Editor’s ChoiceDie 5 Top-Trailtouren mit dem MTB in Deutschlands Norden

Gitta Beimfohr

 · 13.12.2023

Auch in Deutschlands Norden warten Höhenmeter.
Foto: Matthias Rotter
Seit Jahren durchforsten die Touren-Autoren von BIKE deutsche Mittelgebirge und lassen sich die Lieblings-Trails der Locals zeigen. Jetzt ziehen wir Bilanz. Teil 1 unserer Top-5-Serie: Das sind die besten MTB-Trailtouren des Nordens.

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Na gut, wir waren noch immer nicht in Kiel. Und ja, die Harburger Berge im Süden von Hamburg haben auch großes Trail-Potenzial. Ebenso tummelt sich in den Küstenwäldern von Rostock eine kreative Dirt-Gemeinde. Das wissen wir. Doch für unsere Revierguides suchen wir nach Möglichkeit immer drei Touren, die sich fahrtechnisch, aber auch landschaftlich unterscheiden – und dafür sind zumindest ein paar Hügel gut.

Deshalb beginnt unsere Top-5-Auswahl des Nordens auf Höhe von Bad Salzdetfurth in Niedersachsen. Im 360 Meter hohen Bergland am Flüsschen Innerste hat eine lokale Bikeszene bereits vor knapp 20 Jahren damit begonnen, ein kleines Cross-Country-Paradies zu schaffen. Inzwischen können hier sogar die Deutschen Meisterschaften ausgetragen werden. Ganz im Gegensatz zum Deister bei Hannover. Über den 400 Meter hohen Rücken dieses Bergzugs mäandern mehr Trails als in so manchem Alpenrevier. Und eigentlich hätte er damit auf unserer Top-5-Liste auch ganz oben rangieren müssen. Doch leider haben die Macher des Vereins Deisterfreunde zurzeit wieder Ärger mit den Behörden in Hannover. Daher nehmen wir uns diesen Spot mal gesondert vor, wenn sich die Wogen geglättet haben und drücken bis dahin alle Daumen. Aber nun Vorhang auf für unsere fünf Touren-Favoriten des Nordens! Unsere Top 5 aus Deutschlands Mitte und Süden folgen dann in den nächsten Ausgaben.

1. Harz / Goslar: Die Stausee-Runde

  • Länge: 49 Kilometer
  • Bergauf: 1060 Höhenmeter
  • Reine Fahrzeit: 3,5 Stunden
  • Schwierigkeit: mittel
Fünf flowige Kilometer lang: Der Trail vom Bielstein nach Lautenthal hinunter.Foto: Matthias RotterFünf flowige Kilometer lang: Der Trail vom Bielstein nach Lautenthal hinunter.

Norddeutschlands erstes und höchstes Mittelgebirge trägt seine Trail-Juwelen nicht im Zentrum, wie man vermuten könnte, sondern behängt sich damit an seiner steilen Nordrandflanke. Von Goslar über Bad Harzburg und Wernigerode bis nach Thale im Ostharz verzweigt sich hier ein dichtes Trail-Netz. Leider kann diese Runde nur einen Bruchteil dieses Schatzes heben, denn auf die Länge summieren sich hier auch schnell die Höhenmeter. Aber glücklicherweise auch die Aussichten auf Stauseen, einen beeindruckenden Canyon und einige Favoriten-Trails der Goslaer Locals. Los geht’s auf dem mittelalterlichen Marktplatz von Goslar. Kurz dahinter windet sich die erste Trail-Acht über den Steinberg. Kurze Unterbrechung auf Schotter, dann schließt sich der nächste Trail zum Granetal-Stausee an. Ein Rhythmus, der bis zum einzigen langen Anstieg zum Bielstein hinaufführt. Hier wartet ein fünf Kilometer langer Traum-Trail mit viel Aussicht nach Lautenthal hinunter. Auf den letzten 20 Kilometern heißt es noch zweimal klettern, aber die Belohnung folgt sofort. Besonders spaßig: der Flowtrail vom Steinberg zurück in die Stadt.

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Highlights der Tour

Goslars historische Altstadt gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist ohnehin schon einen Besuch wert. Direkt dahinter steigen aus der norddeutschen Tiefebene abrupt die ersten 600 bis 700 Meter hohen Gipfel des Westharzes auf. Was uns besonders gut an dieser Tour gefällt: Sie enthält mehrere kilometerlange Trail-Abschnitte durch ein renaturiertes Bergbaugebiet und gibt dabei immer wieder tolle Aussichten auf die Stauseen und eine Art Mini-Canyon frei.

