Die drei schönsten Bike-Touren rund um Aachen

Matthias Rotter

 · 23.10.2023

In Aachens Wäldern treffen Deutschland, Belgien und die Niederlande aufeinander. Den Trail-Fluss bringt das allerdings nicht durcheinander.
Foto: Matthias Rotter
Aachen liegt im Dreiländereck, wo sich MTB-Trails aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden treffen. Hier im Wald haben die Mountainbike-Strecken die Grenzen längst perforiert. Kurz rüber zur Pommesbude? Oder doch lieber zur einzigen Almhütte Hollands hinauf? Der BIKE-Revierguide zeigt die drei besten Spaßrunden im Raum Aachen.

Tour 1: Dreiländereck

  • Länge: 29,3 Kilometer
  • Bergauf: 476 Höhenmeter
  • Reine Fahrzeit: 2:30 Stunden
  • Schwierigkeit: Leicht
An Höhenmetern wird im “Öcher Bösch” gespart, aber nicht an Trails (rot)! | Profil: BIKE MagazinAn Höhenmetern wird im “Öcher Bösch” gespart, aber nicht an Trails (rot)! | Profil: BIKE Magazin

Tourenbeschreibung

Der Aachener Wald, im örtlichen Dialekt „Öcher Bösch“ genannt, ist das Heimrevier der Locals. Denn die Trails starten direkt vor den Toren der Stadt. Die Runde führt auf Waldwegen und vielen launigen Pfadabschnitten kreuz und quer durch den Bösch. Bei Kilometer 9 erreicht man das Dreiländereck, wo es Gelegenheit für einen Abstecher zum Bikepark gibt (wenige 100 Meter). Der Aussichtsturm bietet das einzige Panorama auf der Runde. Es folgt ein Abstecher nach Belgien, dann führt ein langer Pfad direkt auf der Grenzlinie entlang zum ehemaligen Westwall. Bei Kilometer 19,8 passiert man ein Kriegsdenkmal, wo noch Dutzende Panzersperren aus dem 2. Weltkrieg im Wald liegen.

Startpunkt: Am Bike-Components-Radshop in der Aachener Innenstadt (Neupforte 2d)

Highlights: Der Trail-Abschnitt bei Kilometer 5,2 kurvt durch knorrige Bäume bergab und das große Trail- Finale ab Kilometer 22 bis zur Stadtgrenze.

Schlüsselstellen: Fahrtechnisch keine nennenswerten Schwierigkeiten

Einkehr: Waldrestaurant Gut Entenpfuhl (bei km 15,9 dem Asphaltweg 600 Meter geradeaus folgen)

Tour 2: Holländische Berge

  • Länge: 55,8 Kilometer
  • Bergauf: 855 Höhenmeter
  • Reine Fahrzeit: 3:30 Stunden
  • Schwierigkeit: Mittel
855 Höhenmeter! Da soll noch jemand sagen, Holland wäre flach. | Profil: BIKE Magazin855 Höhenmeter! Da soll noch jemand sagen, Holland wäre flach. | Profil: BIKE Magazin

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Tourenbeschreibung

Nein, Holland ist nicht komplett flach! An der Südspitze hat das Land der Windmühlen mit Ach und Krach einen Höhenzug ergattert, der am Vaalserberg immerhin auf 323 Metern kulminiert. Ab dem Dreiländereck folgt die Tour dem Mini-Gebirge auf flowigen Wald-Trails Richtung Westen. Rund um das Dörfchen Epen erinnert die weite, grüne Landschaft mit grasenden Kühen und Bauernhöfen fast ans Allgäu. Kurzweilig schwingt sich die Route hier auf unzähligen Trails durch die Hügel. Nach einer Schleife um Epen und Mechelen nähert man sich wieder dem Vaalserberg. Dann geht es entlang der belgischen Grenze wieder übers Dreiländereck zurück nach Aachen.

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Startpunkt: Am Bike-Components-Radshop in der Aachener Innenstadt (Neupforte 2d)

Highlights: Trail-Abschnitte auf dem Vaalserberg entlang der belgischen Grenze und die Schleife rund um Epen

Schlüsselstellen: Fahrtechnisch keine nennenswerten Schwierigkeiten

Einkehr: Bei Kilometer 42 ist eine Rast im Boscafé Pflicht. Das urige Gasthaus mit Aussichtsterrasse gilt als Hollands einzige Berghütte – und ist meist entsprechend gut besucht.

