Markus Weinberg
· 15.06.2026
Sieben Jahre Planung, zwei Länder, drei Bürgermeister und unzählige Genehmigungsrunden: Mit den Borderless Trails entsteht an der deutsch-tschechischen Grenze eines der ungewöhnlichsten Trailprojekte Europas. Markus Weinberg war bei der Teil-Eröffnung am 12. Juni dabei.
Ambitioniert. Langwierig. Erfolgreich. So könnte das erste Fazit der Macher der Borderless Trails ausfallen. Am Rand des Elbsandsteingebirges wurde am Wochenende der erste grenzüberschreitende Trailpark Deutschlands, zumindest teilweise, eröffnet.
Von den geplanten mehr als 30 Kilometern Trailnetz mit insgesamt 15 Strecken sind zunächst drei Trails fertiggestellt und freigegeben worden. Die restlichen sollen bis zur offiziellen Gesamteröffnung im Frühjahr 2027 folgen.
Nach den offiziellen Grußworten geht es trotz des Wetters aufs Rad. Leihräder stehen bereit, selbst die Vertreter des Staatsforstes haben ihre Diensträder mitgebracht. Unter Anleitung von Projektplaner Alexander Arpaci startet die Gruppe zu einer ersten Testrunde rund um das SoliVital.
Eigentlich genau das, was Trailbetreiber vermeiden möchten: frisch gebaute Strecken bei anhaltendem Regen zu befahren. Doch an diesem Tag geht es weniger um perfekte Bedingungen als um einen ersten Eindruck.
Die Ausnahme ist schnell beschlossen – und die Neugier auf das neue Trailnetz größer als jede Wetterprognose. Lange dauert die Fahrt auf deutscher Seite allerdings nicht. Dort wird erst seit wenigen Wochen gebaut, sodass die künftigen Trails vorerst noch gesperrt bleiben. Über einen Zubringerweg setzt sich die Gruppe deshalb in Richtung tschechische Grenze in Bewegung.
Nur wenige Minuten später stehen die Teilnehmer auf den ersten drei fertiggestellten Trails, die bereits zur Befahrung freigegeben sind. Was folgt, ist ein Vorgeschmack auf das, was die Borderless Trails künftig ausmachen sollen: grenzüberschreitendes Mountainbiken ohne große Umwege.
Zwischen den Fahrten sorgen böhmisches Bier, Bratwurst und die entspannte Atmosphäre unter den Gästen dafür, dass der Dauerregen schnell in Vergessenheit gerät. Statt über das Wetter wird über Linienwahl, Trailbau und die nächsten Ausbauschritte diskutiert – genau so, wie es sich die Initiatoren des Projekts erhofft haben.
Hinter dem Projekt stehen die Städte Sebnitz, Neustadt in Sachsen und die tschechische Stadt Dolní Poustevna. Mehr als sieben Jahre Planung, Abstimmungen und Genehmigungsverfahren waren nötig, bis nun die ersten Kilometer befahrbar sind.
Wir sind ausdrücklich kein Bikepark - betont Sebnitz' Bürgermeister Ronald Kretzschmar bei der Eröffnung.
Statt Liftanlagen und kurzer Abfahrten setzen die Verantwortlichen auf ein naturnahes Trailnetz für unterschiedliche Zielgruppen. Die Strecken werden in den Schwierigkeitsgraden Blau, Rot und Schwarz ausgeschildert und sollen sowohl Familien als auch sportliche Mountainbiker ansprechen.
Der erste Fahreindruck fällt positiv aus. Die bis zu drei Kilometer langen Trails schlängeln sich mit rund 150 Tiefenmetern vom Gerstenberg ins Tal. Flowige Kurven, geschickt angelegte Anlieger und ein harmonischer Rhythmus prägen das Fahrerlebnis. Die Herausforderung entsteht dabei weniger durch technische Schlüsselstellen als durch das Tempo.
Selbst Einsteiger können die blauen Strecken sicher befahren, während erfahrene Fahrer genügend Möglichkeiten finden, Geschwindigkeit aufzubauen – und weitere, schwierigere Wege sind am Entstehen.
Besonders bemerkenswert ist jedoch nicht nur der Trailbau selbst, sondern die Entstehungsgeschichte. Vor allem die Genehmigungsverfahren auf deutscher und tschechischer Seite verlangten den Beteiligten einen langen Atem ab. Umweltauflagen, Eigentumsfragen und die Abstimmung zwischen mehreren Kommunen machten das Vorhaben zu einem der komplexesten Mountainbike-Projekte der Region.
Die Erwartungen sind entsprechend hoch. Die Borderless Trails sollen nicht nur ein neues Freizeitangebot schaffen, sondern auch den Tourismus in der Grenzregion nachhaltig stärken. Mountainbiker sollen künftig auf beiden Seiten der Grenze unterwegs sein, lokale Gastronomie und Beherbergungsbetriebe nutzen und damit zusätzliche Wertschöpfung in die Region bringen.
Mit den ersten drei Trails ist nun der sichtbarste Teil eines Projektes eröffnet worden, das lange Zeit vor allem aus Plänen, Karten und Genehmigungsakten bestand. Ob die Borderless Trails tatsächlich zum touristischen Leuchtturm der Sächsisch-Böhmischen Schweiz werden, wird sich in den kommenden Jahren zeigen.
Der Auftakt jedenfalls macht Lust auf mehr. Doch wer auf vollen Fahrspaß kommen möchte, sollte noch ein wenig warten: „bis Herbst“, so verspricht Sebnitz Bürgermeister, sollen auch die Trails auf deutscher Seite an den Start gehen.
Infos: borderless-trails.bike
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