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Schlüsselstellen

Gleich zu Beginn warten am Steinberg ein paar Trail-Rampen bergauf. Auch für die letzten beiden Anstiege der Runde (wieder am Steinberg) sollte man sich ein paar Körner aufheben. Die Trails sind zwar wurzelhaltig, aber insgesamt flowig.

Unterkunftstipp

Hotel Schiefer in Goslar: altehrwürdig, aber innen modern. Gute Küche und Chef Alex ist selbst Biker. www.schiefer-erleben.de

Info

www.goslar.de

2. Harz / Thale: Teufelsmauer

  • Länge: 48,9 Kilometer
  • Bergauf: 796 Höhenmeter
  • Reine Fahrzeit: 5 Stunden
  • Schwierigkeit: mittel
An der östlichen Nordkante des Harzes sind die Berge bei Thale nur halb so hoch, trockener und sie zeigen skurrile Formen.Foto: Matthias RotterAn der östlichen Nordkante des Harzes sind die Berge bei Thale nur halb so hoch, trockener und sie zeigen skurrile Formen.

Die Gipfel im Nordosten des langen Harzriegels sind zwar nur noch halb so hoch wie die vor den Toren Goslars, doch hier hat sich das Flüsschen Bode recht kurvenreich in eine Schlucht genagt, was auch für eine spannende Kulisse sorgt. Wer oder was das andere landschaftliche Spektakel dieser Region hervorgebracht hat, weiß niemand so recht. Fakt ist: Die Kulisse hat zum Teil mehr Ähnlichkeit mit Moab als mit dem nur 45 Kilometer Luftlinie entfernten Goslar. Am besten erkennt man sie auf dem Teufelsmauer-Ritt durch das eher flache Harzer Vorland: Die Tour startet am nördlichen Ortsrand von Thale. Richtung Quedlinburg passiert man dabei auf einem Trail direkt die Teufelsmauer. Ein Ungetüm von einem Felskamm, der wie ein urzeitlicher Fremdkörper aus der sonst sanften Hügellandschaft ragt. Trails entlang der Bode geleiten zum nächsten Highlight: die Thekenberge (230 m). Auf diesen spaziert ein sandiger, nicht enden wollender Flowtrail bis vor die Tore von Langenstein. Dort wendet sich die Runde wieder dem Harz zu und steigt erst leicht Richtung Blankenburg, dann strammer Richtung Teufelsmauer an. Noch mal ein kniffligeres Trail-Finale von sechs Kilometern!

Highlights der Tour

Die Locals aus dem Bodetal mögen es uns verzeihen, dass wir nicht ihre Talsperrenrunde im Bergland ausgewählt haben, sondern diese große Tour, die hauptsächlich durchs flache Harzvorland kurvt. Aber 25 Prozent Trail-Anteil bei einer Streckenlänge von knapp 50 Kilometern sind nun mal ein schlagendes Argument. Fast noch mehr beeindruckt haben uns die skurrilen Felsformationen der Teufelsmauer, die an Moab erinnernden Thekenberge mit ihrem zehn Kilometer langen Sandpfad bis zum Felsturm Gläserner Mönch. Viel mehr landschaftliche Überraschung inklusive extra-großem Trail-Gehalt geht fast nicht.

Schlüsselstellen

Alle Trails dieser Runde sind gut fahrbar. Nur die lange Treppe am Gläsernen Mönch schiebt man besser. Der Schluss-Trail an der Teufelsmauer enthält ein paar knifflige Wurzelteppiche.

Einkehrtipp

Käsekuchenbäckerei Vincent in Quedlinburg. Ein Muss!

3. Rothaargebirge: Trans-Sauerland

  • Länge: 152 Kilometer
  • Bergauf: 2780 Höhenmeter
  • Reine Fahrzeit: 3 Etappen
  • Schwierigkeit: mittel
Drei Tage lang ist man auf dem Rothaarsteig mit dem MTB auf der Pirsch. Im Visier: Trails.Foto: Dennis StratmannDrei Tage lang ist man auf dem Rothaarsteig mit dem MTB auf der Pirsch. Im Visier: Trails.