Tour 3: Eifelsteig

  • Länge: 58,6 Kilometer
  • Bergauf: 460 Höhenmeter
  • Reine Fahrzeit: 4 Stunden
  • Schwierigkeit: Leicht
31 Kilometer Radweg zum Einrollen: Die Route folgt einer alten Bahntrasse durch Eifel und Hohes Venn. | Profil: BIKE Magazin31 Kilometer Radweg zum Einrollen: Die Route folgt einer alten Bahntrasse durch Eifel und Hohes Venn. | Profil: BIKE Magazin

Tourenbeschreibung

Der Eifelsteig ist ein 313 Kilometer langer Fernwanderweg zwischen Kornelimünster und Trier. Die Tour führt über die nördlichen Ausläufer der Eifel. Zum Einrollen folgt man bis Kilometer 30 der Trasse der stillgelegten Vennbahn, die als Radweg in sehr moderater Steigung in die Berge führt. Umkehrpunkt ist der Ort Roetgen. Zum Glück geht es ab jetzt (fast) nur noch bergab. Der Eifelsteig führt zu Beginn durch die typische Hochmoorlandschaft von Eifel und Hohes Venn, wo man sich auf einige Trail-Abzweige freuen darf. In Kornelimünster lohnt sich eine Runde durch den Ortskern mit seinen historischen Gebäuden. Am Ende auf der alten Bahntrasse wieder zurück nach Aachen.

Startpunkt: Am Bike-Components-Radshop in der Aachener Innenstadt (Neupforte 2d)

Highlights: Die Holzstege bei Kilometer 34 durchs Hochmoor

Schlüsselstellen: Bis auf eine lange Treppe gegen Ende des Eifelsteigs keine fahrtechnischen Schwierigkeiten. Vorsicht auf den Holzstegen bei Nässe!

Einkehr: Wenn man schon mal hier ist, ein Muss: belgische Pommes in einer der Imbissbuden an der Grenze (Bahntrasse bei km 31 bis zur Grenze folgen).

Die drei MTB-Touren rund um Aachen in der ÜbersichtskarteFoto: InfochartDie drei MTB-Touren rund um Aachen in der Übersichtskarte

Infos zur Region Aachen

Die Stadt

Die westlichste Großstadt Deutschlands liegt unmittelbar im Dreiländereck, wo sich die Grenzen von Deutschland, der Niederlande und Belgien treffen. Zu den rund 250.000 Einwohnern von Aachen kommen die über 50.000 Studenten der Technischen Universität. Großen Anteil an der Stadtgründung hatten die Römer, die sich etwa zu Beginn unserer Zeitrechnung bei den warmen Quellen ansiedelten, die am Nordrand der Eifel aus der Erde sprudeln. Bis heute ist Aachen anerkannter Thermalort und dürfte sich sogar "Bad" nennen.

Anreise

Aachen ist von Köln aus über die Autobahn A4 Richtung Westen schnell erreichbar. Vom Ruhrgebiet her führen die A46 und A44 Richtung Aachen. Die Hauptbahnverbindung läuft ebenfalls über Köln. Innerhalb der Stadt verkehren Linienbusse, oder man nimmt das Fahrrad. Die Distanzen sind überschaubar. Für Bike-Touren in der Eifel ist der Fahrradbus eine interessante Alternative (nach Monschau oder Simmerath, sonn- und feiertags von März bis Oktober). Entfernung von Köln 70 km, von Dortmund 150 km und von Frankfurt/M. 260 km.

Das Bike-Revier

Aachen liegt auf 175 Metern Höhe, im Süden umarmt vom 360 Meter hohen Aachener Wald. 200 Höhenmeter, die die Aachener Locals gerne auf ihren Feierabendrunden wegdrücken. Richtung Westen setzt sich der Aachener Wald mit dem Rücken des Vaalserbergs fort. Dieser ist mit 323 Metern der höchste Berg der Niederlande (Festland), wenn man vom 877 Meter hohen Vulkan Mount Scenery auf den Niederländischen Antillen absieht. Auf dem Vaalserberg befindet sich auch das Dreiländereck mit Grenzobelisk und Aussichtsturm. Entlang der Grenzen ziehen sich ab hier viele Kilometer launige Trails. Meist flowige Waldpfade, garniert mit der einen oder anderen Wurzelpassage. Weiter im Süden und Südosten Aachens liegen mit dem Hohen Venn und der Eifel weitere Touren-Reviere der Locals. Das Hohe Venn erhebt sich zum Großteil auf belgischem Staatsgebiet. In der Eifel empfiehlt sich das Städtchen Monschau (40 km) als Touren-Ausgangspunkt. Von dort lockt das wild kurvende Rurtal samt seiner Talsperre.

