Tipps fürs Bikepacking im HerbstTanz um die Komfortzone

Gitta Beimfohr

 · 25.09.2026

Glücksfall! Allerdings wäre es im Zelt doch etwas wärmer.
Foto: Dimitri & Laurin Lehner

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Schon im Sommer ist ein Overnighter nichts für zarte Gemüter. Im Herbst aber kann eine Nacht in der Natur zur echten Herausforderung werden. Außer man hat die richtige Ausrüstung dabei und kennt die Hacks der Profis - dann kann es eine einzigartige Erfahrung werden.

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Man muss es wollen. Das ist schon mal das wichtigste Tool für eine Bikepacking-Runde im Herbst. Wer mental darauf eingestellt ist, dass es jetzt deutlich früher dunkel wird, die Luft feucht unters Shirt kriecht und die Temperaturen in der Nacht auf den Gefrierpunkt sinken können, der wird sich umso mehr über die positiven Aspekte einer Overnighter-Tour freuen:

  • Keine überfüllten Trails - Touren und Trekkingschlafplätze hat man jetzt für sich allein.
  • Der Sternenhimmel ist extrem klar
  • Das Wetter ist stabiler
  • Es gibt keine Mücken mehr
  • Die Vögel schlafen morgens länger und fangen nicht um 4 Uhr das Zwitschern an
  • Eine lange, lockere Ausfahrt im Herbst hilft die Fitness über den Winter zu erhalten

Allerdings sollten im Herbst ein paar Dinge gegen Nässe, Kälte und Dunkelheit mit auf Tour, die man im Sommer getrost zuhause lassen kann.

Nässe: so gut es geht vermeiden

Feuchtigkeit und Nässe kühlen den Körper am schnellsten aus. Deshalb sollte man seinen Trip möglichst in eine stabile Schönwetterlage platzieren. Mit Feuchtigkeit wird man es dennoch zu tun bekommen. denn: Der Nebel, der jetzt so fotogen aus Feldern, Wiesen und Gewässern aufsteigt, kriecht auch in Taschen, Zelte und Klamotten. Leider ist die Sonne jetzt nicht mehr so stark, dass sie morgens mit den ersten Strahlen alles schnell wieder trocken bekommt.

Tipps gegen Nässe und Feuchtigkeit:

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  • Zelt oder Biwak nicht in Wiesenmulden (= Nebellöcher!) aufschlagen, sondern eher auf einem trockenen Hügel, am besten sogar im windgeschützteren Wald. Die Bäume unbedingt vorher auf herbstliches “Fallobst” checken. Kastanien, Eicheln und Tannenzapfen aus fünf bis zehn Metern Höhe können ganz schön wehtun und vor allem immer wieder aus dem Schlaf schrecken!
  • Möglichst nicht schwitzen! Ein feuchtes Trikot entzieht dem Körper schon bei kleineren Pausen unnötig Wärme. Lockeres Kurbeln während der Tour ist also angesagt und das altbewährte Zwiebelprinzip. Als unterste Lage wählt man am besten ein Shirt aus Merino (auch die Socken), weil das auch wärmt, wenn es feucht ist. Nachteil: Merino trocknet nicht so schnell, wie andere Funktionsstoffe. Aber Wärme ist auf einem Zweitagestrip wichtiger.
  • Doppelwandiges Zelt: Es geht darum, das Kondenswasser im Zelt zu minimieren. Bei einer einfachen Plane läuft es in kürzester Zeit auf den Zeltboden oder tropft vom Himmel und sickert in den Schlafsack. Dagegen hilft häufiges Lüften, besser aber noch eine weitere Zeltwand. Die schützt auch besser vor Wind und Kälte.
  • Akkus und Powerbank wasserdicht verpacken: Feuchtigkeit und Kälte zehren auch mehr an den Akkus von Handy und GPS-Gerät. Wer am nächsten Morgen noch wissen will, wo es langgeht, packt alles gut ein. Am besten mit in den warmen Schlafsack.

