Von Ziegelwerken bis GlashüttenFünf Radtouren durch Brandenburgs Industriegeschichte

Barbara Merz-Weigandt

 · 26.05.2026

Die Energiefabrik Knappenrode ist nur eines von vielen Zielen auf den Radtouren durch die Industriegeschichte Brandenburgs
Foto: Uwe Schulz
Auf fünf Radrouten kann man ab sofort die Industriegeschichte Brandenburgs erfahren. Die Strecken zwischen 25 und 54 Kilometern Länge führen durch unterschiedliche Landschaften und zu Museen, die von Ziegelproduktion über Glasherstellung bis zur Braunkohleförderung reichen. Besonders komfortabel: Alle Touren beginnen an Bahnhöfen mit Regionalverkehrsanbindung.

Themen in diesem Artikel

Fürstenwalde: Pintsch-Leuchtturm und Spreeschwimmhalle

Die 25 Kilometer lange Rundtour durch Fürstenwalde im Seenland Oder-Spree startet am Goetheplatz nahe dem Bahnhof. Der Weg führt zur Wassermühle, dem ältesten Industriebau der Stadt, und zu den Schleusenanlagen an der Spree. Das Museum Fürstenwalde im alten Stadtkern zeigt die Industrieentwicklung der Region. Vor dem Gebäude steht der fast sieben Meter hohe Pintsch-Leuchtturm von 1909. Die Firma Julius Pintsch produzierte in Fürstenwalde Leuchten für die Schifffahrt, die unter anderem am Suezkanal in Ägypten installiert wurden.

Im 500 Jahre alten Rathauskeller dokumentiert das Brauereimuseum die Brautradition der Stadt. Die Route passiert den drittältesten Bahnhof Deutschlands mit seinem Wasserturm und führt zum Trebuser See. Am Ende der Strecke liegt das Erlebnisbad Schwapp in der ehemaligen Spreeschwimmhalle von 1971. Die Halle war für ihre 50-Meter-Bahn und den Sprungturm bekannt. Die flache Strecke ist über die Regionalbahn RE1 erreichbar.

Mildenberg: Feldbahn durch das Ziegelrevier

Von Zehdenick nach Fürstenberg/Havel erstreckt sich eine 54 Kilometer lange Streckentour durch die Brandenburgische Seenplatte. Die Route beginnt am Bahnhof Zehdenick beim Zisterzienserkloster und der Hast-Brücke. Über 60 ehemalige Tonstiche säumen den Weg. Die Gruben dienten der Lehmgewinnung für die Ziegelproduktion und sind heute Badeseen.

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Der Ziegeleipark Mildenberg erstreckt sich über 40 Hektar. Eine historische Feldbahn fährt über das Gelände mit Ringöfen und Werkstätten. Finowmaßkähne transportierten von hier Millionen Ziegel nach Berlin. Auf dem Abenteuerspielplatz können Kinder eigene Ziegel streichen. Die Route führt weiter zum Barfußpfad in Dannenwalde und zum Naturparkhaus Stechlin in Menz. Am Stechlinsee in Neuglobsow erinnert das Glasmacherhaus an die Hüttenarbeit. Die Tour endet am Bahnhof Fürstenberg/Havel.

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Baruth: Thermosflasche und Glaskunst

Im Baruther Urstromtal im Fläming verbindet eine 25 Kilometer lange Tour Parkanlagen mit Industriegeschichte. Vom Bahnhof Klasdorf führt der Weg zur Baruther Glashütte, einem Glasmacherdorf mit historischen Arbeiterhäusern. Das Museum in der Neuen Hütte zeigt das Erbe von Reinhold Burger, der die Thermosflasche erfand. Im Glasstudio können Besucher die Herstellung von Glasobjekten beobachten.

Im 19. Jahrhundert war Baruth Brandenburgs größter Glaserzeuger. Lampenschirme aus Milchglas aus der Produktion beleuchteten Berliner Wohnungen. Heute arbeiten Kunsthandwerker im Dorf und vermitteln die manuelle Glasfertigung. Die Route führt zum Wildpark Johannismühle mit Wölfen und Bären in weitläufigen Gehegen. Der Schlosspark in Baruth wurde von Peter Joseph Lenné gestaltet. Die Tour endet am Denkmalbahnhof Klasdorf.

Knappenrode: Brikettfabrik und Lausitzer Wandel

Die 30 Kilometer lange Rundtour im Lausitzer Seenland startet am Bahnhof Hoyerswerda. Der Weg führt durch die Altstadt mit Schloss und Zoo sowie durch die Neustadt mit Plattenbauarchitektur. Am ZCOM Zuse Computer Museum vorbei verläuft die Strecke entlang des Scheibe-Sees, einem ehemaligen Tagebau. Asphaltierte und befestigte Wege führen durch Kiefernwälder zur Energiefabrik Knappenrode.

Die ehemalige Brikettfabrik Werminghoff ist heute Museum. Bei der Akustikschicht erwacht die Fabrik durch Geräusche zum Leben. Besucher gehen über sieben Etagen vorbei an Trocknern und Pressen. Die Ausstellung zeigt die Entwicklung des Lausitzer Reviers von den vorindustriellen Anfängen bis zur heutigen Urlaubs- und Energieregion. Vom 30 Meter hohen Lausitz.Blick bietet sich ein Panorama über die Region. Kinder nutzen Entdeckerrucksäcke, fahren Draisine oder rutschen durch die Tunnelrutsche. Der Rückweg führt über das Angerdorf Zeißig zum Bahnhof Hoyerswerda.

Ludwigsfelde: DDR-Fahrzeuge und Teltowkanal

Zwischen Ludwigsfelde und Teltow verläuft eine 35 Kilometer lange Streckentour durch den Fläming. Die Route beginnt am Bahnhof Ludwigsfelde und führt über Großbeeren in die Altstadt von Teltow. Das Stadt- und Technikmuseum Ludwigsfelde im alten Bahnhof zeigt DDR-Fahrzeuggeschichte. Ausgestellt sind die IWL-Motorroller Wiesel, Berlin und Troll sowie der LKW W50.

Das Industriemuseum Teltow befindet sich in einem Fabrikgebäude von 1936. Die Ausstellung dokumentiert 150 Jahre Industriegeschichte von Mechanik bis Automatisierung. Die Tour endet am Teltowkanal, wo im Stadthafen Teltow Schiffe zu beobachten sind. Die fast steigungsfreie Strecke verbindet beide Bahnhöfe.

Details, Kartenmaterial und weitere Tourenvorschläge unter: www.industriekultur-brandenburg.de oder www.museen-brandenburg.de

Barbara Merz-Weigandt

Barbara Merz-Weigandt

Chefredakteurin

Barbara Merz-Weigandt, Chefredakteurin von MYBIKE, dem Magazin für engagierte Alltags- und Reiseradler, lebt am Starnberger See. Ihre große Leidenschaft: das Reisen. Mit dem Tourenrad überquerte sie die Alpen – auf der Via Claudia Augusta, der Ciclovia München-Venezia und dem Alpe-Adria-Radweg. Mit Motorsegler und Rad erkundete sie die Inselwelt Kroatiens und die lykische Küste, alle Balearen und Kanaren hat sie mit dem Fahrrad bereist. Am liebsten ist sie mit dem Mountainbike auf den Trails in den Bayerischen Voralpen, den Dolomiten oder auf La Palma unterwegs.

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