Drei Tage Sauerland intensiv: Diese Tour von Brilon nach Dillenburg gehört zu den schönsten Mittelgebirgsquerungen Deutschlands. Vor allem wegen ihres großen Trail-Gehalts, aber auch wegen ihrer Vielfalt – und das noch weit bevor im Sauerland das „Projekt Green Trails“ startete. Ein Projekt, das in naher Zukunft zu Europas größtem zusammenhängenden Trail-Netz anwachsen soll. Bis es so weit ist, kann man sich also noch mit dieser Etappentour über den markierten Rothaarsteig behelfen. Die Route startet am Trailcenter von Brilon und arbeitet sich auf Waldwegen nach Willingen vor. Dabei wird so manches Gipfelkreuz inklusive Aussicht mitgenommen. So auch der Langenberg (843 m), bevor man nach 42 Kilometern Tagesstrecke nach Winterberg einreitet. Etappe zwei klettert auf Sandwegen durch die Hochheide zum Kahlen Asten (840 m) hinauf und balanciert danach über das Rückgrat des Rothaargebirges. Ein Auf und Ab, das Körner kostet. Deshalb ist man froh, wenn kurz vor Zinse das Landhaus Zum Rothaarsteig auftaucht. Die dritte Etappe ist mit 62 Kilometern bis Dillenburg die längste, hat dafür aber noch mehr Trails, einen Schlossberg und die meisten Tiefenmeter zu bieten.

Highlights der Tour

Das Rothaargebirge zieht sich in Nord-Süd-Richtung durch das Hochsauerland. Ein Höhenzug, über den der 152 Kilometer lange und mit einem liegenden R lückenlos markierte Rothaarsteig führt. Einen GPS-Track braucht man daher nicht zwingend, Freude an Trails aber unbedingt, denn der Wanderweg klettert sehr oft einspurig über viele aussichtsreiche Gipfel und Grate des Gebirges. Wer den Fahrspaß noch erhöhen möchte, der reizt das Trail-Potenzial im Trailcenter Brilon und in den beiden Bikeparks entlang der Strecke, Willingen und Winterberg, noch zusätzlich aus.

Die Daten der Tour:

  • Etappe 1: Brilon – Winterberg, 42,5 km / 1044 hm / 856 tm
  • Etappe 2: Winterberg – Zinse, 46,6 km / 800 hm / 884 tm
  • Etappe 3: Zinse – Dillenburg, 62 km / 936 hm / 1300 tm

Schlüsselstellen

Die meisten Trails sind einfach zu fahren, aber mit Wurzeln und Absätzen muss man rechnen.

4. Teutoburger Wald: Iron-Trail

  • Länge: 21,3 Kilometer
  • Bergauf: 546 Höhenmeter
  • Reine Fahrzeit: 2 Stunden
  • Schwierigkeit: mittel
Es gab tatsächlich Zeiten, da war das Trail-Biken im Teuto noch in alle Richtungen erlaubt.Foto: Matthias RotterEs gab tatsächlich Zeiten, da war das Trail-Biken im Teuto noch in alle Richtungen erlaubt.

Ein Strich in der Landschaft, dieser Teutoburger Wald: Sein schmaler Kamm gehört zum Weserbergland und verläuft schräg zwischen den Städten Osnabrück im Norden und Paderborn im Süden. An einer markanten Einkerbung in der Mitte des maximal 446 Meter hohen Bergrückens liegt die Stadt Bielefeld. Und weil sich hier einst im Jahr 9 n. Chr. die alten Germanen mit den Römern eine Schlacht geliefert haben sollen, thront oben auf der 386 Meter hoch gelegenen Grotenburg bei Detmold heute nicht nur das riesige Hermannsdenkmal. Auch der Gratweg über das gesamte Gebirge wird Hermannsweg genannt. Unser Tourenautor hatte sich 2018 für alle drei Revierguide-Touren auf dem Hermannsweg getummelt. Allerdings nur, um von dort auf die weit vergabelten Trail-Varianten abzuzweigen. Eine Goldgrube! Doch leider – und jetzt kommt’s: wurden die Trails im Teuto kurz danach für Biker gesperrt. Wer Trails wollte, musste nun auf den Schuttberg beim Naturfreundehaus in Oerlingshausen ausweichen. Doch inzwischen steht der Verein MTB Bielefeld mit den Behörden im aussichtsreichen Diskurs um einen Trail am Eisernen Anton („Iron-Trail“).

