzige Lichtquelle: Guide Lucas (Mitte) kennt sich in Schwarz der Schächte aus, solange man den Kegel seiner Helmlampe sieht, muss man sich keine Sorgen machen.
  Unfassbar: Unter Tage gibt es tatsächlich einen echten Flowtrail. Mehr als 500 Stunden hat Lucas zusammen mit Kumpels am unterirdischen Bikepark gebaut.Foto: Henri Lesewitz
Unfassbar: Unter Tage gibt es tatsächlich einen echten Flowtrail. Mehr als 500 Stunden hat Lucas zusammen mit Kumpels am unterirdischen Bikepark gebaut.
  Die stummen Zeugen der längst vergangenen Bergbau-Epoche finden sich überall in den Stollen.Foto: Henri Lesewitz
Die stummen Zeugen der längst vergangenen Bergbau-Epoche finden sich überall in den Stollen.
  Aufregende, verwinkelte Trails in bizzarem Ambiente: Die Tour unter Tage ist echtes Biken – nur ohne die Gefahr eines Sonnenbrands. Foto: Henri Lesewitz
Aufregende, verwinkelte Trails in bizzarem Ambiente: Die Tour unter Tage ist echtes Biken – nur ohne die Gefahr eines Sonnenbrands. 
  Kopf einziehen! Stellenweise kann es ganz schön eng werden.Foto: Henri Lesewitz
Kopf einziehen! Stellenweise kann es ganz schön eng werden.
  Kärchern nach der Tour: Die Bikes werden während der Tour definitiv schmutzig, denn im Bergwerk ist es zum Teil matschig.Foto: Henri Lesewitz
Kärchern nach der Tour: Die Bikes werden während der Tour definitiv schmutzig, denn im Bergwerk ist es zum Teil matschig.

Website zum Buchen der Tour: www.erlebnisradtouren-saaleland.de

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