Unterkünfte

Übernachten kann man in Aachen für jedes Budget. Es warten Jugendherberge und Hotels jeder Kategorie. Eine Übersicht gibt’s auf der Website des Tourismusverbandes.
Tipp: Innside Aachen, Sandkaulstraße 20, Tel. 0241/510370, melia.com. Das moderne Stadthotel liegt nur wenige Minuten Fußmarsch vom Aachener Markt entfernt. Highlight ist das Restaurant Sky Lounge auf der Dachterrasse mit tollem Blick über die City.

Bikeshop

Bike Components, Neupforte 2d in Aachen, Tel. 02405/450045, bike-components.de. Der moderne Shop ist die Institution in Aachen! Tipp: Die Crew veranstaltet jedes Jahr im September das BC Testival im Dreiländereck. Eine perfekte Gelegenheit, die Locals kennenzulernen und Bikes zu testen.

Bikepark & Fahrtechnik

Nur wenige Hundert Meter vom Dreiländereck entfernt schlängeln sich die Trails des offiziellen Bikeparks durch den Aachener Wald. Es gibt sieben Strecken verschiedener Schwierigkeitsgrade, mit und ohne Obstacles sowie einen Übungsparcours. Aus rechtlichen Gründen darf der Park nur von Vereinsmitgliedern genutzt werden. Oder man erwirbt eine Gästekarte für 12 Euro, buchbar vor Ort via Smartphone und QR-Code. Dirtbiker finden außerdem in Aachen einen Pumptrack beim Kinder- und Jugendzentrum. Alle Infos auf der Webseite des örtlichen Vereins Geländefahrrad Aachen: gelaendefahrrad-aachen.de

Fahrtechnikkurse und geführte Touren

Mirijam Buhr und Margit Walmrath, Infos: bikeschule-aachen.de

Karte

Kompass-Karte 3324 „Aachen/Dreiländereck“, im Maßstab 1:70000

Infos allgemein

Aachen Tourist Info, Friedrich-Wilhelm-Platz, 52062 Aachen, Telefon 0241/1802950, aachen-tourismus.de

Szene-Highlights Aachen

Essen und Trinken

In der Aachener Fußgängerzone warten zahlreiche Cafés. Dienstags und donnerstags kann man außerdem über den Wochenmarkt schlendern. Beim Blick in die Schaufenster rund um den Dom wird man auch unweigerlich der wohl größten kulinarischen Berühmtheit Aachens begegnen: den Printen. Dabei handelt es sich um eine Art Lebkuchen, der vornehmlich in Form von Täfelchen, mit oder ohne Schoko-Glasur, feilgeboten wird. Es gibt auch Kräutervarianten, die in der regionalen Küche deftige Soßen verfeinern. Diese Adressen haben wir ausprobiert:

Am Knipp: das wohl älteste Traditionsgasthaus Aachens. Zwischen allerlei Antiquitäten und Nippes kann man regionale Gerichte genießen. Mit Biergarten! Bergdriesch 3, Tel. 0241/33168, amknipp.de

Homeburgers: spektakuläre Burger in US-Ambiente. Hungrig steht hier definitiv niemand wieder auf! Komphausbadstr. 25, Tel. 0241/99775463, homeburgers.de

Frittenwerk: Beim Genuss dieser frittierten Stabkartoffeln sollen schon Sterneköche in die Knie gegangen sein. Spezialität: Poutine im kanadischen Style (Pommes mit verschiedenen Toppings). Holzgraben 4, frittenwerk.com

… und danach

Das Feier-Epizentrum der Studentenstadt liegt im Pontviertel, nördlich der Altstadt. Entlang von Pont- und Milchstraße reiht sich eine Kneipe an die nächste. Kultstatus besitzt z. B. die Tangente, wo jeden Mittwoch, Freitag und Samstag ab 21 Uhr ein DJ auflegt. Einen Besuch wert ist der Club Freiraum. Auf zwei Ebenen gibt’s oben Black Music und unten Electronica-Beats. Beliebt bei den Locals sind auch die Molkerei und das alternativ angehauchte Café Kittel. Asiatisch essen bei Mama & Papa Tai. Und wenn’s mal wieder später wird, noch einen Snack in Kathy’s Frietnesse nehmen!


