DeutschlandGrenz-Tour Teil 1

Henri Lesewitz

 · 30.07.2009

Deutschland: Grenz-Tour Teil 1Foto: Unbekannt
Deutschland: Grenz-Tour Teil 1

Bis zum Herbst 1989 war die innerdeutsche Grenze für Reporter Henri Lesewitz das Ende der Welt. Zwanzig Jahre nach dem Mauerfall bikte der gebürtige Sachse den einstigen Todesstreifen entlang.

Dass um mein Leben ein Zaun gebaut war, wusste ich schon zu DDR-Zeiten. Doch erst hier, in Mödlareuth, wird mir das ganze Ausmaß der Tragödie bewusst: Ich war ein Inhaftierter in einem nur nach oben hin offenen Menschenkäfig. Nicht beschützt. Sondern bewacht. Der Tag, an dem die Freiheit in mein Leben kam, war ein Donnerstag. Ich war Siebzehn. Seit Wochen brodelte die Stimmung im Land. Besetzte West-Botschaften, Montags-Demos, Kirchenkonzerte. Von Anfang an war ich mitmarschiert, denn Monate zuvor hatten die SED-Funktionäre mein Leben zerstört. Weil ich in den Junioren-National-Kader der Bahnradsportler aufgenommen wurde, hatten sie hinterrücks über die Frage entschieden, ob ich “kaderpolitisch korrekt” oder bei einer Reise ins “nichtsozialistische Ausland” eventuell “fluchtgefährdet” sei. Die Stasi schnüffelte los, stieß auf die Hamburger Brieffreundin meiner Mutter. Ich hatte eine Woche, um mein Rad abzugeben. Ein Schock. Ein Trauma. Aussortiert wie eine Blattlaus aus der Salatschüssel.

Verlagssonderveröffentlichung

Zwanzig Jahre sind vergangen. Deutschland ist vereint, eine Ostdeutsche Bundeskanzlerin. Auf dem ehemaligen Todesstreifen wuchern Bäume und Sträucher. Der 1378 Kilometer lange Streifen wurde zum Naturschutzprojekt “Grünes Band” erklärt.

Meine Tour ist Grenzbefahrung und Grenzerfahrung in einem. Eine Woche mit dem Bike entlang des Grünen Bandes. Nicht auf den Zacken genau, nur die grobe Richtung. Ich will Leute treffen, die Stimmung spüren. Ein Zelt dabei und ansonsten nur das Nötigs te: ultraknautschbarer Schlafsack, Aufblaskopfkissen, Regenpelle, Zahnbürste, Klappmesser, Freizeit-Kombi, Geldkarte. Abenteuer Deutschland, statt immer nur irgendwo sonst auf der Welt.


PDF-Download Teil 1:

Fast 1400 km misst der ehemalige Grenzverlauf. Unsere Tour startete bei Hof/Bayern und führt die ersten beiden Tage 280 km über Sonneberg nach Eisenach.

Teil 1 dieser Reise an der Innerdeutschen Grenze wird gerade angezeigt.

  Landschaft der emotionsverstärkenden Art: Vom Gebaberg aus hörten die Sowjets den Klassenfeind  ab.Foto: Unbekannt
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  Gnadenhof der Ostmobile: vorglühen für die Ossi-Party vor der Trabi-Club-Zentrale Sonneberg, ehemals Garage der Grenztruppen.Foto: Unbekannt
Gnadenhof der Ostmobile: vorglühen für die Ossi-Party vor der Trabi-Club-Zentrale Sonneberg, ehemals Garage der Grenztruppen.

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