Aktuelles zur Tour

Achtung, wer im Teutoburger Wald auf einem für Biker gesperrten Pfad erwischt wird, zahlt bis zu 100 Euro Bußgeld! Warum wir diesen Trail trotzdem ins Ranking aufnehmen? Weil uns diese Runde 2018 besonders begeistert hat und der engagierte Verein MTB Bielefeld gerade dabei ist, diesen Pfad am Gasthaus Eiserner Anton (beliebter Biker-Treff) legalisieren zu lassen. Die Chancen stehen gut, dass es im Frühjahr 2024 so weit ist. Ob die Touren- und GPS-Daten unseres damals aufgezeichneten Tracks dann so noch stimmen, ist fraglich. Daher stecken wir sie vorerst nicht in den Download-Link. Infos Der Verein MTB Bielefeld e. V. hält auf seiner Seite und auf Instagram auf dem Laufenden: www.mtb-bielefeld.de

Schuttberg-Trail

Im Privatwald des Naturfreundehauses Bielefeld gibt es einen gepflegten, wenn auch nur 300 Meter langen Trail, auf dem sich auch Nicht-Vereinsmitglieder austoben können („Monte Scherbelino“).

5. Bad Salzdetfurth: Tosmarberg

  • Länge: 49 Kilometer
  • Bergauf: 700 Höhenmeter
  • Reine Fahrzeit: 4 Stunden
  • Schwierigkeit: mittel
Flowtrail im Bike & Outdoorpark (BOP) von Bad Salzdetfurth: Uphill und Downhill nebeneinanderFoto: Matthias RotterFlowtrail im Bike & Outdoorpark (BOP) von Bad Salzdetfurth: Uphill und Downhill nebeneinander

Rund 30 Kilometer bevor sich der Harz aus der niedersächsischen Tiefebene schält, wellt sich das Bergland des Flüsschens Innerste. Sauberge, Griesberg (höchster Gipfel mit 359 Metern) und Tosmarberg heißen hier die besten Spots für Mountainbiker und mittendrin: die Cross-Country-Hochburg Bad Salzdetfurth. In diesem ehemaligen Bergwerk-Ort haben sich die Locals schon 2014 um ein eigenes Gelände am Förderturm 1 gekümmert. Mit gebauten Strecken, Dirtjumps, Pumptrack und Vereinshaus. Zweimal wurden hier bereits die Deutschen Meisterschaften ausgefochten. Für etwas längeren Trail-Ausflauf geht’s rüber zum 320 Meter hohen Tosmarberg: Die Tour startet in „Badse“ am Förderturm 1 mit dem Stilfser Joch Niedersachsens, der kurvenreichen Flowtrail-Auffahrt. Dahinter stellen sich die Rampen zum Tosmar hinauf in den Weg. Kurz die Aussicht am Gipfelkreuz genießen und dann rein in die Trail-Abfahrt nach Diekholzen – die vielleicht beste der Region (6 km). Feldwege und Pfade führen bis nach Hildesheim (sehenswerte Altstadt!), bevor es mit der Querung von Galgen- und Knebelberg, den Hotspots der Hildesheimer Bike-Szene, und entlang der Innerste wieder zurückgeht.

Highlights der Tour

Die Tour über den nah gelegenen Griesberg hat zwar einen größeren Trail-Anteil, allerdings muss man sich hier den Fahrspaß im stetigen Auf und Ab erkämpfen. Deshalb gefällt uns die fast doppelt so lange Runde über den westlich gelegenen Tosmarberg bis nach Hildesheim noch etwas besser, denn hier wartet die vielleicht längste reine Trail-Abfahrt nach Diekholzen mit anschließender Verlängerung Richtung Söhre. Insgesamt fast sechs Kilometer! Dann bespaßt der Kammweg Schwarze Heide auf dem Weg nach Hildesheim und nach der Sightseeing-Runde durch die Altstadt schließen sich noch die Trails über Knebelberg und Galgenberg an. In Hildesheim lohnt übrigens eine Einkehr in der historischen Friesenstraße (km 22)!

Schlüsselstellen

Keine. Alle Trails sind leicht und auch für Einsteiger gut zu fahren.

Allgemeine Info

sportstadt.bad-salzdetfurth.de

GPS-Daten zu den MTB-Trails

Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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