Endlich: Beim Mountainbike Forum in Aalen wurden erstmalig Ehrenamtliche für ihr besonderes Engagement im deutschen Mountainbike-Sport gewürdigt. Hier die Gewinner in den Kategorien Trailbau, Vielfalt und Bike-Erlebnis.
Keine Radsportart ist derartig auf ehrenamtliches Engagement angewiesen, wie der Mountainbike-Sport. Wie viel Zeit und Arbeit Trailbauer weltweit in so ein Projekt “Legale Trails” stecken, kann man gar nicht oft genug erwähnen. Das Genehmigungsverfahren dauert oft Monate bis Jahre und kostet jede Menge Nerven. Dann der Bau selbst, aber vor allem die regelmäßige Pflege der Trails ist immens arbeits- und kostenintensiv. Wenn dann keine engagierte, spendenbereite Mannschaft dahinter steht, kann so ein Projekt auch schnell wieder zuwachsen - und die ganze Mühe war umsonst.
Nina Hoffmann stiftet ihr Racebike
Umso wichtiger, dass am 17. Juni beim Mountainbike Forum in Aalen erstmalig ein Award für genau dieses ehrenamtliche Trail-Engagement verliehen wurde. Möglich machte das Ganze Downhill-Profi Nina Hoffmann. Sie hatte im Juni ihr Racebike (Santa Cruz 5010 CC MX) auf Ebay versteigert und den Erlös von knapp über 7000 Euro als Award-Prämie gestiftet.
Aus bundesweit eingereichten Projekten hatte eine interdisziplinäre Fachjury jeweils drei Finalisten ausgewählt, außerdem floss ein Community-Voting der Szene zu 50 Prozent mit in die Entscheidung ein.
Die Gewinner der BIKE SPIRIT AWARDS 2026
Am Mittwochabend, vor 140 Teilnehmern des Mountainbike Forums war es schließlich soweit. Die Awards in den drei Kategorien Trailbau, Vielfalt und Bike-Erlebnis wurden im Kulturbahnhof von Aalen feierlich übergeben:
Award der Kategorie Trailbau
Der Community-Award Trailbau zeichnet ehrenamtliche Projekte aus, die legalen Trailbau vorantreiben – naturverträglich, kooperativ und auf Dauer angelegt. Dotiert mit 1500 Euro Preisgeld und einem VAUDE-Gutschein im Wert von 1.000 Euro für den ersten Platz. Der Gewinner erhält außerdem einen persönlichen Besuch von Schirmherr Jasper Jauch sowie eine professionelle Trailbau-Schulung durch Schneestern.
- Platz 1 ging an die DIMB IG Rems-Murr für das Projekt „Angebote vor Verbote – MTB Trailnetz Rems-Murr": 70 legale Singletrails, 48 Kilometer, elf Kommunen – und ein Ansatz, der mittlerweile als Modell für kooperativen Trailbau in Deutschland gilt.
- Platz 2 verdiente sich der Bergsportverein Weitnau e.V., der im Ostallgäu einen vom Abriss bedrohten Skilift in einen ganzjährig betriebenen Bikepark verwandelt hat – fast vollständig in Eigenleistung mit 50 Mitstreitern.
- Platz 3 Den dritten Platz sicherten sich die Trailpaten des Kanu Clubs Eberbach, die mit datenbasiertem Monitoring und breiter Behördenkooperation nachhaltige Streckenpflege in einem sensiblen Schutzgebiet etabliert haben.
Award der Kategorie Vielfalt
Der Community-Award Vielfalt geht an Initiativen, die Barrieren abbauen und neue Zielgruppen fürs Mountainbiken erschließen. Für die Gewinner gab es die gleiche Dotierung wie beim Award Trailbau.
- Platz 1 belegte die Erlebnisregion Schwäbischer Albtrauf e.V. mit ihrem Projekt „Inklusion am Albtrauf" – ein Angebot, das Menschen mit körperlichen Einschränkungen über E-unterstützte Dreiräder und Rollstuhlräder den Zugang zur Landschaft des Albtraufs ermöglicht.
- Platz 2 ging an den RSC Waldkirchen, dessen strukturierte Jugendarbeit mit 120 Aktiven und einer bemerkenswerten 50/50-Geschlechterverteilung aus der Masse der Bewerbungen herausstach.
- Platz 3 erhielt die DIMB IG Fünf Seen Land bei Gauting für Deutschlands ersten Adaptiven MTB-Trail „Würmflow" – ein nicht-kommerzieller Flow Trail, der von Beginn an für adaptive Mountainbiker:innen konzipiert wurde. Finanziert mit Unterstützung von SRAM und Shimano: Inklusion als Designprinzip, nicht als Nachgedanke.
Award der Kategorie Bike-Erlebnis
Der Award Bike-Erlebnis richtet sich an Betreiber und Destinationen, die Trails, Bike-Kultur und ökologische Nachhaltigkeit zu einem stimmigen Gesamterlebnis verbinden.
- Platz 1: Der erste Platz in dieser Kategorie ging an den Mountainbikepark Pfälzerwald e.V. – seit 2005 ein Trail-Superspot und inzwischen auf über 20 Touren in elf Kommunen mitten im UNESCO-Biosphärenreservat Pfälzerwald angewachsen. Mit DIMB-Zertifizierung und über 80 kooperierenden Gastgebern.
- Platz 2: ging an die Trans Bayerwald des Tourismusverbands Ostbayern: 700 Kilometer, 17.000 Höhenmeter und über 12.000 versendete Starterpakete stehen für ein mehrtägiges MTB-Erlebnis mit messbarer regionaler Wertschöpfung.
- Platz 3: Den dritten Platz erreichte die Stadt Eberbach mit dem Bikeländ Eberbach – einer Destination, die ihren Status als sechstgrößter kommunaler Waldbesitzer in Baden-Württemberg konsequent für die Entwicklung eines eigenständigen Trailnetzes genutzt hat.
Die Schirmherren
Nina Hoffmann, Downhill-Profi und Mitgastgeberin des Freilauf-Podcasts:
In unserer MTB-Community entsteht unglaublich viel durch ehrenamtliches Engagement. Genau das sollte sichtbar gemacht und gewürdigt werden, damit auch der Nachwuchs coole Plätze zum Biken vorfindet.
Jasper Jauch, MTB-Profi und Fahrtechnik-Coach, besucht das Gewinnerprojekt im Award Trailbau persönlich vor Ort:
Ohne Trails, kein Mountainbiken. Wir brauchen mehr Menschen, die anpacken und die Hürden der Legalisierung auf sich nehmen. Diese Awards fördern und ehren diese Arbeit – ich liebs!
Die BIKE SPIRIT AWARDS werden unterstützt von VAUDE (Sachpreise und Preisgeld-Gutscheine), Schneestern (Trailbau-Schulung für den Erstplatzierten im Award Trailbau) und Bosch eBike Systems.
Weitere Informationen: www.kongress.bike/awards
Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.
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