Die Reportage: Region Aachen - grenzenloses Trail-Vergnügen

Zack, schon ist man drüben: Wären die Grenzsteine nicht, würde man gar nicht bemerken, dass man die Heimat soeben verlassen hat.Foto: Matthias RotterZack, schon ist man drüben: Wären die Grenzsteine nicht, würde man gar nicht bemerken, dass man die Heimat soeben verlassen hat.

Es ist immer wieder sehr unterhaltsam, Touristen im Selfie-Wahn zu beobachten. Überall und weltweit hat das Virus längst das Ego der Menschen befallen. Die Social-Media-Plattformen quellen über vor lauter Selbstdarstellungen. Ich vor dem schiefen Turm von Pisa. Ich im Biergarten neben dem Riesenschnitzel. Oder eben: Ich in drei Ländern gleichzeitig. Zugegeben, diese Kons­tellation von Grenzlinien gibt es nicht an jeder Ecke. Und vor allem nicht so bequem erreichbar wie auf dem Vaalserberg bei Aachen. Und okay, das Dreiländereck ist nun mal die Premium-Sensation der Region. Deshalb stehen auch wir mit unseren Bikes brav in der Warteschlange und schauen den Leuten vor uns bei ihren Albernheiten zu. Vielleicht kann man ja noch was lernen. Oder die Nachfolgenden von uns! Denn dank der Radstände unserer Maschinen ist die Länderübergreifung ohne große Turnübungen wie Flickflack oder Spagat möglich. Markus und Thorsten stehen gleichzeitig in Deutschland und in den Niederlanden, Mirijam und Tim halb in Deutschland, halb in Belgien. Für Robin ist leider der Platz zu knapp, und er muss hinter dem Grenzstein ganzkörperlich in der Heimat bleiben. Pech gehabt!

Ein Foto, für das man im Dreiländereck von Aachen etwas anstehen muss.Foto: Matthias RotterEin Foto, für das man im Dreiländereck von Aachen etwas anstehen muss.

So, jetzt aber Schluss mit dem Kokolores. Wir sind ja nicht zur Volksbelustigung hier, sondern zwecks Erkundung der örtlichen Trails. Und die sind ebenfalls eine Attraktion. Oder wenigstens ein „Amüsemang“, wie man im örtlichen Dialekt Öcher Platt ein großes Vergnügen nennt. „Lasst uns noch einen Abstecher zum Bikepark machen, bevor wir die Tour fortsetzen“, schlägt Mirijam vor und tritt in die Pedale. Wir sind unterwegs im Aachener Wald, von den Einheimischen genannt Öcher Bösch, auf dessen Kamm die Grenzlinien verlaufen. Fast zwangsläufig machen die Locals auf jeder Trail-Runde irgendwo eine Stippvisite bei den Nachbarn. Meist völlig unbemerkt. Nach wenigen Metern stehen wir am Holzturm, der als Startrampe für die beiden Hauptstrecken des Parks dient. Eröffnet im Jahr 2013 können Biker auf inzwischen fünf gebauten Trails ihre Skills testen. Ein Erfolg für die Bemühungen des örtlichen Vereins Geländefahrrad Aachen, in dem sich Mirijam und Tim stark engagieren. Denn als typisches Naherholungsgebiet einer Großstadt birgt der Öcher Bösch natürlich auch ein gewisses Konfliktpotenzial zwischen den üblichen Verdächtigen, in der Hauptsache Biker und Fußgänger. „Wir haben schon einiges erreicht, worauf wir auch stolz sind“, erzählt Mirijam, die neben der Vereinsarbeit eine Bike-Schule betreibt. „Aber es ist durchaus Fingerspitzengefühl auf den Wegen außerhalb des Parks angesagt.“ Mirijam weiß aber auch, dass bereits Pläne geschmiedet werden, MTB-Touren in der Region Aachen auszuschildern. Ganz nach dem Vorbild der Niederländer, die auf dem Rücken des Vaalserbergs bereits viele Wanderwege für Biker markiert haben. Vielleicht weil es ihr einziges und deshalb heißgeliebtes Gebirge ist?

