Marc Strucken
· 03.09.2024
Bayern ist schön - das sagen nicht nur Einwohner/innen, sondern auch Millionen Touristen. Deshalb gibt es jetzt eine Plattform zur Routenplanung und Navigation für den Freistaat. Aber weil Thüringen und Niedersachsen auch schön sind, ist der Radroutenplaner Bayern Teil des übergeordneten Radroutenplaner-Deutschland, der unter radroutenplaner-deutschland.de die Plattformen der einzelnen Länder verbindet.
So bildet der neue Radroutenplaner Bayern alle Radwanderwege des Landes ab und liefert eine praktische Planungshilfe für Freizeitradler, Radreisende und Alltagsfahrradfahrerinnen. Im Gegensatz zu Trails oder kleinen Pfaden abseits der markierten Wege, die zwar eingezeichnet sind, aber bei der Routenplanung nicht berücksichtigt werden, bietet die App eine umfassende Übersicht der Radwanderwege.
Diese neue App der Bayerischen Staatsregierung ersetzt die 2020 veröffentlichte Bayern-Rad-App. Die neue Radroutenplaner-App bietet jetzt vor allem mehrere Optionen zur Auswahl, bei denen sie auf unterschiedliche (Rad-)Wegenetze zurückgreift:
1. Radnetz: Mit ca. 54.000 km Strecke ist es ideal für Freizeitradler, die Tagesausflüge planen möchten. Die Routen sind durch die bekannten grün-weißen Fahrrad-Wegweiser markiert.
2. Bayernnetz für Radler (BfR): Insgesamt 9.000 km Strecken für Freizeit- und Urlaubsradler, geeignet für Tages- oder Mehrtagestouren. Durchgängige Logo-Kennzeichnung, Themenrouten und verkehrssichere Wege auf wenig befahrenen Straßen und eigenständigen Radwegen sorgen für eine entspannte Fahrt.
3. Direkte Route: Für kurze Verbindungen auf befestigten Wegen und ausgewiesenen Fahrradstraßen sowie Straßen mit niedrigen Höchstgeschwindigkeiten (z. B. Tempo-30-Zone). Ideal für Alltagsradler, da bei der Routenberechnung befestigte Wege bevorzugt werden.
4. Asphalt/Beton: Ausschließlich befestigte Wege und Straßen – optimal für Radler mit schmalen Reifen oder viel Gepäck und bei schlechtem Wetter.
Die App erlaubt es, eine Durchschnittsgeschwindigkeit anzugeben, um die erwartete Reisezeit im Voraus zu sehen. Zudem lassen sich etwa Treppen, Steigungen oder Fähren bei der Planung vermeiden. Ziele können über die Suche eingegeben werden oder einfach mit dem Finger in der Karte markiert werden.
Wir haben eine Beispielroute geplant von Feldafing (hier wohnt der Redakteur) nach München, Sendling (hier ist die Redaktion zuhause):
Die App Radroutenplaner Bayern informiert entlang der Route über Verpflegungsmöglichkeiten, wie Biergärten, Sehenswürdigkeiten, und bietet sogar eine „Ums Rad“-Funktion, die Fahrradläden, Werkstätten, Schlauchautomaten und Aufpumpstationen auflistet. Kostenlosen Offline-Karten können, wie von Google oder anderen Anbietern gewohnt, heruntergeladen werden: einfach einen Ausschnitt wählen und speichern. So kann man auch ohne Datenverbrauch oder Handynetz mit der Navi-App navigieren.
Die umfangreiche Suchfunktion ermöglicht es, nach Gastronomie, Fahrrad-Support und Übernachtungsmöglichkeiten zu suchen. Zertifizierte Bed & Bike-Gasthäuser können direkt angesteuert werden und auch öffentliche Wasserspender werden aufgelistet. All das kann auch während der Navigation über das Smartphone in der Karte angezeigt werden mit kleinen selbsterklärenden Symbolen.
Geplante oder ausgewählte Routen können in drei Formaten gespeichert werden:
Wer nicht auf dem Handy eine Route suchen oder gar erstellen lassen möchte, kann dies auch am PC tun. Über die Webseite radlland-bayern.de/radkarte können ebenso Routen geplant und per anschließend per QR-Code in die Radroutenplaner-App geladen werden. Dieser QR-Code kann in der App unter dem Menüpunkt „QR“ oder mit der Smartphone-Kamera gescannt werden, woraufhin die Route unter „Routing“ angezeigt und offline gespeichert werden kann.
Der Radroutenplaner bietet zudem auch eine große Anzahl an Themenrouten. Von A wie Abens-Radweg bis Z wie Zusam-Radweg (nein, beides keine Schreibfehler). Über eine freie Suche können Ergebnisse gefiltert werden, zum Beispiel durch Suchbegriffe wie „Freilichtmuseum“ oder konkrete Orte wie „Starnberg“. Der Suchradius kann von 1 bis 35 km begrenzt werden. Gefundene Routen speichert man dann, so sind sie offline verfügbar oder man lädt gleich das entsprechende im Datenpaket (z. B. GPX-Format) herunter oder teilt es per Link mit anderen.
Kleines Manko: QR-Codes können zwar generiert, aber nicht als Bilddatei heruntergeladen werden.
Der Radroutenplaner Bayern funktioniert reibungslos und ist intuitiv bedienbar. Man braucht keine Registrierung oder Anmeldung. Dass die Daten nach einem Neuinstallieren der App weiter vorhanden sind, davon ist daher nicht auszugehen. Die Navigation auf dem Smartphone ist gut ablesbar, und die Route wird als dicker, farbiger Strich angezeigt. Die Kartendetails sind klar und deutlich. Die Verknüpfung mittels eines GPS-Files, beispielsweise mit einem Garmin-Navi, funktioniert ebenfalls problemlos. Die App fokussiert sich bewusst auf ausgewiesene Radwege und Straßen zur Routenplanung. Wer abseits dessen Abenteuer sucht, ist beim Radroutenplaner falsch. Auch die immer beliebteren Trackingfunktionen von Geschwindigkeit, Distanz oder Körperdaten, gibt es bewusst nicht. Man könnte sagen, dies App und das Webseiten-Planungstool können nicht viel verglichen mit GPS-Navis. Aber was sie bereitstellt, ist gut und hilfreich. Dass konsequent leider nur von “Radlern” und nicht von Radlerinnen gesprochen wird, dürfte an der Vorgabe der bayerischen Staatsregierung liegen, wonach nicht gegendert wird.

Redakteur