Kälte: Nächte nah am Gefrierpunkt

Auch wenn es tagsüber noch entspannte 20 bis 25 Grad in der Sonne hat: Abends wird’s ganz schnell frisch, kühl und in Kombination mit feuchtem Nebel bibber-kalt. Gefriertemperaturen sind in den frühen Morgenstunden nicht ausgeschlossen. Überdenkt daher unbedingt noch mal euer Schlaf-Setup. Isomatte und Schlafsack, die im Sommer funktioniert haben, werden jetzt sicher nicht mehr reichen. Speziell die Kälte aus dem Boden gilt es jetzt abzuwehren, weil dagegen auch kein guter Schlafsack anwärmen kann.

Ausrüstung und Tipps für kalte Nächte bis null Grad:

  • Isomatte mit R-Wert ≥ 3 (und zusätzlich eine Rettungsdecke, Tannenzweige oder Laub unter die Isomatte legen)
  • Schlafsack mit Komfortwert bis 0 Grad. Achtung: Daune ist zwar leichter, wärmt aber schlechter, wenn die Federn feucht werden!
  • Nicht unter Brücken schlafen: Hier zieht immer auskühlender Wind durch.
  • Thermoskanne: kaltes Wasser trinkt man in der Kälte ungern. Mit heißem Wasser lässt sich Tee machen und man kann die Kanne als Wärmflasche mit in den Schlafsack nehmen.
  • Verpflegung: Der Körper verbrennt bei Kälte deutlich mehr Kalorien. Gut geeignet sind Suppen. Die machen warm und decken auch gleich den Flüssigkeitsbedarf mit ab. Nicht gut geeignet sind Produkte, die bei kühlen Temperaturen hart oder zäh werden. Wie zum Beispiel Müsli- und Energieriegel.
  • Gaskocher: Im Sommer braucht man ihn eigentlich nur zum Kaffee machen. Im Herbst ist er dagegen essenziell, weil ein warmes Abendessen vor Auskühlung schützt. Aber Achtung: Der Siedepunkt von normalem Gas (oft eine Mischung aus Butan und Propan) stößt unterhalb von ca. 5 Grad an seine Grenzen. Es wird nicht schnell genug gasförmig und der Druck in der Kartusche sinkt ab. Sprich: Es gibt nur eine schwache bis gar keine Flamme. In dem Fall kann man es noch mit Vorwärmen z. B. im Schlafsack versuchen oder man setzt gleich auf ein spezielles Wintergas-Gemisch (z. B. von Primus)

Licht: Abends muss es jetzt schneller gehen

Ab Oktober wird es in unseren Breiten nicht nur frisch, sondern auch schnell dunkel. Um 18 Uhr ist die Sonne weg und es bleibt nicht mehr viel Zeit, um das Zelt noch im Dämmerlicht aufzustellen. Und wenn man nicht vorhat, unter einer Straßenlaterne zu zelten, dann wird man sehr schnell fast nichts mehr richtig erkennen. Eine Stirnlampe ist daher dringendes Must-Have

Tipps bei früher Dunkelheit:

Das wichtigste Utensil ist also eine gute Stirnlampe. Sie sollte nicht so grell sein, dass man damit Tiere im Wald verschreckt, aber sie sollte gut genug für diese Overnighter-Momente sein:

  • Sachen in den Taschen finden: Unbedingt zuhause schon auf eine logische Packweise achten, damit man unterwegs nicht lange suchen muss. Mit klammen Fingern schwarze Socken in einer schwarzen Innentasche zu finden, kann zum Beispiel sehr nervig werden...
  • Wenn man nachts mal austreten muss
  • Wenn die Sonne um 18 Uhr untergeht, wird die Nacht schon ordentlich lang. An Schlafen ist so schnell nicht zu denken. Kochen vertreibt etwas Zeit, Handy daddeln hängt vom Akkustand ab, aber ein gutes (nicht zu schweres) Buch ist eine wirklich gute Idee.

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Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

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