Aachen: das MTB-Revier der Mitarbeiter von Bike Components

Doch bevor wir uns in die schwindelerregenden Höhen der holländischen Alpen begeben (Ironie-Modus aus), erforschen wir noch ein paar „Öcher“-Pfadschmankerl. Vor allem Markus und Thorsten, beide Mitarbeiter des überregional bekannten Aachener Shops Bike Components, sind für die Mission mit extrem forschungsgeeigneten Enduros ausgestattet. Ganz nach dem Motto: Man kann ja nie wissen, wo plötzlich ein unentdeckter Trail abzweigt. Wir folgen launigen Wurzelwegen entlang der belgischen Grenze. In der Nähe des ehemaligen Zollamts Köpfchen werden wir an Zeiten erinnert, wo schon der Gedanke an eine offene Grenze zwischen den Ländern strafbar war. Dutzende Panzersperren liegen dort im Wald verstreut, Betonpyramiden, jede so groß wie eine Waschmaschine. Es ist eine von vielen Gedenkstätten entlang des Westwalls, der im Zweiten Weltkrieg zur Verteidigung Deutschlands errichtet wurde. Ein ehemals über 600 Kilometer langes Bollwerk des Wahnsinns, das sich die Natur nun Klotz für Klotz zurückerobert. Am Pelzerturm, dessen Fundamente heute nur noch zu erahnen sind, erreichen wir den höchsten Punkt des Stadtwaldes, immerhin 358 Meter über Meer. Der letzte Trail hinunter ins Aachener Studentenviertel lässt nochmals die Federgabeln pumpen. Noch heute erinnert sich Thorsten an die Bike-Pioniere der Stadt, die hier über damals noch illegal geschaufelte Schanzen mit Namen wie „Koffer“ und „Handtasche“ flogen. Der Trail endet ganz in der Nähe des Studentenviertels, wo uns Markus direkt in eine der belebten Straßenkneipen lotst. Das sind halt die Vorteile eines urbanen Bike-Reviers.

Die Wandelhalle des Elisenbrunnens: Hier gab es allerdings kein Afterride-Bierchen.Foto: Matthias RotterDie Wandelhalle des Elisenbrunnens: Hier gab es allerdings kein Afterride-Bierchen.

Der nächste Tag. Die holländischen Berge sind das Lieblingsrevier von Robin. Ja, wirklich: Berge! Ein schmaler Grenzkorridor zwischen Belgien und Deutschland sorgt dafür, dass der 323 Meter hohe Vaalserberg mit Ach und Krach noch auf niederländischem Territorium liegt. Zumindest eine Ecke seines Gipfels. Als ich meine beiden Guides treffe, kann ich mir ein Grinsen nicht verkneifen. Robin als leidenschaftlicher Gravelbiker mit Lycra auf seinem puristischen Hardtail, daneben Markus im Baggy-Outfit mit fettem Enduro. Ist es tatsächlich ein und dieselbe Strecke, die die beiden im Kopf haben? Es bleibt spannend. Einmal mehr passieren wir zum Auftakt das Dreiländereck, heute aber zügig vorbei am Touristenrummel und direkt hinein ins Trail-Paradies.

Mit Schwung geht’s ins holländische Alpe d’Huez

Entlang der Grenze, diesmal ist es die Trennlinie zwischen Belgien und den Niederlanden, arbeiten wir uns über den Bergrücken gen Westen. Höhenmeter und Trails in Holland!? Mein Kopf sagt: „Das kann nicht sein.“ Meine Beine entgegnen: „Verdammt, schalte endlich in einen kleineren Gang.“ Robin, der sich in der Rennszene bestens auskennt, versorgt mich mit Informationen. „Rund um das Dorf Epen erstreckt sich das Epizentrum der holländischen Bergfahrerszene“, erzählt der Local. „An den Rampen von Kruisberg und Camerig entscheidet sich oft der Straßenklassiker Amstel Gold Race.“ Die berüchtigten Stiche sind so steil, dass manche Fahrer einfach vom Rad kippen, wenn sie nicht rechtzeitig die Übersetzung gewechselt haben. Das passiert uns zwar nicht, aber einige Pfade sorgen durchaus für Überraschungen. Sie schwingen sich zuerst scheinbar harmlos durch die Hügel, um hinter der nächsten Ecke den Hammer auszupacken. Herrlich. Die offene Landschaft mit sattgrünen Wiesen und schwarz-weiß gescheckten Kühen erinnert sogar ein bisschen ans Allgäu.

Ja, auch auf Hollands Trails muss man ab und zu aus dem Sattel.Foto: Matthias RotterJa, auch auf Hollands Trails muss man ab und zu aus dem Sattel.

Auf dem Rückweg geht es noch einmal mit Schwung den Camerig hinauf, quasi ins holländische Alpe d’Huez. Und sei kein Witz, wie mir Robin und Markus versichern. Denn auf einer kleinen Waldlichtung machen wir Rast im legendären Boscafé. Grund genug für ein abschließendes Selfie vor der einzigen Almhütte Hollands.

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